Wolfgang Neukirchner im Porträt

Von Claudia Karner

Schlagertitel sind oPlatte Es gibt kein Bier auf Hawaiift Binsenweisheiten, die von Generation zu Generation weitergereicht werden: Liebeskummer lohnt sich nicht zum Beispiel oder Wunder gibt es immer wieder oder Tränen lügen nicht. Keine hat sich allerdings im Laufe der Jahre als so haltlos erwiesen wie Es gibt kein Bier auf Hawaii. Diese Behauptung, die jahrelang deutsche Männer von einem Urlaub auf der Südseeinsel abhielt, brachte der Pianist und Sänger Paul Kuhn 1963 in Umlauf.

Wolfgang Neukirchner hatte sich den Text zur Schunkelmusik von Jean Joseph Kluger ausgedacht. Und zwar unter dem Pseudonym Roeckelein. Bier gibt es schon seit 1889 auf Hawaii, das Lied ist aber 50 Jahre später noch immer ein Ohrwurm. Ein kühles Blondes auf den Texter!

HARLEM BLUES

Wolfgang Neukirchner und Paul Kuhn
Freunde fürs Leben: Wolfgang Neukirchner und Paul Kuhn

Wolfgang Neukirchner kam am 20. Dezember 1923 in Essen als Sohn von Rudolf Neukirchner und dessen polnischer Frau Helscha zur Welt. Sein Vater war Kammermusiker, seine Mutter klassische Sängerin. Wolfgang besuchte das Goethe-Gymnasium in Essen-Bredeney. Er lernte Flöte wie sein Vater, brachte sich später selbst Gitarre bei, entwickelte seine Liebe zum Jazz und Blues und gründete eine Musikgruppe, die „Band ohne Namen“. „Darüber, dass die Nazis die Musik abgelehnt haben, haben wir uns nie Gedanken gemacht“, sagte er in einem Interview. „Schwierigkeiten haben wir deswegen nie bekommen.“ Nur seine Mutter schimpfte über die „Hottentottenmusik“. 1937/38 machte sogar ein Plattengeschäft in Essen, das ein eigenes Studio besaß, der Band das Angebot, eine Platte mit zwei Stücken aus ihrem Repertoire aufzunehmen. „Das war damals eine Sensation“, so Neukirchner. Harlem Blues, im Original gesungen von Mamie Smith, eines seiner damaligen Lieblingslieder, kam auch darauf.

SCHAFFE, SCHAFFE, HÄUSLE BAUE

Nach dem Krieg begann Neukirchner mit dem Jura-Studium in Bamberg. Sein Herz schlug aber für die Musik, und so zog er drei Jahre lang mit dem Studentenkabarett Die Amnestierten, in dem Ursula Noack (später Münchner Lach- und Schießgesellschaft)und Hanne Wieder auftraten, durch die Lande. Erst im letzten Abdruck beendete er sein Studium und wurde Richter am Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen. „Ich bin eben nur ein halber Bohemien, zur anderen Hälfte bin ich ein Spießbürger“, meinte er. Unter dem Motto „Morgens richten, abends dichten“ gestaltete er sein produktives Doppelleben.

Über Ralf Bendix, Schulfreund aus Essener Tagen, der eigentlich Karl-Heinz Schwab hieß und hauptberuflich Filialleiter einer amerikanischen Fluggesellschaft in Düsseldorf war, kam er ins Schlagergeschäft. Als Bendix einen Schallplattenvertrag erhielt, verfasste Neukirchner für ihn Texte. Einen Flop erlebte er gleich zu Beginn der Karriere mit der Übersetzung des amerikanischen Gospelsongs In the Beginning, zu deutsch: Es war im Anfang. Electrola-Produktionschef Nils Nobach, der auf Neukirchner große Stücke hielt („Er ist ein Dichter, der seine Lieder nicht mit dem Rechenschieber konstruiert“), erhoffte sich den gleichen Erfolg, den das Lied in den USA erzielte, stieß aber auf heftigsten Widerstand bei der evangelischen Kirche. 1957 war die Zeit noch nicht reif für deutschsprachige Gospels.

