Carlo Karges im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

„Hast du etwas Zeit für mich? Dann singe ich ein Lied für dich von 99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont…“ 1983 traf Carlo Karges mit diesem Song, der die Neue-Deutsche-Welle-Band Nena an die Spitze der heimischen und internationalen Charts katapultierte, den Nerv der Zeit. Eine Erinnerung an den Gitarristen und Texdichter, der am 31. Juli seinen 70. Geburtstag begangen hätte.

WER SCHMETTERLINGE LACHEN HÖRT

Carlos Karges, geboren am 31. Juli 1951 in Hamburg, träumte schon als kleiner Junge von einer Musikerkarriere. Mit 20 wurde er Gitarrist und Keyboarder bei der Hippie-Band Novalis an, für die er das romantische Gedicht „Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken“ schuf, das oft fälschlicherweise dem Dichter Novalis zugeschrieben wird, nachdem sich die Gruppe benannt hatte. Das Lied ist vergessen, die erste Zeile lebt heute als Kalender- und Wandtattoo-Spruch weiter. Nach einem kurzen Gastspiel bei der NDW-Band Extrabreit lernte er 1982 die Sängerin Susanne Gabriele Kerner, genannt Nena, kennen, die gerade dabei war, mit ihrem Freund, dem Schlagzeuger Rolf Brendel, eine neue Musikgruppe zu gründen und einen Gitarristen suchte.

99 LUFTBALLONS

Als die Rolling Stones am 8. Juni 1982 in Berlin ein Open Air-Konzert in der Waldbühne spielten, wurden am Ende der Show Tausende Luftballons in den Nachthimmel geschickt. Was wäre wohl, wenn die Luftballons in die DDR rüberfliegen würden? dachte sich Carlo Karges, einer der 22.000 Konzertbesucher. Könnten sie für atomar bestückte Flugojekte gehalten werden, die einen militärischer Gegenschlag zur Folge hätten? Er spann diese verrückte Idee weiter und textete einen Song, zu dem sein Bandkollege Uwe Fahrenkrog-Petersen die Musik komponierte. „Carlo, das ist das Beste, was du je geschrieben hast“, meinte Nena begeistert, obwohl es die Plattenfirma ganz anders sah. Es fehle der Refrain, es gäbe keine richtige Hookline. Und mitsingen könne man auch nicht. Was für ein Glück, dass sich Nena gegen die Plattenbosse durchsetzte.

IRGENDWIE, IRGENDWO, IRGENDWANN

Brendel schwärmt noch heute über seinen Freund und Bandkollegen: „Carlo war ein Rockpoet, der es verstand, Texte zu schreiben und Musik zu komponieren, die einen sofort mit auf eine Reise nehmen.“ Aus Carlos Feder flossen noch weitere erfolgreiche Songs: “Irgendwie, irgendwo, irgendwann”, aus dem die wunderbare Zeile „Liebe wird aus Mut gemacht“ stammt, “Rette mich” und Vollmond“. Nach fünf Jahren ging die beispiellose Erfolgsgeschichte zu Ende. Die Musiker waren ausgebrannt, das vierte Album lag bleischwer in den Regalen, die Band löste sich 1987 auf. Für Carlo begann eine unaufhaltsame Talfahrt. Wie hatte er es nur geschafft, in kürzester Zeit ein Millionenvermögen durchzubringen? „Nun, das ist ganz einfach. Man braucht nur einen ausgeprägten Hang zum süßen Leben, ausreichend Verschwendungssucht, ein übersteigertes Ego, wirtschaftliches Unvermögen und ein paar schlitzohrige Finanzberater“, so beschrieb es Rolf Bendel in dem Buch “Nena – Geschichte einer Band“. Dazu kamen auch noch immense Steuerschulden. Carlo versuchte, sich ein zweites Standbein neben der Musik zu schaffen. Aber auch das ging schief. Das Café Carlo, ein Musikcafé in Berlin, musste er nach einem Jahr wieder zusperren. Die Kundschaft war ausgeblieben, er selbst sein bester Gast geworden. Seine Band “Café Carlo” blieb ebenfalls erfolglos. Als die Plattenfirma Sony seine neuen Projekte ablehnte, schickte Karges erbost dem Chef ein Paket mit all seinen Gold- und Platinplatten, die er zuvor in Stücke gehackt hatte. Und dann zerkrachte er sich auch noch mit Nena.

ICH BIN DIE LIEBE

1994 zeigte der einstige Star aber noch einmal, was er konnte, schrieb nach seiner Versöhnung mit der Sängerin für ihr Soloalbum “Und alles dreht sich” zwei Titel („Vor deiner Tür“ und “Ich bin die Liebe“) und arbeitete 1996 als Texter am ZDF-Soundtrack-Album “Nena und die Bambusbären-Bande” mit. In den darauffolgenden Jahren kriegte er aber nichts mehr auf die Reihe. Er spielte bei unbedeutenden Bands und ertränkte seinen Frust im Alkohol. Am 30. Januar 2002 starb Carlo Karges im Alter von 51 Jahren in Hamburg an Leberkrebs und wurde im Urnenhain am Friedhof Ohlsdorf anonym beigesetzt. Am 31. Juli 2021 hätte Carlo seinen 70. Geburtstag gefeiert.
“Hab‘ ’nen Luftballon gefunden. Denk‘ an dich und lass‘ ihn fliegen…”

Fotonachweis: Die Fotos stammen aus dem Buch „Nena – Geschichte einer Band“ von Rolf Brendel, das Carlo Karges gewidmet ist. Das Porträtfoto hat Jim Rakete gemacht.

