ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil III)

Von Turid Müller

Die ersten Lockerungen gibt es schon. Doch noch sind die meisten Kultureinrichtungen geschlossen – oder müssen mit starken Beschränkungen zurechtkommen. Aber die ExCellent*innen schreiben, singen und musizieren weiter…

Credit: Emanuel Klempa

Christin Henkel (Celler Schule 2013) verbringt die „unverhoffte Freizeit durch abgesagte/verschobene Veranstaltungen“ am Klavier. Spontan kam ihr die Idee zu einer Piano-EP mit dem Titel „Dreamscore“: „Auf meinem Instagram-Kanal habe ich dazu aufgerufen, mir persönliche Traumgeschichten zu schicken. Diese möchte ich in Musik verwandeln. Träume vertonen also.“

Außerdem schreibt sie ihr neues Buch. Es erscheint am 21.09. und trägt den Titel Achtsam scheitern // Wie ich die Erde retten und dabei gut duften wollte. – Am 09.10 kommt dann übrigens gleich auch ihr aktuelles Album #infaulenzer raus.

Konstantin Schmidt (Celler-Jahrgang 2011) hofft in seiner Eigenschaft als Bühnenkünstler, der gerade letztes Jahr ein neues Weihnachtszeit-Programm auf die Beine gestellt hat, vor allem, dass es keine zweite Infektionswelle gibt: „Denn nur dann habe ich eine Chance, dass ich im November Dezember mein neues Programm auch wirklich live spielen kann. Auch werde ich einige Nummern umschreiben müssen, um genau das aus dem Programm auszunehmen, was die Kleinkunst ausmacht: die Nähe zum Publikum. Und das ist, wenn man es genau überlegt, ein ganz großer Mist. Aber wem sag‘ ich’s?“

Foto: Arno Kohlem, Karlsruhe

Eigentlich hätte er sich im ersten Halbjahr vor allem um das nächste (ganzjährige) Solo-Kabarett-Programm gekümmert. Aber es kam anders: „Angesichts der unsicheren Lage, habe ich das im März beiseite gelegt. Stattdessen experimentiere ich mit neuen Videoformaten. Mein Ziel, musikalisches Kabarett auch jenseits kompletter Lieder per Video zu machen. Drei Scheinwerfer habe ich schon!“ Zum Glück gibt es bis dahin ein paar Online-Auftritt, zum Beispiel nächste Woche Mittwoch um 19 Uhr in der Show Lachen Sie sich schon mal frei, die im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim aufgezeichnet wird. Karten gibt’s über Reservix.

Außerdem hat er etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant in die Entwicklung seiner „Reim-Datenbank“ gesteckt: „Das soll ein Web-Dienst werden, der uns Textdichter beim Schreiben unterstützt, und zwar weit über das reine Finden von passenden Reimwörtern hinaus. Das Projekt ist schon weit gediehen. Erste Testnutzer werden es dieses Jahr in die Finger bekommen. Und wenn alles glatt läuft, geht es 2021 offiziell an den Start.“

Aus dem Musikvideo „Aus der Ferne nah“

Michael Hierer (Celle 2018) hat hat die Krise zum Glück beruflich nicht so hart getroffen wie einige andere: „In meinem Studium als Keyboarder und Produzent habe ich viel Zeit mit digitalen Medien verbracht und gelernt Einschränkungen (bei allem gebotenem Respekt) als Chancen zu begreifen. Meine Unterrichtstätigkeit habe ich beim Großteil meiner Schüler sehr schnell auf Online-Unterricht umstellen können, der dankbar angenommen wurde. Produktionen u.ä. laufen ohnehin so, dass die Kunden von mir digital beliefert werden. Einzig der Wegbruch des Live-Sektors war schmerzhaft. Die Tour mit Nikolas Müller durch die Republik wäre für mich ein Highlight gewesen, das jetzt warten muss (immerhin haben wir einen wundervollen Live-Stream aus den Münsterland-Studios gespielt). Auch mit Turid Müller (Jahrgang 2016) hätte ich einige Termine gespielt, die abgesagt werden mussten. Dafür haben wir uns aber kurzentschlossen um unser Duo-Projekt Steife Krise gekümmert, mit dem wir inzwischen mehrere Songs für unsere erste EP geschrieben und produziert haben. Die Finanzierung versucht ihr Glück auf Startnext und freut sich über Unterstützung. Schließlich kreist mein Kopf (und mein Studio) noch sehr um mein Solo-Projekt „Hierer“, mit dem ich am liebsten noch dieses Jahr ein Album vorlegen würde.“
Dieses Jahr hat also – Krise hin oder her – noch Einiges zu bieten. – Lassen wir uns überraschen!

