Es könnte etwas lauter werden…
Kölschrock neben AfD-Parteitagstreff.

gefunden von Edith Jeske

Am 17. Juni wird die AfD sich zu ihrem Kreisparteitag im Gymnasium Neue Sandkaul in Köln-Widdersdorf versammeln. Der Stadt war es juristisch nicht möglich, das zu verhindern. Ein Protestschreiben gegen die Versammlung (und vor allem gegen die geschmacklose Wahl ausgerechnet einer Schule) hatte leider keinen Erfolg.
Aber Köln wäre nicht Köln!
Denn jetzt spielt die Musik:
Die Kölner Bands Planschemalöör und Kasalla werden direkt vor dem Gebäude ein spontanes Protestkonzert veranstalten.
Ganz friedlich.
Nur laut.
Wenn man drinnen bei der Versammlung sein eigenes Wort nicht mehr versteht – tja, dumm gelaufen.
Über spontane Besucher und Besucherinnen des Konzerts freuen sich die Jungs. Los geht es um 9.00 – den frühen Spaziergang dürfte es wert sein.
Würde ich noch in der Eifel wohnen – Ich wäre dabei!
Edith Jeske

Quellen, weitere Infos und Bilder: t-online, Instagram
Kasalla
planschemalöör

 

Wahl oder Nicht-Wahl – Das Monatsgedicht von Michael Feindler

Von Turid Müller

Pünktlich zu Europawahl erinnert uns Michael Feindler daran, unsere Stimme abzugeben.

Wie gewohnt hintersinnig leitet er in seinem Newsletter sein Monatsgedicht ein: „… wir befinden uns wieder einmal in einem Superwahljahr, obgleich strittig ist, wie “super” die Bilanz dieses Jahres ausfallen wird. Eine Prognose bleibt auch das nachfolgende Gedicht schuldig“:

Fotograf: Enrico Meyer

Wahl oder Nicht-Wahl

Bei Wahlen eine Wahl zu haben,
heißt auch: Es gibt die Möglichkeit,
die Wahlen selbst für alle Zeit
mit seiner Stimme zu begraben.

Doch für ein Wahl-Begräbnis stimmt
wohl nur ein Fan vom Abgesang
und wer den Ausdruck “Urnengang”
bei Wahlen allzu wörtlich nimmt.

Die Qual der Wahl hat man übrigens auch auf dem Tourplan des Kabarettisten, den man natürlich auch live erleben kann – vor und nach der Wahl. Also hin da! Zu beidem.

„Im Schatten der Insel“ – Amrum-Krimi mit Tiefgang

Von und über Turid Müller
Am 28.03. erschien „Im Schatten der Insel“. Der Insel-Krimi ist Strandlektüre für  Menschen, die auch im Urlaub ein bisschen Tiefe schätzen…
Ein paar Jahre hat diese Idee in meiner geistigen Schublade herumgeschlumpert:  Wenn die Wurzeln eines Kriminalfalles in der Vergangenheit leben, hat dann ein Mensch, der ebenfalls zunehmend in der Vergangenheit lebt, nicht einen Vorteil dabei, das Rätsel zu lösen? So kam es zu meiner Ermittlerin wider Willen, Lale Liebig, die ihre demente Mutter pflegt, welche sich beim Insel-Urlaub prompt in aktuelle Ermittlungen verstrickt. Ende 2021 habe ich die ersten Buchstaben aufs Papier gebracht. Und nun kann ich seit einigen Tagen das Buch in Händen halten. Das ist schon ein ganz besonderes Gefühl. Und bei Fiktion auch noch mal etwas anderes als bei meinem Ratgeber.

Foto: Torge Niemann

Außerdem gibt die neue Welt der Belletristik auch meinem Bühnenleben einen völlig neuen Spinn: Am 05.04. stand ich erstmals mit einer Lesung auf der Bühne – natürlich auf Amrum. Die Veranstaltung mit der Bücherstube Norddorf hat mir gezeigt, dass ich diese neue Rolle, lesende Autorin, schon jetzt sehr liebe. Weitere Lesungen dort sind in Planung.

