Abschied von einem Kollegen:
Machs gut, Thomas Milke

16 Juli 2017 – wie jedes Mal ein kleiner Abschied – letzter Tag der Celler Schule. Wir tauschen Versprechen aus, einander bald wieder zu treffen. Weniger als 50 km entfernt und ohne dass wir davon wissen, verlässt unseren Kreis an diesem Tag ein Kollege aus dem Jahrgang 2010, Thomas Milke. Er stirbt an den Folgen seiner Krebserkrankung. Seine Jahrgangskollegin Simone Altenried hat ihm einen Brief geschrieben:

Lieber Thomas:

Es waren nicht deine besten Zeiten, in denen sich unsere Wege zum ersten Mal kreuzten. Ehrlich gesagt, warst du mehr als beschissen drauf. Deinen Job hast du gehasst, und auch privat war einiges im Umbruch. Es war die Celler Schule im Sommer 2010.Celler Schule 2010
Ach Thomas, wir hatten so viele Nächte mit Kaffee, Bier, Gesprächen und Zigaretten. Und gegenseitigen Überraschungen.
Und dann der Abschlussabend: „Mann aus Teig“ hieß dein Song. Ich glaube da hast du mich zum ersten Mal sprachlos gemacht… tief berührt von der Geschichte und dir, dem schüchternen, hochsensiblen, verletzlich wirkenden Mann, der auf einmal ein anderer zu sein schien.

Wir haben uns danach nur noch einmal gesehen, voller echter Freude in die Arme genommen… Telefoniert, ja! zu Anfang öfters, dann seltener… geschrieben, ja… aus den Augen verloren nie…
Eigentlich hatten wir ausgemacht, uns jedes Jahr mindestens einmal zu treffen. Immer haben wir unser Wiedersehen auf „nächstes Jahr bestimmt“ verschoben. Gestern, am Samstag, wollte ich noch hochkommen. Das hatten wir so ausgemacht. Doch als ich las, wie schlecht es dir ging, hab ich abgesagt… du meintest noch am Mittwoch: „Schatz, ist schon ok, ich hätte es eh nicht geschafft“.

Leute – trefft euch, feiert, singt und lacht! Und tut es jetzt! Ich weiß, es würde Thomas gefallen…
Machs gut mein Freund….
deine Simone

Lieber Thomas,du bleibst einer von uns. Versprochen von der MusenMuddi Edith. Und hier ist das Gedicht, das dein Freund Cord den Trauergästen vorgelesen hat. Es stammt von einem Dichter namens Heinz Rickal, den ich leider nicht erreichen konnte. Die Mail kam zurück. Aber das Gedicht ist da – und der Dichtr erlaubt jedem, der es verwenden möchte, dies zu tun.

Da steht ihr nun, wollt mich betrauern
ihr glaubt, dass ich hier unten bin:
ihr mögt vielleicht zunächst erschauern –
doch schaut einmal genauer hin.

Ich bin nicht hier – wie ihr vermutet,
mein Körper mag hier unten sein,
doch während die Musik noch tutet
bin ich schon lang nicht mehr allein.

Seht ihr die Blätter dort im Wind?
Es sind sehr viele – sicherlich –
doch achtet drauf wie schön sie sind;
und eins der Blätter – das bin ich.

Seht die Wolken am Himmel ziehen,
schaut ihnen zu und denkt an mich,
das Leben war doch nur geliehen,
und eine Wolke – das bin ich.

Die Schmetterlinge auf der Wiese,
perfekt erschaffen – meisterlich,
ich bin so fröhlich grad wie diese,
und einer davon – das bin ich.

Die Wellen, die vom Bach getragen,
erinnern sie vielleicht an mich?
Ihr müsst nicht lange danach fragen:
denn eine Welle – das bin ich!

Blumen erblühen in all ihrer Pracht
die Rose und selbst der Wegerich,
und alle sind für euch gemacht
und eine Blume – das bin ich.

Ich möchte nicht, dass ihr jetzt trauert,
für mich wär das ganz fürchterlich.
Tut Dinge, die ihr nie bedauert:
Denn Eure Freude – das bin ich!
(Heinz Rickal)

Ade, Johanna Renate Wöhlke
die Celler Schule trauert um dich.

Liebe Johanna,
2003 haben wir uns kennengelernt. Damals warst du Teilnehmerin der Celler Schule. Vom ersten Tag an hatten wir beide einen Draht zueinander – du mit deiner fröhlichen Gelassenheit, deiner übersprudelnden Phantasie und geradezu unerschöpflichen Lebensfreude, um die ich damals noch oft kämpfen musste. Unser Kontakt hat sich über all die Jahre gehalten. Und deiner zur Celler Schule. Von unseren Abschlussfesten hast du dir kaum eines entgehen lassen und mit vielen unvergesslichen Fotos die Stimmungen eingefangen.