Freundschaft fürs Leben: Jahreshauptversammlung vom Freundeskreis Celler Schule

Von Turid Müller

Der Förderverein der Celler Schule, ins Leben gerufen, um der der Masterclass der GEMA-Stiftung auch auf dem Papier den richtigen Rahmen zu geben, tagte am 04. Juli. Dank moderner Technik waren alle Vereinsmitglieder (virtuell) anwesend. Teilgenommen wurde von unterschiedlichsten Orten aus – zu Wasser und zu Land.

Man mag es kaum glauben – aber: Hinter dem kreativen Treiben der Nachwuchs-Schmiede steckt mittlerweile auch ein gehöriger Batzen Vereinsmeierei. Glücklicherweise kann der junge Verein dabei auf die Unterstützung von Willi (Hans-Wilhelm Giere) setzen. Er begleitet die Vereinsmitglieder (und, wie er augenzwinkernd bei der Sitzung anmerkte, auch die „Mitgliederinnen“) mit kundigem Kopf durch den Bürokratie-Dschungel.
Dank gilt auch dem nach der Entlastung frisch verabschiedeten Vorstand – und ganz besonders Gordon Buschle für seine (wie es im Protokoll heißt) „Verdienste bei der Gründung des Vereins und die jahrelange Tätigkeit als Vereinsvorsitzender“.
Als neuen Vorstand können wir begrüßen: Hans-Wilhelm-Giere (1. Vorsitzender), Tobias Reitz (2. Vorsitzender), Peter Heske (Kassenwart) und Thomas Paul Schepansky (Kassenprüfer). Für die Zukunft hofft der Verein auf eine paritätischere Besetzung.

Was gibt es sonst Neues?
„In diesem Jahr wird von Barbara Berrien wieder eine Sonderspende für den Hans-Bradtke-Förderpreis auf dem Vereinskonto eingehen“; in Kürze wird es einen aktuellen Flyer für den Förderverein geben und die Planungen für die (Corona-bedingt) auf 2022 verschobene 25-Jahr-Feier der Celler Schule sind in vollem Gang.

 

Apropos Corona-Krise: Die Situation der Kulturbranche zeigt einmal mehr, wie wichtig solche Netzwerke und Strukturen für uns Kulturschaffende sind. Und leider auch, dass wir sie selbst aufbauen müssen, weil es sonst keiner tut. Der Förderverein ist ein starker Begleiter der Celler Idee. Und damit er noch stärker wird, freut er sich über Eure Unterstützung.

Ein Preis – zwei ExCellent*innen: Der Förderpreis vom Kleinkunstpreis Baden-Württemberg geht an Anne Folger & Mackefisch

Von Turid Müller

Dieses Jahr wurde der hochdotierte Förderpreis gleich zweifach vergeben: Einer an Mackefisch, das Liedermacher-Duo aus Peter Fischer (Celler Schule 2018) & Lucie Mackert. Und einer an Klavierkabarettistin Anne Folger (Celler Schule 2019).

„Die Rekordzahl an eingegangenen Bewerbungen zeigt: Der Kleinkunstpreis ist aktuell wichtiger denn je“, betont Georg Wacker, Geschäftsführer von Lotto Baden-Württemberg. „Mehr als doppelt so viele Künstler wie üblich haben ihre Unterlagen eingereicht. Wir freuen uns besonders, die Preisträger auch in so einer schwierigen Situation unterstützen zu können und ihre Leistung zu würdigen.“ Daher wichen die Veranstalter*innen 2021 vom Usus ab, den Förderpreis nur an ein Projekt zu vergeben: „Der Fördergedanke ist tief bei uns verankert, deshalb haben wir beschlossen“, diesmal gleich „zwei vielversprechende Talente zu unterstützen“, bekräftigt Georg Wacker.

Lucie Mackert und Peter Fischer „sind sehr dankbar für diesen Preis des Landes Baden-Württemberg. Besonders in den auftrittslosen Zeiten von Corona, in denen einem das direkte Feedback zur eigenen Kunst etwas fehlt“ sei „so eine Auszeichnung ein fantastischer Rückenwind“, ließ das Bühnengespann verlauten.
„Superspannend“ war der Kommentar der Jury zum Material der Mini-Band.

Inzwischen arbeiten die zwei an ihrem neuen Album Oxytocin, das im März 2022 erscheinen wird.
Was das Dreamteam für Bühne und Leben sonst so bewegt? Nicht nur die Zukunft ihres Programms – auch die Zukunft unseres Planeten: Im Rahmen des Wettbewerbs Funny for Future vom Unterhaus Mainz haben Sie ein Video über ihren potenziellen Enkel gedreht. Bis 27.06. kann man für den bisher ungeborenen Nachfahren noch voten. Auch wenn es dabei eigentlich gar nicht ums Gewinnen geht, sondern um die Wurst – sprich: Um einen lebenswerten Planeten.

