Georg Buschor im Porträt

Von Claudia Karner (Celler 2006)

Nun ist der Juni auch schon fast wieder vorbei. Für alle, deren neues Herzensglück, das so vielversprechend im Mai begann und nicht mal bis Monatsende geschweige denn für die Ewigkeit reichte, bringt seit 54 Jahren ein Schlager zumindest temporären Trost: Liebeskummer lohnt sich nicht! 1964 gewann die schwedische Sängerin Siw Malmquist mit diesem Lied den 1. Preis der Deutschen Schlagerfestspiele in Baden-Baden. Die Musik stammte von Christian Bruhn, der Text von Georg Buschor. Ihm ist dieses Porträt gewidmet.

AKROPOLIS ADIEU

Georg Buschor wurde am 14. März 1923 in Athen geboren. Sein Vater war der namhafte Altertumsforscher Ernst Buschor, der in Athen das Deutsche Archäologische Institut leitete. 1929 hieß es für die Buschors „Akropolis, adieu!“ Die Familie übersiedelte nach München, wo Georg die Schule besuchte. Nach Kriegseinsatz und französischer Gefangenschaft begann er, Philosophie und Theaterwissenschaften zu studieren und tingelte als Liedermacher durch Schwabing. Er trat auch im P1 auf, das sich in der Prinzregentenstraße 1 befand und 1949 als Offiziersclub für die amerikanischen Besatzungstruppen gegründet worden war. Der Einfachheit halber wurde es von den Amerikanern P-one genannt, von den Einheimischen Stüberl. Erst viele Jahre später wurde die Münchner Nobel-Disco P1 daraus. Buschor schrieb auch für andere Künstler wie Lale Andersen, Lolita und Gisela Jonas, die sich als Wirtin von „Bei Gisela“, eines der bekanntesten Münchner Kleinkunstlokale (heute: Vereinsheim), einen Namen machte. Als monatlich 200 DM an Tantiemen auf Buschors Konto waren, hängte er die Gitarre an den Nagel und verlegte sich ausschließlich das Texten.

ZWEI KLEINE ITALIENER

Anfang der sechziger Jahre begann seine höchst fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Komponisten Christan Bruhn. Bruhn erinnert sich in seinen Memoiren Marmor, Stein und Liebeskummer an die erste Begegnung mit Buschor: „Im Tonstudio der Bavaria-Film in München lerne ich den Mann kennen, dem ich im Leben am meisten verdanke. Und ich verdanke vielen etwas. Er ist gute elf Jahre älter und dementsprechend weiser als ich. Buschor ist schon damals ein Lebenskünstler. Gute Grundnahrungsmittel wie Wein und Calvados sind immer vorhanden.“ Buschor, der Bohemien, der exzentrische Kleidung liebte, wohnte damals im elterlichen Dachstübchen, das wegen der geringen Ausmaße von seinen Freunden als „Schrank“ bezeichnete wurde. Bruhn verinnerlichte schnell Buschors Lektion Nummer 1: „Der Schlagerdichter ist souverän, er setzt sich über kleine Alltagslogik hinweg und schafft bleibende poetische Bilder.“ Die zwei waren ein ideales Gespann: Buschor lieferte eine griffige Refrainzeile und legte sich sinnierend auf die Couch, und Bruhn entwickelte eine passende Melodie, die Buschor zu den nächsten Versen inspirierte.

Was Bruhn besonders an Buschor schätzte: „Frische, originelle Ideen, sauberes Texthandwerk und vor allem: Poesie!“ Und so entstanden Midi-Midinette und Zwei kleine Italiener, das erste deutschsprachige Lied, das sich mit der Gastarbeiterthematik beschäftigt. Cornelia Froboess, der einstige Kinderstar von Pack die Badehose ein, gewann damit die Deutschen Schlagerfestspiele 1962. Dabei wäre Zwei kleine Italiener eigentlich für Rocco Granata, den Sänger und Komponisten von Marina gedacht gewesen. Pech für ihn: Die Single wurde 1,3 Millionen Mal verkauft.

LIEBESKUMMER LOHNT SICH NICHT

Buschor avancierte gemeinsam mit Bruhn zum Hitlieferanten. Kaum eine Sängerin, die an ihm vorbeikam. Für Jacqueline Boyer schrieb er Mitsou, für Siw Malmqvist Liebeskummer lohnt sich nicht, für Manuela Schuld war nur der Bossanova und Schwimmmen lernt man im See, für Dörthe Kollo Wärst du doch in Düsseldorf geblieben, für Peggy March Memories of Heidelberg und für Katja Ebstein Der Stern von Mykonos. Einen Glücksgriff machte das kreative Duo auch mit der Französin Mireille Mathieu, die in Deutschland zum Star wurde. Die Liste der Hits, die Bruhn und Buschor für den Spatz von Avignon schrieben, ist lang: An einem Sonntag in Avignon, Hinter den Kulissen von Paris, Akropolis Adieu und La Paloma Ade sind nur einige davon. Buschor hatte offensichtlich ein Gespür für die Damenwelt, Wenn er für Männer textete, kam zumindest ein weiblicher Name im Titel vor wie bei Heute male ich dein Bild, Cindy Lou (Drafi Deutscher) und Das Mädchen Carina (Roy Black). Die Tantiemen flossen reichlich. In seinen besten Zeiten sollen es pro Jahr an die 200.000 DM gewesen sein.