 

 

Das Gedicht des Monats – und ein heißer Tipp: Das Krisenbüro

Fotografin: Sylvie Gagelmann

Zusammengestellt von Turid Müller

Michael Feindler nutzt sein Monatsgedicht erstmals für Werbung – und zwar für ein brandneues TV-Format…

 

Corona und der Lockdown stellen uns als Gesellschaft vor große Herausforderungen. Zu tun gibt es für uns Kreative also mehr als genug. Da ist so Vieles, was im Argen liegt und dringend kommentiert werden müsste: Das Sterben der Kulturszene, die Forderung danach, die „Schwächsten in der Gesellschaft einfach sterben zu lassen“, und das Wiedererstarken mancher alter Denkmuster. Doch gerade jetzt gibt es zu wenig Bühnen dafür. Wir schaffen uns daher neue, virtuelle. So auch Michael Feindler. Darum gibt es in seinem aktuellen – und wie immer mit spannenden Links gespickten – Newsletter diesmal einen…

 

 

TV-Tipp in eigener Sache

Ich wünscht, man hätte mich gebeten,
gleich morgen wieder aufzutreten
und mit der Bahn herumzureisen
zu Bühnen, die zur Zeit verwaisen.
Doch das ist aktuell nicht drin.
Ich akzeptiere Grund und Sinn,
bemerke aber immer wieder:
Ich brauch für Kabarett und Lieder
ein so genanntes Publikum,
sonst bleiben meine Worte stumm;
ein Vers erwacht erst dann zum Leben,
kann ich ihn munter weitergeben.

Es bleibt ein Trost (obgleich ein schwacher):
Für Poesie und feine Lacher
konnt ich mit einigen Kollegen
im Fernseh’n kürzlich was bewegen.
Und so empfehle ich als Wink
mit einem Zaunpfahl diesen Link:
Das Krisenbüro – Drei Satiriker off Stage | MDR

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil II)

Von Turid Müller

Was machen eigentlich die Absolvent*innen der Celler Schule jetzt, wo die Spielstätten geschlossen sind? – Weiter! Aber oft auf anderem Wege…

Isabel Arnold und ihr neuer „Bühnenkollege“

HüperBel alias Isabel Arnold (Celler Schule 2019) bringt es auf den Punkt:
Was sie daheim in den Wahnsinn treibt, ist:

1)Stundenlange Telefonkonferenzen mit den Kollegen zu Fragen, die man normalerweise schnell mal im Büro bei einem Kaffee klärt

2)Die Kinder bei Laune halten, die natürlich viel lieber ständig Xbox spielen als Hausaufgaben zu machen.

3)Nicht selber Xbox ständig spielen können

Allerdings hat sie selbst in dieser Krise, wie sie sagt, eher kleine Sorgen und verrät, was ihr gut tut:

1)einen Bürojob zu haben und damit das Privileg, die eigene Existenz gerade nicht in Gefahr sehen zu müssen

2)den Freund als Bühnen- und Produktionspartner zu entdecken

3)mit dem Internet die ganze Welt erreichen zu können“

Jutta Wilbertz – Mord ist mehr als nur ihr Hobby

Wie sie dazu kommt? Sie plaudert aus dem Nähkästchen:

„Auf einmal waren wir jeden Abend daheim, kein Improtheater mehr spielen, Kein Stand-Up, kein Kabarett, nüscht. Man kann ja nicht ständig Xbox spielen. Comedy Kollege Berhane Berhane hatte die Idee, in einem Instagram Livestream ein paar neue Jokes zu testen, was eigentlich ganz gut funktioniert hat. Ich hatte dafür fix einen Quarantäne Macarena zusammengeschustert und den danach ins Netz gestellt. Den hatte ich dann – eigentlich nur als Sprachübung – ins Dänische übersetzt. Aber ein gelangweiltes Wochenende später hatten mein Freund und ich die Version aufgenommen und samt Video ins Netz gestellt. Ich glaube, das war zumindest auf Facebook mein bisher erfolgreichstes Video – mit deutschen Untertiteln.“
Auch Jutta Wilbertz (Celler Schule 2011) treibt sich vermehrt im Internet rum. Nicht nur zur Akquise neuer Gigs, sondern sozusagen auch in „krimineller Mission“ – sie schreibt Krimis. Aber natürlich auch neue Songs – wie zum Beispiel die Couch-Schnecke, in der sich vermutlich die Eine oder der Andere wiedererkennt… Und manchmal mischen sich auch ihre beiden kreativen Lieblingsfelder – und dann kommt ein Krimi-Song dabei raus.
Katie Freudenschuss (Celler Schule 2008) äußert sich im Rahmen von Livestreams und Challenges zur Situation. Zum Beispiel unter dem #weiterlachen beim WDR, bei Schmidt FLYX im SR2 Kulturradio und an der Seite von Gerburg Jahnke im Ebertbad Oberhausen. Heute (03.05.2020) um 19 Uhr gibt es dort auch ihr Solo zu sehen. Dienstag ist sie zu Gast in der Anstalt. Und Ende Mai / Anfang Juni erscheint ihr neues Album, das sie live im Schmidtchen aufgezeichnet hat.

