Kurt Robitschek im Porträt

Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Frühling in Wien – da kommt einem schlagartig ein Lied in den Sinn: Im Prater blüh’n wieder die Bäume… Dass Robert Stolz, damals noch am Anfang seiner großen Operettenkarriere, die Melodie zu diesem Jahrhundert-Hit geschrieben hat, ist hinlänglich bekannt. Dass der Text von Kurt Robitschek stammt, weiß heute keiner mehr. Zu unrecht, wie ich meine.

Foto Kurt Robitschek
Kurt Robitschek

IM PRATER BLÜH’N WIEDER DIE BÄUME

Kurt Robitschek wurde am 23. August 1890 in Prag als Sohn von Laura und Ludwig Robitschek, einem höheren jüdischen Bankangestellten, geboren. Dessen solide Berufspläne durchkreuzte der Sohn, als er mit 16 Jahren das Gymnasium abbrach und mit einem Wanderzirkus durch die Lande zog. In Wien arbeitete er als Journalist und Schriftsteller und entdeckte im Kabarett Simpl die Liebe zur Kleinkunst. 1910 schrieb Robitschek die erste Komödie, zwei Jahre später gemeinsam mit Otto Hein das erste Operettenlibretto. Komponist zu Du liebes Wien, so der Titel, war Robert Stolz. 1916 – mitten im Ersten Weltkrieg, wo Robitschek im Kriegseinsatz als Infanterist einen Bauchschuss erlitt – gelang ihm mit Stolz der walzerselige Jahrhundert-Hit Im Prater blüh’n wieder die Bäume. Alle sangen ihn und singen ihn noch heute: Richard Tauber, Fritz Wunderlich, Peter Alexander, Dagmar Koller und Eva Lind, um nur einige der Interpreten aufzuzählen. Stolz und Robitschek waren ein gutes Team: Mehr als 90 Lieder gehen auf ihr Konto. Robitschek BaumUnd noch heute freut sich nicht nur die Tourismusbranche über einen weiteren Welterfolg aus Robitscheks Feder(Youtube spuckt in 0,85 Sekunden mehr als 1,1 Mio. Einträge zum Thema aus!): Die Stadt meiner Träume, besser bekannt unter dem Titel Wien, Wien, nur du allein. Schon mit seinem Opus 1 landete Rudolf Sieczynski einen musikalischen Volltreffer, der in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

SEID LIEB UND NETT ZU UNS!

Anfang der Zwanziger Jahre ging Robitschek nach Berlin, trat in verschiedenen Cabarets als Conferencier auf und gründete 1924 gemeinsam mit den Schauspielern Paul Morgan, Max Hansen und Max Adalbert das Kabarett der Komiker, dessen Direktion er auch übernahm. Mit dem Satz Seid lieb und nett zu uns! begrüßte der Tausendsassa allabendlich die Gäste, trat dort als Conferencier auf und schrieb satirische Lieder und Texte zum aktuellen Zeitgeschehen. Das KadeKo wurde Anziehungspunkt für die berühmtesten Kabarettkünstler seiner Zeit. Äußerst beliebt war auch die Hauspostille „Die Frechheit“.

Als streitbar, immer innovativ und furchtlos beschreibt die Autorin Marie Theres Arnbom Robitschek in dem Buch War’n Sie schon mal in mich verliebt? Filmstars, Operettenlieblinge und Kabarettgrößen zwischen Wien und Berlin. Der Kabarettist, der nie ein Blatt vor den Mund nahm, erkannte schon früh die Gefahr, die durch den aufkeimenden Nationalsozialismus drohte, und brachte mit der Operettenparodie Quo vadis, die erste, beißende, ätzende, vielbeachtete und wenig befolgte Satire gegen Adolf Hitler, so O-Ton Robitschek, auf die Bühne. Quasi als Warnung. Bis 1932 stand Quo vadis immer wieder auf dem Programm. Was sich später als Verderbnis für die jüdischen Künstler herausstellte sollte.

AN DER SCHÖNEN ROTEN DONAU

1927 übersiedelte das Kabarett der Komiker auf den Kurfürstendamm. Die Spielstätte umfasste mehr als 800 Sitzplätze und war als erstes Rauchtheater die Attraktion in Berlin. Nach der NS-Machtübernahme musste das KadeKo 1933 zusperren. Robitschek flüchtete über Prag nach Wien, wo er in den Kammerspielen die Bühne des Lachens gründete. 1936 war aber auch ihm das Lachen gründlich vergangen, und er emigrierte mit seiner Frau, der Schauspielerin und Kabarettistin Ilse Bois, nach Amerika. In New York legte er seinen ursprünglichen Namen ab, nannte sich Ken Robey und fand eine geistige Heimat in den Kaffeehäusern und Restaurants, wo die Exil-Juden Kabarettabende veranstalteten.1941 gelang es ihm wieder das Kabarett der Komiker zum Leben zu erwecken, wo er Publikumslieblingen wie Karl Farkas, Hermann Leopoldi und Armin Berg eine Bühne bot.

„An der schönen roten Donau wohnt jetzt wiederum das Glück, und im Prater blüh’n die Bäume, sag’n S’ Herr Kohn, wann kommen S’ z’rück? An der schönen roten Donau herrscht jetzt wieder Glück und Scherz. Mir ham schließlich kan Charakter, doch wir ham a gold’nes Herz“, schrieb Kurt Robitschek pardon Ken Robey für Hermann Leopoldi im Exil. Er kehrte nie mehr nach Wien, das von den Russen besetzt war, zurück und starb am 16. Dezember 1950 in New York an Lungenkrebs.

Kaum zu glauben, dass Wien, die Stadt seiner Jugend, der er zwei der schönsten Lieder geschenkt hat, ihn zur Gänze vergessen hat.