Nach eigener Aussage hatte Buschor kein großes Talent für Humor. Bemerkenswert sind deshalb zwei seiner Werke: Liszts Liebestraum als Twist und der Wilhem-Tell-Twist. Dazu machte Bruhn nicht nur die Musik, sondern er sang auch selbst unter dem Pseudonym Charlie Cotton. Buschor arbeitete auch mit anderen Komponisten zusammen. Mit Rolf Arland schrieb er für Chris Roberts Die Maschen der Mädchen, mit Henry Mayer für Rita Pavone Arrivederci, Hans. Man könnte dem Schlagertexter auch hellseherische Fähigkeiten unterstellen. 1968, als Computer, Internet und Online-Partnerbörsen noch in ungeahnter Ferne waren, dichtete er für France Gall, der Grand-Prix-Siegerin von 1965: Der Computer Nr. 3 sucht mich für mich den richtigen Boy, und die Liebe ist garantiert für beide dabei…

In den späten Siebziger Jahren tauchte der Name des Erfolgstexters nur noch selten in den Charts auf. Buschor zog sich aus dem Showbusiness zurück und lebte mit seiner Frau Christel im Tessin, wo er Wein und Oliven anbaute und am 11. Februar 2005 im 82. Lebensjahr in Lugano starb. Meine Welt ist die Musik – dieses Lied, gesungen von Mireille Mathieu, war auch das Credo des Dream-Teams des deutschen Schlagers. Christian Bruhn: „Für mich ist das schönste gemeinsame Werk, das Georg und ich geschaffen haben.“

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Der Spion der dich liebt – 1. Platz beim „Radio Grand-Prix“!

Von Turid Müller

ExCellent Alexander Scholz und „Celler Schule“-Dozent Franco Ferraro haben mit ihrem Schlager „Der Spion (der dich liebt)“ den Radio Song Contest 2018 gewonnen!

„Der Song hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel“, sagt Franco Ferraro. Ein Jahr vor dem letzten „James Bond“ hatte er die Idee dazu gehabt: Es gibt gar keinen Schlager über James Bond! Vielleicht bietet sich da eine Liebesgeschichte an?

In der Zeit hatte sich Alexander Scholz per Facebook bei ihm gemeldet. Und es hat nicht lange gedauert – dann war der Text entstanden. „Alexanders Texte“, verrät der Komponist, „sind so geschrieben, dass beim Drüberlesen schon die Melodie dafür“ im Ohr erscheint. Und so war das Lied bald komplett. Und sie haben es Jürgen Drews angeboten. Der wäre ein passender Interpret für den Song, findet Produzent Ferraro. Denn er hat die hohe Stimme, die es dafür braucht. Auch wäre die Nummer perfekt für sein damaliges Album gewesen: Es gab Fotos von ihm in Anzug und Fliege. Der Spion hätte gepasst wie die Faust aufs Auge! – Das fand auch Drews‘ Plattenfirma. Nur leider kam die Idee ein paar Monate zu spät: Die CD war gerade fertig! „Auf dem Album wäre der Song der Knaller gewesen!“ bedauert Ferraro. Die CD erschien sogar pünktlich zum Filmstart. – Aber so landete der Song in der Schublade.

Alexander Scholz und Franco Ferraro

Den Radio Song Contest hat Franco Ferraro schon zwei Mal gewonnen – mit seiner Band SECHSERPACK. Jetzt den dritten 1. Platz mit einem eigenen Projekt zu gewinnen, hat ihn sehr gefreut.

Dass der Song Potenzial für was Größeres hat – da sind sich alle einig. „Ich bin nicht so der Interpret“, gibt Ferraro zu bedenken, der den Song für den Wettbewerb selbst gesungen hat. „Das war früher mal. Jetzt bleibe ich eher im Hintergrund. Ich habe Familie; ich will nicht mehr rumtingeln.“ Also sucht er weiterhin nach einem passenden Interpreten.

Auch ins Englische haben die beiden den Song übertragen – um ihn David Hasselhoff anzubieten. Interesse sei wohl da, aber noch habe sich nichts Konkretes ergeben.

Ein Interpret für die deutsche Version des Songs wird weiterhin gesucht. – Und mit Glück wird es ja noch was mit Drews. Sie werden ihm den Titel auf jeden Fall noch mal anbieten. Vielleicht ist diesmal das Timing auf ihrer Seite.

Der erste Platz hat auf jeden Fall gezeigt, dass es ein Hit werden kann. Man darf also gespannt sein! Erstmal heißt es jetzt Warten. – Auch auf den Pokal. Der wird gerade hergestellt. Ein Pressefoto ist für Ende Mai geplant. Dann wird es hier nachgereicht. Und es gibt schon bald was auf die Ohren, nämlich hier. – Viel Spaß!

 

„Frieden gibt es nicht umsonst“: Deutsch-französisches Kinderliederbuch auf Musikmesse lanciert

Von Turid Müller

Ilona Boraud (Celler Schule 2015) wollte „das Songtexten nur mal so ausprobieren, um es ganz eventuell irgendwann als Hobby zu betreiben“. Nun kann sie sich über zahlreiche Veröffentlichungen freuen. Eine der jüngsten: Ein deutsch-französisches Kinderliederbuch.

Alles fing mit einem Zufall an: Die Songtexterin wollte ihren Kollegen Peter Schindler nur fragen, ob es für ihn o.k. wär, wenn sie das gemeinsame Foto postet. Er rief zurück und stieß dabei auf ihren deutsch-französischen Anrufbeantworter. Französisch ist so eine tolle Sprache, fand er. Eine Weltsprache! Man müsse doch mal Lieder machen, halb auf Deutsch, halb auf Französisch! – Und so entstand das erste Lied. Aber: Auf einem Lied kann man nicht stehen. Es braucht eigentlich zehn, fand Schindler, damit man ein Buch draus machen kann. Gesagt, getan. Und im April wurde das Werk veröffentlicht: Kinderhits mit Witz Nr.22! Und schon ging’s auf die Musikmesse in Frankfurt!

Ilona Boraud auf der Musikmesse in Frankfurt

Der kollegiale Kontakt war der entscheidende Funke, aus dem die Idee geboren wurde: Der Komponist der Kinderlieder ist seit vielen Jahren Gast in der Celler Schule und stellt die bei der Ausschreibung die Aufgabe für das Genre ‚Kinderlied‘. „Ohne die Celler Schule hätts dieses Projekt nicht gegeben“, meint die ExCellentIn. Und natürlich auch nicht ohne den zweisprachigen Anrufbeantworter. – Auf die Frage, wie sie zu diesem kam, erzählt die mit einem Franzosen verheiratete Mutter mehrsprachig aufwachsender Kinder von ihren Studien-Jahren in Frankreich. Dort hat sie dann auch ihren Mann kennen gelernt… Zunächst habe der gemeinsame Anrufbeantworter nur Deutsch gesprochen – „dann haben die französischen Verwandten immer aufgelegt, weil sie nicht wussten, ob sie richtig verbunden sind“. Auch ein Französisch sprechender AB war keine Lösung – nun hängte die deutsche Familie irritiert auf. Die Antwort war schließlich: Zweisprachigkeit.