1964 schrieb Neukirchner für seinen Freund Bendix etwas Bodenständiges. Schaffe, schaffe, Häusle baue ist bis heute die heimliche Nationalhymne der Schwaben geblieben. Unter dem Motto „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps“ verschanzte sich der korrekte Richter beim Texten hinter den Pseudonymen Sigi Mahr und Josua Röckelein, gemeinsam mit dem Komponisten und Arrangeur Erich Becht hinter dem Pseudonym Adolf von Kleebsattel. An die 200 Lieder sind entstanden u. a. für Udo Jürgens (Peppino und Frag mich nie, was Heimat ist), Bobbejaan (Ich steh an der Bar und ich habe kein Geld), Gitte, Rex Gildo, Cliff Richard, Ralf Bendix (Mein Freund Meier, mein Freund Lehmann und auch ich) und Paul Kuhn, der im Grund seines Herzens ein großer Jazzer war und eher widerwillig und nur aus kommerziellen Gründen den Gerstensaft besang.

BLAU BLÜHT DER ENZIAN

Ein Glücksfall für alle Beteiligte war 1965 die Begegnung von Wolfgang Neukirchner und Ralf Bendix mit Heinz-Georg Kramm. Dieser tingelte unter dem Namen Heino mit Seemannsliedern durch die Lande. Die beiden witterten Star-Potential und rieten Heino zu einem Imagewechsel. Was dabei herauskam, ist bekannt: ein markiger volkstümelnder Sänger und Lieder wie Jenseits den Tales, Blau blüht der Enzian, Karamba, karacho, ein Whisky und Schwarzbraun ist die Haselnuss, die der Spiegel als Wald- und Wiesenlieder abtat, bei vielen deutschen Schlagerfans aber große Begeisterung hervorrief. Verfasst wurden sie vom Kreativ-Duo Becht und Neukirchner, produziert von Ralf Bendix.

Richterkollegen und Rechtsanwälte hingegen hätten sich immer wortreich von der Musik distanziert, so Neukirchner, dann aber trotzdem um eine Heino-Platte mit Widmung „für die Mutter“ gebeten. Blau blüht der Enzian wurde 1972 zu einem von Heinos größten Hits. 15 Wochen lang konnte er sich in den Top Ten behaupten. Das Lied war so populär, dass es ein Jahr später Titelsong eines der wenigen noch produzierten Schlagerfilme wurde. Die äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit mit Heino endete 1988. Der Grund dafür laut Neukirchner: Heinos Ehefrau, Prinzessin Hannelore von Auersperg, hätte sich immer mehr ins Geschäft eingemischt.

Aus dem Musikbusiness hat sich der pensionierte Gerichtspräsident schon vor langer Zeit zurückgezogen. Nur für seinen Freund Paul Kuhn machte er eine Ausnahme und schrieb ein Lied über dessen spätes Hobby, das Golfen.

Erich Meder im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Der Wörthersee ohne Rose? Unvorstellbar! Ob Oldtimer-Rennen, Hair-Styling, Rudern oder Tauchen: Fast bei jedem Wettbewerb zwischen Velden, Pörtschach und Krumpendorf winkt die Rose vom Wörthersee als Siegertrophäe. Die Idee für dieses Marketing-Alleinstellungsmerkmal lieferte der Schlager Du bist die Rose vom Wörthersee aus dem Film Der alte Herr Kanzleirat, gesungen von Maria Andergast und Hans Lang. Fast 50 Jahre später starten noch immer Strandbad-Casanovas der alten Schule mit den ersten Zeilen ihre Flirtversuche. Zu verdanken ist das alles dem Textdichter Erich Meder, dessen Geburtstag sich heuer zum 120. Mal jährt. Ein guter Anlass, dem Fast-Vergessenen ein Porträt zu widmen.