Katie Freudenschuss – Viel unterwegs

Einige macht die Krise Erfinderisch und experimentierfreudig. So zum Beispiel Jens Wenzel (Celler Schule 2016): „So mies, wie diese Krise auch ist, hat sie für mich auch einige neue Impulse gebracht. Ich habe das Live-Streaming für mich entdeckt, da ich meine Show trotz des „Auftrittsverbots“ durchführen wollte und es mich gereizt hat, mit einfachen Mitteln meinen eigenen kleinen „Fernsehsender“ an den Start zu bringen. Ich bin zwar eher Audiomensch und kamerascheu, aber vor allem die Improszenen in meiner Show funktionieren besser, wenn man die Schauspieler*innen auch sieht.

Jenz Wenzel – Finale vom 1. Livestream

Ich plane gerade ein abgespecktes Format meiner Show, „Gerührt und geschüttelt – light“, in dem ich verschiedene Künstler vorstellen werde.
Außerdem unterstütze ich die Leute vom BühnenRausch beim Live-Streaming, so streamen wir morgen die Online-Dating-Improshow „Fake It“ auf Facebook. Auch wenn ein Live-Stream keine Bühne ersetzen kann, wichtig ist es einfach, kreativ zu bleiben und sich nicht von einem Virus ins künstlerische Handwerk pfuschen zu lassen.“
Wer die Premiere von Jens‘ Streaming-Aktivitäten sehen möchte, kann das hier. Improtheater, Musik, Talk – es ist eine bunte Mischung und funktioniert tatsächlich alles auch online.
Also: Wir sind und bleiben kreativ. Trotzdem ist bei weitem nicht alles rosig. Die staatlichen Hilfen haben zuweilen mehr Lücken als Netz. Die Gratis-Kunst im Internet könnte die Preise auf dem umkämpften Kulturmarkt noch weiter drücken und die Lage für alle noch prekärer machen als sie ohnehin schon war. Und auch die Dinge, die wir uns anhören müssen, sind seit der Krise nicht besser geworden. Zum Umgang mit uns Kreativen habe ich neulich mal in gereimten Worten Stellung bezogen. Das taugt vielleicht als Schlusswort.

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil I )

Von Turid Müller

Was machen eigentlich die Absolvent*innen der Celler Schule jetzt, wo die Spielstädten geschlossen sind? – Weiter! Aber oft auf anderem Wege…

Mario Rembold

Mario Rembold, Celler Schule 2015, ist (im bürgerlichen Beruf) Wissenschaftsjournalist. Er betrachtet den Ausnahmezustand durch die Brillen seiner beiden Professionen, die auf unterschiedliche Weise vom Shutdown betroffen sind: „Mein Song Tausend Smileys und ein Herz entstand im heimischen Wohnzimmer (Wo sonst?). Was mach ich sonst so? Als Wissenschaftsjournalist schreibe ich und telefoniere auch schon mal mit Forschern. Da ich meist zuhause arbeite, ist das keine große Umstellung. Sorgen habe ich trotzdem, was meine Auftragslage in naher Zukunft betrifft. Vieles wird sich ja ändern, für jeden von uns. Erstmal ist wichtig, gesund zu bleiben und die Menschen um uns zu schützen.“

Aus professioneller Sicht aus der Welt der Wissenschaft hat er einen Wunsch: „Leider gibt es in den digitalen sozialen Netzen derzeit massenhaft selbsternannte Experten, die mit gefährlichem Halbwissen fragwürdige Thesen verbreiten und damit Klicks generieren. Als Wissenschaftsjournalist wünsche ich mir jetzt, dass wir ausnahmsweise mal alle auf die seriösen Stimmen hören.

Melvin Haack

Als Songschreiber und Bühnenbiologe will ich aber auch, dass wir dabei unseren Mut und Humor behalten. Momentan ist das Wichtigste: Meidet soziale Kontakte! Damit schützt ihr euch und eure Lieben. Aber hey: Ihr dürft trotzdem Spaß haben, mit Freunden videochatten, lustige Videos anschauen oder selber filmen. Seid kreativ oder fahrt einfach mal runter. Es gibt eine Welt nach SARS-CoV-2. Bis dahin lasst uns die Menschen um uns herum schützen, lasst uns gesund bleiben – damit es für all unsere Lieben auch ein Leben nach Corona gibt.“

Melvin Haack, Celler Schule 2016, ist in Wohlstandsquarantäne. Diese gibt ihm und seiner Band Schnaps im Silbersee aber ganz offenbar Zeit für neue Musikvideos.

Und da ist er nicht allein. Viele Kreative stehen statt auf der Bühne zurzeit im Netz.

Michael Krebs

So zum Beispiel auch Michael Krebs, Celler Schule 2003. Er hat einen Online-Channel live aus dem Wohnzimmer ins Leben gerufen, um in Kontakt mit seinem Publikum zu bleiben, und mich damit auf die Idee zu diesem Artikel gebracht. Er hat übrigens seit Neustem in einen Spuckschutz auf dem Flügel investiert. – Ich zitiere: „Irre, was man alles schafft, wenn mal mal gar nichts tut!“

Dagmar Schönleber, Celler schule 2018, ist in der Krise regelmäßige Gästin in der Geistershow vom Hoftheater Baienfurt, Samstags 20:15. Dort spielt sie das Lied der Woche zur Lage der Nation. Und sie war im WDR-Portal #weiterlachen zu sehen. Zur Frage, was sie von einem eigenen Live-Channel hält, sagt sie: „Ich selbst bin noch nicht live gegangen, werde das auch vorerst nicht tun, da ist dieses Überangebot und ich würde das jetzt auch nicht exzessiv betreiben wollen…“