Musical Moments – Songtexte fürs Musiktheater

„Heppenheim!
Deine Bürger müssen Deppen seiM!
Sie erzwingen und sie rappen Reim!-
Was denkst du dir, oh, Heppenheim!?!“

Das ist nicht aus EVITA? Das klingt nicht nach Musical, sondern nach den Beatles…? Stimmt. –
Aber es trainiert & illustriert ein paar der Fähigkeiten, die es braucht, um einen guten Musical-Song zu kreieren: Beim Schreiben ist darauf zu achten, dass Betonungen und Silben-Verteilungen stimmen; beim Lesen zeigt sich die Singbarkeit.

Eine gute Übung ist es auch, sich ein- und demselben Sachverhalt aus der Perspektive unterschiedlicher Figuren zu nähern. Dafür (und natürlich ausschließlich zu Übungszwecken) mussten auch andere Welthits sich einiges gefallen lassen, z.B. YMCA:

„Liebste,
schön, Sie wiederzusehn,
wirklich, Liebste,
sind die Perlen nicht schön?
Sicher, Liebste,
würden die ihnen stehn!
Die sind wie für Sie geschaffen.“
(Annette Müller)

So klingt ein ähnlicher Dialog im Stadtteil nebenan vielleicht ganz anders:

„Gibts nich!
Hamwa grade nich da,
nee, dat gibts nich!
Ja, is schade, schon klar,
aber gibts nich, schon seit vorigem Jahr,
ey, wir sind hier nich im Hilton!“

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(Julia Hagemann)

Diese und andere Techniken vermittelte das Seminar „Songtexte im Musical“, das vom 19.-23.11. unter der Leitung von Edith Jeske in Berlin stattfand. Und natürlich machte es nicht nur schlau, sondern auch wahnsinnig viel Spaß! – Was haben wir gelacht bei „Memories“-Variationen wie

„Fernweh,
oh, das tut mir im Kern weh…“
(Juliane Weigel-Krämer),

zu denen uns Co-Leitung Julia Hagemann inspirierte! Und Julia ging dabei selbst immer mit gutem Beispiel und einer großen Portion Humor voran:

„Hulda!
Das war wirklich nicht nett,
also Hulda!
Mit dem Ferdi ins Bett,
wirklich, Hulda!
Hätt ich das geahnt, hätt
ich dich eher nicht genommen.
Hulda,
Mensch, was sollte das bloß
deinen, Hulda,
unvergleichlichen Schoß
gerade Ferdi,
diesem müffelnden Kloß
zum Gebrauch zu überlassen!?! –

Wir sehn uns wieder beim
Scheiiiidungsgericht,
nächsten Mittwoch beim…“
(Julia Hagemann)

Wir haben mit allen Sinnen geschrieben und wir haben mit allen Sinnen genossen. Und das nicht nur dank des abwechslungsreichen Programms aus Theorie und Schreibpraxis, sondern auch wegen des gemütlichen Dach-Ateliers und dem Buffet, mit dem uns unser Gastgeber Ludwig verwöhnt hat.
Abgerundet wurden die Tage mit Hörbeispielen aus Musicals wie Les Misérables und Linie 1.

Und die Cocktailkirsche auf dem Sahnehäubchen war das Gespräch mit Peter Lund, der uns am letzten Tag einen Einblick in seine Arbeit gab. Mit dem Musical STELLA räumten er und Wolfgang Böhmer den Großteil der Preise ab, die im Oktober von der Deutschen Musical-Akademie vergeben wurden.

Ja, es gab manchen Moment in der harmonischen aber streitbaren Gruppe, der es – wären wir Teil eines Musicals gewesen – erforderlich gemacht hätte, zu singen. Weil bloße Worte zum Beschreiben nicht mehr ausgereicht hätten. –
Zu dick aufgetragen? Macht nichts! Musical darf das.

Fritz Rotter im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Fritz Rotter
Veronika, der Lenz ist da!

Kaum schielt der Frühling um die Ecke, bricht alle Welt in einen Freudenschrei aus: Veronika, der Lenz ist da! Dass die Comedian Harmonists Veronika zum unausrottbaren Ohrwurm und ihrer Kennung gemacht haben, ist hinlänglich bekannt. Wem wir den köstlichen Text zu verdanken haben, weiß kaum jemand. Darum: Fritz Rotter vor den Vorhang!

VERONIKA, DER LENZ IST DA!

Fritz Rotter (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Berliner Theaterunternehmer) wurde am 1. März 1900 in Wien geboren. Sein jüdischer Vater war Generalvertreter für Champagner, seine Mutter führte den gutbürgerlichen Haushalt. Schon als 17jähriger war Fritz Stammgast im Café Dobler an der Linken Wienzeile, wo die Kabarett- und Literaturszene verkehrte – das spätere Filmgenie Fritz Lang liebte es ebenso, dort seine Melange zu trinken – und schrieb für das Kabarett Simpl Texte und Lieder. An die 1200 Lieder sollten es im Laufe seines Lebens werden. Ob Rotter auch einen „ordentlichen“ Beruf erlernt hat, verschweigt die Chronik.„Die Lieder sind kabarettistisch-komisch und leicht und höchst liebenswert und frech und charmant und alles zugleich!“ so beschrieb sie Robert Dachs in dem Buch „Sag zum Abschied…“. Und er stellte fest: „Rotter war ein Meister der dritten Strophe. Bei ihm bekam ein an und für sich harmloser Refrain in der letzten Strophe immer etwas leicht Unanständiges.“

