Zeitlos – Tim Fischer feiert Premiere und 30 Jähriges Bühnenjubiläum

Zusammengetragen von Turid

Heute hat „Zeitlos“ Premiere im Tipi am Kanzleramt. Die Liste der neuen Lieder zeigt: Die Celler Schule ist mit von der Partie!

Im Booklet der am 11.10. erschienenen CD finden sich unter den Urheber*innen der Songs viele ExCellent*innen: Paul Schepansky, Barbara Berrien, Tillman Graach, Hannes Potthoff, Erdmann Lange, Corinna Fuhrmann. Auch Rainer Bielfeldt und Edith Jeske haben wieder mitgewirkt. Und auch die Rinnsteinprinzessin darf natürlich nicht fehlen und hat zum feierllichen Anlass ein neues Video bekommen!

Erdmann Lange ist mit seinem Stück Ich liebe Dir hinterher (Text von mir, Musik von Rainer Bielfeldt) vertreten: „Der Text beim „20 Jahre Celler-Schule-Jubiläumstreffen“ in Springe 2016 entstanden, wo Rainer seine Musik schon dabei hatte samt „Schimmel“-Text. Und in einem „Schimmel“-Workshop entstand dann schon der nahezu fertige Text von mir. Sozusagen ohne die Musik dazu zu hören, nur mit Rainers Schimmel als Vorlage. Beim nachträglichen Hinzufügen der Musik stellte sich dann raus: Das passt wunderbar! Und Rainer hat mich dann gleich angesprochen, ob er den Text dafür verwenden kann.“

Kurz: Eine echte Celler Geschichte, das neue Programm! Also: Hin da!

Und vor allem: Herzlichen Glückwunsch, Euch allen!

Gold für zwei ExCellente: Annette Jans und Erdmann Lange als Autoren für Marc Pircher erfolgreich

Von Erdmann Lange

Sie haben sich 2014 als TeilnehmerInnen der Celler Schule kennen gelernt – und seither immer wieder zusammengearbeitet: Annette Jans und Erdmann Lange, die im Team mit Andi Königsmann und Kurt Schoger (beide ebenfalls Celler Schule 2014) unter dem durchaus ein wenig selbstironisch zu verstehenden Label „Deutscher Schlagergipfel“ seit einigen Jahren regelmäßig zusammen Songs und Texte für diverse InterpretInnen im Schlagerbereich abliefern, feiern aktuell als Liedtexter für den Österreicher Marc Pircher einen beachtlichen Erfolg:

Sein am 27.06. erschienenes aktuelles Album „Hörst Du mein Herz“, das die beiden von Jans und Lange getexteten Titel „Herz sucht Heimat“ und „Wir feiern durch bis zum Morgenrot“ enthält, wurde soeben in Österreich mit Gold ausgezeichnet! Marc Pircher selbst ist Co-Autor der Titel; den Kontakt zu ihm und seinem Management stellte während der Produktionsphase des aktuellen Albums der Mannheimer Musikverleger Michael Menges her, mit dem Erdmann Lange schon mehrfach in anderem Kontext zusammengearbeitet hatte.

Die Gold-Auszeichnung ist ein weiterer Erfolg für das Schreib-Kollektiv der „Schlagergipfler“ – nachdem bereits die Karnevals-Single „Tschau mit Au„, mit der die Kölner Band „Boore“ in Funk und Fernsehen und bei Hunderten von Liveauftritten begeisterte und die von Schoger, Königsmann, Jans und Lange gemeinsam geschrieben wurde, große Aufmerksamkeit fand und nach wie vor fest zum Liveprogramm der „Boore“ gehört.

Auch wenn alle vier AutorInnen natürlich auch eigene Wege gehen – fest etabliert hat sich, dass diese Runde sich einmal im Jahr eine Woche lang zum gemeinsamen Songwriting trifft, verstärkt durch jeweils wechselnde Gäste und SchreibpartnerInnen. Und dass man sich auch ansonsten hier und da die Bälle zuspielt und kreativ kooperiert – so gewannen z.B. Annette Jans und Andi Königsmann unlängst als Autorenduo den Schlager-Wettbewerb „Stauferkrone„.

Ohne die Celler Schule jedenfalls hätte das Quartett in dieser Besetzung wohl nie zusammengefunden.

Deutscher Freiheitsbegriff – Michael Feindlers Monatsgedicht

Michael Feindler hat ein neues Monatsgedicht und auch ein neues Bühnenprogramm.