„Französisch ist eine schwierige Sprache? Stimmt nicht! Pas du tout ! Mit diesen Liedern beweisen wir das Gegenteil“, heißt es im Vorwort des Liederbuches, das die Vokabelliste gleich mitliefert.

Un, deux, trois, quatre. Eins, zwei, drei, vier.

Mach mit! Französisch lernen wir.

(Aus „Französisch lernen wir“. Musik: Peter Schindler. Text: Ilona Boraud.)

„Für die meisten Europäeer von heute ist es völlig selbstverständlich, in Frieden zu leben. Aber Frieden gibt es nicht umsonst. An der Völkerverständigung muss ständig aktiv gearbeitet werden, und ein Baustein dafür ist das Lernen der Sprache der jeweiligen Nachbarn“, gibt die Textdichterin zu bedenken. „Leider lassen sich Eltern bei der Sprach-Wahl ihrer Kinder vor allem davon leiten, was wirtschaftlich und für die Karriere nützlich ist. Die Sicherung des Friedens spielt bei diesen Überlegungen keine Rolle mehr.“

Vielleicht sollten wir es also öfter mal mit Ilona Borauds Anrufbeantworter halten. In diesem Sinne: „Bonjour und Guten Tag!“

 

 

„Ein Neuer Spielplatz“ – Vom Schlagertexter zum Jugendbuchautor

Von Turid Müller

Lukas Hainer, Celler Schule Jahrgang 1012 und danach mehrfach Jury-Mitglied, ist unter anderem mit den Songtexten bekannt geworden, die er für Santiano schrieb. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich nun der Schritt in die Welt der Bücher.

Foto: Franziska Nehmer

Schon der Eintrag in der Galerie der ExCellentInnen lässt erahnen, dass Großes zu erwarten ist. Titel: „auf dem direkten Weg zum Erfolg“. Und tatsächlich: Die Liste der Projekte, für die er textet, ist beachtlich: „Von den Schlümpfen bis zu den Puhdys, von Tobee & Vroni bis hin zu SantianoLUKAS HAINER […] zeigt die Bandbreite seines Schaffens und fährt Erfolge ein wie kaum ein anderer Newcomer der Textdichter-Szene.“ Das Debütalbum von Santiano erreichte Gold und Platin und steht inzwischen mit Diamond und 5-fach Platin bei weit über einer Million verkaufter Tonträger. Und mittlerweile schreibt er für weitere Branchen-Größen, wie z.B. für Helene Fischer.

Seinen Werdegang als Textdichter und seine neue Spielwiese als Buchautor schildert der Künstler in einem Clip: Santiano, seine Eintrittskarte zum Erfolg, wurde auch der Anstoß, Bücher zu schreiben: Ein Produkt für die Familien in der Hörerschaft sollte her. So entstand das Buch König der Piraten, das den Komponisten und Songwriter zum Kinder-&-Jugendbuch-Autoren machte. Natürlich ist es auch als Hörbuch mit Santiano-Songs erhältlich.

Buchcover: Franziska Nehmer

Nachdem Lukas die Herausforderung einmal angenommen hatte, stand ihm eine neue Welt offen. In der Welt der Bücher hatte er schon immer klare Favoriten, wie wir in einem Interview erfahren, das der Verlag mit ihm führte: „Die großen Kinder- und Jugendbuchautoren haben in mir beim Lesen immer den größten Eindruck hinterlassen“, so Hainer. „Von Ottfried Preußlers „Krabat“ über Michael Endes „Momo“ bis hin zu JK Rowlings „Harry Potter“ und jüngst „Reckless“ von Cornelia Funke: Neben Stephen King lese ich fast ausschließlich All-Age-Bücher, also Bücher, die Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansprechen.“

Sein erster Jugendroman ist am 01.03.2018 bei Piper erschienen. Das dunkle Herz heißt das Buch, zu dem ihn der Piraten-Ausflug ins Schriftstellertum motiviert hat. Die Ideen dazu haben natürlich auch etwas mit ihm zu tun, lässt er in einem Video durchblicken. Und mit dem Vorwissen und den Gedanken, die man mitbringt, wenn man sich an den Schreibtisch setzt. Inspirationsquelle war unter anderem das Stanford Prison Experiment. Der psychologische Versuch aus den 70ern war derart eskaliert, dass er abgebrochen werden musste und seither als Negativbeispiel für mögliche seelisch-zwischenmenschliche Komplikationen in der Forschung gesehen werden kann.

Auch bei dieser neusten Veröffentlichung führen die beiden beruflichen Wege wieder zusammen. Die Musik ist immer mit dabei: So kann man den Allrounder auch bei musikalischen Lesungen live erleben. Und natürlich ist er nicht nur als Buch-Autor aktiv, sondern auch nach wie vor als Songtexter. Er genießt es, selbst zu entscheiden, worüber er schreiben will. Was er sich als nächstes vornimmt? – Man darf gespannt sein…! Klar ist: Das dunkle Herz ist nur der erste Teil. Und: „Die Idee hat definitiv Potenzial für einen zweiten Band“, bestätigen RezensentInnen (mandysbuecherecke.de, 22.03.2018). – Eine Fortsetzung ist also in Sicht!

 

 

Charles Amberg im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

 

Montag 10 Uhr Vormittag in Deutschland: Wir warten sehnsüchtig auf Wochenend und Sonnenschein! Schon in den 1930er Jahren wussten die Comedian Harmonists höchst erfolgreich ein Lied davon zu singen. Fast neunzig Jahre später kommen noch immer kein Chor und kein A capella-Ensemble an diesem Gute-Laune-Lied vorbei. Die Musik stammt von Milton Ager (der auch Ain’t she sweet komponierte), der Text von Charles Amberg, der das englische Original von Jack Yellen Happy days are here again sehr frei ins Deutsche übertrug. Charles Amberg ist dieses Porträt gewidmet.