Am 21.04. feiert dann die musikalische Lesung des Krimis ihre Premiere. Und zwar ebenfalls an einem zünftig-maritimen Spielort, dem Hamburger Theaterschiff. An den Tasten begleitet mich bei meinen beziehungsweise unseren Songs aus meinen Kabarettprogrammen Michael Hierer (Celler Schule 2018). Sie vertiefen einzelne Themen des Kriminalromans, wie zum Beispiel das Thema Demenz.

Das war das eine Anliegen, das ich beim Schreiben hatte: Für Demenz zu sensibilisieren. Der andere ernste Hintergrund des Schmökers ist die lang überfällige Aufarbeitung der systematischen Misshandlung, die Kindern über Generationen im Rahmen von so genannten Kinderverschickungen widerfahren ist.

Wenn ich erzähle, worum es geht, begegnet es mir oft, dass mein Gegenüber entweder selbst verschickt worden ist, oder ein nahestehender Mensch aus dem Familienkreis. Viele sind betroffen. Und nicht wenige leiden auch Jahrzehnte nach dieser Erfahrung noch unter dem, was sie erleben mussten. Meine Geschichte ist zwar erfunden, doch die historischen Tatsachen sind echt und wirken bis ins Hier und Heute hinein. Ich würde mich freuen, wenn meine Zeilen einen kleinen Beitrag dabei leisten, endlich darüber ins Gespräch zu kommen, und die Wunden der Vergangenheit – individuell, zwischenmenschlich und gesellschaftlich – ein Stück weit zu heilen.

Bahnstreiks – Monatsgedicht im März

Von Turid Müller

Wen von Euch haben sie erwischt, die Bahnstreiks der letzten Monate?
Michel Feindler hat ihnen sein Monatsgedicht für März gewidmet. 

Foto: Goodfeelography

„…meine Auftrittstermine erinnerten in den vergangenen Wochen — wenn auch rein zufällig — einer Slalomfahrt um die Lokführerstreiks der GDL herum,“ erzählt Michael Feindler in seinem aktuellen Newsletter, und empfiehlt Bahnreisenden hin und wieder einen positiven Blick:

Bahnstreiks

Die Lok steht still, die Führer streiken,
auf Facebook will das niemand liken.
Doch passionierte Fernzugfahrer
bemerken sachlich an der Stelle:
Zumindest sind die Zugausfälle
um einiges berechenbarer,
wenn die Gewerkschaft Muskeln zeigt,
statt dass die Bahn es selbst vergeigt
und mitten auf der Strecke streikt.

Der Kabarettist ist laut eigener Aussage „weiterhin optimistisch auf Schienen unterwegs (schon deshalb, weil die Alternativen nicht wirklich überzeugen).“ Und er schiebt noch ein P.S. hinterher:
„In Interview-Schalten mit dem GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky reicht es zeitlich oft nur für ein paar zugespitzte Argumente. Sehr viel ausgeruhter und konstruktiver kommt hingegen dieses Interview vom vergangenen Jahr daher, in dem es darum geht, mit Hilfe einer neu gegründeten Genossenschaft namens FairTrain die Arbeitsbedingungen im Schienenverkehr nachhaltig zu verbessern.“
Wer wissen will, ob Feindler auf künftig pünktlich ankommt, überzeugt sich am besten selbst, in einer seiner Shows. Mutige nehmen die Bahn.

Konfetti auf der eigenen Beerdigung – Kasalla-Song sahnt Preise ab

Von Florian Peil, editiert von Turid Müller
Zum dritten Mal in Folge räumt die Kölner Band Kasalla beim Kölsche Musik Bänd Contest Loss mer singe ab. Diesmal mit einem Song, von dem man auf den ersten Blick nicht erwarten würde, dass er zum Karneval-Hit werden kann. Florian Peil, Celler Schule 2005, erzählt, wie es dazu kam.

Flo Peil, Ludwig Sebus und Bastian Campmann im Maarwegstudio bei den Aufnahmen (Foto: Flo Peil)

Also, der Song Wenn ich ne Engel ben ist entstanden, nachdem wir ein bekanntes virales Video angesehen haben, indem ein Ire, der bekannt dafür war, immer Witze zu erzählen und auch in den unmöglichsten Situationen noch immer Witze zu reißen, auf seiner eigenen Beerdigung ein Band abspielen ließ, das so klang, als würde er noch aus dem Sarg rufen und klopfen und sich fürchterlich aufregen. Er hat also auf seiner eigenen Beerdigung tatsächlich noch die Leute zum Lachen gebracht.  Wir fanden die Idee irgendwie schön, dass die eigene Beerdigung vielleicht ein Tag ist, an dem die Leute nicht nur traurig sind, sondern auch ein bisschen schmunzeln, und eher dankbar dafür sind, dass man gelebt hat und vielleicht auch mehr Tränen lachen als sie weinen. Aus dieser Idee ist dann der Song entstanden, der am Ende „wenn ich ne Engel ben“ also auf Deutsch „wenn ich ein Engel bin“ heisst.