Dagmar Schönleber (Foto: Ralf Bauer)

Stefan Noelle, Celler Schule 2009, sieht die neuen Blüten, die die Kulturszene in Corona-Zeiten im Internet treibt, kritisch: „Ich nutze die freiwerdende Zeit vor allem zum Üben. Mich zu verbessern, damit ich nach der Krise im Zweifel noch mehr gefragt bin, ist immer ein gutes Ziel. Zum Schreiben fehlte mir bis jetzt die Muße, denn Verschiebungen und Umbuchungen erfordern Zeit. Skeptisch bin ich gegenüber dem ganzen freien Content, der jetzt von uns Kreativen massiv ins Netz gedrückt wird. Ich halte das für eine gute Möglichkeit zur Klientelpflege, bezweifle aber stark, dass das tatsächlich eine dauerhafte wirtschaftliche Grundlage für ganz viele sein kann. Im Gegenteil befürchte ich da eher eine weitere Entwertung unserer Arbeit, wenn wir jetzt massenhaft zeigen, dass wir alle bereit sind, ohne Bezahlung schöne Sachen zu machen. Unser Publikum darf uns ruhig ein bisschen vermissen, oder? Dann will es uns danach um so mehr wiedersehen.“

Und ich (Celler Schule 2016, by the way)? Ich habe keine Lust, mich durch vermeintlich unbürokratische Anträge und dergleichen zu arbeiten. Und ebenso wenig möchte ich, dass die kreative Selbst- und Frendausbeutung nun online fortgesetzt wird (Stichwort „Honorar können wir leider nicht zahlen, wir zahlen ja schon das Kamera-Team…“). Lieber mache ich aus der Not eine Tugend und freue mich, endlich Zeit zu haben: Ich schreibe an meinen Musical-Projekten, und sitze an neuen Songs für mein Programm. Mein persönliches Experiment heißt „Crowdfunding„: Dieser Tage startet ein Blog, der meine virtuelle Bühne sein wird in dieser Zeit. Wer will, kann sich gratis inspirieren lassen. Wer möchte kann aber auch solidarisch sein und spenden. Wofür: Für neue Gedichte, Geschichten, Sprüche und Songs, die uns online durch die Tage der Isolation begleiten, und die hinterher auf die Bühne kommen. Dann, wenn es wieder geht. Und bis dahin gilt: #wirbleibenzuhause

 

 

Wohnzimmerkonzert in Münster – Stefan Noelle spielt in gemütlicher Runde

Von Mario Rembold

Ein Hocker, eine Gitarre und Stefan Noelle – mehr braucht es nicht für ein gelungenes Wohnzimmerkonzert.

Gut, ein kleines Grüppchen Zuhörender vielleicht noch, die ein offenes Ohr haben für Songs im Singer/Songwriter-Gewand. All diese Zutaten waren beisammen – am 4. Dezember zuhause bei Edith Jeske und Peter Heske. Rund zwanzig Gäste holten sich noch schnell ein Getränk, legten das Smartphone beiseite und machten es sich gemütlich. Hier ein paar Eindrücke:

Zu Beginn erzählt Stefan Noelle, wie er 2009 über die Celler Schule dazu kam, Zitat: „ernsthaft eigene Songs zu schreiben“. Der professionelle Schlagzeuger und Percussionist war zu diesem Zeitpunkt bereits zwanzig Jahre auf Bühnen und in Studios unterwegs, schrieb Film- und Theatermusik. Mittlerweile sieht man ihn außerdem mit seinen selbstverfassten Liedern auf der Bühne. Heute ganz ohne Band und ohne Mikro. Auch die nylonbespannte Konzertgitarre erklingt ohne Verstärker und somit vollkommen unverfälscht. In dieser Form geht das wirklich nur in einer Wohnzimmer-Atmosphäre. Mal berührt Stefan die Saiten nur ganz leicht, so dass man die Begleitung mehr erahnt als hört. Gelegentlich nimmt die Gitarre aber auch Fahrt auf – ein Dynamikumfang, der sich in einem großen Saal über Boxen nur schwer realisieren lässt.

Auch Kater Freddy hat Stefan Noelles Musikpoesie genossen.

Stefan ist ein Mann der leisen Töne und hat ein Händchen für eingängige Melodien und Metriken. Die Texte kommen ganz natürlich rüber, und sind doch auf den Punkt gereimt und voller Sprachwitz. Besonders originell finde ich die Mischung aus Melancholie und Humor. Zum Beispiel bei seinem Herbstlied („Gib mir noch mal Saft bevor du gehst“), das er laut Songtext jahrzehntelang vor sich herschob, um es dann doch endlich zu schreiben. Dazu mussten ihm jedoch erst die Haare ausfallen.