WENN DER WEISSE FLIEDER WIEDER BLÜHT

Fritz Rotter
Fritz Rotter

Rotter war ein Multitalent und Vielschreiber. Er verfasste Libretti für Operetten und Revuen, Bühnenstücke und Drehbücher sowie Romane und Gedichte und war auch als Komponist tätig. Lieder, die heute noch unvergessen sind, sind Wenn der weiße Flieder wieder blüht (Musik: Franz Doelle),Ich hab’ mir für Grinzing einen Dienstmann engagiert (Musik und Co-Autor: Bruno Uher) und Heut war ich bei der Frieda. Rotter besaß eine untrügliche Nase für musikalische Talente. Er hatte sich bereits in der Szene einen Namen gemacht, als er Walter Jurmann, einen ehemaligen Medizinstudenten und Barpianisten, kennenlernte. Er schlug ihm vor, mit ihm zusammenzuarbeiten und nach Berlin zu übersiedeln, dorthin wo in den Zwanziger Jahren der Bär steppte. Bereits das erste gemeinsame Lied Was weißt denn du, wie ich verliebt bin, gesungen von Star-Tenor Richard Tauber, wurde ein durchschlagender Erfolg. Dann folgte das Jahrhundertlied Veronika, der Lenz ist da. Der zündende Einfall kam Jurmann, als er mit Rotter auf den Schallplattenproduzenten Herbert Grenzebach im Büro der Plattenfirma Ultraphon wartete. Als dieser endlich kam, sang Jurmann spontan: „Wer kommt denn da? Der Grenzebach!“ Der Produzent witterte sofort Erfolgspotential in den acht Tönen und meinte: „Das ist eine Melodie. Da müssen Sie was draus machen!“ Die Autoren ließen sich nicht lange bitten. Ungeklärt geblieben ist allerdings, welche Dame namens Veronika den Textdichter zu den heiter-frivolen Zeilen inspiriert hat.

ICH KÜSSSE IHRE HAND, MADAME!

Fritz Rotter hatte nicht nur überbordende Lust am Nonsens, er hatte auch einen Hang zur Galanterie, wie das Lied Ich küsse Ihre Hand, Madame! beweist. Richard Tauber machte es zu einem Kassenschlager. In dem gleichnamigen Film war das Lied als kurze Tonsequenz in einem der letzten deutschsprachigen Tonfilme zu hören. Eine echte Sensation!

Die Machtübernahme Hitlers 1933 bedeutete das brutale Aus für die Karriere von Fritz Rotter. Er flüchtete mit Frau und Kind über Paris und London in die USA. Mehr als sieben dürre Jahre musste er überstehen, ehe sich wieder der Erfolg einstellte. Mit einem Bühnenstück, dem Kriegsdrama Letters to Lucerne, landete er auf dem Broadway in New York einen Triumph. Mit dem Film September Affair schaffte er den Sprung nach Hollywood. Er arbeitete u. a. mit Franz Werfel, Fritz Kortner und Fritz Lang. Dem Filmproduzenten Erich Pommer gelang es, Fritz Rotter, der mittlerweile die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, wieder nach Deutschland zu holen. Gemeinsam mit Helmut Käutner schrieb er für den Film Nachts auf den Straßen  das Drehbuch. Hans Albers und Hildegard Knef spielten die Hauptrollen.

WAS MACHT DER MAYER AM HIMALAYA?

Nach seiner Rückkehr konnte Rotter nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Mit Liedern wie Ich soll dich grüßen von Berlin und Ich möchte gern ein Beatle sein war allerdings kein Blumentopf zu gewinnen. 1966 geriet ein Lied von Rotter, das Freddy Quinn interpretierte, in die Negativ-Schlagzeilen. Wir, so der Titel, war eine harsche Kritik an der herumgammelnden Jugend. Dafür musste Freddy Quinn arge Kritikerschelte einstecken und sich öffentlich rechtfertigen. Martin Kraus vermerkte in dem Blog „Deutsche Lieder. Die Bamberger Anthologie“, das Lied bliebe als kuriose Kommentierung der sogenannten 68er-Bewegung im Gedächtnis. 1987 entdeckten die Toten Hosen den Song und coverten ihn unter ihrem Pseudonym Rote Rosen.

Fritz Rotter drängte nie ins Rampenlicht. In einem seiner seltenen Interviews antwortete er auf die Frage, wo er denn am liebsten lebe:„Dort, wo man mich am wenigsten belästigt.“ Seine Ruhe fand er im Tessin. wo er in Ascone – von der Öffentlichkeit gänzlich unbeachtet – seinen Lebensabend verbrachte und  am 11. April 1984 starb. Das Wiener Volksliedwerk widmete dem genialen Textdichter zum 30. Todestag im Rahmen des Wienerliedfestivals Weanhean 2014 im Konzerthaus einen Abend unter dem Titel Was macht der Mayer am Himalaya. Österreichische Bühnengrößen wie Katharina Straßer, Ursula Strauss und Wolf Bachofner sowie der Pianist Bela Koreny stellten unter Beweis, wie grandios diese Schlagerkunst einmal gewesen ist.

AnniKa von Trier – GERADE JETZT –
Premiere am 15.1.16

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Foto © www.curious.zone

Die Singer/ Songwriterin AnniKa von Trier ist mit ihrem lindgrünen Akkordeon im Jetzt unterwegs. Das Phänomen der Gegenwart, Lebensarten und Zeitgefühl im 21. Jahrhundert, der Zeitgeist in Berlin zwischen Ost und West nach 25 Jahren Mauerfall, ständige Erreichbarkeit, die Digital-Bohème, Karl Marx‘ Umgang mit Geld, der Fernsehturm als letztes Wahrzeichen, eigensinnige Clochards de Luxe und Patchworkfamilien sind ihre Sujets. In der Vielstimmigkeit ihres Gesangs kommt der polyphone Klang der Großstadt zum Ausdruck: Poetisch, politisch und schnoddrig wie Berlin.
Premiere Freitag, 15.01.2016 um 20 h

Haus Berlin – PANORAMABAR
(13. Stock, Aufzug)
Strausbergerplatz 1/ Karl-Marx-Allee
Weitere Termine
14.02. und 19.02.2016 um 20 h

Kartenreservierung unter karten@annika-von-trier.com
Kartentelefon: 01590-5178677

www.annika-von-trier.com

www.facebook.com/AnnikavonTrier

 

Kaltstart, coole Suppen und Kreativität

von Carsten Schabosky

Basisseminar „Songtexte schreiben“ vom 31.10. bis zum 04.11.2015 in Berlin

Ein Dachboden, jeden Tag eine andere Suppe und vor allem: Zehn hochmotivierte Leute. Das waren die Zutaten für das Basisseminar in Berlin.