ICH REISS MIR EINE WIMPER AUS

Als Karl Amberg wurde er am 8. Dezember 1894 in Kessenich bei Bonn geboren. Eine Künstlerkarriere war ihm nicht in die Wiege gelegt. Sein Vater Peter Joseph Amberg war Maurer, seine Mutter Gertrud Hausfrau. Mit 22 Jahren, nach dem Tode seiner Eltern, zog Amberg nach Berlin und ging zwei Jahre später mit der acht Jahre älteren Elfriede Strickstrack eine Ehe ein, die kinderlos blieb und vermutlich nur eine Scheinehe war. Amberg, der, wie er es selbst bezeichnete, im Reklamewesen tätig war, suchte in Berlin Kontakt zur Künstlerszene. Seinen ersten Schlager Silvia veröffentlichte er 1921. Dabei änderte er seinen Vornamen auf Charles bzw. Charlie. Karl klang wohl im mondänen Berlin zu bieder.Der vielseitig Begabte hatte einen ausgeprägten Hang zu Nonsens-Texten und zu Dada. Mit dem Komponisten Fred Raymond (eigentlich: Friedrich Raimund Vesely) schrieb er 1928 das Lied Ich reiß mir eine Wimper aus. Zwischen den Zeilen seien hier deutliche Hinweise auf Ambergs homosexuelle Neigung zu erkennen, stellte der Musikexperte Ralf Jörg Raber in dem Buch Wir sind, wie wir sind. Ein Jahrhundert homosexueller Liebe auf Schallplatte und CD fest. Mit Fred Raymond verband Charles Amberg eine höchst erfolgreiche Zusammenarbeit. Mehr als 50 Lieder gehen auf das gemeinsame Konto, darunter das Lied Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche.

BIMBAMBULLA

Glanzvolle Ausstattungsrevuen waren in den Goldenen Zwanzigern in Berlin sehr beliebt. Ungekrönter König war der Theaterdirektor Hermann Haller mit den sogenannten Haller-Revuen. Eine davon schrieb Charles Amberg gemeinsam mit dem Komponisten Siegwart Ehrlich: Schön und schick. Die Premiere fand 1928 im Admiralspalast statt. Als besonderer Ohrwurm blieb das Lied Ich bin die Marie von der Haller-Revue in Erinnerung.Aus der Revue Sie – und ihre Miezekatze Amberg stammen die Schlager Angora und Kein Flanell. Bei dieser Produktion nützte Amberg auch sein Talent als Graphiker. Er entwarf die Titelbilder für die Notenhefte. Auch als Operetten-Librettist machte sich das Multitalent einen Namen. Für Clivia arbeitete er 1933 dem Komponisten Nico Dostal zusammen, es entstand dabei Dostals erfolgreichste Operette, für Rosen aus Schiras mit Frank Stafford. Eine Melodieblieb unvergessen: Martha, Martha, du entschwandest. Ein Riesenhit war auch der Schlager Bimbambulla, für den Karl Michael May die Musik schrieb. Mehr als 20 Plattenlabels brachten diesen Foxtrott heraus. Die berühmtesten Interpreten waren die Comedian Harmonists und Josephine Baker, die das Lied 1930 in Paris in dem berühmten Varieté-Theater Folies Bergère sang.

WOCHENEND UND SONNENSCHEIN

1930 landete Amberg, der in ein Schwulen- und Lesbenviertel in Berlin gezogen war, seinen größten Coup. Er übersetzte Happy days are here again ins Deutsche. Die Comedian Harmonists machten aus Wochenend und Sonnenschein einen All-Time-Hit. Die Beliebtheit des Schlagers ist bis heute ungebrochen. Ebenfalls unzertrennlich mit den Comedian Harmonists verbunden ist der Slowfox Auf Wiedersehn’n, my dear, auch bekannt als Gib mir den letzten Abschiedskuss. Die Comedian Harmonists rührten mit diesem Lied auf ihrem berühmten Abschiedskonzert im März 1934 in München das Publikum zu Tränen.Beim Film mischte Amberg ebenso kräftig mit. Er schuf für den letzten Stummfilm von Fritz Lang Die Frau im Mond das Titellied, verfasste für 64 Tonfilme mehr als 120 Schlager und schrieb auch drei Drehbücher, darunter für die Verfilmung des Romans von Ludwig Ganghofer Das Schweigen im Wald.

Am Höhepunkt seines Erfolgs verschwand der gefeierte Textdichter und Librettist von der Bildfläche. Bis 1944, so ergaben Recherchen, war er Häftling im Konzentrationslager Neuengamme. Ob seine Homosexualität der Grund dafür war, lässt sich nicht mehr eruieren. Nach seiner Entlassung erkrankte Charles Amberg an Lymphdrüsenkrebs und starb – von der Öffentlichkeit unbemerkt – am 15. August 1946 im Alter von 52 Jahren.

 

„Ambergs Spuren zu verfolgen und sein Leben zu rekonstruieren hat sich als äußerst schwierig erwiesen“, schreibt der Bonner Autor und Historiker Josef Niesen in dem Buch Gib mir den letzten Abschiedskuss. „Über die letzten Jahre gibt es kaum Greifbares. Die Lücke zwischen 1944 und 1946 lässt sich nicht mehr restlos aufklären. Sein plötzliches Verschwinden und seine KZ-Haft bleiben für uns ein Rätsel.“ Mit seiner akribischen Recherche und dem Verfassen des Buches sorgte Josef Niesen dafür, dass die Erinnerung an Charles Amberg erhalten bleibt.

 

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Die Illusion des Fortschritts: Feindlers Monatsgedicht – April 2018

 

Von Turid Müller

Michael Feindler packt diesen Monat einen Dauerbrenner der Geschichte an.