Du warst in unserem Netzwerk keine der Jungen, dafür hast du deine Begeisterung für die Celler Schule dort hingetragen, wo von uns keiner hinkam. Als du 2010 von deiner Krebserkrankung erfuhrst, bist du mit einem tapferen Lächeln in die Behandlungen gegangen und hast danach von deiner schicken Perücke geschwärmt.Johanna Renate Wöhlke
Es sah alles so gut aus, die Chemo hast du hinter dich gebracht, deine aufmüpfigen Locken wuchsen wieder. Und du hast entschieden, sie nicht mehr zu färben.
So fröhlich konnte grau sein.
Und dann – am 2. April 2011 bekam ich von dir die Nachricht: „Ich bin gesund, mehr später!!!!!!!!!!!! KUSS
Und doch kam es anders.
Zu unserem letzten Abschlussfest bist du „aus gesundheitlichen Gründen“ nicht gekommen, zum 20-jährigen Jubiläum auch nicht.
Ende November im vergangenen Jahr bekam ich auf facebook die letzte Nachricht von dir. Vorgestern dann hat mich auf Umwegen die Post von deiner Familie erreicht. Am 15. Juni bist du gestorben.
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Als unsere Kollegin Christiane Weber 2012 starb, mailtest du mir folgenes:
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„…keiner kann länger hier sein als seine Lebensuhr ihm gibt. Edith: TROTZALLEDEM! Ich weiß, wovon ich rede…jeder Tag zählt…jeder Tag – und am Ende die Erinnerung an die guten und schlechten gelebten Tage. Das ist unser Leben, so ist es…Ihr habt Euch gekannt, gehabt und seid ein Stück Weges miteinander gegangen. Das war schön! Wie schön, Freunde zu haben und gehabt zu haben! Wie schön zu leben und gelebt zu haben! Wie schön, ein Teil dieser Welt zu sein und gewesen zu sein…“

 

Liebe Johanna, auch du warst ein Teil, ein ganz besonderer Teil unserer kleinen Celler-Schule-Welt. Du wirst uns fehlen, und doch bleibst du.
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Und das Lied, ein ganz besonderes Lied, das du 2003 mit Rainer Bielfeldt zusammen geschrieben hast, soll dich begleiten.
SEIFENBLASEN

Frank Dostal ist tot

von Tobias Reitz

„Tobi-Baby! Hier ist Frank. (Pause) Dostal.“

Danke für alles, Du mutiger, kreativer, unbequemer, charismatischer, engagierter, kollegialer, liebenswürdiger, unterhaltsamer, respekteinflößender und mir dabei aber immer zugewandter Geist!
Danke für Deine Unterstützung für uns Urheber, für mich selbst und für die Celler Schule! Sie kam manchmal mit einem „Aber“. Aber sie kam.
Danke für den wahrscheinlich treffendsten Spitznamen, den mir je einer verpasst hat: „Schnulze auf zwei Beinen.“ Den hab ich geliebt. Den lieb ich immer noch.

Und Dich werde ich vermissen.

in der Nacht vom 18. auf den 19. April ist Frank Dostal im Alter von 71 Jahren buchstäblich eingeschlafen – und nicht mehr aufgewacht. Er war stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA und Präsident des Deutschen Textdichter-Verbands. Außerdem hat er viele große Hits von den Rattles, Wonderland, Baccara, den Schlümpfen, Nana Mouskouri, Helga Feddersen & Didi Hallervorden, Hildegard Knef und anderen geschrieben.Dostal

Adieu, Christof Stählin

Christof Stählin 18.6.1942 – 9.9.2015 Foto: Wolfgang Schmidt

„Alleine, dass du Lieder schreiben willst, ist Berechtigung, es zu tun. Der Preis dafür ist, lebenslänglich an dir zu arbeiten.“
Als du, lieber Christof, dies zu mir sagtest, war ich neunzehn. Vielleicht wäre ich ganz etwas anderes geworden, hättest nicht du mir eine Art von höherer Erlaubnis gegeben, meinem inneren Wegweiser zu folgen. Und es waren viele, denen du auf den Weg geholfen, die du bei ihren frühen künstlerischen Schritten begleitet hast und mit denen eine Verbindung blieb.
Was für uns längst „Workshop“ hieß, war und blieb bei dir „Unterweisung“. Deiner SAGO-Akademie anzugehören, war eine Auszeichnung. Jeden deiner Eleven wähltest du persönlich aus.

Auch der Celler Schule und vielen jungen Künstlern im Popkurs Hamburg warst du zugetan. Sogar bei uns in der Celler Schule hast du mal ein Dozenten-Gastspiel gegeben. Und ich eines bei dir, nicht zur Dichtkunst, sondern zum Thema GEMA. Vor allem aber haben wir einander unsere aufregenden Entdeckungen weitergereicht.
Lieber Christof, was du mir vor vierzig Jahren mit auf den Weg gegeben hast, leitet und begleitet mich noch heute. Und wir versuchen nach Kräften, diesen Geist weiterzutragen. Sogar Tobias Reitz, der bekennende Schlagertexter, hat sich in den Kreis deiner Eleven eingereiht und er war vom ersten Moment an begeistert. Ich hätte es vorhersagen können.

Du und SAGO – das war eine andere Welt. Und gerade das hat sie so wertvoll gemacht.
Für mich und für viele.
Christof, du bist nicht fort. Nur woanders.

Denn das, was du hiergelassen hast, ist unsterblich.