Irma Holder im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

 

Irma Holder
Irma Holder, (Bild: GEMA)

Das ist das 25. Porträt der Reihe „Wer schreib denn eigentlich…?“. Höchste Zeit, eine erfolgreiche Textdichterin vorzustellen! Eine, die in dieser von Männern dominierten Branche seit 46 Jahren den Herren der Schöpfung zeigt, wie’s geht: Irma Holder.

Ein Leben wie ein Schlagertext: Du bist ein Phänomen! So lässt sich die Biographie von Irma Holder zusammenfassen. (Auch wenn der zitierte Titel von ihrer Kollegin Kristina Bach stammt). Seit den 1970er Jahren sprudeln aus ihr unaufhörlich Schlager- und volkstümliche Liedtexte wie aus einem artesischen Brunnen. An die 1000 Lieder sind es mittlerweile geworden. Kaum zu glauben: Mit 76 (!) Jahren schrieb sie gemeinsam mit Andrea Berg den Mega-Hit Du hast mich tausend mal belogen. Das war 2001. Heuer bekam sie den Deutschen Musikautorenpreis der GEMA in der Kategorie Schlager verliehen.

DAMALS WOLLT’ ICH ERWACHSEN SEIN

Irma Holder wurde am 24. September 1925 in Wald in der Oberpfalz als Irmgard Ederer geboren. Musik spielte im Hause Ederer eine große Rolle. Ihr um sieben Jahre jüngerer Bruder Josef, genannt Pepe, wurde Regensburger Domspatz, studierte an der Musikhochschule in Augsburg und gründete Ende der 1950er Jahre das Musik-Trio Nilsen Brothers. Zwei Hits sind noch heute in Erinnerung: die deutsche Fassung von Tom Dooley und Aber dich gibt’s nur einmal für mich. Irma schlug

Nilsen Brothers
Nilsen Brothers

vorerst eine seriöse berufliche Laufbahn ein und wurde Bankangestellte. Bruder Pepe ebnete ihr den Weg in die Musikbranche. Ihre ersten Texte schrieb sie 1971 für die Schweizer Sängerin Monica Morell. 28 Lieder sind es insgesamt geworden. Morells größter Erfolg Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an stammt allerdings von ihrem Bruder. Für Udo Jürgens schrieb Irma Holder sieben Lieder, darunter Damals wollt’ ich erwachsen sein (1977) und Der gekaufte Drachen (1981), ein Lied, das Udo 2014 wieder in das Programm seiner letzten Tournee aufnahm.

SO A STÜCKERL HEILE WELT

Mitte der 1990er Jahre nahm Irma Holder Kontakt zu dem Komponisten Jean Frankfurter (bürgerlich: Erich Ließmann) auf. „Irma rief mich an und fragte, ob ich Lust hätte, mit ihr das neue Album von Andy Borg zu schreiben“, erinnert er sich. „Dann entstand Mama Domenica, Endstation Sehnsucht und Ich brauch dich jeden Tag ein bisschen mehr. Das war der Anfang unserer gemeinsamen Arbeit.“ Einer höchst erfolgreichen Zusammenarbeit. „Geschätzte 800 Lieder sind dabei entstanden. Irma war immer eine energiegeladene Texterin, sprühend voller Einfälle, temperamentvoll und witzig“, so Frankfurter.

Stefanie Hertel wurde von dem kreativen Duo zum Kinderstar der Volksmusik gemacht, und gemeinsam bescherten sie den begeisterten Fans So a Stückerl heile Welt. Das von ihr beschworene Stückerl heile  Welt fand Irma Holder in Gärtringen (Baden-Württemberg) wo sie heute noch lebt und wo ihr Mann Herbert von 1953 bis 1982 als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde lenkte.

„Die richtige Idee für ein Lied zu finden ist manchmal schlafraubend“, gestand Irma Holder in einem ihrer seltenen Interviews. „Zuerst muss der Komponist davon begeistert sein, damit ihm eine Melodie dazu einfällt. Die wird dann von ihm auf Band gesungen und landet bei mir auf dem Schreibtisch. Manchmal dauert es schon länger, bis mir der passende Text einfällt. Er muss ja dem Interpreten auf den Leib geschneidert sein, damit es ihm und den Fans gefällt.“ Herz, Schmerz und eine geballte Dosis Sehnsucht gehören zu ihren bevorzugten Ingredienzien. Zur Inspiration sind Irma Holder alle Mittel recht: Wenn sie im Hochsommer Weihnachtslieder schreiben musste, zog sie sich bei Kerzenschein in den Keller zurück.

HELLO AGAIN

Die Liste der Sänger und Sängerinnen, die der Oberpfälzerin ihre Hits verdanken, ist lang: Roy Black, Tommy Steiner, Karel Gott und der Fernando Express. Da war es …nur eine Frage der Zeit, dass Irma Holder auch Howard Carpendale unter ihre Fittiche nahm und für ihn Hello again schrieb. Howard CarpendaleMit dem Nockalm Quintett, den Paldauern, den Kastelruther Spatzen, Marianne und Michael und den Geschwistern Hofmann setzte sie der Volksmusik die Krone auf. Sie arbeitete für Patrick Lindner (Die kleinen Dinge des Lebens) und Kristina Bach (Er schenkte mir den Eiffelturm). Helene Fischer verhalf sie mit Hundert Prozent und Und morgens früh küss ich dich wach zu zwei frühen Hits, Michelle mit Dein Püppchen tanzt nicht mehr zu einem Comeback.

Während sich Jean Frankfurter mittlerweile lieber seiner Frau, den Enkelkindern und dem Border Terrier Robby als dem Komponieren und Produzieren widmet, kann’s Irma noch immer nicht lassen. Seit 2016 arbeitet sie mit dem Komponisten Stephan Moll alias Maurice Lasarte zusammen. Technischen Kommunkationsmitteln ist sie  – ihrem Namen zum Trotz – allerdings bis heute abhold. Sie findet mit einer alten Schreibmaschine das Auslangen. „Man kann auch ohne Computer glücklich alt werden“, schmunzelt Jean Frankfurter. Auch ins Rampenlicht hat sich die Vielschreiberin in all den Jahren nie gedrängt. Fernsehauftritte und die Entgegennahme von Preisen und Goldenen und Platin Schallplatten empfand sie nur als notwendiges Übel.

Die Gemeinde Wald, jener Oberpfälzer Ort, in dem sie geboren wurde und aufwuchs, ehrte ihre berühmte Tochter zum neunzigsten Geburtstag mit einem besonderen Geschenk. Dort gibt es nun einen Platz, der  ihren Namen trägt.

 

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