Einleitend schreibt er in seinem Newsletter (Link):  „Ob sich – in Anbetracht der Weltlage – die Menschheit wirklich weiterentwickelt, bleibt umstritten.“

Die Illusion des Fortschritts
Wird wieder mal der Vorwurf laut,
sie hätten bloß darauf geschaut,
den Stillstand exzessiv zu pflegen,
beginnen sie sich aufzuregen:
„Ihr seht doch, dass wir uns bewegen!
Wir geh’n voran, wir schreiten fort,
denn Fortschritt ist der schönste Sport –
den treibt man nicht am Abstellgleis!“
Doch wer genauer hinsieht, weiß:
Sie gehen. Aber nur im Kreis.

Bleibt zu hoffen, dass es kein Kreis, sondern eine Spirale ist.

„Der Dornröschenschlaf ist vorbei“ – Simone Altenried freut sich über aktuelle Veröffentlichungen

Von Turid Müller

Sie ist ExCellentin aus dem Jahrgang 2010 und von jeher als Schlagertexterin unterwegs. Jetzt finden drei ihrer Texte auf Album und Single von Monika Martin Beachtung.

Foto: TELAMO

Im Oktober 2017 wurde von Monika Martin die Single Das Gefühl als Vorbote auf ihr kommendes Album als Single veröffentlicht, mit dem sie sich bereits seit 21 Wochen in den Radiocharts in den Top Ten behaupten kann. „Die Musik stammt von meinem Mann Uwe Altenried, Text von mir“, verrät Simone Altenried.

Monika wurde am 27.03. zum zweiten Mal mit dem Smago Award geehrt – diesmal in der extra für sie erdachten Kategorie Der Dornröschenschlaf ist vorbei. Diese Zeile stammt aus der Single Ich tanze – ebenfalls von dem Künstler-Paar Altenried geschrieben. Das Video dazu ging im April online und leitet das neue Album von Monika Martin für immer, welches am 11.05. veröffentlicht wird, ein. „Es gibt kein Lied auf der CD das so heißt, aber der Name sagt viel aus, über die Künstlerin, ihr Tun, ihre Kreativität und den Menschen Monika Martin“, ist bei Telamo über die Künstlerin zu lesen.

Monika ist eigentlich als der „stille Star“ bekannt geworden, hat immer sehr leise Lieder gesungen. Sie hat sich in den letzten fünf Jahren komplett neu erfunden und ist von der Volksmusik im Popschlager gelandet. Ein Spagat, der nur wenigen Interpreten gelingt. Sie wurde mehrfach mit Gold ausgezeichnet“, erzählt die stolze Texterin.

„Mit Mehr als ein Freund (Musik Natascha Arnold & Uwe Altenried) hat sich Monika Martin einen dritten Song aus meiner Feder gepickt. Eine Geschichte die das Leben schrieb. Für diesen sehr persönlichen Song hätte ich mir kein schöneres zu Hause wünschen können“, so die ExCellentin.

„Also singe ich.“ – Christof Stählins Erbe

Von Turid Müller

Am 24. und 25. März traf sich die Christof-Stählin-Gesellschaft im Weyenhof in Wasungen. Die seit 2017 bestehende Vereinigung bemüht sich um das Andenken an den 2015 verstorbenen Christof Stählin.

Vorstand der Christof-Stählin-Gesellschaft

„Wer war Stählin für dich?“ lautet die Frage in die Runde des Liedermacher-Seminars. „Ein Lehrer“, „jemand mit Strahlkraft“, „ein Phantom“. – So unterschiedlich wie die Antworten sind, ergeben sie verschiedene Perspektiven auf ein und das selbe Thema. Das Bild, was dazu an die Tafel gezeichnet wurde, zeigt den so genannten Kaspar Hauser Turm. Ein Symbol, das Stählin in seinen ‚Unterweisungen‘ verwendet hat. Der Dichter, Liedermacher und Kabarettist hat nicht nur ein umfangreiches Werk, sondern auch seine Denk-Ansätze sowie viele begeisterte Schülerinnen.

Zwei davon führen seinen Lehre nun fort: Unter der Leitung von Matthias Binner und Martin Betz fand in der Woche vor Ostern zum wiederholten Male ein so genanntes SAGO-Seminar statt. Alte AnhängerInnen und neue Gesichter treffen sich hier, um in Sinne Stählins Grundlagen des Liedermachens zu durchdringen, einander Feedback zu geben und im Austausch künstlerisch zu reifen.

Dabei gehört es zum Konzept, dass alte Hasen, die Stählin noch kannten, neu Dazugestoßenen begegnen. Darum gab es auch ein Abschlusskonzert am Ende der Versammlung der Stählin-Gesellschaft, die direkt vorher tagte. Geladen waren die Teilnehmenden der anschließenden Fortbildung. Dargeboten wurden Lieder, Gedichte und Übersetzungen aus der Feder Stählins, sowie von ihm und seiner Lehre Inspiriertes.

SAGO heißt die Schule, die um den Altmeister herum entstand. Wer jetzt an ein fast vergessenes Getreide-artiges Produkt von Anno Knips denkt, denkt richtig: Der Name leitet sich von genau diesem Kolonialwaren-Produkt ab, für das es einst in vielen Küchenschränken eine eigene Schublade gab. Nachdem es aus der Mode kam sammelten sich hier lauter Dinge, die nirgends hin gehören: Gummibänder, Kleinstteile, Schrauben… Alles, was sonst in keine Schublade passt. So ist es auch in der gleichnamigen Liedermacher-Akademie, die man nach einem Gedicht von Stählin auch als ‚Versammlung der Inseln‘ beschreiben könnte: Lauter Individuen unterschiedlichster Genres finden sich hier zusammen. Namhafte KünstlerInnen wie Bodo Wartke, Sebastian Krämer und Dota Kehr sind schon aus der Talentschmiede hervorgegangen. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Um das veröffentlichte wie das unveröffentlichte Werk des großen Liedermachers zu pflegen und verwalten, gründeten Stählins Familie, Freundeskreis, seine Kolleginnen und Kollegen die Stählin-Gesellschaft. Ziele der Vereinigung sind die Schaffung eines Back-Kataloges, die Archivierung des Nachlasses sowie jährliche Gedenk-Konzerte:

Durch nachträgliche Digitalisierung sollen nach und nach alle Tonträger des Künstlers zugänglich gemacht werden – auch die auf Vinyl erschienenen und die vergriffenen. Als Kanäle seien der Shop auf der Homepage, sowie die üblichen online-Plattformen angedacht. Bisher sei ein Album unentgeltlich erhältlich.