ICH MÖCHT’ SO GERNE WISSEN, OB SICH DIE FISCHE KÜSSEN

Erich Mender: Porträt

Erich Meder kam am 28. Juli 1897 in Brünn (heute Tschechien) zur Welt. Sein Vater Eduard war Mediziner, seine Mutter Martha stammte ebenfalls aus einer Arztfamilie. 1905 zogen die Meders nach Wien, wo Erich das Gymnasium besuchte und 1914 maturierte. Nach dem Kriegseinsatz studierte er an der Universität Wien Welthandel, arbeitete als Bankbeamter und Kaufmann und versuchte sich als Erfinder. So meldete er u. a. ein Windrad zum Patent an. In den 1930er Jahren entdeckte Meder sein Talent für das Schreiben und verfasste Werbe- und Schlager-texte. Über 1300 meist heitere Lieder, von denen viele heute zu echten Klassikern des Wienerlieds zählen, sind es im Laufe seines Lebens geworden. Auf was für umwerfend komische Ideen dieser Mann kam! Er kreierte das längste deutsche Wort, das vermutlich jemals Eingang in die deutsche Schlagerwelt gefunden hat und noch heute Deutsch-Lernende auf eine harte Probe stellt: Donaudampfschifffahrtsgesell-schaftskapitän. Charles Loubé schrieb die Musik dazu. Meder beschäftigte sich mit ungeklärten zoologischen Phänomenen wie Ich möcht’ so gerne wissen, ob sich die Fische küssen (Musik: Maly/Haas)und philosophierte: A klanes Golasch wird net größer (Musik: Josef M. Kratky), Die Liebe ist wie Zahnweh (Musik: Peter Igelhoff, einer seiner wichtigsten Komponisten) oder Ein Regenwurm hat’s gut (Musik: Heinz Sandauer), gesungen von Heinz Rühmann.

HALLO DIENSTMANN

Erich Mender: „Die Rose vom Werthers“

Musikfilme waren Mitte des 20. Jahrhunderts der große Renner. Ein Glücksfall für Erich Meder war die Begegnung mit dem Wiener Komponisten Hans Lang. Die beiden waren auf einer Wellenlänge, und so entstand eine höchst produktive Zusammenarbeit, die dem Textdichter zu großer Popularität verhalf.„Man bekommt das Drehbuch und sucht nach Möglichkeiten, die Lieder einzubauen, die meist vom Regisseur vorgeschrieben werden. Fast zeitgleich mit dem Textdichter beginnt die Arbeit. Nicht erst Text oder Musik. Von der Schlagzeile weg geht es Schritt für Schritt. Nur so kann ein Lied aus einem Guss entstehen“, so beschrieb Hans Lang in einem Zeitungsinterview die Arbeitsweise. Die eingangs zitierte Rose vom Wörthersee, ursprünglich nur eines von mehreren Gesangsstücken in dem Film Der alte Herr Kanzleirat, war so erfolgreich, dass um das Lied ein neuer Film „gebaut“ wurde. Das Publikum stürmte die Kinokassen. Kein Wunder bei der Starbesetzung mit Marte Harell als Inkarnation der „Rose“, Curd Jürgens, Waltraud Haas und Hans Moser. Moser brillierte auch neben Paul Hörbiger in Hallo Dienstmann. Weitere unvergessene Filme, zu denen das Duo Lang/Meder die Lieder verfasste: Kind der Donau mit Marika Rökk, Der alte Sünder mit Paul Hörbiger und Maria Andergast, Kaiserwalzer mit Rudolf Prack, Fiaker-Milli mit Erni Mangold und Immer die Radfahrer mit Hans-Joachim Kulenkampff und Heinz Erhardt.

Nach Ende des 2. Weltkriegs schrieb Erich Meder auch für das Radio, das damals RAWAG hieß und der Vorläufer des Österreichischen Rundfunks (ORF) war. Er verfasste die Kennmelodie für eine legendäre Sendung „Was gibt es Neues?“. 40 Jahre lang lockte damit Heinz Conrads am Sonntagmorgen die Österreicher vor das Radio (später am Samstagabend vor den Fernsehapparat),ließ plaudernd die Woche Revue passieren und sang mit großer Begeisterung Meder’sche Ohrwürmer wie Den Wurschtl kann kana derschlag’n, A Schneeflockerl und a Ruaßflankerl oder I hab rote Hoar.