Sogar ein Fade-Out mit Akustikgitarre ist bei Stefan möglich, nämlich am Ende des Stücks „Aber so geht es auch“. Ein Lied über ein Paar, das über die Jahre zusammengeblieben ist, inzwischen aber wohl mehr übereinander denkt als miteinander redet. Und so blendet die Nummer langsam (und ganz ohne Mischpult) aus, indem Stefan immer leiser wiederholt: „Sie glaubt, dass er weiß, was sie denkt, wenn er sagt, dass er hofft, dass sie ahnt, was er meint, wenn er fragt…“.

In einem ganz aktuellen Stück outet sich Stefan außerdem als deutscher Patriot, der sich nicht von AfD und anderen Rechtspopulisten den Begriff „deutsch“ definieren lassen will. „Muss ich jetzt was sagen?“ ist ein originelles Statement gegen all jene, die Vokabeln wie „Patriotismus“ oder „deutsche Werte“ für sich allein vereinnahmen wollen. Denn schließlich kann man sein Land auch lieben, ohne dabei zu hassen, zu hetzen oder auszugrenzen. Auch dieser Song kommt wieder mit pfiffigen Wortspielen daher – aber die möchte ich hier nicht vorwegnehmen.

Und so vergeht ein kurzweiliger Abend mit Texten zwischen Liedermacher, Chanson, Kabarett und Pop. Als Zugabe gibt es zuletzt noch den Titelsong seines Albums „Meinetwegen im Regen“. Auf der CD ist das Lied voll arrangiert zu hören. Ich persönlich liebe aber vor allem die Livefassung nur mit Gitarre und empfinde sie als lebendiger und energiegeladener. Es sei erwähnt, das Edith Jeske mir sofort widersprach, denn schließlich sei ja die CD-Fassung ebenso herausragend. Da hilft nur eins: Sich selber ein Bild machen und erst die CD bestellen und diese dann zum Signieren zum nächsten Stefan-Noelle-Konzert mitnehmen.

Sisters of Comedy – Ab jetzt für immer!

von Turid Müller

Kleinkünstlerinnen gehen bundesweit für mehr Gleichberechtigung auf die Bühne.

Im letzten Jahr hat Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert: Die Geburtsstunde der Sisters of Comedy. Das Ziel: Auf die Missstände in Punkto Geschlechtergerechtigkeit aufmerksam machen. – Die auf der Kleinkunst-Bühne und die in der großen Welt. Das hat so gut funktioniert, dass die Sisters offenbar gekommen sind, um zu bleiben: Ab jetzt stehen die Künstlerinnen jedes Jahr im ganzen deutschsprachigen Raum für mehr Gleichstellung im Rampenlicht. Und viele ExCellent*innen sind dabei!

Ja, das Sternchen lohnt sich! Denn es wandeln nicht nur Frauen auf den Pfaden der Emanzipation:

Mit Ferdi Riester ist unter den „Sisters“ auch ein „Brother“; als Teil der Gruppe Die schrillen Fehlaperlen gehört er zu den Gastgeber*innen in Erlaheim. Und im Hamburger Polittbüro haut an meiner Seite Michael Hierer als Quoten-Mann des Abends in die Tasten. In Hamburg sind die Sisters übrigens – bundesweit einmalig – gleich mit drei Spielorten vertreten! Aber jetzt zu denen, um die es eigentlich geht an diesem Abend: Die Frauen:

In Erfurt ist Isabel Arnold (HyperBel) Gastgeberin im HsD. In Esslingen steht Anette Heiter mit ihrem juristischen Kabarett auf der Bühne. In Herrenberg spielt Anne Folger auf der Klaviatur des Publikums – wie ihr Programm-Titel verspricht: ein Selbstläufer! In Köln gibt’s im Stollwerck Kabarett mit Dagmar Schönleber. Sie ist nicht nur die Patin der Show, sondern gehört auch (zusammen mit Carmela de Feo und Patrizia Moresco) zu den Gründerinnen der Bewegung. In Rheine rockt Feli die Stadthalle. In Stuttgart singt Katie Freudenschuß.

Habe ich eine Kollegin vergessen? – Dann lasst es mich bitte wissen! Die Fülle ist überwältigend! Gut so!

Denn: Feminismus ist zwar ein Wort, das nicht bei allen auf offene Ohren stößt. Aber die Kleinkunst ist nicht die einzige kulturelle Sparte, die sich mit Gleichstellungs-Fragen beschäftigt. Auch aus anderen Richtungen gibt es Bestrebungen, auf mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern hinzuwirken. Auf Facebook gibt beispielsweise es die Gruppe Musicalfrauen stärken Musicalfrauen“, die unter anderem bei der Preisverleihung der Deutschen Musical Akademie 2018 mit der Forderung 50/50 auf sich aufmerksam machte.

In diesem Sinne: Kommt gucken! Spielt im nächsten Jahr mit oder organisiert bei Euch vor Ort eine Show der Sisters! – Gemeinsam können wir was bewegen.

 

Zeitlos – Tim Fischer feiert Premiere und 30 Jähriges Bühnenjubiläum

Zusammengetragen von Turid

Heute hat „Zeitlos“ Premiere im Tipi am Kanzleramt. Die Liste der neuen Lieder zeigt: Die Celler Schule ist mit von der Partie!