Über den zu Lebzeiten veröffentlichten Bücher- und Schallplatten-Schatz hinaus sind weitere Veröffentlichungen geplant. Es ginge darum, den Schatz zu heben und ihn für die Nachwelt zugänglich zu machen, so Vereinsmitglied Matthias Binner und Vorstandsmitglied Philipp Taubert. Auch sei beabsichtigt, die Didaktik am Leben zu halten – zum Beispiel in Form eines SAGO-Lehrbuches.

Jährlich stattfindende Konzerte zum Gedenken an Stählins künstlerisches Werk werden von wechselnden SAGOnautInnen ausgetragen. Dieses Jahr findet das Memorial-Konzert am 21.06. in der Villa Eugenia in Hechingen statt.

Christoph Stählin

Neue Mitglieder sind in der Christof-Stählin-Gesellschaft herzlich willkommen – ganz gleich ob Fans, Schülerinnen oder Neu-Einsteigende.

 

Auch ohne meine Lieder ginge die Welt nicht zugrunde.
Schön, aber ich möchte darauf hinweisen, daß die

Welt ausschließlich aus Dingen besteht, ohne die sie nicht zugrunde gehen würde.
Man kann doch nun die Welt nicht einfach so ihrer Bestandteile berauben!
Also singe ich.

(Christoph Stählin)

„Ein kleiner Traum, den man sich erfüllt.“ – Kirchberg erstmals in der Elphi!

Von Turid Müller
Sein Becher-Album „Einmal frei. Und einmal glücklich sein.“ wurde kürzlich mit dem Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik geehrt. Nun spielt er das Programm wieder. Und zwar in der Elbphilharmonie! Ein guter Zeitpunkt für ein Interview…

„Es ist so etwas, woran man mal denkt… und dann träumt man…“ sagt Johannes Kirchberg  auf die Frage, wie sich das Konzert im neuen Hamburger Konzerthaus ergeben hat: Die CD war gepresst und es gab wenig Möglichkeiten aufzutreten – ein Streichquartett und ein kantiges Thema wie der Texter der Nationalhymne der DDR – dafür kann sich nicht jeder Veranstalter begeistern. „Spiel doch in der Elphi!“ hat eine Freundin spontan vorgeschlagen. – Ein Traum war geboren. Und der Musikkabarettist freut sich nun, dass die Bewerbung bei der namhaften Konzerthalle geklappt hat. Tatsächlich waren Becher und das Streichquartett der Türöffner für dieses Haus, das sich für Kabarett weniger erwärmen kann. „Die Besetzung gibt das her; das passt in den Rahmen.“

Fotograf: Stephan KnauerDie Veranstaltung findet anlässlich des 60. Todestages von Johannes R. Becher statt. Am 22.09.2018 um 19:30 Uhr steht Kirchberg zusammen mit dem Canea Quartett auf der Bühne im Kleinen Saal.

Die Vertonungen von Bechers Texten sind nicht sein erstes Projekt dieser Art. Seit vielen Jahren bemüht er sich um den Erhalt des Werkes von Schriftstellern – darunter Kästner und Borchert. „Dass das nun durch solch einen Spielort die entsprechende Wertschätzung erfährt, ist toll!“, sagt der Musiker zufrieden. – Aber lustig sei es schon, Ausschnitte der Nationalhymne der ehemaligen DDR in diesen heiligen Hallen zu spielen. Auf der CD ist sie bewusst nicht mit drauf. Aber live wird sie ausschnittsweise gespielt und thematisiert. Zunächst hatte er durchaus Bedenken: „Man will ja nicht die falschen Leute hinterm Ofen hervorlocken…!“ Aber diese Befürchtung hat sie nie bewahrheitet. Die Reaktion der Menschen ist oft: ‚Ach, die ist aber schön!‘ Und in der Tat, so Kirchberg, hat diese Hymne den besseren Text. Es habe sogar nach der Wende Bestrebungen gegeben, diese Zeilen mit der Musik von Haydn zur neuen Nationalhymne zu machen. Aber Kohl habe diktiert, dass es bei der alten bleibt und dass lediglich die 3. Strophe gesungen wird.

„Heimat und Frieden“, darum geht es eigentlich in dem Programm, hat Kirchberg hinterher festgestellt. – Also durchaus aktuell! Der Heimatbegriff wurde – und wird ja gerade wieder – missbraucht. „Ich kann mir doch als Linker das Wort nicht wegnehmen lassen!“, findet er. Und so hat er sich an diese Inhalte ran getraut. Es drehe „sich um Heimat, um das Ringen um Demokratie und den unbedingten Willen nach Frieden.“ Und das „ohne dabei die höchst streitbare Persönlichkeit Bechers zu ignorieren“, heißt es treffend auf der Homepage der ebenfalls umstrittenen Hamburger Kult-Location.
Das Besondere an dem Abend sind die Arrangements, sagt der Pianist. Ob man das nochmal so hinkriegt, sei unklar, weil man Leute braucht, die für so eine Aktion Feuer und Flamme sind. Es sei eben wirklich ein Herzensprojekt. Interessant auch, dass diese literarischen Vorlagen nie abgespielt sind. Sie haben keinen Zeit-Bezug und verlieren nie an Bedeutung.
Was als Nächstes kommt, weiß er noch nicht. Klavierkabarett – das sei wohl naheliegend. In Zusammenarbeit im Tom Reichel entsteht gerade ein neues Kabarett: AUSSTEIGERPROGRAMModer: was tut man nicht alles nicht.
Auf die Frage, ob er noch etwas sagen wolle, entgegnet er schlicht: „Es gibt noch Karten!“
Also: Hin da!

 

 

 

 

 

 

 

 

Blog-Buster. Neue Redakteurin stellt sich vor

Seit einigen Monaten steht über den Blogbeiträgen des Öfteren ein neuer Name: Turid Müller. Das bin ich. 