Los ging‘s jeden Tag mit einem „Kaltstart!“ Was beim Auto oft schlecht für den Motor ist und zu einem höheren Spritverbrauch führt, bewirkte in Berlin genau das Gegenteil. Nach dem Kaltstart, also nach fünf Minuten drauf-los-schreiben, kam unsere Kreativität erst richtig in Gang. Edith war da streng: Kreativtraining arbeitet mit der schreibenden Hand! Also: Notebooks? Nein Danke!

Gelegenheiten zum Mitschreiben gab’s reichlich. Jeder hatte die Chance, seine Songtexte ins Gruppen-Coaching zu geben. Die Texte wurden gemeinsam noch besser. Aber auch Grundlagen wurden gelegt. Wie funktioniert die Metaphern-Maschine? Fit per Abroll-Übung! Wer ist der beste Sprichwort-Verdreher? Warum fahren alle besser mit einem Song-Fahrplan? Welche Lied-Typen gibt es eigentlich? Und: Warum klingen Vokale oft schöner als Konsonanten?

Ganz wichtig bei allem: Achtung! Linke Gehirnhälfte! Gute Songs werden vom Publikum gefühlt und nicht gedacht.v.l.n.r. vorn: Karla Feles, Beatrice Riedel, Edith Jeske, Ludwig Lorenz hintere Reihe: Cindy Kramr, Rico Jalowietzki, Carsten Schabosky, Sebastian Niklaus, Miro Pabst, Corinna Fuhrmann

v.l.n.r.
vordere Reihe: Karla Feles, Beatrice Riedel, Edith Jeske, Ludwig Lorenz
hintere Reihe: Cindy Kramer, Rico Jalowietzki, Carsten Schabosky, Sebastian Niklaus, Miro Pabst, Corinna Fuhrmann

 

Unsre fünf Tage waren kein Song-Camp. Profis wollen wir ja alle noch werden. Aber sie haben uns wichtige Impulse gegeben und vor allem: Viel Spaß gemacht!

Danke Edith!

DEUTSCHER MUSICAL THEATER PREIS –
Nachlese einer spektakulären Premiere

26.10.2015
Das TIPI in Berlin ist ausverkauft. Vor den Eingang bibbern einige in der Hoffnung auf Restkarten.
Drinnen knistert die Stimmung. Bekannte Gesichter im Halbdunkel des Zuschauerraums. Schöne Frauen in eleganten Kleidern, Männer im Jackett. Wer hier in Jeans und Shirt erscheint, trägt eine Kamera vorm Bauch.
Die Deutsche Musicalakademie lädt zur Gala: Erstmalig verleiht sie den DEUTSCHEN MUSICAL THEATER PREIS.
Pünktlich um acht flammen die Scheinwerfer auf und es teilt sich der Lamettavorhang für die Moderatoren des Abends: Katharine Mehrling und Thomas Hermanns, der ein Knallbonbon nach dem anderen zündet, und dem Katharine nichts schuldig bleibt. Schon bei der ersten Moderation gluckst das Publikum vor Vergnügen. Wenn RTL ein Warm-Up nötig hat – wir jedenfalls nicht.

In dreizehn Kategorien werden Preise vergeben: beste Komposition, bestes Buch, bestes Musical, beste Regie, beste Darsteller und Nebendarsteller, Kostüm, Bühnenbild, musikalische Gestaltung, Choreografie. Dazwischen Ausschnitte der nominierten Musicals. Gerechnet habe ich durchaus mit einer respektablen Show. Aber das hier haut mich vom Sitz. Das ist ganz großes Kino. Auch wenn manches ganz kleines Musical ist.

Aus der Schweiz ist ein gefühlter Bus voller Menschen gekommen: Das Ensemble und die Entourage von OST SIDE STORY. Buch, Songtexte und Komposition sind die Arbeit von Roman Riklin. Wir sehen Ausschnitte daraus, außerdem aus Lotte (Festspiele Wetzlar), Alma und das Genie (Stammzellformation), Gefährliche Liebschaften (Gärtnerplatztheater München), Der kleine Störtebecker (Schmidt’s Theater Hamburg).
Den Preis für den besten Liedtext darf heute ich verleihen – eine Ehre: ich bin die erste von all den vielen, die das künftig noch tun werden. Zuerst stelle ich die Nominierten kurz vor:
Roman Riklin (Ostside Story)
Kevin Schroeder (Lotte)
Tom van Hasselt (Alma und das Genie)
Heiko Wohlgemuth (Der kleine Störtebeker)
Dann ist es soweit. Am liebsten würde ich jedem dieser großartigen Kollegen den Preis in die Hände drücken. Leider kann ihn nur einer mit nach Hause nehmen:
Es ist Tom van Hasselt. Auch für mich eine Freude – er war 1998 Absolvent der Celler Schule. So lange kennen wir uns. Tom begleitet mit einer ebenso kleinen wie feinen Combo den Abend auch am Klavier. Dass er sich unter anderem auch beim kürzlich verstorbenen Christof Stählin bedankt, lässt einen kleinen Moment des Innehaltens entstehen. Christof wäre stolz.