Die Kasalla Band mit Biggi Fahnenschreiber und Ludwig Sebus beim Videodreh (Foto: Katharina von der Kall)

Im Refrain heisst es „ich will Euch tanzen sehen, wenn ich ein Engel bin, es soll Konfetti regnen auf den Sarg“.
Wir hatten außerdem schon länger einmal die Idee gehabt, den 98jährigen legendären Kölner Sänger Ludwig Sebus, den wir schon seit ein paar Jahren kennen und verehren, um einen Gastauftritt bei einem Song von uns zu bitten. Als dann der Song fertig wurde, stellte sich uns die Frage, ob man zu so einem Thema nicht Ludwig fragen könnte, und wir waren ehrlich gesagt sehr unsicher, wie er reagieren würde. Immerhin ist das Thema sehr sensibel und es hätte ja auch sein können, dass Ludwig darüber nicht singen möchte. Der Grandseigneur kam aber quietschfidel zu uns ins Studio, hörte das Lied und meinte, das wäre doch eine sehr schöne Idee und das könne er sich gut vorstellen. So konnten wir uns über Ludwigs Gastbeitrag freuen, der den Song für uns zu etwas ganz besonderem gemacht hat.
Wir waren sehr gespannt, ob man mit so einem Thema überhaupt in den Karneval gehen kann, und waren sehr überrascht, dass der Song sofort beim Publikum zündete. Der Beat ist, passend zum Text, natürlich tanzbar und wir merkten, wie die Leute sich ganz intuitiv zum Song bewegten und den Song mitsangen.

Kasalla und Ludwig Sebus bei der Verleihung des ersten Preises von Loss mer singe (Foto: Christian Hedel)
Besonders gefreut haben wir uns natürlich, dass wir beim Wettbwerb „Loss mer Singe“ mit dem Song gut abschnitten, denn dieser Wettbewerb findet über Wochen in den Kölner Kneipen statt und gibt ein ganz gutes Bild der Stimmung der Leute auf der Straße wieder. Es ist auch ein Wettbewerb, bei dem immer Leute vor Ort mit Stimmzetteln abstimmen, also die Abstimmung zeigt wirklich die Stimmung in der jeweiligen Kneipe.
Kasalla und Ludwig Sebus erhalten von rote Funken Präsident Heinz Günther Hunold den Orden für „dat beste Kölsche Leed“ der roten Funken (Foto: Christian Hedel)
Wir bekamen regelmäßig die Ergebnisse zugeschickt und konnten sehen, dass der Song sich oft auf den vorderen Plätzen wiederfand. Als „wenn ich ne Engel ben“ dann am Ende mit sehr knappem Vorsprung tatsächlich den Jahressieg abräumte, haben wir uns wirklich unglaublich gefreut. Zumal es tatsächlich unser dritter „Loss mer singe“ Sieg in Folge war, was eine große Ehre für uns ist.
Am Karnevalssamstag bekamen wir dann von den roten Funken noch den Orden für „dat beste Leed“ überreicht, worüber wir uns ebenfalls sehr gefreut haben.

Laut und leise – Michael Feindler reimt aus aktuellem Anlass

Enrico Meyer

Von Turid Müller
Michael Feindler schickt anlässlich der aktuellen Ereignisse außerplanmäßig einen „kurzen gereimten Zwischenruf in verhaltener Lautstärke“ in den Ring.

Laut und leise

Die Lauten haben oft gewonnen,
nicht selten schon nach kurzer Zeit,
nachdem sie grade erst begonnen.
Doch ebenso steht fest: Wer schreit,
wird früher oder später leiser,
denn jede Stimme wird mal heiser.