IT’S OH SO QUIET

Meders Lieder sind nicht nur ausschließlich im Repertoire von typischen Wienerlied-Sängern zu finden. Wolfgang Ambros, Aushängeschild des Austro-Pop, nahm 2005 eine CD mit Liedern auf, die Hans Moser berühmt gemacht hatte, darunter Hallo Dienstmann und Der alte Sünder. Vollblutkomödiant Otto Schenk interpretiert immer wieder In der Kellergass’n auf unnachahmliche Weise. Er kannte Erich Meder noch persönlich. „Über meinen Vater lernte ich diesen wunderbar komischen Menschen kennen. Er war verbandelt mit Fritz Grünbaum und Karl Farkas, ein Urkabarettist“, schwärmte Schenk in einem Zeitungsinterview. „Er hat mir meine jüdischen Witze beigebracht. Als Wienerlied-Schreiber war er auch in der Nazi-Zeit sehr geschätzt. Das Wienerische wurde in der Ostmark hochgehalten. Das war eine Form des erlaubten Widerstands.“

Ein Lied des Vielschreibers, der auch unter den Pseudonymen Ernst Berger, Hans Maler und Karl Edelhofer veröffentlichte, schaffte es um die Jahrtausendwende in die internationalen Charts: die englische Cover-Version von Jetzt wird es still, die im Original von Horst Winter gesungen wurde. Bert Reisfeld, ein in die USA emigrierter Wiener Komponist, hatte 1951 die Übersetzung und das Arrangement für Betty Hutton geschrieben. 44 Jahre später landete die isländische Sängerin Björk mit ihrer Interpretation von It’s Oh So Quiet einen Riesenerfolg. Das offizielle Video auf Youtube wurde fast 3 Millionen Mal angeklickt, ein weiteres mehr als 9 Millionen Mal.

CHRONIST DER WIENER SEELE

Erich Meder: Buchcover

Aus Meders Privatleben ist wenig bekannt. Das liegt wohl an der Tatsache, dass er ein Leben lang seine Homosexualität verheimlichen musste. Er starb am 19. September 1966 mit 69 Jahren in Wien, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. Den Nachlass erbte nach dem Tod seines letzten Lebensgefährten Franz Dopf vor drei Jahren dessen Neffe Wolfgang Bacher, ein Zahnarzt aus Salzburg. „Als mein Onkel verstarb, war mir noch gar nicht klar, welchen Schatz ich nun zu verwalten habe. Nach mühsamen Recherchen war ich eines Tages bei über 1300 Werken angelangt. Und seither versuche ich, seinen Werken den Stellenwert in der Gegenwart zu geben, der ihm gebührt“, sagt Wolfgang Bacher. Er öffnete Erich Meders Schatzkiste auf Facebook und initiiert verschiedene Konzerte, u. a. 2017 beim Wiener-liedfestival wean hean. Besonders viel Enthusiasmus steckt er in das Buch Erich Meder – Ein Schlagertexter als Chronist der Wiener Seele, das der Musikwissenschaftler Wolfgang Stanicek schrieb. Bacher ist der Heraus-geber. Das Buch kommt Ende Herbst 2017 auf den Markt.

Ostseewellen? Nordseewellen?
Maik Brandenburg erinnert an die Reisen eines bekannten Liedes und an seine Schöpferin
Martha Müller-Grählert

Das Lied „Mine Heimat“, das mit den Zeilen „Wo de Ostseewellen trecken an den Strand“ beginnt, kennt an der Küste jedes Kind. In der Mongolei, so heißt es, würden die Kinder eher reiten als gehen lernen. An der Ostsee ist es noch verrückter, hier lernen sie das Lied sogar bevor sie reiten können. Es hat eine sanfte, wiegende Melodie, man kann sich die  Wellen, die langsam heranrollen und auf den Strand treffen, gut vorstellen. Das Wort „trecken“ heißt übrigens so viel wie „ziehen“, weshalb hier ein Traktor stets ein „Trecker“ ist. So ein Zusammenhang ist ja nicht jedem klar, von nun an aber dürften Sie mit diesem Premiumfakt bei jedem Smalltalk punkten. Vergessen Sie nur nicht zu erwähnen, von wem Sie das haben.