„Worum es dabei geht?“ fragt er in seinem Newsletter. „Zum Beispiel darum“:

Deutscher Freiheitsbegriff

Ihr dürft mich online überwachen,
mich arm und dadurch kränker machen,
an Eure eig’nen Lügen glauben,
mir schließlich meine Würde rauben,
doch lasst mir bitte dreierlei,
dann fühl ich mich auch künftig frei:
Böller, Wurst und Raserei.

Appetit bekommen? Das neue Programm gibt’s hier:Ihr Standort wird berechnet„.

Im Ankündigungstext heißt es: „Im neuen Bühnenprogramm unternimmt Michael Feindler den Versuch einer Standortbestimmung, und zwar für die Menschheit im Allgemeinen: Zwischen ökologischem Kollaps, Demokratiekrise und unübersichtlichen Datenströmen will er Freiraum für politische Visionen schaffen. Das ist anmaßend, aber womöglich der einzig realistische Weg aus den Dilemmata“. Feindler meint das ernst. Nichtg nur im Kabarett. Darum schließt er in seinem Newsletter auch mit den Worten: „Vielleicht sehen wir uns ja an irgendeiner Bühne. Oder auf der Straße – aus gegebenem Anlass.“

„Zwei Leben“: Rainer Bielfeldts neues Album und Bühnenprogramm

von Sandra Niggemann und Mario Rembold

Rainer Bielfeldt hat Wort gehalten: Rund anderthalb Jahre nach seinem letzten Album hat er nun seine neue CD „Zwei Leben“ veröffentlicht. Wir haben am 1. September 2019 im Kölner Senftöpfchen-Theater den ersten Konzertabend nach der Premiere erlebt.

Foto: Tiago Bielfeldt

„Wir haben zwei Leben. Und das zweite beginnt, wenn dir klar wird: Wir haben nur eins.“ Ob die Inspiration zu diesen Zeilen wirklich aus einem Glückskeks im Chinarestaurant kam? Das erzählt Rainer Bielfeldt im gut gefüllten Kölner Senftöpfchen-Theater, nachdem die letzten Akkorde seines Titelliedes verstummt sind. All seine Songs und Conférencen erscheinen authentisch, denn Rainer singt, spielt und erzählt aus tiefstem Herzen. Das spürt das Publikum. Immer wieder hört man aus den Zuschauerreihen ein mal wohliges und mal staunendes „Oh“. Das sind die Augenblicke, in denen man sich tief hineingezogen fühlt in die Lieder, die auch das eigene Herz zum Schwingen bringen.

Magische Momente, hinter denen eine Menge Arbeit und Sorgfalt im Vorfeld stecken.

Zudem hat sich Rainer für die Regie seines aktuellen Bühnenprogramms in die Hände von Edda Schnittgard begeben: Die einzelnen Songs sind durch kleine Anekdoten, Betrachtungen und Geschichten miteinander verbunden, mit denen er die Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer Reise einlädt. Auf der Reise sein – davon spricht und singt Rainer immer wieder, vom Reisen, vom Ankommen und von Sehnsucht. „Viel zu selten allein’“ ist ein augenzwinkerndes Beispiel für alle drei dieser „bielfeldtschen“ Herzensthemen. Das Publikum gerät in herzhaftes Lachen, als Rainer in den ersten Zeilen des Liedes feststellt: „Du lässt mich viel zu selten allein. Du könntest hin und wieder mal verreisen.“

Neben all dem zeigt er eine differenzierte und feinfühlige Haltung: Themen wie Populismus und Rassismus begegnet er nicht mit plumpem erhobenem Zeigefinger, sondern mit sehr persönlichen Ansichten und Geschichten: So erzählt zum Beispiel „Insel namens Abendland“ – unserer Meinung nach ein Highlight des Abends – die Geschichte zweier ehemals dicker Schulfreunde, von denen einer nun, Jahre später, auf Facebook fremdenfeindlich „Häme, Hassgebrüll und Jammern“ verbreitet. Betroffen stellt Rainer aus Sicht des anderen Freundes die Frage: „Bist du noch zu retten, oder bist du schon verloren?“

Erwähnt sei auch Rainer Bielfeldts 1975 verstorbene Lieblingsdichterin Mascha Kaléko. Ihre Gedichte hätten ihn seit seiner Jugend berührt. Und weil, so Rainer, „Mascha Kaléko bei keinem meiner Konzerte fehlen darf“, sind auch drei ihrer Texte auf seinem Album zu kurzen Miniaturen verwoben. Sie sind ein Kontrast zu den anderen Liedern – ein bisschen wie ein Innehalten auf seiner Reise.