Die Leisen, die die Stimme schonen,
erscheinen fast als Müßiggänger,
doch bei gedämpften Reaktionen
hält Atem von Natur aus länger.
So kann ein permanentes Dröhnen
aus Leisem Lautes übertönen.

Mit auf den Weg gibt er uns noch einen „ungereimten Nachtrag“:
„Lautes mag die unangenehme Angewohnheit haben, lange nachzuhallen. Aber das kann Leises auch.“
In diesem Sinne.

 

 

#mutigesherz – ein Selbsthilfe-Podcast rund um toxische Beziehungen

Foto: Torge Niemann / Logo: Katrin Baarth

Von Turid Müller
Alle Welt macht heute Podcasts. Seit 2022 mein Buch Verdeckter Narzissmus in Beziehungen erschien, bin ich regelmäßig in solchen Formaten zu Gast. War klar, worauf das hinausläuft. Richtig! Ich habe seit heute meinen eigenen…

Der Mini-Podcast, der zunächst jeden Montag mit einer neuen Folge erscheint, möchte meinen Ratgeber ergänzen und vertiefen. Neben der Frage, wie man Narzissmus und toxische Beziehungen erkennen und überwinden kann, wird es hier auch um „die Beziehung danach“ gehen. Denn es kann nach solchen traumatischen Erfahrungen eine große Herausforderung sein, sich wieder auf die Liebe einzulassen.
Pünktlich zum Launch am 29.01. stehen die ersten beiden Folgen bereit. In der ersten geht es um verschiedene Facetten von Narzissmus, und in der zweiten thematisiere ich den von mir entwickelten Begriff „unter der Schwelle bleiben“. Diese Technik möchte Betroffene dabei unterstützen, sich nach einer dysfunktionalen Partnerschaft langsam und vorsichtig wieder auf jemanden einzulassen, ohne dabei zu viel Angst haben zu müssen, in die nächste Katastrophe zu schliddern.
Übrigens ist der Podcast auch ein kleines Celler Schule Projekt: Über die wunderschöne Titelmelodie von Torge Niemann spricht mein Freund und Kollege Jens Wenzel (Springe 2016) mit seiner sonoren Sprecherstimme den Titel: #mutigesherz
Das ist übrigens, wenn ich da mal etwas aus dem Nähkästchen plaudern darf, ein Wort, das in meiner „Beziehung danach“ entstanden ist. Unser Begriff für das Teilen seelischer Knoten, die eine Lösung brauchen, damit wir uns näher kommen können. Mehr dazu bald in einer eigenen Podcast-Folge. – Zunächst noch allein im Homestudio und als Audio. Aber schon bald auch mit Video und Talkgästen.
Ich freue mich auf das neue Abenteuer. Und wenn Ihr persönlich Fragen aus dem Themenbereich habt, seid herzlich eingeladen, mir Eure Impulse und Anregungen zu schicken! Der Podcast bietet Raum dafür.

Irritierende Titelvergabe – Michael Feindlers Monatsgedicht im Januar

 

Von Turid Müller
Michael Feindler, zurzeit auf Tour mit seinem neuen Programm „Durchbruch„, kommentiert im aktuellen Monatsgedicht den Tod von von Franz Beckenbauer. Die Fußballlegende starb am 07. Januar im Alter von achtundsiebzig Jahren. 

Irritierende Titelvergabe

Ein Mann mit Kaiser-Titel herrscht allein.
Nun frag ich mich: Wie kann es bitte sein,
dass Leute einen prominenten Herrn,
den sie als Größe eines Teamsports kennen,
in lobender Verehrung „Kaiser“ nennen?
Anscheinend liegt der Teamgeist ihnen fern.

„Aus gegebenem Anlass noch ein sprachlicher Hinweis“, merkt der Kabarettist dazu in seinem Newsletter an: „Die lateinische Phrase “de mortuis nihil nisi bene” bedeutet in der deutschen Übersetzung nicht etwa, man solle “über die Toten nichts als Gutes”, sondern “über die Toten nur gut” reden. Denn beim Wort “bene” handelt es sich nicht um ein Substantiv, sondern um ein Adverb, das sich darauf bezieht, wie man über Verstorbene sprechen sollte — und nicht etwa darauf, was man über sie äußert. Wer also mal in die Verlegenheit kommen sollte, einen Nachruf zu Papier zu bringen, muss mit Höllenfahrt-Wünschen nicht zwingend hinterm Berg halten, solange sie freundlich und respektvoll formuliert sind.“