Anne Folger (Fotograf: Guido Werner)

Die andere Förderpreisträgerin ist Anne Folger. Fazit der Jury: „Blitzgescheit, charmant, spritzig, frech und hintergründig!“ Das Lied, das die Jury vor allem überzeugte, ist aus Fußnoten, dem brandneuen Programm der Musikkabarettistin: „Manche Anmerkungen findet man nicht im Text. Den kleingedruckten Stachel hinter dem Kompliment, die euphorische Schlagzeile mit ironischem Beigeschmack. Annes Blickwinkel sind eigenwillig und kommen leichtfüßig, aber tiefgründig daher. Mit Wortwitz und Ironie singt sie im Rosamunde-Pilcher-Stil gegen Großkonzerne, über das Glück zu fliegen, wenn die Beine fest auf dem Boden stehen, parodiert anschaulich Beethovens Götterfunken unter Lockdown- und Weingeist-Bedingungen, lässt Doremi (…), die Influencerin ihres Debüt-Programmes „Selbstläufer„, im neuen Tutorial erklären, welche Intervalle zum Fasten geeignet sind und warum der Tritonus keine Nuss ist.“

Bei ihrer Bewerbung hatten die Preisträger*innen es dieses Jahr krisenbedingt besonders schwer: „Die extrem hohe Anzahl der Bewerbungen ist (…) ein deutliches Signal dafür, dass die Künstlerinnen, Künstler und Gruppen auch in der Pandemie neue Programme und Formate entwickelt haben.“ Die Organisator*innen wollten mit dem Preis „in der herausfordernden Zeit der Corona-Pandemie auch ein Signal des Mutmachens setzen“, betonte Petra Olschowski. Die Kunststaatssekretärin ist sich sicher: „Auch die große Fangemeinde wird der Kleinkunst treu bleiben.“ Das kann sie dann hoffentlich spätestens bei der offiziellen Preisverleihung unter Beweis stellen: Wenn alles gut geht ganz klassisch in 3D – am 12. Oktober in der Württembergischen Landesbühne in Esslingen.

 

Deutscher Textdichter-Verband wählt neuen Vorstand und stellt Textdichter-Aufsichtsrat der GEMA

Quelle: Deutscher Textdichter Verband

Im Rahmen der aufgrund der anhaltenden Pandemie online abgehaltenen Mitgliederversammlung des Deutschen Textdichter-Verbands wurden am 08. Juni 2021 nicht nur aktuelle Themen des Berufsstandes diskutiert, sondern auch ein neuer Vorstand gewählt.

Steve Art, Jörg Wendel, Andrew van Scoter, Katja Kuhl, Kai Heimberg, Isabell Vreden

Präsident Frank Ramond dankte zuvor den scheidenden Vorstandsmitgliedern Pe Werner, Klaus Pelizaeus und Thomas Woitkewitsch ausdrücklich für ihr großes Engagement für die Belange des Verbands in den zurückliegenden Jahren. Alle drei Beirät:innen hatten auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Nach dem Tod des langjährigen Schriftführers Peter Zentner im Mai 2021, für den ebenso wie für weitere verstorbenen Verbandsmitglieder eine Gedenkminute eingelegt wurde,  waren somit insgesamt vier Vorstandsposten neu zu besetzen.

Präsident Frank Ramond, Vizepräsident Tobias Reitz sowie Schatzmeister Lukas Hainer kandidierten erneut und wurden allesamt einstimmig (keine Gegenstimmen, einzelne Enthaltungen sowie Enthaltung der Vorstandsmitglieder selbst) wiedergewählt. Als neue Vorstandsmitglieder wurden mit gleicher Stimmenzahl einstimmig gewählt: Diane Weigmann, Pat Appleton und Götz von Sydow für den Beirat sowie Erdmann Lange als Schriftführer.

Im Amt bestätigt wurde außerdem Kassenprüfer Curt Weiner, der das Amt bereits seit vielen Jahren bekleidet. Der DTV gratuliert herzlich allen neu und wieder Gewählten!

44 Mitglieder des Verbandes waren während der vierstündigen Sitzung online anwesend, außerdem die Justiziarin des DTV, Rechtsanwältin Katrin Busch, die den ordnungsgemäßen Verlauf der Wahl überwachte. Als Wahlleiter fungierte Alexander Scholz.

Am darauffolgenden 09. Juni 2021 wurde im Rahmen der GEMA – Mitgliederversammlung ein neuer GEMA-Aufsichtsrat gewählt. Auch hier übernahmen DTV-Mitglieder Verantwortung und fanden das Vertrauen der Delegierten: Stefan Waggershausen, Frank Ramond, Tobias Reitz und Götz von Sydow vertreten die Textdichterkurie im neuen Aufsichtsrat der GEMA. Als Stellvertreter:innen wurden Diane Weigmann und Tobias Künzel gewählt. Herzlichen Dank und Gratulation allen Mandatsträger:innen! Der DTV wünscht ein glückliches Händchen bei allen anstehenden Entscheidungen!

Groove mit Grips – Lennart Schilgens aktuelles Album stürmt die Liederbestenliste

Von Turid Müller

Sein Pressetext verrät, was Fans schon lange wussten: „Lennart Schilgen (Celler Schule 2011) schreibt Lieder, die Geschichten erzählen. Darin verbindet er, was in der Pop-Musik selten zusammenkommt: Groove und Grips, Sensibilität und Selbstironie.“ – Kein Wunder, dass seine neue Scheibe „Populärmusik“ ihrem Namen gleich alle Ehre macht!

Foto: Marcel Brell

„Es sind alltägliche Konflikte, aus denen Schilgen seine Mini-Dramen strickt: Das Telefonat mit einer Festivalbekanntschaft nach Jahren der Funkstille. Die schleichende Resignation in einer festgefahrenen Beziehung. Was überrascht, ist die Leichtigkeit, die er dabei versprüht: Hier ein beatlesquer Background-Chor, da eine spielerische Umdeutung der Sprache.“
Mit der CD mischt der Gewinner der Tuttlinger Krähe 2020 die von der Kleinkunstbühne gewohnten geschliffenen Texte mit der musikalischen Power, mit der uns bereits seine Band Tonträger verwöhnt hat:

„Das Pendeln zwischen Rock’n’Roll und Chanson, Ernsthaftigkeit und Komik machte es“ ihm „nie leicht, eine passende Schublade zu finden.“ Doch er findet „eine höchst eigenständige Alternative: gefühlvollen, intelligenten Pop, der auf Anhieb Spaß macht, aber noch viel mehr genaues Zuhören belohnt“, schließt sein Pressetext.