Foto: Tiago Bielfeldt

Neben diesen Miniaturen und Texten von Rainer Bielfeldt bündelt „Zwei Leben“ auch die Kreativität einer ganzen Truppe aus dem Kreis der Celler Schule. Während Rainer alle Songs komponiert hat, haben an den Texten neben Rainer folgende Autoren mitgewirkt: Barbara Berrien, Thorsten Budde, Karla Feles, Peter Fischer, Tilmann Graach, Julia Hagemann, Thomas Lienenlüke, Annette Müller, Hannes Potthoff, Thomas Paul Schepansky, David Quaass, Dagmar Schönleber, Otto Senn und Carsten Thiele. Drei Songtexte des Albums hat Edith Jeske beigesteuert.

Insgesamt zeigt sich Rainer Bielfeldt mit seiner neuen CD und seinem neuen Bühnenprogramm abwechslungsreich: nicht nur melancholisch und nachdenklich, sondern auch humorvoll und entschlossen. Das spiegelt sich unter anderem im Lied „Pflanz Lavendel auf mein Grab“ wider. Auch wenn der Titel anderes vermuten lässt: Rainer singt hier eine Hymne an das Leben, das er mit allen Sinnen genießen möchte. Er sei halt, so sagt Rainer Bielfeldt, ein „melancholischer Optimist“.

Und wenn am Abend seine musikalische Reise mit dem Lied „Der Horizont“ zu Ende geht und die Zeilen erklingen „Irgendwann… komm ich an“, dann zeigt der Applaus ganz klar: Beim Publikum des Senftöpfchens ist er angekommen – und wie.

Apropos: Mal abgesehen davon, dass man mit dem Kauf des CD-Albums auf Konzerten den Berliner Hospizdienst Tauwerk unterstützt, bietet Rainer nach seinem Auftritt eine „kostenlose Umarmung“ an. Ein Herzensmensch eben.

„Kompensation“ – Monatsgedicht anlässlich der Europawahl

Von Turid Müller

Vor einer Woche hat Europa gewählt. Michael Feindler hat im Vorwege mit seinem Gedicht des Monats dazu aufgerufen, möglichst wenig Menschen ins EU-Parlament einziehen zu lassen, die „die Existenzberechtigung aller Menschen keinesfalls für selbstverständlich halten„:

Kompensation
Ein Mensch ist ziemlich oft frustriert,
er fühlt sich nämlich ignoriert –
nicht von Kollegen und den Seinen,
doch von der Welt im Allgemeinen.
Zwar könnte er nur selten sagen,
er hätte etwas beizutragen
von allgemeiner Relevanz,
(weshalb das mit der Ignoranz,
die man ihm meist entgegenbringt,
von außen leider logisch klingt),
doch will er – fällt ihm auch nicht ein,
warum – sehr gerne wichtig sein.
Da kommt geradezu gelegen
ein Anlass, sich mal aufzuregen:
Wieso genau? Egal. Dagegen!
Der Mensch bemerkt: Wenn wer Bekanntes
was sagt – am besten Relevantes –
und jemand lautstark reagiert,
wird dieser kaum mehr ignoriert,
was online einfach funktioniert:
Für eine Zwei-Wort-Reaktion
im dreisten aggressiven Ton
gibt’s vier Minuten Ruhm als Lohn.
Sobald der Mensch nun Chancen wittert,
beginnt er wütend, wild, verbittert
zu schimpfen – bis man vor ihm zittert.
Dann spürt er neuen Lebensschwung
und Existenzberechtigung.

Die Wahl liegt hinter uns. Aber das Gedicht verliert nicht an Gültigkeit…

Artists4Future: Fürs Klima im Einsatz

Michael Feindler & Turid Müller

Eben war es noch Thema in seinem Gedicht des Monats. Jetzt hat Michael Feindler eine neue Bewegung mit auf den Weg gebracht. Artists4Future stärkt den Streikenden Schüler*innen den Rücken und sorgt sich (nicht nur freitags) um die Zukunft unseres Klimas.