Alle Jahre Wieder – in Feindlers Monatsgedicht weihnachtet es sehr

Von Turid Müller
Michael Feindlers letztes Monatsgedicht des Jahres trägt nicht nur der Weihnachtszeit Rechnung, sondern natürlich auch wie immer der Politik. 
Der Newsletter Dezember beginnt mit der Einleitung: „… nicht nur das Weihnachtsfest, auch andere Veranstaltungen von weltweitem Interesse haben zum Ende des Jahres inzwischen Tradition. Doch obgleich der Ausrichtung solcher Zusammenkünfte etwas Wanderpokaleskes anhaftet, reichen sie kaum an den Glanz der meisten Pokale heran:“

Alle Jahre wieder
(ein singbares Gedicht)

Alle Jahre wieder
hört man lediglich
altbekannte Lieder,
treffen Menschen sich.

Wünsche sind zu hören
für die bess’re Zeit,
auf Papier beschwören
alle Einigkeit.

Was in diesem Rahmen
auch ertönt: Man kennt’s —
hört man nur den Namen
“Klimakonferenz”.

Da gibt es erbaulichere Veranstaltungen. Und zielführendere. – Und die kann man übrigens auch verschenken.

In diesem Sinne wünsche ich Euch mit den Worten von Michael Feindler
„… soweit das gesellschaftliche, familiäre und sonstige Klima es ermöglichen (…) eine friedliche Weihnachtszeit.“

Matthias Reuter… ist höchstwahrscheinlich echt.

Von Turid Müller
In Zeiten von Fakenews und ChatGPT kann man sich ja bei nichts mehr sicher sein. Da überbringt uns der Pressetext seines neuen Kabarettprogramms pünktlich zur Adventszeit eine frohe Botschaft: „Matthias Reuter… ist höchstwahrscheinlich echt.

Foto: Harald Hoffmann

Zumindest spricht einiges dafür. Seine
Texte beinhalten Ansichten, die kein Computer je teilen würde. Er ist nicht
gephotoshopt, stark kurzsichtig und seine Garantie ist auch so gut wie abgelaufen.
Das hat aber auch seine Vorteile. Denn so macht er Dinge, die digital nicht möglich
sind. Z.B. Lachen. Oder Rührei. Oder sich im Kabaretttheater über die Welt wundern.
Das geht ja am besten zusammen mit anderen Menschen. Am allerbesten mit solchen,
die vorher Eintrittskarten gekauft haben. Kleinkunst ist eben wie Gemüse: man holt sie
sich idealerweise regional und direkt beim Erzeuger. Und darum schiebt Matthias Reuter wieder das Klavier auf die Bühne und präsentiert Geschichten und Songs aus dem echten Leben fernab von Nullen und Einsen. Denn wozu immer smart sein? Reuter macht Fehler.
Versprochen! Er verspielt sich jeden Abend mindestens zwei Mal am Klavier.“

Foto: Simone Bandurski

Am 30.11. hatte sein neues Programm im Oberhausener Ebertbad Premiere: „Die Stimmung war erfreulicherweise im Publikum und auf der Bühne sehr gut. Und so wurden unter anderem deutsche Literaturklassiker fürs Internet auf unter 60 Sekunden eingekürzt und Lieder von gewerkschaftlich organisierten Spülmaschinen-Diven gesungen. Es wurde griechisch-ostwestfälische Sauflyrik vorgetragen, bezahlbarer Wohnraum im Leopard2-Ausstellungspanzer präsentiert und Rentneraufwiegelung betrieben. Alles in allem ein schöner Abend mit angenehmer Beleuchtung.“

Foto: Simone Bandurski

Übrigens: Wer noch ein Weihnachtsgeschenk gebrauchen kann, könnte z.B. mal beim WortArt-Verlag nachgucken. Da gibt es zum 30. Jubiläum des Verlags mehrere CD-Boxen mit je drei CDs, unter anderem auch eine von Matthias Reuter (Celler Schule 2004).