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Und ich bin es auch, denn die Celler Schule steht kurz danach noch mal auf dem Siegertreppchen: Wolfgang Adenberg (Celler Schule 1996) ist einer der Preisträger der Kategorie „Bestes Musical“. Hier wird nämlich „Gefährliche Liebschaften“ ausgezeichnet, die Musical-Adaption, die Adenberg mit Marc Schubring geschrieben hat. Später hilft mir Roman Riklin geduldig drauf, dass er vor 17 Jahren mein Student im Popkurs war. Bei uns beiden liegen die Jahre und etliche Kilos dazwischen. Trotzdem finden wir, wir haben uns gut gehalten.

Der Abend geht seinem Ende und seinem Höhepunkt entgegen: Den Preis fürs Lebenswerk erhält Prof. Peter Weck. Mit CATS in Wien 1983 hat er Musicalgeschichte geschrieben. Und das war ja erst der Anfang. Fest steht, Peter Weck hat sich als erster getraut und über all die Jahre Wien zur Musicalmetropole gemacht.
Angelika Milster hält die Laudatio für diesen Mann, mit dem ihr eigenes Leben als Musicalstar so eng verbunden war.
Fazit des Abends: eine Premiere, wie aus dem Hut gezaubert, deren Leichtigkeit man die viele Arbeit im Hintergrund überhaupt nicht anmerkt.
ECHO – wir kommen!

 

MusenLust Logo

Die Sommerpause ist zu Ende!

Auch bei uns ist die Sommerpause jetzt zu Ende.
Die Seminarseite hat ein Lifting bekommen, unser Webmaster Jan Weskott hat die Seite nun auch smartphone-kompatibel gemacht. Der Herbst kann kommen.
Für einige Workshops gibt es noch freie Plätze. Und:
für 2016 ist in Berlin ein Workshop über Musicalsongs geplant – vorausgesetzt, es finden sich genügend Menschen, die teilnehmen möchten. Man darf gespannt sein.

zu den Workshops 2015 und 2016

 

Da ist n Mann aufm Bahnsteig,
der „VERRÜCKTBLEIBEN“ sagt

Verwirrende Bilder,  düstere Töne, abgründige Assoziationen..
Clon bearb

Norbert Tefelski (Celler Schule 2005), schreibt Texte, die Kopfkino freisetzen. Für das Berliner Rockprojekt GEiSTPARK hat er nicht nur die meisten Songtexte verfasst, sondern steht im Video auch als überzeugender Darsteller vor der Kamera: 
Von HilfMir nach Wut

 

Das gesamte Projekt wurde übrigens in Eigenregie und ohne Fördermittel auf die Beine gestelltblutige Frau

 

Weitere Videos sind geplant.
Das Debüt-Album ist in Arbeit; weitere Kostproben gibt es hier

hure

Fred Jay im Porträt

von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

„Dankeschön,  es war bezaubernd. Dankeschön, wenn wir auch auseinander gehn, gibts doch ein Wiedersehn…“ Wer kennt nicht diesen einschmeichelnden Ohrwurm, den Peter Alexander  bis in die 1990er Jahre als Schlusslied seiner großen Samstagsabend-Shows sang? Diese Zeilen schrieb 1935 ein 21-jähriger Jura-Student jüdischer Abstammung, der davon träumte, Schlagertexter zu werden, in einem Wiener Kaffeehaus in sein schwarzes Notizbuch. Zwei Jahre später wurde das Lied von Harry’s Tanzorchester unter der Leitung von Heinz Sandauer und der Sängerin Gloria Astor auf Platte aufgenommen, und ganz Wien sang begeistert mit. Der Verfasser des Liedes war Friedrich Alex Jacobson, der sich Jahre später als Fred Jay einen internationalen Namen als Textdichter machte.

Fred JayWHAT I AM LIVING FOR?

Fred Jay wurde als Friedrich Alex Jacobson am 24. Juli 1914 in Linz geboren  und absolvierte in Wien ein Jura-Studium. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft  musste er 1938 nach Paris flüchten und kam nach einem längeren Aufenthalt in einem französischen Lager dank eines lebensrettenden Visums in die USA. In New York fand er nicht nur eine spätere Ehefrau Mary, sondern auch einen Job bei dem Radiosender „The Voice Of America“. Schnell erlernte er die anglo-amerikanische Ausdrucksweise und schrieb unter dem neuen Namen Fred Jay nun auf Englisch Songtexte. Dem Song „What Am I living for?“ verhalf Ray Charles, der damals noch am Beginn seiner Karriere stand, zum Erfolg. „The Wedding“, gesungen von Julie Rogers, wurde  mehr als 7 Millionen Mal verkauft und wurde auch in der deutschen Version „Wenn die Glocken hell erklingen“, gesungen von Lys Assia, ein Hit.

ICH WEISS, WAS ICH WILL

Seine Frau Mary war die treibende Kraft, dass er 1963 mit seiner Familie nach Europa zurückkehrte. Fred Jay arbeitete bei „The Voice of America“ in München und wurde in weiterer Folge Programmdirektor des Senders Rias in Berlin, der Heimatstadt seiner Eltern. Dem Schreiben von Songtexten galt noch immer seine große Leidenschaft. Bei Peter Meisel, Verleger, Produzent und Talent-Scout (er entdeckte u.a. Manuela, Marianne Rosenberg, Drafi Deutscher, Juliane Werding, Bernd Clüver und später Die Prinzen) fand er ein offenes Ohr. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.  „Diese Welt“, ein Lied, das er für Katja Ebstein schrieb, landete 1971 auf dem 3. Platz beim Eurovision Contest. Das war der Beginn einer beispiellosen Karriere. Der Spätzünder wurde Haus- und Hofschreiber für  Howard Carpendale. 87 Titel, darunter „Du fängst den Wind niemals ein“, „Deine Spuren im Sand“ und die deutsche Übersetzung von „Ti amo“ gehen auf Jays Konto. Für Christian Anders verfasste er 52 Lieder, darunter „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ und „Geh nicht vorbei“, für Jürgen Marcus 27, darunter „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und „Ein Festival der Liebe“. Michael Holm verdankte Jay seinen Hit „Tränen lügen nicht“. Von der englischen Übersetzung „When a child was born“, gesungen von Johnny Mathis wurden am ersten Tag der Veröffentlichung unglaubliche 221 0000 Platten verkauft, was im Guiness-Buch der Rekorde verewigt wurde. Boney M. nahmen das Lied in ihr Christmas-Album auf. Für die Retortengruppe von Frank Farian lieferte Jay 36 Titel auf Englisch. „Ra-Ra-Rasputin“ verkaufte sich zwischen Rio de Janeiro und Moskau 7,5 Millionen Mal. Das Lied, das er  gemeinsam mit Udo Jürgens schrieb, war auch sein Lebensmotto: „Ich weiß, was ich will!“ Im Alter von fast  siebzig Jahren war für Dr. Friedrich Alex Jacobson alias Fred Jay der Traum, den er schon als Wiener Student geträumt hatte, in Erfüllung gegangen.