„Mitte März lag die Idee, Artists4Future zu gründen, gewissermaßen in der Luft“, schreibt Kollege Feindler mir, nach den Anfängen befragt. „Nachdem sich neben den Scientists4Future auch schon die Farmers4Future und Entrepreneurs4Future gegründet hatten. Und es sind zeitlich nahezu parallel Strukturen entstanden, die anfangs nichts voneinander wussten – und zwar mindestens vier an der Zahl“:

 

1. Eine Facebook-Seite, die der Regisseur Karsten Müller initiiert hat (seine Tochter ist in Trier als Schülerin bei „Fridays for Future“ aktiv).
2. Die Facebook-Gruppe, in der Künstler*innen angefangen haben, über Ideen zu diskutieren.
3. Die Website artistsforfuture.de (jetzt .org) mit dem dazugehörigen Twitter-Account Artists4Future, die sich Steffen Peschel nach Absprache mit seiner Parents4Future-Gruppe in Leipzig gesichert hat
4. Eine Gruppe mehrerer Künstler*innen, die eine gemeinsame Stellungnahme für die Artists4Future formuliert haben.

„Der vierte Punkt ist mein persönlicher Anknüpfungspunkt bei dem Projekt gewesen“, berichtet der ExCellent. „Unmittelbar nach der Fridays-for-Future-Demo in Berlin am 15. März habe ich mich mit Bodo Wartke, der dort aufgetreten war, und Musikern der Band „Nofretete“ zusammengesetzt, um zu überlegen, wie wir das Ganze angehen sollten. Wir waren alle hochmotiviert, etwas zu starten, damit sich möglichst viele Künstlerinnen und Künstler mit den Klima-Protesten solidarisieren. Am Ende der ersten Besprechung erklärte ich mich bereit, über das anstehende Wochenende einen ersten Textentwurf für eine Stellungnahme zu erarbeiten und schrieb somit zusammen mit Uta Köbernick (Liedermacherin aus der Schweiz, die dort auch schon im Radio mit kurzen Songs die Klima-Streiks besungen und unterstützt hat) einen ersten groben Entwurf. In den folgenden zwei Wochen haben sich zehn weitere Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Sparten daran beteiligt Feedback zu geben, Passagen umzuformulieren und Gedanken zu ergänzen – unter anderem Bodo Wartke (Celler Schule 1998), Sahra Hakenberg (Celler Schule 2010) sowie Edith Jeske und Tobias Reitz. Am 1. April lag endlich das Ergebnis vor, auf das sich alle Beteiligten einigen konnten.“

Als Menschen aus Musik, Bildender Kunst, Literatur und Darstellender Kunst haben wir uns aus gegebenem Anlass zusammengeschlossen, um uns mit den Klima-Streiks zu solidarisieren (Präambel der Stellungnahme).

Anschließend, erzählt der engagierte Kabarettist, habe er unter anderem „das Sammeln der Erstunterzeichnungen koordiniert“ und „zusammen mit Steffen Peschel von Parents4Future Leipzig die Website geplant“. Ab jetzt soll die Organisation allerdings dezentral laufen.

„Aktuell haben wir etwa 1500 Künstlerinnen und Künstler beisammen, die den Text unterzeichnet haben.“ Auch in den Medien gab es Resonanz: „MDR Kultur hat kurz nach Veröffentlichung der Stellungnahme etwas zum Thema geschrieben (…). Viele bekannte Kolleg*innen haben Stellung bezogen. So zum Beispiel auch Konstantin Wecker.

Wer Interesse hat sich einzubringen, kann sich unter FAQ viele Fragen beantworten. „Es dürfen ruhig noch mehr werden“, meint Michael Feindler und verweist auf die Homepage. Dort kann man die Stellungnahme unterzeichnen.

Erich Sellheim goes Punk

von Erich Sellheim (Celler Schule 2012)

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Man muss es realistisch sehen: Einen auch nur halbwegs glaubwürdigen Irokesen kriege ich mit meiner verbliebenen Haarpracht nicht mehr hin, und Anarchie herrscht bei mir höchstens im Besteckkasten. Welche Möglichkeiten bleiben also, es dem faschistischen Schweinestaat so richtig zu geben? Na klar: Songs für Punkbands schreiben. Und mein Text zur Trennungshymne „Vergeben / vergessen“ hatte offenbar genügend Street Cred, um es auf das neue Album der Uralt-Meister „Lustfinger“ zu schaffen. Drei Paletten Karlsquell auf Punk-Guru Tobi, der den Kontakt herstellte!