Die neuen Hits aus seiner Feder sind wo sie hingehören: Im Radio. Und wer weiß, was als nächstes kommt!?! Schilgen beantwortet diese Frage in seinem Facebook-Account, indem er sich selbst zitiert: „Kann doch sein, dass es mich bis ganz nach oben führt„. Das könnte tatsächlich prophetisch gewesen sein. Im Mai stand er jedenfalls mit Ich lass es nur geschehen auf Platz 1 der Liederbestenliste und die neue EP wurde dort Album des Monats!

„Tanz, tanz, tanz!“ – Kann Spuren von ExCellent*innen enthalten…

Von Turid Müller
„Spuren“ ist arg untertrieben: Am aktuellen Album von Vanessa Neigert haben sage und schreibe fünf Kreative aus dem Dunstkreis der Celler Schule mitgewirkt!
Tanz, tanz, tanz! (Lyrics: Kurt Schoger) bringt vermutlich ganz gut auf den Punkt, was uns allen gerade fehlt. „Der Titelsong wurde vorab am 26.02.21 als Single ausgekoppelt“ erzählt Ilona Boraud (Celler Schule 2015): „Das Thema `Tanzen´ passt natürlich super zu Vanessas Beteiligung an `Let’s dance´ bei RTL.“ Beim Finale im Mai wird sie dort noch mal zu sehen sein.
Die Liebesliedphobie, ihrer zweiten Single, spricht vermutlich auch manchem Schlagermuffel aus der Seele! Wie an dieser weit verbreiteten Krankheit ist auch bei Ich weiß, was ich will! Alexander Scholz (Celler Schule 2013) als einer der Texter und Komponisten beteiligt. Daneben gibts genug Titel, die eindeutiger als Schlager-Nummern erkennbar sind: Für Du passt zu mir haben Simone Altenried (Celler Schule 2010) und Tobias Reitz (Celler Schule 2001) den Songtext geschrieben. Und Textdichterin von Familie ist Ilona Boraud. Sie verrät: „Das Thema `Leben mit Kindern´ hat sich Vanessa gewünscht. Sie hat zwei kleine Kinder, und wie viele junge Mamas jongliert sie zwischen Kids, Haushalt und Job. Das ist auch immer mal wieder Thema in ihren Stories auf Instagram.

Ilona Boraud

Stefano Maggio (Komponist) hatte Kontakt zu Vanessas Produzenten Nils Brandt und Oliver deVille und meinte zu mir: „Ilona, es wird Zeit, dass wir mal einen Schlager zusammen schreiben!“ Bisher haben wir nur Kinderlieder zusammen geschrieben, z. B. Nudeltag, das nach zwei Monaten eine halbe Million Klicks auf YouTube hatte. Am 16.04. erschien Mit dem Rad.“

Wie sie ihren neuen Kollegen kennengelernt hat? Ganz modern und sozial maximal gedisdanced: „Stefano ist halb Deutscher, halb Italiener, lebt in Rom und hat mich mal über Facebook angeschrieben. Seitdem arbeiten wir zusammen, obwohl wir uns noch nie persönlich präsent gesehen haben.“

Einiges ist besonders an diesem Album von Vanessa Neigert, verrät die ExCellentin: Es ist ihr erstes, „auf dem nur eigene und keine Cover-Songs sind.“ Und hinzu kommt: „Vanessa Neigert ist die einzige erfolgreiche junge Künstlerin, die Schlager im Stil der 1950s und 1960s singt.“

Übrigens: Hoffnung darauf, dass so mancher Herzenswunsch (Textdichter: Kurt Schoger, Celler Schule 2014) doch noch in Erfüllung gehen könnte, macht folgende musikalische Enthüllung, an der unter anderem Tobias Reitz mitgewirkt hat – Trommelwirbel: George Clooney ist auch nur ein Mann!

 

Fritz Grünbaum im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Wie frivol ist das denn! Ein Voyeur steht vor der leicht geöffneten Hotelzimmertür und wirft einen unerlaubten Blick in das Badezimmer. Dann fängt er auch noch zu singen an. „Ich hab das Fräul’n Helen baden seh’n, das war schön. Da kann man Waden seh’n, rund und schön im Wasser steh’n. Und wenn sie ungeschickt tief sich bückt – so! Da sieht man ganz genau bei der Frau – Oh!“ 95 Jahre ist es her, dass Fritz Grünbaum dieses Lied zur Musik von Fred Raymond getextet und der Welt einen unausrottbaren Ohrwurm geschenkt hat.

DU SOLLST DER KAISER MEINER SEELE SEIN

Fritz Grünbaum wurde am am 7. April 1880 als Sohn eines deutsch-jüdischen Kunsthändlers Wilhelm Grünbaum und dessen Gattin Regina in Brünn/Brno (Mähren, heute Tschechische Republik) geboren. Er besuchte das dortige deutsche Gymnasium. Schon während des Jusstudiums in Wien widmete er sich dem Schreiben und verfasste 1903 das erste Operettenlibretto mit Robert Bodanzky. Auch mit Leo Fall („Die Dollarprinzessin“), Carl Michael Ziehrer („Liebeswalzer“) und Robert Stolz („Der Favorit”) entstand eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Das Lied „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ wurde zu einem Evergreen. Die Tantiemen waren der Grundstein für eine millionenschwere Kunstsammlung, die 400 Werke, darunter 80 von Egon Schiele, beinhaltete und deren Verbleib bis heute nicht zur Gänze geklärt ist und einen jahrelangen Erbstreit nach sich zog.