Ein paar komplett neue Stücke aus dem Weihnachtsprogramm sind auch mit drauf. Und natürlich gibt’s auch die Bücher „Rentnerfischen im Hallenbad“ und „Mäh!“ im Satyr-Verlag mit Kurzgeschichten und Gedichten. „Die sind nicht groß und passen unter jeden Baum“, verspricht Reuter. „Und wer Eintrittskarten fürs nächste Jahr verschenken will, findet alle Infos unter „Termine“ auf www.matthiasreuter.de.
Bis dahin eine angenehme Adventszeit, kaltes Bier und heißen Wein mit Glüh-Fix!“

Zungenspitzer – seit Kurzem auch als Podcast

Von Turid Müller
Kennt Ihr schon den Zungenspitzer-Podcast? Wie das gleichnamige Kabarett- und Comedy-Festival ist auch der Podcast ein Projekt von Tilman Lucke.  Locker-flockig kommt er in jeder Folge mit anderen Bühnen-Kolleg*innen ins Gespräch. Spezielle Fragen liefern einen frischen Blick auf die Kleinkunstwelt.
„Ich stelle jede Woche Kabarettistinnen und Comedians aus ganz Deutschland vor und frage sie über ihren Werdegang und ihre Art, Kabarett zu machen, aus“, verrät Host Tilman Lucke. „Am interessantesten ist dabei immer die Rubrik „Alles schon erlebt“, in dem es um die peinlichsten, absurdesten, beklopptesten und lustigsten Bühnenerlebnisse der ganzen Karriere geht. Darüber hat jeder was zu erzählen!“
Auch ExCellent*innen sind unter den Gästen, bislang zum Beispiel:
Michael Feindler (Folge 1), Dagmar Schönleber (Folge 8), Masha Potempa (Folge 11), Sven Garrecht (Folge 15), Isabel Arnold (Folge 16), Paul Schepansky (Folge 21), Axel Pätz (Folge 24), Matthias Reuter (Folge 26), Konstantin Schmidt (Folge 28) und Michael Krebs (Folge 31).
Wer wissen will, wie Matthias Reuter zum Kabarett gefunden hat, an welchem Programm Konstantin Schmidt aktuell schreibt, welche Wette Dagmar Schönleber verloren hat, was sich für Isabel Arnold anfühlt „wie joggen zu gehen mit ner Kugel am Bein„, und  welchen Prokrastinations-Tipp Michael Krebs gibt, ist herzlich eingeladen, einzuschalten.
„Der Zungenspitzer-Podcast bringt es jede Woche auf den Punkt: 15 Minuten witzig, persönlich und kompakt! Und immer mittwochs.“
Unter www.zungenspitzer.de/podcast sind alle Folgen abrufbar; außerdem kann man dort abonnieren. Und überall sonst, wo es gute Podcasts gibt.“

Die Goldamsel – Hommage an einen Meister der Satire

Von Turid Müller
Michael Feindler, zurzeit unterwegs mit seinem neuen Programm Durchbruch, beschäftigt sich regelmäßig mit komischen Vögeln…

Foto: Enrico Meyer

Dabei macht es durchaus einen Unterschied, „ob deren charakteristische Komik freiwilliger oder unfreiwilliger Natur ist“, schreibt der Kabarettist in seinem aktuellen Newsletter. „Die zweite Variante scheint sich im humoristischen Kontext geradezu aufzudrängen, aber das folgende Tiergedicht weiß diese Erwartungshaltung zu unterlaufen“…

Die Goldamsel

Ein gelbes Vogelmännchen saß
auf meinem Fensterbrett und sang;
und ich, der grad noch etwas las,
sah auf und lauschte, denn es klang

so frech-vergnügt und ernst zugleich;
ein wenig schräg und doch vertraut;
im Tonfall klar und trotzdem weich;
präsent, doch überhaupt nicht laut.

In manchen Zwitscherlauten schwang
ein Schimpfen mit – jedoch verhöhnt
hat’s niemanden; im Grunde klang
es stets charmant, ja fast versöhnt.

Der Vogel ist längst fort. Leb wohl,
ich wünscht’, ich blickte öfter so
auf diese Welt, wie Du, Pirol,
Du Vogel Bülow, Loriot.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Loriot möchte man sich umgehend mit einer Badeente bewaffnet in die Wanne begeben. Und ich schließe demnach kurz und bündig mit einem feierlichen: „Ach was!?“