Im Booklet der am 11.10. erschienenen CD finden sich unter den Urheber*innen der Songs viele ExCellent*innen: Paul Schepansky, Barbara Berrien, Tillman Graach, Hannes Potthoff, Erdmann Lange, Corinna Fuhrmann. Auch Rainer Bielfeldt und Edith Jeske haben wieder mitgewirkt. Und auch die Rinnsteinprinzessin darf natürlich nicht fehlen und hat zum feierllichen Anlass ein neues Video bekommen!

Erdmann Lange ist mit seinem Stück Ich liebe Dir hinterher (Text von mir, Musik von Rainer Bielfeldt) vertreten: „Der Text beim „20 Jahre Celler-Schule-Jubiläumstreffen“ in Springe 2016 entstanden, wo Rainer seine Musik schon dabei hatte samt „Schimmel“-Text. Und in einem „Schimmel“-Workshop entstand dann schon der nahezu fertige Text von mir. Sozusagen ohne die Musik dazu zu hören, nur mit Rainers Schimmel als Vorlage. Beim nachträglichen Hinzufügen der Musik stellte sich dann raus: Das passt wunderbar! Und Rainer hat mich dann gleich angesprochen, ob er den Text dafür verwenden kann.“

Kurz: Eine echte Celler Geschichte, das neue Programm! Also: Hin da!

Und vor allem: Herzlichen Glückwunsch, Euch allen!

Gold für zwei ExCellente: Annette Jans und Erdmann Lange als Autoren für Marc Pircher erfolgreich

Von Erdmann Lange

Sie haben sich 2014 als TeilnehmerInnen der Celler Schule kennen gelernt – und seither immer wieder zusammengearbeitet: Annette Jans und Erdmann Lange, die im Team mit Andi Königsmann und Kurt Schoger (beide ebenfalls Celler Schule 2014) unter dem durchaus ein wenig selbstironisch zu verstehenden Label „Deutscher Schlagergipfel“ seit einigen Jahren regelmäßig zusammen Songs und Texte für diverse InterpretInnen im Schlagerbereich abliefern, feiern aktuell als Liedtexter für den Österreicher Marc Pircher einen beachtlichen Erfolg:

Sein am 27.06. erschienenes aktuelles Album „Hörst Du mein Herz“, das die beiden von Jans und Lange getexteten Titel „Herz sucht Heimat“ und „Wir feiern durch bis zum Morgenrot“ enthält, wurde soeben in Österreich mit Gold ausgezeichnet! Marc Pircher selbst ist Co-Autor der Titel; den Kontakt zu ihm und seinem Management stellte während der Produktionsphase des aktuellen Albums der Mannheimer Musikverleger Michael Menges her, mit dem Erdmann Lange schon mehrfach in anderem Kontext zusammengearbeitet hatte.

Die Gold-Auszeichnung ist ein weiterer Erfolg für das Schreib-Kollektiv der „Schlagergipfler“ – nachdem bereits die Karnevals-Single „Tschau mit Au„, mit der die Kölner Band „Boore“ in Funk und Fernsehen und bei Hunderten von Liveauftritten begeisterte und die von Schoger, Königsmann, Jans und Lange gemeinsam geschrieben wurde, große Aufmerksamkeit fand und nach wie vor fest zum Liveprogramm der „Boore“ gehört.

Auch wenn alle vier AutorInnen natürlich auch eigene Wege gehen – fest etabliert hat sich, dass diese Runde sich einmal im Jahr eine Woche lang zum gemeinsamen Songwriting trifft, verstärkt durch jeweils wechselnde Gäste und SchreibpartnerInnen. Und dass man sich auch ansonsten hier und da die Bälle zuspielt und kreativ kooperiert – so gewannen z.B. Annette Jans und Andi Königsmann unlängst als Autorenduo den Schlager-Wettbewerb „Stauferkrone„.

Ohne die Celler Schule jedenfalls hätte das Quartett in dieser Besetzung wohl nie zusammengefunden.

„Celle ist mehr“ – Abschlussabend in Springe 2019

Von Turid Müller

Ein neuer Jahrgang frisch gebackener ExCellent*innen hat sich vorgestellt. Es gibt einen neuen „Hans-Bradtke-Förderpreis“-Träger. Und wie so oft wurde bis in die Puppen Musik gemacht. 

Jahrgang 2019 mit einigen der Dozent*innen

 

Ich fürchte, ich kann diesen Beitrag nicht einfach rein sachlich schreiben. Dazu bin ich zu involviert. Ich gebe es also auf. Ich hoffe, Ihr seht es mir nach.

Es wäre zu kurz gegriffen, die Abschlussfeier mit ihren Programmpunkten beschreiben zu wollen. Also: Sektempfang, kleine Ansprache, Buffett, Preisverleihung und natürlich die mehrstündige gemeinsame Show. – Es ist wie Nachhause kommen! Das Wort „Nestwerk“ spricht für sich. Da brauche ich mir gar nicht erst einen von wegen „herzliche Kooperation“ und „kollegiale Freundschaft“ zurechtstümpern. Typisch Celler Schule eben: Das Glück der gemeinsamen Kreativität und das Mitfreuen an den Gaben der anderen. Um es mit den Worten des Abschluss-Jahrgangs zu sagen: „Celle ist mehr“!