DER G’SCHEITE UND DER BLÖDE

Seine Kabarettkarriere startete Grünbaum 1906 in dem Kabarett „Hölle“ in Wien als Conferencier. 1914 trat er zum ersten Mal im Kabarett Simpl auf und führte dort mit Karl Farkas die aus Ungarn stammende Doppelconference – das ist ein Dialog zwischen dem „G’scheiten” und dem „Blöden” – zur Perfektion. Abseits der Bühne wirkte der klein gewachsene, glatzköpfige Grünbaum unscheinbar. Aber wehe, er machte den Mund auf! „Er schiesst pausenlos seine Witzraketen und Bonmots mit überdrehter Logik ins überraschte Parkett. Famose Begabung! Viel zu schade für Wien“, meinte Theaterdirektor Rudolf Nelson und holte Grünbaum nach Berlin. Dort trat er auf Nelsons Bühnen und in Filmen auf, schrieb Schlagertexte und verfasste Drehbücher für Filme. In Wien machte er weiterhin Kabarett und brillierte als Conferencier, dessen Aufgabe er so definierte: „Das ist einer, der den Leuten auf lustige Weise zu erklären versucht, dass es nichts zu lachen gibt.“ Ab 1933 wurden seine Texte in Wien zunehmend politischer.

„ICH SEHE ABSOLUT GAR NICHTS…“

Kurz vor dem Anschluss an Hitler-Deutschland am 10. März 1938 spielte Grünbaum mit Farkas ein letztes Mal im Simpl, ehe ein Auftrittsverbot für jüdische Künstler verhängt wurde. Da witzelte er noch, als bei einem Stromausfall das Licht ausging: „Ich sehe nichts, absolut gar nichts, da muss ich mich in die nationalsozialistische Kultur verirrt haben.“ Es blieb zappenduster. Während Farkas die Ausreise gelang, missglückte Grünbaums Flucht an der tschechischen Grenze. Im Mai 1938 wurde von der Gestapo in der Synagoge verhaftet und eingesperrt. Mithäftling war der spätere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky. Danach wurde ins KZ Dachau, anschließend nach Buchenwald und wieder nach Dachau deportiert, wo er im Steinbruch schuften musste. Grünbaum bewahrte sich seinen Humor bis zuletzt. Bereits todkrank spielte er zu Silvester 1940 noch einmal für seine Mithäftlinge. Darunter waren Freunde aus Wien, der Textdichter und Librettist Fritz Löhner-Beda und der Klavierhumorist Hermann Leopoldi.

EIN LEBENSLANGER IMPERATIV

Zwei Wochen später, am 14. Jänner 1941 starb der große kleine Mann an Entkräftung und Tuberkulose. Seine Urne, die in einem Paket nach Wien kam, wurde auf dem Zentralfriedhof von seiner Frau Lilly, der Nichte von Theodor Herzl, beigesetzt. Sie selbst wurde im Oktober 1942 deportiert und kam im KZ Maly Trostinec um. Ob es an der eigenwilligen Interpretation von Grünbaum lag, dass es kein Denkmal in Wien für ihn gibt? Er meinte: „Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht.“ Zumindest erinnert der Fritz Grünbaum-Platz an den größten Unterhaltungskünstler seiner Zeit. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Das Apollo-Theater, in dem Grünbaum viele seiner Erfolge feierte und das heute ein Kino ist, befindet sich in Sichtweite.

Stefan Noelle – ist noch da.

Von Turid Müller

Er steht seit über drei Jahrzehnten auf der Bühne. Der Münchner Vollblutmusiker ist von Haus aus Schlagzeuger, zieht allerdings mittlerweile zudem als Liedermacher durch die Lande. Wie die ganze Branche hat die Pandemie auch ihn hart getroffen. Aber: Er ist noch da. Und er nutzt die Spielpause für ein ganz besonderes Album…

Fotografin: Lena Semmelroggen

„Der Entschluss, eigene Texte zu singen, reifte spät. Doch die Liebe zur deutschen Sprache und der Wille, sie gut klingen zu lassen, brachen sich letztlich Bahn. Als 46-Jähriger nahm Stefan Noelle“ (Celle 2009) „wieder die Gitarre seiner Jugend in die Hand und ging mit ersten Liedern auf die Bühne“, verrät der Künstler auf seiner Homepage.

Sein 2. Album bringt nun seine beiden Lebenswelten nun zusammen: Die Münchner Musikszene und die Kleinkunst: „Ich bin ein schlechter Ökonom“, gesteht er: „Ein unwirtschaftlicheres Projekt gibt’s eigentlich nicht!“ Nichtsdestotrotz folgt er ganz seinem Sinn für Ästhetik und seiner Leidenschaft fürs Zusammenspiel: Für jedes Lied sind andere Kolleg*innen zu Gast. Denn: Es soll ein besonderes Album werden! Wie früher. Mit Bildern, zum Hören, Blättern und Entdecken. – Ein kleiner Ersatz für das gemeinsame Erleben von Kunst und Kultur, das uns dieser Tage fehlt. – „Es lebe die Schönheit!“