DANKE SCHÖN, ES WAR BEZAUBERND

Fred Jay wurde als hochgebildeter, belesener Intellektueller, voll altösterreichischem Charme beschrieben. Und er war mit einer für seine Branche untypischen Eigenschaft  ausgestattet, der Bescheidenheit. Obwohl er der erfolgreichste deutschsprachige Textdichter seiner Zeit war, trat er nie ins Rampenlicht. Es holte sich nicht einmal seine Goldenen Schallplatten ab. 1985, zwei Jahre, nachdem sein letztes Lied veröffentlicht worden war und er sich aus dem Schlagerbusiness zurückgezogen hatte, kehrte er mit seiner Familie nach Amerika zurück. In Conneticut, wo sein Sohn Michael als Kardiologe arbeitete, fand er seinen Altersitz. Drei Jahre später, am 27. März 1988, starb er im 74. Lebensjahr. So unspektakulär wie er gelebt hatte, war auch sein letzter Abschied:  eine kleine Friedhofskapelle, an die zwanzig Trauergäste, ein schlichter Holzsarg. Es gab keine Reden. Aber es erklang Musik: „Danke schön, es war bezaubernd“.

FRED-JAY-PREIS

Fred Jay lebt nicht nur in seinen Liedern weiter. Seine Witwe Mary Jay-Jacobson stiftete in Erinnerung an den großen Textdichter 1989 den Fred-Jay-Preis, der mit 15.000 Euro dotiert ist. Er steht unter der Schirmherrschaft der GEMA-Stiftung und wird alljährlich an einen Künstler verliehen,  der sich um die Schaffung und Förderung deutscher Texte verdient macht. Die Wahl des Fred-Jay-Preisträgers, der durchaus auch weiblich sein darf, trifft, auf Wunsch von Mary Jay-Jacobson, die 2002 verstarb, die Jury des Deutschen Musikautorenpreises.  2014 konnte sich Dota Kehr über die Auszeichnung freuen, die bei der Preisverleihung den Liedermacher  Christoph Stählin zitierte: „Mit Kunst nicht zielen! Wenn man getroffen hat, wird man es schon merken.“

Hans Bradtke im Porträt

 Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Die Schöpfer von "Pack die Badehose ein": Textdichter Hans Bradtke und Komponist Gerhard Froboess (rechts)

Wenn man auf Google „Pack die Badehose ein“ eintippt, spuckt die Suchmaschine in 0,31 Sekunden unglaubliche 625.000 Ergebnisse aus. Auch heute, mehr als sechzig Jahre nach der Veröffentlichung des Liedes, ist diese Textzeile in unseren Köpfen, und Werbeleute bedienen sich noch immer gern und ungeniert der vier Zeilen, um Ferienregionen, Hotels, Bademode und Freiluft-Events  anzupreisen. Wer aber den unvergesslichen Sommerhit mit Volksliedcharakter geschrieben hat, das weiß kaum jemand. Es war der Berliner Textdichter Hans Bradtke.

„UND DANN NÜSCHT WIE RAUS NACH WANNSEE!“

Der Geistesblitz ereilte Hans Bradtke bei der morgendlichen Rasur. Noch mit Seifenschaum im Gesicht schrieb er die ersten Zeilen nieder. Eine Viertelstunde dauerte es, bis die Lobeshymne auf das beliebte Strandbad Wannsee fertig war. Der Komponist Gerhard Froboess  ließ sich dann eine pfiffige Melodie dazu einfallen. Eigentlich war das Lied für die Schöneberger Sängerknaben gedacht. Weil es aber den Verantwortlichen nicht so recht gefiel, sprang Cornelia, die siebenjährige Tochter des  Komponisten, ein. Sie soll zu ihrem Vater gesagt haben: „Dicker, lass mich det mal singen!“ Und das tat die kleine Cornelia dann auch wirklich, und zwar 1950 bei der öffentlichen RIAS-Berlin-Sendung von Hans Rosenthals „Mach mit“ im Titanis-Palast. Cornelia Froboess wurde zum Inbegriff der kessen Berliner Göre und zum ersten Kinderstar Deutschlands. „Pack die Badehose ein“ schlug ein wie eine Wasserbombe. Flugs entstand eine „internationale“ Version (ohne Berliner Schnauze), eine holländische für ein Mädchen namens Helentche und eine österreichische für Leila Negra. In der Sowjetzone Deutschlands hingegen wurde das Lied im Oktober 1951 vom Volksbildungsministerium verboten mit der Begründung, die Lieder wären geeignet, von der Erfüllung des Fünfjahresplanes abzulenken.