MüllerGrählertMartha (Quelle: wikipedia)

Die Dichterin des „Ostseewellenliedes“, wie es ebenfalls genannt wird, ist Martha Müller-Grählert, geboren in Barth bei Rostock, beerdigt in Zingst. Ein Glaser aus Flensburg brachte die Zeilen in die Schweiz, wo ein gebürtiger Thüringer sie vertonte. Das Lied war sozusagen schon in der Wiege international: Von der Schweiz aus trat es seinen Siegeszug um die Welt an. Die Formulierung klingt platt, aber platt ist das Lied ja sowieso, bester vorpommerscher Schnack.

Außerdem stimmt es: Gesungen wird das Lied heute in den Niederlanden, in England, Spanien, Kanada, Australien, Brasilien, möglicherweise auch in Afrika, ich werde meine Ohren offenhalten. In Frankreich singen sie von „Les Flots du Nord“, in Dänemark steigen sie ein mit „Der, hvor nordsøbølger ruller ind mod land“. In Südtirol, wo es auf sogar ladinisch über die Bergweiden hallt, kämmt der Wind die Wiesen, was jeden, der das gesehen hat, ohne weiteres an Wellen erinnern wird. Gut möglich, dass es auch eine japanische Version des „Ostseewellenliedes“ gibt, einige Jahre lebte Martha Müller-Grählert in Sapporo. Eine Fassung existiert aus dem KZ Eschwegen, “Wo das Lager steht so dicht am Waldesrand“.

Die Insassen, die „Moorsoldaten“, sangen es heimlich nach der Melodie des „Friesenliedes“. Als solches, nicht als „Ostseewellenlied“, ist es berühmt. Zu spät hatte sich die Dichterin um ihre Urheberrechte gekümmert. Abgeräumt hatte ein anderer, ein Niedersachse, der das Stück möglicherweise bei einem Kuraufenthalt in der Schweiz hörte, um es dann als friesisches Heimatlied zu drucken, es populär und sich selbst reich zu machen. Auch das ebenso bekannte „An der Nordseeküste“ ist kein eingeborener Song des Volkskunstduos Klaus&Klaus, obwohl es inzwischen wirkt, als sei er irgendwann aus dem friesischem Schlick gespült worden. Es ist in Wahrheit ein irischer Shanty! Guckt denen da oben denn keiner auf die Finger? Das „Friesenlied“ ist weiträumig lizenziert, auch die USA zahlen GEMA-Gebühren. Ich will jetzt keine alten Geschichten aufrühren, aber dieses Lied haben wir Ossis in die deutsche Einheit gebracht. Wenn wir es mit dem Solidaritätszuschlag verrechnen, sind wir quitt.

Ich habe das Grab Martha Müller-Grählerts in Zingst besucht und Blumen niedergelegt, keinen „gelen Ginster“, sondern Rosen. Vor allem, um dieser bemerkenswerten Frau zu gedenken, die arm und fast vergessen in einem Altenheim starb. Aber auch, weil Martha Müller-Grählert und ich Geschwister im Geiste sind, wir teilen ein ähnliches Künstlerschicksal. Denn auch ich verfasse Songtexte. Auch ich habe Hits geschrieben, die um die Welt gehen – in Thailand, auf den Philippinen, in Indonesien, Russland, Kuba, Botswana waren sie schon zu hören, in China, auf den Fidschis, in Japan, von Europa rede ich gar nicht. Sogar auf den fernen Marshallinseln im Pazifik und auf Guam. Ich musste meine Lieder dort zwar bislang stets alleine singen, aber was zählt, ist ja die Qualität. Auch ich habe, wie die große Vorpommerin, kaum einen Cent dafür gesehen.

Oder heißt es „Vorpommeranerin“? In diesem Jahr (Karl: 2016) wäre das One-Hit-Wonder Martha Müller-Grählert 140 Jahre alt geworden. Zeit, das Lied der Vorpommerschen jeden Tag anzustimmen. Oder wenigstens zu summen. In Friesland und Umgebung aber sollten sie endlich die Gelegenheit nutzen und sich zur wahren Historie von „Mine Heimat“ bekennen. Falls das zu hart ist, könnten sie dort gern ein Lied gern ein Lied von mir singen, wäre auch okay.

www.mare.de