Fotografin: Lena Semmelroggen

Die Hälfte ist schon im Kasten. Aufgenommen wird in einem der letzten großen Studios der Gegend, dem Mastermix: Retro-Flair. Alles echt. Kein Geschnibbel. Kein Hinterher-drüber-singen. Für ein Lied wird er sich Streicher und Bläser dazu holen und trotzdem alles live einspielen: „Ein Mal so aufnehmen wie früher! Ein Mal im Leben will ich das haben!“ schwärmt Stefan Noelle und erntet mit seinem Ansatz in der Szene durchweg begeisterte Reaktionen. Er ist sehr dankbar für die Unterstützung seiner Mitwirkenden. Denn ihm ist bewusst: Das ist kein normales Album. Die große musikalische Diversität ist einzigartig.
Man hört es raus: Es ist ein echtes Wunschkind. Die Geburtsvorbereitung könnt Ihr auf Startnext unterstützen. Stefan Noelle freut sich „extrem, wenn Ihr mithelft, dieses Baby auf die Welt zu bringen! Im September kommt’s!“

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil VII)

Von Turid Müller

Inzwischen haben wir aufgehört zu zählen, wie oft der Lockdown verlängert wurde. Bei der Öffnungsstrategie stehen die Spielstätten weit hinten. Und die englische Mutante ist in der Statistik ganz weit vorn. Aber – auch wenn die Kreativen zuhause bleiben: Die Kultur steht nicht still …

Lucy van Kuhl alias Corinna Fuhrmann

Seit dem 29.01. ist die neue Scheibe von Lucy van Kuhl (Celle 2017) im Handel erhältlich. Denn Corinna Fuhrmann, wie die Songwriterin im bürgerlichen Leben heißt, hat die politisch verordnete Spielpause genutzt:
„Ich habe im Winter-Lockdown mein neues Album Alles auf Liebe rausgebracht. Fünfzehn Lieder, die sich zwischen Melancholie und Ironie bewegen. Zur Promo hab ich mal nen kleinen Rap gewagt, den Lockdown-Song. Edith hat einen sehr liebevollen Pressetext geschrieben. Die CD könnt Ihr im Online Shop auf meiner Website kaufen.“

Es sind auch noch zwei weitere Musikvideos veröffentlicht worden: Der Moment, in dem es sticht. Und Hochzeitstag (mit Konstantin Wecker), auf dessen Label ihre CDs erscheinen:

„Lucy van Kuhls Art zu musizieren und zu singen begeistert mich, ihre Worte sind poetisch und ironisch. Sie schafft ausdrucksstarke Bilder und setzt sie musikalisch ganz zauberhaft um.“
(Konstantin Wecker)

Mackefisch: Peter Fischer & Lucie Mackert

Für alle, die weniger umtriebig sind, und denen im Lockdown „öööööde“ ist, haben Peter Fischer (Celle 2018) und Lucie Mackert den richtigen Soundtrack: Manno!
Und zwar mit einem Video, das zum Mitmachen anregt!
Im Newsletter warnt das Duo seine Fans vor: „Das Lied ist zum Teil etwas untypisch für Mackefisch. Zum Teil dafür aber auch sehr typisch. ‚Aber… wie das?!“, fragt ihr euch?‘ Nun, es ist so: Das Ergebnis ist geradezu discotauglich, klingt fast schon nach Techno. Entstanden ist die Musik aber nach mackefischiger Bastelmanier. Oder Manie, sagen wir, Manie. Denn wenn man schon nicht rauskann, fängt man irgendwann halt an, das Zeug drinnen zweckzuentfremden. Das führte zu einer ungewöhnlichen Instrumentierung des Liedes: Schüsseln, Schalen, Sieb, Käsereibe, benetzte Finger auf Weinglasrändern und Peters persönlicher Favorit: unser Küchenmixer. Der mit apokalyptischem Getöse den Zeitgeist unter den hämmernden Küchengeräte-Beat dröhnt. Ein Lied über Stillstand, Frustration und die einzige heute noch unumstößliche Wahrheit: Wir müssen da jetzt gemeinsam durch.“

Turid Müller

„Gemeinsam“ ist auch das Stichwort, das mich (Celle 2016) bei meinem neuen Video beschäftigt hat, das ich mit Michael Hierer (Celle 2018) mit 255 Kilometern Abstand getextet, gesungen und produziert habe. Mich trieb bei dem Song die Frage um: Wie läuft Dating in Zeiten von Mundschutz und Mindestabstand? Inspiriert hatte mich eine schöne Wortschöpfung, die nun immer öfter im Gebrauch ist: Infektionsgemeinschaft!
Das Video wurde in meinem neuen Radio- & TV-Format TAUCHSIEDER released und ist übrigens auch auf einem brandneuen YouTube-Channel zu finden, den Peter Vollmer ins Leben gerufen hat. Der Comedy-Booster ist ein Versuch, die Reichweite von Kolleg*innen aus Kabarett & Comedy zu erhöhen, freut sich also über Klicks, Likes und Teilen. Und sicher auch über weitere Inhalte…
Insofern – falls auch Euch im Lockdown ööööööööööde ist: Ran an die Buletten! Peter Vollmer freut sich auf Euch: info@peter-vollmer.de. Und wer dank uns Kleinkunst bingewatchen kann, hält es vielleicht im Sinne von Solidarität und Gesundheit noch etwas länger zuhause aus und randaliert nicht in Verweilverbots-Zonen…
In diesem Sinne: Halten wirs gemeinsam durch!

Grubentaler Gold – Tamara Olorga erhält goldene Schallplatte!