VOM KARIKATURISTEN ZUM TEXTDICHTER

„Pack die Badehose an…“ war für Hans Bradtke der Beginn einer großen, wenn auch ungeplanten Textdichter-Karriere. Geboren am 21. Juli 1920 in Berlin, wollte er nach dem Abitur Kunst studieren, entschied sich aber dann – als Zugeständnis an die Eltern – für die Architektur. Nach dem Krieg arbeitete Bradtke als Pressezeichner und Karikaturist, u. a. für die Zeitschrift „Hör zu“ und illustrierte die Umschläge der Notenblätter des Musikverlags „Melodie“ von Froboess & Budde in Berlin-Grunewald. „Als er sich die Texte unter den Noten einmal genauer besah, entrüstete sich der Künstler: ‚Mit solchem Zeug kann man Geld verdienen?’ Von da an machte Bradtke selbst solches Zeug“, schrieb DER SPIEGEL im  August 1952 in einem Artikel, der Cornelia Froboess gewidmet war. Die Berliner Göre hatte es dank der „Badehose“ auf das Titelblatt geschafft.

Bradtkes Texte spiegelten auf amüsante Weise den Zeitgeist wieder – quer durch die Jahrzehnte. Schnell avancierte der Berliner zum Hitschreiber für Vico Torriani („Sieben Mal in der Woche möchte ich ausgehen“, 1957 und „Kalkutta liegt am Ganges“ ,1960), Bill Ramsey (“Pigalle”, 1961 und „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, 1962), Chris Howland („Hämmerchen-Polka“, 1961), Cornelia Froboess und Peter Kraus („Lady Sunshine und Mister Moon“, 1961),Nana Mouskouri („Weiße Rosen aus Athen“, 1962), Gerd Böttcher („Für Gabi tu ich alles“, 1962), Cliff Richard („Rote Lippen soll man küssen“,1963) und Wenke Myhre („Er steht im Tor“ 1969, und „Ein knallrotes Gummiboot“, 1970). Ein Riesenwurf gelang ihm mit „Sommerwind“, en Lied, das von Grethe Ingmann gesungen wurde. 1965 übertrug Johnny Mercer ein bekannter Songwriter der USA –  aus seiner Feder stammt „Moon River“, der Titelsong aus  dem  Film „Frühstück bei Tiffany’s“ – den Text ins Englische. Frank Sinatra machte die Cover-Version „Summerwind“ zum Welterfolg. 1963 übersetzte Bradtke den Bob-DylanSong „Blowin’ in the Wind“ für Marlene Dietrich ins Deutsche. Aus dem Chanson von Gilbert Becaud „Et maintenant“ machte er 1961 „Was wird aus mir“,  für Joe Dassin schuf er 1969 die deutsche Fassung von „Champs Elyssées“ und für Johanna von Koczian 1977  “Das bisschen Haushalt…sagt mein Mann“.

DIE KENNT JEDER! LAUTER HITS AUS EINER FEDER

An die 2800 Lieder hat Hans Bradtke geschrieben, darunter eine Vielzahl an unvergesslichen Ohrwürmern.  1985 brachte er unter dem Titel „Die kennt jeder! Lauter Hits aus einer Feder“ eine Doppel-LP mit den größten Hits heraus. “Mein Vater war ein unheimlich kreativer Mensch”, erinnert sich Tochter Barbara Berrien (Celler Schule 2011), die ein gutes Stück vom Talent  ihres Vaters vererbt bekam.  “Er konnte gar nicht anders als sich ständig etwas auszudenken und das dann auch umzusetzen. Wenn er nicht textete, malte er, zeichnete oder bastelte  er irgendwas. Er war äußerst gutherzig, gesellig, großzügig und ungemein humorvoll – ein richtiger Familienmensch mit einem großen, vielfältigen Freundeskreis, vom Regierungssprecher  bis zum Sylter Krabbenfischer  war da alles dabei.” Trotz seiner Liebe zu Sylt blieb Bradtke ein überzeugter Berliner: „Wer mal am Kurfürstendamm seinen Kaffee trank, den zieht es immer wieder hin“, schrieb er 1960 für die Drei Travellers. Das traf auch auf ihn zu. Seine Lieblingscafés waren das legendäre Cafe Möhring und das Cafe Kranzler am Tauentzien.

Hans Bradtke starb am 12. Mai 1997 in seinem Haus in Berlin-Dahlem. Mitten aus dem Leben – so wie er es sich gewünscht hatte. Seine Tochter erinnert sich: “Mein Vater starb einfach so, saß nett gestylt und ausgehbereit auf dem Bettrand, wollte sich ein Taxi bestellen und wurde vom lieben Gott abgeholt.” Auf dem Waldfriedhof Dahlem am Hüttenweg in Berlin fand er seine letzte Ruhe. Dort, wo auch der  Dichter Gottfried Benn, Blandine Ebinger, Chansonsängerin  und Ex-Frau des Komponisten Friedrich Holländer,  der Sänger Bully Buhlan und der Entertainer Harald Juhnke begraben sind.

EHRENLEUCHTTURMWÄRTER

Das zeichnerische Talent hat Hans Bradtke nie ganz vernachlässigt. Seine heiter-poetischen Bilder wurden in Ausstellungen in Berlin, Lugano,  Zürich, Keitum/Sylt, Nizza und Paris gezeigt. Von ihm stammt auch der Pegasus, das  GEMA-Logo, und das Design für die Goldene Feder, die Auszeichnung des Deutschen Textdichterverbandes. Dem langjährigen Mitglied des Aufsichtsrates der GEMA und Ehrenmitglied des Deutschen Textdichterverbandes wurde 1970 das Bundesverdienstkreuz  der Bundesrepublik Deutschland verliehen. „Zu recht, denn seine Schlagerlyrik ist ein Kapitel deutscher Kulturgeschichte – kein großes, aber ein schönes“, schrieb Rüdiger Falksohn 1998 in „Deutsche Jahre“, einer Spezialausgabe des SPIEGEL. Fast noch stolzer war Bradtke über  die Ernennung zum Ehrenleuchtturmwärter, die ihm für die Bemühungen um den Erhalt des Leuchtturms Roter Sand zuteil wurde. Sylt war nicht nur für ihn,  sondern auch für seine Frau Renate und die Kinder Peter und Barbara, zur zweiten Heimat geworden.