Und hier der Text:

VERGEBEN / VERGESSEN

Das war unsre letzte Schlacht
Und ich stolper durch die Nacht
Ohne Plan, weiß nicht woher und nicht wohin
Einfach war es mit uns nie
Doch es ging schon irgendwie
Und nach jedem Abschied kam ein Neubeginn

Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das mit uns ging endlos tief
Selbst im Glück hoch explosiv
Höchstens ein, zwei Ecken bis zum nächsten Streit

Denn du warst mein Gegenteil
Gerade das war geil
Fest verschworen und die Taschen voller Zeit

Wir warn Schwefel, wir warn Pech
Doch das hat sich bald gerächt
Du bist weg, und Pech ist alles, was mir bleibt

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das war unsre letzte Schlacht
Und wer hätte das gedacht
Dass ich mit dem Herzen auf der Staße steh?

Gottverlassen steh ich hier
Mit dem Film von dir und mir
Den ich Tag und Nacht in meinen Träumen seh
Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das war unsre letzte Schlacht
Und ich stolper durch die Nacht
Ohne Plan, weiß nicht woher und nicht wohin
Einfach war es mit uns nie
Doch es ging schon irgendwie
Und nach jedem Abschied kam ein Neubeginn

Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein
.

Das mit uns ging endlos tief
Selbst im Glück hoch explosiv
Höchstens ein, zwei Ecken bis zum nächsten Streit

Denn du warst mein Gegenteil
Gerade das war geil
Fest verschworen und die Taschen voller Zeit

Wir warn Schwefel, wir warn Pech
Doch das hat sich bald gerächt
Du bist weg, und Pech ist alles, was mir bleibt

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das war unsre letzte Schlacht
Und wer hätte das gedacht
Dass ich mit dem Herzen auf der Staße steh?

Gottverlassen steh ich hier
Mit dem Film von dir und mir
Den ich Tag und Nacht in meinen Träumen seh
Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein


Platz 1 und 2! – Celler Schule ganz vorn in den Rundfunk-Hitparaden … und mittendrin…

Von Turid Müller

Tobias Reitz und Alexander Scholz sind als Textdichter von Schlager & Volksmusik auf Platz 1 und 2 der Jahresbilanz 2018 im Bereich Hörfunk.

In der Publikation des Musikpressedienstes vom 14.Dezember 2018 belegen die beiden ExCellenten in der Kategorie Rundfunk den ersten und zweiten Platz. Tobias Reitz liegt mit 573 Platzierungen ganz vorn und Alexander Scholz mit 391 dicht auf. Eine Flut von Glückwünschen füllt die Kommentarzeilen auf Facebook. Und Ilona Boraud merkt an, dass auch zahlreiche SchülerInnen von Tobias Reitz und Edith Jeske auf der Liste vertreten sind: „Irgendwas musst du richtig machen!“ schreibt die Songtexterin, die das aus eigener Erfahrung weiß, weil sie selber Absolventin der Celler Schule ist. Und tatsächlich! In der Tabelle finden sich zum Beispiel auch: Jonathan Zelter, Simone Altenried,  Lukas Hainer, Marcel Brell, Andreas Zaron und „Fly“ Martin Fliegenschmidt
Herzlichen Glückwunsch an alle Platzierten (und an die Celler Schule)!

Unsichtbar: Kinder & Jugendliche in Pflegeverantwortung

Von Turid Müller

Sie leben mitten unter uns. Und doch ist den Wenigsten bewusst, dass es sie gibt: Junge Pflegende. Eine Initiative setzt sich nun dafür ein, sie in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen. Ein Lied soll dafür sorgen, dass nicht nur der Kopf, sondern auch die Gefühle angesprochen werden.

Es ist das erste Mal, dass ich vor einer Fernsehkamera stehe, die sich nicht jenseits der Bühne im Publikum versteckt. Sie wird direkt vor meiner Nase sein. Etwas nervös steige ich mit Hanneli Döhner aus dem Taxi, das uns zum Drehort bringt: Der Wohnung von Julika Stich, der Gründerin von Young Helping Hands. Die Dokumentation, die heute um einige Szenen bereichert wird, bringt einen Beitrag über sie. Über ihr Leben, ihre Geschichte und ihr Engagement. In der Sendung wird es um junge Pflegende gehen. Eine Menschengruppe, die in Deutschland fast vollkommen untergeht. Sogar in Politik und Wissenschaft!