Seit Herbst letzten Jahres bin ich im Team und habe die Freude, für Euch über Neuigkeiten aus dem Musikbusiness und dem Umfeld der Celler Schule zu berichten. Höchste Zeit, hallo zu sagen!

Moin moin aus Hamburg! Ich bin ExCellentin des Jahrgangs 2016. Direkt nach diesen (Schlaf-ärmsten wie Inspirations-reichsten Wochen meines bisherigen Lebens) bin ich mit meiner ersten eigenen Show durchgestartet: Die Teilzeitrebellin heißt das Musikkabarett- und Chanson-Programm, das ich zusammen mit meinem Pianisten Stephan Sieveking und gut gepampert von NestWerk wie Musenmuddi aus der Taufe gehoben habe.

Fotograf: Torge Niemann

Was ich singe? PolitChansons und SeelenBalsam – von satirisch bis sensibel ist alles dabei. Dabei geht’s durch viele verschiedene Genres von Pop bis zum klassischen Chanson. Zwischendurch plaudere ich aus dem Nähkästchen meiner Erfahrungen als Psychologin, die mir einen sehr speziellen Blick auf die Welt ermöglichen…

Die Celler Schule war der Startschuss, der mir lange gefehlt hatte. Und ich freue mich unbändig, jetzt meiner Berufung zu folgen und weiter mit diesem einzigartigen Netzwerk verwoben zu sein – auch durch diesen Blog. Eure Erlebnisse und Erfolge schreibend begleiten zu können, macht mir wahnsinnig viel Spaß. Und ich bin gespannt, welche Geschichten noch auf uns warten!

Wenn es etwas gibt, das Ihr für erzählenswert haltet, meldet Euch gern jederzeit bei mir! Ganz gleich, ob es dabei um Euch und Eure Projekte geht oder um etwas anderes – lasst es uns wissen!

Ich freue mich, Euch kennen zu lernen, und lade Euch hiermit ganz herzlich ein, mal vorbeizuschauen. Unter den nächsten Gelegenheiten sind zum Beispiel diese:

  • 16.03. Stollwerck Köln
  • 08.04. Sprechwerk Hamburg
  • 12.04. Das Kult Braunschweig
  • 13.04. Schauspielhaus Bergneustadt
  • 18.05. Theater O-Tonart Berlin

Also dann…

Bis ganz bald hoffentlich. – Auf einen Plausch im Foyer, in Eurer Mail an mich oder hier im Blog beim nächsten Artikel.

Turid

 

 

Musik verbindet! – Der Unterwegs.Chor hilft gegen Heimweh und beim Zusammenwachsen

Von Turid Müller

 

Manuela Hörr, Celler Schule 2001, hat zusammen mit ihrem Kollegen und Partner Mark Roberts den UChor ins Leben gerufen. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz hat das Projekt jüngst ausgezeichnet. – Hoch verdient!

 

Fotograf: Clemens Heidrich

Die ExCellentin kennt sich aus mit Multikulturalität. – Sie lebt in einer zweisprachigen Familie, die gleichzeitig ein Zwei-Personen-Theaterunternehmen ist: Das Theater R.A.M.: Manuela Hörr (Schauspielerin, Sängerin, Komponistin, Texterin & Kulturpädagogin) und Mark Roberts (Musiker & Sänger).
Mit ihrer Musik und ihren Theaterstücken für Kinder und Jugendliche touren sie durch ganz Deutschland und haben in ihrem BaseCamp Hildesheim auch für große Kinder viele Initiativen ins Leben gerufen, die schon beim Lesen schwer neugierig machen – wie zum Beispiel der „Hildesheimer Beschwerdechor“.

Seit einer Weile gibt es eine neue Perle in dieser spannenden Reihe: Den Unterwegs.Chor. Hier wird zusammen gesungen, geschauspielert und gekocht. Und das in vielen vielen Sprachen. Alle lernen voneinander. Jeder ist Expertin – für das eigene Land.

Der Unterwegs.Chor Hildesheim besteht aus Menschen, die unterwegs sind. Angekommene Zugewanderte und bewegliche Einheimische schlendern gemeinsam durch ihre unterschiedliche Musik und Kultur. Gleichzeitig wandert das Publikum durch die Hildesheimer Landschaft. Die Natur gehört allen, die Musik auch. Wir machen gemeinsam Musik und lernen einfache Lieder aus verschiedenen Ländern voneinander singen.

Unser Projekt bietet Menschen die Möglichkeit, sich durch gemeinsames Tun kennenzulernen, ohne dass Sprache ein Hinderungsgrund wäre. Wir singen Lieder aus unserer jeweiligen kulturellen Heimat, wir summen oder lautmalen. Auch Bodypercussion ist als universelle Sprache bestens geeignet.
Beim Unterwegs.Chor treffen sich alle mit den gleichen Voraussetzungen als Weltbürger, als Menschen mit Offenheit und Neugier.“

Fotograf: Clemens Heidrich

Was unsere Gesellschaft gerade dringend braucht, wird hier geschafft: Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen begegnen sich, tauschen sich aus und wachsen zusammen. Und so verwundert es nicht, dass von den 381 Institutionen, die sich 2017 beworben hatten, auch der UChor gewürdigt worden ist. Als „Vorbildlich“ sieht die Jury das Wirken des Chores. Mit der Auszeichnung verbunden sind Preisgeld, Medienpräsenz sowie eine feierliche Preisverleihung.

Wer Lust bekommen hat, rein zu schnuppern, kann HIER eine Dokumentation über das Ensemble und über seine Performance „Club Homesick“ bewundern. Es locken aber auch live-Konzerte, zum Beispiel eine Sing-, Spiel- und Backperformance am 21. und 22. April im Riedelsaal. Mehr Informationen zu den Shows sowie Tickets gibt’s online.

Viel Spaß!

Günther Schwenn im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Der Fasching war kurz, der diesjährige Rosenmontagkater ist längst verflogen. Wer aber glaubt, Komasaufen wäre ein Phänomen unserer Tage, der irrt. In den 1960er Jahren sang man: Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort… Günther Schwenn hatte zur Musik von Heino Gaze den Text für dieses Karnevalslied geschrieben, das Willy Millowitsch berühmt machen sollte, und sich dadurch heftige Kritik von zwei protestantischen Kirchenmännern aus Frankfurt eingehandelt. Dass Schwenn allerdings weit mehr auf dem Kasten hatte als simple Schunkellieder, zeigt dieses Porträt.