Von Turid Müller
Es ist bereits das 4. Mal Gold für die ExCellentin. Und Platin hat sie auch schon kassiert. Doch dieses Mal ist es etwas ganz Besonderes…

„Ich hab‘ eine riesen Freude mit der Platte, weil sie ein Geschenk von meinem Verlag war“, erzählt Tamara Olorga. Denn: Seit einigen Jahren ist es nicht mehr üblich, dass man diese als Songwriter*in automatisch bekommt:

„Bei der ersten Goldenen Wachgeküsst – Wolkenfrei (Vanessa Mai) hab ich ein Jahr lang gewartet und dann irgendwann bei meinem Verlag nachgefragt, wie ich denn nun an so eine Platte komme. Da hab ich erfahren, dass das nicht (mehr) so ist und dass ich mir aber eine kaufen kann. (…)
2019 kam die Platin Platte von Wincent Weiss für das Album – Irgendwas gegen die Stille – die 1. Physische. Bin aus allen Wolken gefallen, als da ne Mail von Universal kam, so ca.: „Hey, bei mir im Büro steht seit einem halben Jahr eine Platte rum mit deinem Namen drauf – wo soll ich die denn hinschicken?“ – Da hat sich Sascha Wernicke damals drum gekümmert (damaliger Manager von Wincent Weiss), dass ALLE mitwirkenden Autoren eine Platte bekommen. Finde ich TOP!
Besonders freue ich mich auch über Gold in A 2019 mit Ina Regen und dem Album ‚Klee‘, wo ich 4 Songs co-beisteuern durfte in meiner Muttersprache ‚Östarreichisch‘!“

Ja und jetzt hat sie mit Aber nur fast von Die Grubertaler zum vierten Mal Gold geholt: „Da wollte mir mein Verlag, Rudi Schedler Musikverlag GmbH, bzw. im Speziellen Alex Schedler, eine Freude machen. Er weiß nämlich, dass ich mir selbst keine kaufen will“, verrät die Absolventin des Jahrgangs 2016.
Der Verlag hat einen Zettel dazugelegt: „…hier nun die 1. physische Goldene – ein kleines Gold-Geschenk unsererseits.“
Die Songwriterin ist gerührt und fasst es in einen Hashtag: #besterverlag

PFEIFFER. – Ein Name, der verpflichtet…

Von Turid Müller
Björn Patrik Pfeiffer veröffentlicht  unter dem Namen „PFEIFFER.“ mit „Wenn du abdrehst“ seine Debut-Single und rollt damit für uns eine musikalische Landebahn für schwere Zeiten aus. – Deutschsprachiger Rock´n´Roll-Pop mit Wunderkerzenmomenten.

Foto: Mario Brinkschulte

„Ich musste es tun. Sonst liegt sich die Nummer tot,“ sagt PFEIFFER.  über das Debut in Pandemie-Zeiten. – Und Totliegen geht nicht. Denn er hat einen Plan: Das erste eigene Album ist für Frühjahr 2022 angepeilt. Und vorher sollen in 2021 noch zwei weitere Singles erscheinen. – Aber von vorn:

„Musik ist der rote Faden in meinem Leben,“ Im Alter von 13 Jahren Gründete er mit Freunden die erste Band – die Punkband TÜTENKLEBER. Damit hatte alles angefangen – und zwar mit deutschen, systemkritischen Texten: „Unsere Themen: Rassismus, Faschismus – alles, was auch heute noch kacke ist!“
Was folgte war ein längerer Umweg zurück  zu den eigenen künstlerischen Wurzeln: Er hat mit verschiedensten englischsprachigen Formationen von Progressive Rock bis Hard’n’Heavy gespielt, gecovert und als Gitarren- und Gesangslehrer gearbeitet. Seit fast 10 Jahren ist er auch als Autor und Produzent für andere KünstlerInnen und Bands unterwegs. Die eigene Karriere als Musiker trat immer mehr in den Hintergrund.
Und dann kam 2019 die Celler Schule – ein „Erweckungserlebnis“, das den Umbruch brachte. Was vorher Jahrelang nur dann und wann so passierte, wurde nun auch wieder zur Priorität: Die eigene Musik. – Back to the roots: Kritische Gedanken, deutsche Texte. Wenn auch inzwischen längst nicht mehr auf überspielten Jan Tenner-Kassetten wie bei der ersten Band, sondern professionell im eigenen Studio produziert. Um diese Früchte zu ernten, musste der Musiker die eigene Komfort-Zone verlassen. Er verrät: „Vorm Flaschendrehen in der Celler Schule hatte ich mehr Respekt als vorm Gig in Wacken.“ Aber dieser Kickstart Richtung eigene Musik hat sich gelohnt, denn jetzt kann er – Krise hin oder her – mit dem Brustton der Überzeugung sagen: „Ich bin als Künstler jetzt da – welchen Weg das auch nehmen wird!“
Der vegane Hobby-Koch ist sehr dankbar für dieses Beschneiden der „Geiztriebe“, wie man es beim Tomatenanbau nennen würde. Er hat seine Energie gebündelt und seit der Celler Schule dadurch auch mehr Power für die eigene Musik, die ihn zwingt, noch mehr in die Tiefe zu schauen und sich zu zeigen. Und so hat auch die erste Single eine persönliche Geschichte: Auch er hat dunkle Zeiten erlebt, in denen es Menschen gab, die für ihn ein Leuchtturm waren. Sie haben ihm in unübersichtlichen Lebenslagen Orientierung geboten. Solche Menschen wünscht uns sein neuer Song an die Seite. – Gerade in diesen Tagen können vermutlich viele eine sichere Landebahn brauchen.

König von Mallorca – Nachruf auf Erich Öxler

Von Tobias Reitz

Mit freundlicher Genehmigung vom Deutschen Textdichter-Verband
Erich Öxler ist tot. Der erfolgreiche Musikautor, Produzent, Manager, Labelchef und Absolvent der Celler Schule wurde nur 51 Jahre alt.