So hieß die Umbetextung von „Leben ist mehr„, einem „Rolf Zuckowski“-Lied. Rolf war diesmal nicht nur als Gast und Förderer, sondern auch als Dozent dabei. Eine der Aufgaben war gewesen, „Leben ist mehr“ zum Thema Kita neu zu betexten. – Beide Versionen trafen den Kern und bewegten das Publikum, da Ihr übrigens in dem Bild links unten seht.

„Hans-Bradtke-Förderpreis“-Träger Matthias Ningel (Mitte)

Bewegt hat auch die Darbietung des diesjährigen „Hans Bradtke-Förderpreis“-Trägers. Der Preis wird gestiftet von Barbara Berrien, der Tochter des Textdichters (u.a. „Pack die Badehose ein“, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“). Wie immer ging die Ehrung an den ganzen Jahrgang. Aber diesmal insbesondere an Matthias Ningel. Er tourt als Liedermacher und Humorist. Und hat schon eine lange Liste von Preisen gesammelt. Auf seiner Homepage bringt es ein Zuschauer auf den Punkt: „Das einzige, das den zuuuu tiefen Blick in den Spiegel, den Du uns vorgehalten hast, verstellte, waren die Lachtränen …“ Oder – wie Tobi es in seiner Rede: Das selbsternannte „Omega-Männchen“ ist „ein dichtendes Alphatier“.

Er und alle anderen ExCellent*innen legten ein abwechslungsreiches Programm hin. Und – schwupp! -war es nach Mitternacht! – Celler Nächte sind kurz. Zu kurz für alle Gespräche, die geführt werden und alle Lieder, die gesungen werden wollen.

Aber die nächste kommt bestimmt.

 

 

REALITY – ein neues Musical mit den Songtexten einer ExCELLEntin

Alle paar Jahre bringt der österreichische Musikveranstaltungsverein KlangKasten ein eigenes Musical auf die Bühne. Christina Priplata-Harand, Ex-Cellentin 2017, hat zum fünften Mal alle Songtexte dafür geschrieben.

#Reality heißt die aktuelle Show – und ja, wie am Titel zu erkennen ist, geht es um Beziehungen on- und offline. Rund um die Hochzeit von Lizzi und Julian zeigen Familie und Freunde des Brautpaars, wer sie wirklich sind.

Der KlangKasten hat seine Heimat in Kasten bei Böheimkirchen. Das wiederum liegt in der Nähe von St. Pölten.

Wer die weite Anreise schaut, findet die Songtexte hier

Und wer die Termine auf dem Foto nicht recht lesen kann, findet sie hier (einfach ein bisschen scrollen).

Die Premiere ist übrigens morgen, am 23. Mai!

Artists4Future: Fürs Klima im Einsatz

Michael Feindler & Turid Müller

Eben war es noch Thema in seinem Gedicht des Monats. Jetzt hat Michael Feindler eine neue Bewegung mit auf den Weg gebracht. Artists4Future stärkt den Streikenden Schüler*innen den Rücken und sorgt sich (nicht nur freitags) um die Zukunft unseres Klimas.

„Mitte März lag die Idee, Artists4Future zu gründen, gewissermaßen in der Luft“, schreibt Kollege Feindler mir, nach den Anfängen befragt. „Nachdem sich neben den Scientists4Future auch schon die Farmers4Future und Entrepreneurs4Future gegründet hatten. Und es sind zeitlich nahezu parallel Strukturen entstanden, die anfangs nichts voneinander wussten – und zwar mindestens vier an der Zahl“:

 

1. Eine Facebook-Seite, die der Regisseur Karsten Müller initiiert hat (seine Tochter ist in Trier als Schülerin bei „Fridays for Future“ aktiv).
2. Die Facebook-Gruppe, in der Künstler*innen angefangen haben, über Ideen zu diskutieren.
3. Die Website artistsforfuture.de (jetzt .org) mit dem dazugehörigen Twitter-Account Artists4Future, die sich Steffen Peschel nach Absprache mit seiner Parents4Future-Gruppe in Leipzig gesichert hat
4. Eine Gruppe mehrerer Künstler*innen, die eine gemeinsame Stellungnahme für die Artists4Future formuliert haben.