Alles gut, solang man tut

 Von Claudia Karner, Celler Schule 2006

„Ich hab in Münster mal eine Pflanze gesehen, die durch ein zwei Meter hohes dünnes Rohr gewachsen ist, bis sie schließlich oben ankam. Die wuchs da unaufhaltsam, weil sie am Ende des Rohres Licht gesehen hat. Das beeindruckt mich bis heute“, antwortete Marcel Brell  auf eine Reporterfrage nach seinem Vorbild. So unbeirrbar wie das zitierte Grünzeug scheint auch der aus Wesel stammende SingerSongwriter und ExCELLEnt, Jahrgang 2011, seinen künstlerischen Weg zu verfolgen.

MArcel Brell Album

Im Mai brachte der 31-jährige die erste CD mit dem Titel „Alles gut, solang man tut“ auf den Markt. „Nachdem ich in den letzten zwei Jahren über 200 Mal solo oder mit Band aufgespielt habe, habe ich in meinem Wohnzimmer, im Proberaum und auch in einem tollen Studio in Berlin die zwölf Lieder aufgenommen, die mir am meisten am Herzen liegen“, sagt Marcel. Bis zum 11. Juli  tourt er mit dem gleichnamigen Programm quer durch Deutschland. Und zwar mit großem Erfolg. Dass er Musik machen wollte, stand schon früh fest. Mit fünf Jahren bekam er  Klavierunterricht, mit 13  brachte er sich selbst das Gitarrenspielen bei und komponierte seine ersten Stücke. Friedens- und Umweltlieder, wie es sich eben für einen richtigen Songschreiber gehört. Nach dem Abitur studierte Marcel in Münster Musik, Schwerpunkt Arrangement und Produktion. Seine ersten Auftritte mit Halbplayback und englischen Popsongs brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Nach dem Studienabbruch und dem Umzug nach Berlin wendete sich das Blatt. In den letzten zwei Jahren spielte der SingerSongwriter neben eigenen Konzerten auch im Vorprogramm von der Alin Coen Band, ElifSuzanne Vega, Sharon Corr und Dota Kehr. Er hat nun den Stil gefunden, der ihm voll und ganz entspricht und schreibt seine Texte auf Deutsch. Die Geschichten, die er darin erzählt, gehen den Zuhörern ins Herz und unter die Haut.

In einem Interview für die Online-Ausgabe von Die Welt sagt eMarcel Grell über seine Erstlings-CD: „Das Album hat eine Geschichte. Ich war jahrelang Musikproduzent, und habe mich irgendwie davor gedrückt, meine eigene Musik auf die Bühne zu bringen. Der Prozess hin zum eigenen Album hat tatsächlich zehn Jahre gedauert. Man fragt sich: Wie macht man eigentlich ein Album, wenn man nicht am Mischpult, sondern am Mikro steht? Wie gehe ich da ran? Egal: Einfach machen! Nicht zu lange nachdenken, sondern tun. Besser tun, als zu Hause sitzen und unglücklich sein. Alles, was ich die letzten Jahre ausprobiert habe, hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich glaube, aus der Bewegung entsteht das Ergebnis – nicht aus dem Planen und darüber Nachdenken, sondern aus dem Tun. Ich bin ein sehr praktischer Mensch.“

„Alles gut, solang man tut“ wurde von DATES, dem Magdeburger Stadtmagazin, zur Scheibe des Monats gekürt. „Marcel Brell schafft es, die Themen seiner Generation zusammenzutragen. Er berührt mit seiner Direktheit  und seiner samtigen Stimme und schafft eine Intimität, die bewegt.“ Und auch Anne Drerup von Ein Achtel Lorbeerblatt geizt nicht mit Lorbeeren: „Absolut hörenswert!“

Café ohne Aussicht

von Anne X. Weber (Celler Schule 2011)

So heißt das Musical, das Franz Wittenbrink und ich zusammen für die „Berlin Comedian Harmonists“ geschrieben haben – das ist eine Truppe, die seit vielen Jahren die Lieder der Comedian Harmonists so perfekt zu Gehör bringt, dass sie sich mittlerweile die Bezeichnung „die legitimen Nachfolger“ ersungen haben – auf vielen Konzerten in Deutschland und im Ausland, aber auch im Theaterstück „Veronika, der Lenz ist da“, das Ende der Neunziger an der Komödie am Kurfürstendamm uraufgeführt wurde.

Genau dort wird nun auch unser Musical am 2.3. 2014 seine Uraufführung feiern.

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Fotograf Michael Petersohn, www.polarized.de

Die drei Brüder Kasupke betreiben gemeinsam Berlins letztes echtes Oma-Café – leider komplett erfolglos. Als wegen der ausstehenden Mietzahlungen die Kündigung droht, bleibt den Brüdern nichts anderes übrig, als es mit der einzigen Sache zu versuchen, die sie beherrschen: mit Gesang. Es geht um die Jagd nach dem Erfolg, die Gentrifizierung Berlins und die unerwarteten Nebenwirkungen von Yogi-Tee…

Eingebaut haben wir sowohl originale Comedian-Harmonists-Songs als auch aktuelle Hits mit neuen deutschen Texten von mir, musikalisch von Franz Wittenbrink im Stil der Comedian Harmonists arrangiert.

Ich bin mächtig stolz auf unser Musical und habe das Gefühl, dass es ein sehr unterhaltsamer Abend wird… Und die Jungs singen wie die Engel!