Seine größten Erfolge feierte er mit Ballermann- und Partysongs. So erfand er für Jürgen Drews den „König von Mallorca“ und für Tim Toupet die Mitgröhl-Hymne „Du hast die Haare schön“ und brachte als Produzent alte Hits wie „Joana (du geile Sau)“ (Peter Wackel), „Amsterdam“ (Axel Fischer) und „Ich liebe das Leben“ (Vicky Leandros) zu neuem Ruhm. Erich Öxler hatte aber auch andere künstlerische Seiten. Für die Österreicherin Simone textete er Ende der 1990er-Jahre den Radioerfolg „Es ist einfach fortzugehn“ und die deutsche Version der „La Boum“-Titelmelodie „Deine Augen“. Außerdem schrieb Erich Öxler u.a. für Wolfgang Petry, Olaf Henning, Die Paldauer, Anna-Maria Zimmermann, Die Klostertaler und Tony Marshall. Er war 2000 Absolvent und 2001 Juror der Celler Schule, führte sein eigenes Label HITMIX.de Music und galt in der Branche als klarer und aufrichtiger Gesprächs- und Geschäftspartner, Kampfgeist, Chancengeber und hochkreativer Kopf. Er starb nach schwerer Krankheit Anfang Februar 2021. Wir sind traurig und geschockt über diese Nachricht und fühlen mit seiner Frau Claudia.

DTV-Vorstandsmitglied Thomas Woitkewitsch schickte folgende Nachricht zur Erinnerung an Erich Öxler:

Das Foto entstammt der Facebook-Kondolenzseite von Erich Öxler. Es zeigt ihn mit seiner Frau Claudia und Hündin Maja im Dezember 2020.

Erich Öxler ist mir nur einmal begegnet, bei einem DTV-Sommerfest in München war er durch Zufall mein Tischnachbar. Auf den ersten Blick wirkte er nicht besonders redselig, aber nach einer stockenden Wer-Wie-Was-Annäherungsphase kamen wir in ein Gespräch, an das ich mich noch heute, zwanzig Jahren danach, gut erinnere.
Erich Öxler erzählte, wie er in Augsburg im Fernsehen die erste „Wetten, dass…“- Folge aus Mallorca gesehen und gehört hatte, dass Thomas Gottschalk Jürgen Drews als „König von Mallorca“ titulierte, was ihn zum gleichnamigen Jürgen-Drews-Hit anregte. („Dabei kannte ich damals Mallorca noch überhaupt nicht, mein bisheriges Wissen über die Insel verdankte ich RTL II. Außerdem fand Jürgen Drews meinen Text nicht gut. Ich habe ihn so lange genervt, bis er nachgab.“)
Nach diesem ersten Hit kamen noch viele andere. Erich Öxler wurde zum König des Partyschlagers. Er hatte ein Ohr für Gute-Laune-Melodien und ein Gespür für Zeilen und Texte, die das große Publikum, wie er sagte, auch noch mit mehr als zwei Promille auswendig singen konnte. Zu seinen Inspirationsquellen zählten neben den Volksfesten die Fußballstadien. Er schwärmte für die Songs der Südkurve, deren verbindende Power vor allem die englischen Fußballfans schon früh erkannt hatten. Einen dieser Titel mochten wir ganz besonders: die inoffizielle Vereinshymne des FC Liverpool ”You’ll never walk alone“. An sie musste ich denken bei der traurigen                                          Nachricht von Erich Öxlers frühem Tod.

DER Mann der „Ultimativen Chart-Show“ (RTL), Frank Ehrlacher, hat auf seiner Facebook-Seite berührende Worte veröffentlicht, die wir mit seiner freundlichen Genehmigung zitieren dürfen:

Es ist Autoren-Schicksal, dass sie kaum einer kennt.
Hätte heute morgen in der Bild-Zeitung auf Seite 1 gestanden „Der König von Mallorca ist tot“, hätte halb Deutschland wahrscheinlich reflexartig das Ableben von Jürgen Drews‘ betrauert. Jürgen geht es gut, zum Glück. Aber Erich Öxler ist tot – er hat den Text zu diesem Song geschrieben.
Er war aber eben nicht nur seit 25 Jahren ein erfolgreicher Autor und Produzent, ohne den es viele Karrieren, nicht nur am Ballermann, nicht gegeben hätte. Vor allem war er auch Mensch, so banal das auch klingt, ein angenehmer und fast immer gut gelaunter Gesprächspartner, der wusste, was er wollte, aber sich selbst nicht zu wichtig nahm und immer seine Künstler und seine Arbeit in den Vordergrund stellte. Und auch von seiner Krankheit wussten nur wenige seiner Freunde.
Die Nachricht platzte gestern in eine Branche, die zugegeben von Existenznöten mehr als bedroht ist, aber gerade an vielen Stellen um sich schlägt und einen Schuldigen für ihren Niedergang sucht. Auf einmal wird es ganz still und auf den Pinnwänden liest man nicht mehr „Spahn ist Schuld“, „Merkel gibt uns Berufsverbot“ und „Ihr seid alle Versager“ – sondern „Erich ist tot“ Und man merkt, wie die Stille alle eint. Und das macht es fast noch trauriger.
Er war mein Jahrgang und durfte nur 51 Jahre alt werden. „Das darf doch nicht wahr sein“ ist heute nicht nur ein Titel, den er ganz am Anfang seiner Karriere für Wolfgang Petry schrieb. Mein tiefes Mitgefühl gilt vor allem seinen engen Freunden, seiner Familie und seiner Frau Claudia.