„Der vierte Punkt ist mein persönlicher Anknüpfungspunkt bei dem Projekt gewesen“, berichtet der ExCellent. „Unmittelbar nach der Fridays-for-Future-Demo in Berlin am 15. März habe ich mich mit Bodo Wartke, der dort aufgetreten war, und Musikern der Band „Nofretete“ zusammengesetzt, um zu überlegen, wie wir das Ganze angehen sollten. Wir waren alle hochmotiviert, etwas zu starten, damit sich möglichst viele Künstlerinnen und Künstler mit den Klima-Protesten solidarisieren. Am Ende der ersten Besprechung erklärte ich mich bereit, über das anstehende Wochenende einen ersten Textentwurf für eine Stellungnahme zu erarbeiten und schrieb somit zusammen mit Uta Köbernick (Liedermacherin aus der Schweiz, die dort auch schon im Radio mit kurzen Songs die Klima-Streiks besungen und unterstützt hat) einen ersten groben Entwurf. In den folgenden zwei Wochen haben sich zehn weitere Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Sparten daran beteiligt Feedback zu geben, Passagen umzuformulieren und Gedanken zu ergänzen – unter anderem Bodo Wartke (Celler Schule 1998), Sahra Hakenberg (Celler Schule 2010) sowie Edith Jeske und Tobias Reitz. Am 1. April lag endlich das Ergebnis vor, auf das sich alle Beteiligten einigen konnten.“

Als Menschen aus Musik, Bildender Kunst, Literatur und Darstellender Kunst haben wir uns aus gegebenem Anlass zusammengeschlossen, um uns mit den Klima-Streiks zu solidarisieren (Präambel der Stellungnahme).

Anschließend, erzählt der engagierte Kabarettist, habe er unter anderem „das Sammeln der Erstunterzeichnungen koordiniert“ und „zusammen mit Steffen Peschel von Parents4Future Leipzig die Website geplant“. Ab jetzt soll die Organisation allerdings dezentral laufen.

„Aktuell haben wir etwa 1500 Künstlerinnen und Künstler beisammen, die den Text unterzeichnet haben.“ Auch in den Medien gab es Resonanz: „MDR Kultur hat kurz nach Veröffentlichung der Stellungnahme etwas zum Thema geschrieben (…). Viele bekannte Kolleg*innen haben Stellung bezogen. So zum Beispiel auch Konstantin Wecker.

Wer Interesse hat sich einzubringen, kann sich unter FAQ viele Fragen beantworten. „Es dürfen ruhig noch mehr werden“, meint Michael Feindler und verweist auf die Homepage. Dort kann man die Stellungnahme unterzeichnen.

Lennart Schilgen gewinnt Prix Pantheon

 

So sehen Sieger aus: Lennart Schilgen (2. v. l.) freut sich mit Martin Frank, Olli Dittrich und Moderator Tobias Mann.
So sehen Sieger aus: Lennart Schilgen (2. v. l.) freut sich mit Martin Frank, Olli Dittrich und Moderator Tobias Mann.

von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Der Prix Pantheon ist einer der renommiertesten Kabarett- und Satirepreise und gilt als Karriere-Sprungbrett für die Newcomer der deutschen Kleinkunstszene. In diesem Jahr kann sich der Berliner Liedermacher Lennart Schilgen über den Jury-Preis in der Kategorie „Jung und verdorben“ freuen. „Ich bin stolz wie Bolle“, ließ Lennart seine Fans via Facebook wissen. Wir, die Kollegen der Celler Schule, gratulieren auf das Herzlichste.

„Lennart Schilgen zeigt uns, wie leise man schreien und wie eindrücklich man flüstern kann“, begründete die Jury unter Leitung von Susanne Pätzold die Preisvergabe. „In kunstvoll gebauten Liedern präsentiert er seine ebenso kunstvoll gebauten Verse. Mit fragendem  Blick, als wäre er über die Welt, die er besingt, selbst erstaunt, zeigt er uns mit wunderbarer Präzision, was Jäger und Reh unterscheidet und wie tief das Gefühl bei der Suche nach einem  Kaugummipapier sein kann. Mit kleinen Beobachtungen zu großen Gefühlen berührt, belustigt und beseelt er sein Publikum.“ Zehn Nachwuchskünstler und -künstlerinnen ritterten um die begehrte Trophäe. Ins Finale zogen neben Lennart Schilgen Miss Allie, Christoph Fritz, Shahak Shapir und Martin Frank ein.

Während Lennart Schilgen die Juroren überzeugen konnte, hatte Martin Franz in der Zuschauergunst die Nase vorn und ging in der Kategorie „Beklatscht &  Ausgebuht“ (Publikumspreis) als Sieger hervor. Der Ehrenpreis in der Kategorie „Reif und bekloppt“ wurde an den Schauspieler, Komiker, Komponisten und Musiker Olli Dittrich verliehen. Das WDR Fernsehen und WDR 5 übertrugen das Halbfinale und Finale, das von Tobias Mann, Publikumspreisträger 2008, moderiert wurde, zeitversetzt am vergangenen Wochenende. Wer die Sendungen verpasst hat, kann sie hier nachsehen.

Das Pantheon-Theater in Köln vergibt den Prix Pantheon seit 1995, feierte heuer also das 25-Jahr-Jubiläum. Der Nachwuchs-Preis ist mit 3000 Euro dotiert. Hier ein kleiner Auszug aus der Preisträgerliste: Jess Jochimsen (1999), Rainald Grebe (2003), Hagen Rether (2004), Ohne Rolf (2007), Maxi Schafroth (2013), der diesjährige Fastenprediger vom Münchner Nockherberg, und Lisa Eckhart (2017).