SCHÖN IST JEDER TAG…MARIE LUISE

Günther Schwenn wurde am 18. März 1903 als Adolf Hermann Carl Günther Franzke als Sohn des Kaffeegroßhändlers Eduard Franzke und dessen Frau Louise in Berlin geboren. Günther wurde sein Rufname. Später nahm er den Mädchennamen seiner Mutter als Pseudonym an. Nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium, das er schon 17 Jahren ablegte, studierte er Literatur-und Kunstgeschichte in Freiburg. Nach der Rückkehr nach Berlin begann seine Karriere als Kabarettist, wo Franzke/Schwenn im Küka, dem Künstlerkaffee, arbeitete – nach eigener Aussage als Direktor, Klavierspieler, Texter und Rausschmeißer in Personalunion. Seine Mitstreiter waren Erich Kästner, Werner Finck und Max Kolpe, der für eine Gage von 5 Mark seine ersten Gedichte aufsagte. Als das Küka geschlossen wurde, trat er in dem politischen Kabarett Die Wespen auf und veröffentlichte Chansontexte und Gedichte in dem Buch Gesänge gegen bar.

Nach der Machtergreifung Hitlers verschwand der Kabarettist Günther Franzke von der Bildfläche. Als Günther Schwenn kehrte er wieder, verschrieb sich von nun an der leichten Muse, wurde Schlagertexter und landete mit dem Lied Schön ist jeder Tag, den du mir schenkst, Marie Luise in dem Film Die Sonne geht auf, seinen ersten Erfolg. Dieses Lied, das Will Meisel komponierte, fand auch später Eingang in die Operette Königin der Nacht.

FÜR EINE NACHT VOLLER SELIGKEIT

Ope-rette sich, wer kann! so lautete Schwenns Devise, als er Haus- und Hoftexter des Metropoltheaters in Berlin wurde. Heinz Hentschke war dort nicht nur Direktor, sondern auch Librettist, „der letzte König und der erste Manager der Operette“, so ZEIT online. Zehn Jahre lang verfassten die beiden mit Komponisten wie Fred Raymond, Ludwig Schmidseder, Friedrich Schröder und Theo Mackeben alljährlich ein musikalisches Bühnenwerk, getreu dem Motto: Je schwerer die Zeiten, desto leichter die Unterhaltung. Die erfolgreichste Operette wurde Maske in blau (Komponist: Fred Raymond). Noch heute steht sie auf den Spielplan deutschsprachiger Musiktheater, noch heute hat man das Lied Die Julischka, die Julischka aus Buda-Buda-Budapest im Ohr.

Auch der Musikfilm kam an dem vielseitigen Texter nicht vorbei. Dank Schwenn sang sich  Marika Rökk mit viel ungarischem Temperament und ebensolchem Akzent in dem Film Kora Terry in die Herzen der deutschen Kinobesucher. Ihr Lied Für eine Nacht voller Seligkeit ist bis heute unvergessen. Die Melodie stammte von Peter Kreuder. Die meisten Filme sind in Vergessenheit geraten. Nur Witwer mit 5 Töchtern mit Heinz Erhardt in der Hauptrolle taucht Lochness-artig im Samstagsnachmittagsprogramm des Österreichi-schen Fernsehens auf.

Schwenns kreativer Output war schier unerschöpflich: Er verfasste die Liedtexte für 60 Bühnenwerke, 100 Musikfilme und über 1000 Einzeltitel, darunter: Wenn die Sonne über den Dächern versinkt (Pola Negri, Greta Keller und Hildegard Knef), Ach, Egon, ich hab ja nur aus Liebe zu dir… (Evelyn Künneke), Wenn die Glocken hell erklingen, eine Übersetzung von Les trois cloches (Fred Bertelmann, Gerhard Wendland, Lys Assia und Margot Eskens), Es kommt auf die Sekunde an (Johannes Heesters) und Durst ist schlimmer als Heimweh (Friedel Hensch). Bei seinem Auftritt im Wintergarten in Berlin wurde der Clown Charlie Rivel mit dem Lied Akrobat schö-ö-ön! überrascht, das Schwenn gemeinsam mit Fred Raymond schuf.

HEIMWEH NACH DEM KURFÜRSTENDAMM

Nach Ende des Krieges konnte Günther Schwenn seine Arbeit als Textdichter, Librettist und Autor nahtlos fortsetzen. Er engagierte sich ehrenamtlich in den Berufsverbänden, gehörte zu den Mitbegründern der GEMA-Stiftung und folgte Kurt Schwabach als Präsident des Deutschen Textdichteverbandes. In Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Unterhaltungsmusik wurde ihm 1979 als erstem Textdichter der Paul-Lincke-Ring verliehen, er wurde 1982 Ehrenmitglied der GEMA und erhielt 1983 die Goldene Feder des DTV.

Günther Schwenn starb am 4. Januar 1991 in Montreux am Generelle. Er wurde auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf beigesetzt. Schwenn lebte seit 1959 in der Schweiz, blieb aber im Grund seines Herzens ein Berliner. Ist ja auch nicht verwunderlich bei einem, der seiner Heimatstadt eine unnachahmliche Liebeserklärung geschenkt hat: Ich hab’ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm, ich hab’ so Sehnsucht nach meinem Berlin… Die 3 Travellers nahmen 1950 das Lied auf Platte auf, das durch die Interpretation von Marlene Dietrich und Hildegard Knef berühmt gemacht wurde. Für Bobby Kamp, den Komponisten der Berliner Hymne, blieb es allerdings ein One-Hit-Wonder.

Der während des Krieges nach London emigrierte Journalist und Kritiker Paul Erich Markus, der seine Artikel mit Kürzel PEM signierte, sprang auf den Zug auf und verwendete den Titel für seine Erinnerungen an das Berlin der Zwanziger Jahre. Das 1951 erschienene Buch wurde ein Bestseller.

 

 

 

 

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