Die schönsten Geschichten der Welt
(Matthias Reuter) (Buchseite 170)

„Deine Schwester is ´ne hirnverbrannte Kuh“
schreit Kerstin ihren Mann an und fügt dem noch hinzu,
dass sie ihre Schwägerin ab jetzt nicht mehr grüßt,
denn die sei ein Biest
und dabei ging´s ums Prinzip

und damit spricht sie im Prinzip das Gleiche aus
wie ihre Schwägerin zur selben Zeit im Nachbarhaus,
denn die erklärt ihrem Mann gerade mit ähnlichem Geschrei,
dass an der ganzen Streiterei
alleine Kerstin die Schuld trägt,

denn sie war mit Kerstin in ´ner Mode-Boutique
Und dort hätte sie – und so was wär eben Glück –
Als Erste von den beiden dieses Sommerkleid entdeckt
So halblang, schwarz gefleckt
und genau ihre Größe,

doch so berichtet´s Kerstin im Nachbarhaus:
„Ich seh als Erste dieses Kleid und es sieht super aus,
doch da kommt Deine Schwester an und reißt´s mir aus der Hand
und ich sag: „Du Elefant
passt da doch sowieso nicht ´rein.“

Daraufhin wär alles dann wohl eskaliert,
d.h. es gab so ´ne Art Faustkampf und dann wär es passiert,
dass als Folge der ganzen Hin – und Herzerrerei
das Kleid zerrissen sei
und der Geschäftsführer ankam.

Und dieser – wie ihn beide nennen – „Vollidiot“
Erteilte den Damen dann erst mal Hausverbot
Und forderte von Beiden fürs Objekt des Streits
den Preis des Kleids:
nämlich zwölfhundert Euro

Die schönsten Geschichten der Welt,
kriegt man leider viel zu selten erzählt.
Denn die handeln meist von Peinlichkeiten,
die der Betroffene am liebsten für sich behält.

Die schönsten Geschichten der Welt,
Heldendramen ohne Held,
voller Eitelkeiten, kleiner Boshaftigkeiten
und Familienstreitigkeiten um Geld.

Stefan hat ´nen Schuss mit seinem Bügeleisen
Er weiß zwar, es is aus, doch er hat immer den leisen
Verdacht, dass es irgendwie doch an sein könnt,
und dass die Bude abbrennt,
wenn er mal grad nicht zu Haus ist…

Und darum dreht er jedes Mal, bevor er geht
noch ´ne Runde durch den Abstellraum und guckt, ob`s da steht,
und macht vorher – sicher ist sicher – noch die Sicherung raus
und dann wird´s dunkel im Haus,
und seine Freundin die stolpert…

und hat seitdem das rechte Bein in Gips,
sitzt vor´m Fernseher, motzt und isst Kartoffelchips.
Die kauft Stefan bei der Tankstelle ein
und dazu drei Flaschen Wein,
denn der hebt immer die Stimmung…

und so sind beide dann spät abends ziemlich dicht,
und probier´n mal aus, wovon der Mensch so Kinder kriegt,
und Stefans Freundin sagt: „Du sag mal, riechst Du das ?“
und er riecht auch was,
und weiß sofort, wo das herkommt…

denn diesmal war das Bügeleisen wirklich noch an,
und die Couch ist abgebrannt und der Feuerwehrmann,
sagt: „Beim nächsten Mal, da passen se halt´n bisschen mehr auf,
und gucken vorher nochmal drauf,
ob die Geräte auch aus sind.“

Die schönsten Geschichten der Welt …..

Herr Bergermann macht jedes Jahr den Nikolaus
auf der Kinderweihnachtsfeier im Gemeindehaus,
aber dies Jahr kriegt er unerwartet Konkurrenz,
denn sein Nachbar – Herr Lenz –
hat jetzt auch ´ne Verkleidung…

und sagt jedem, den er trifft, dass er das besser kann,
und die Zeit wär reif für einen neuen Weihnachtsmann.
und dass Bergermann ja schon lange nicht mehr tragbar sei,
denn – mal ganz nebenbei –
der wär doch ständig besoffen….

und die Hauptverantwortlichen vom Gemeindehaus
denken sich: „Probier´n wir dies Jahr halt mal´n andern aus…“
und so ist dieses Mal Herr Lenz der Weihnachtsmann
und kommt auch gar nicht so schlecht an,
d.h., bis Bergermann eintritt.

Wie sein Nachbar komplett kostümiert,
beschimpft er diesen schon während er hineinmarschiert
und dann kommt es im Gemeindesaal zur Prügelei
und alle Kinder sind dabei,
als sich die Nikoläuse boxen

und feuern diese ganz begeistert an.
Jedes Kind hat seinen Lieblingsweihnachtsmann.
Und als es Zeit ist, mit den Eltern heimzugeh´n
Sag´n alle: „Das war so schön.
Da woll´n wir nächstes Jahr wieder hin…“

Die schönsten Geschichten der Welt …..

Matthias Reuter (Celler Schule 2004)
mit freundlicher Genehmigung

zurück zum Inhaltsverzeichnis nach Verweisen im Buch

Zurück zur Übersicht Lounge

Schreibe einen Kommentar