Die Tür schwingt auf und schon geht es los: Als ich Julika Stich und Janine Adomeit endlich persönlich kennenlerne (bislang haben wir lediglich telefoniert und gemailt) hängt bereits eine Tonangel über uns. Aber was sich in den ersten Minuten anfühlt wie Beobachtet-Werden, wird bald zur Gewohnheit. – Nicht zuletzt auch Dank des feinfühligen Film-Teams. Rund um die gemütliche Sitzgruppe entspannen wir uns in ein wirklich bewegendes Gespräch. Mein Wille, mich für diese Sache als Botschafterin einzusetzen, wächst immer mehr: Unfassbar, dass statistisch gesehen in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder betroffen sind! Und niemand weiß davon! Und das mit schwerwiegenden Folgen: Statt den Kids zu helfen, drohen Strafen für nicht gemachte Hausaufgaben und Schulschwänzen! Höchste Zeit, das öffentlich zu machen! – Und dafür sind wir schließlich hier.

Als erstes stimme ich mit meiner Morgenstimme und noch etwas wackelig in der vorm Frühstück erdachten Melodie den Song an, den ich am Vortag getextet habe. Die Reaktion überwältigt mich: Glänzende Augen. Ich bin sehr glücklich, dass es mir offenbar gelungen ist, die Essenz einzufangen. In Telefonaten und Mails mit Julika Stich und Janine Adomeit und mit Hilfe der bereitgestellten Informationen habe ich das für mich recht unbekannte Thema erforscht und in zwei Strophen, zwei Refrains und einer Bridge gebündelt. Gemeinsam diskutieren wir den Text und seine Wirkung. Die Musik soll ein Weg in die Herzen sein. Informationen allein sind nicht genug, um Menschen zu erreichen. Um sie zu bewegen braucht es mehr als den Kopf.

Es entspinnt sich ein Gespräch über die Wege der Öffentlichkeitsarbeit, die wir gemeinsam angehen wollen. Über die Probleme des Pflegesystems, das bislang oft übersieht, dass zu pflegende Personen Kinder haben, die ebenfalls Unterstützung benötigen. Und über die weiteren Dreharbeiten. Denn nach der ersten Ausstrahlung am 24.03. um 17:30 in der ARD in der Reihe Echtes Leben wird eine weitere, umfangreichere Version gesendet werden.

Wer vor März schon mal ein bisschen rein gucken möchte, kann das übrigens online tun: Auf der Facebook-Seite finden sich ein Einblick in die Dreharbeiten und viele informative Beiträge zum Thema. Teilen ist ausdrücklich erwünscht. Den es geht ja darum, #youngcarers ins Gespräch zu bringen. Und das scheint wirklich bitter nötig: Meine Facebook-Posts dazu jedenfalls haben so viel Resonanz erlebt wie selten zuvor! Es stimmt wohl wirklich: Viele Menschen haben etwas Ähnliches erlebt. Und viele von ihnen haben lange dazu geschwiegen. Die Gründe sind vielfältig. Aber so oder so scheint Austausch ein Bedürfnis zu sein. ‚Sorgen wir dafür‘, nehme ich mir vor, ‚dass Junge Pflege kein Tabu mehr ist!‘ – Nur dann ist es möglich, betroffene Familien angemessen zu unterstützen.

Als ich an diesem Tag nach Hause komme, habe ich viel gelernt. Ich bin berührt von der geballten Power, die ich heute erleben durfte. Und wild entschlossen, mein Amt als Botschafterin gut auszufüllen. Außerdem habe ich etwas über mich verstanden: Das ist mein Ding, meine ganz spezielle künstlerische Nische: Durch die seelische Brille, die ich als Psychologin nun mal aufhabe, auf politische und gesellschaftliche Verhältnisse blicken. Die Erlebnisse Betroffener in eine Form bringen, die sie mit ihren Erfahrungen abholt und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Ich bin Dolmetscherin, die mit Texten und Tönen um Verständnis wirbt. Musikalische Lobbyistin für diejenigen, die in unserer Welt keine Lobby haben.

Übers Ziel hinaus

Von Turid Müller

Wie Julia Hagemann Jesus wiedergefunden, Schubladen über Bord geworfen und einen Wettbewerb gewonnen hat.

Julia Hagemann ist ein Celler Unikat. Wenn sie nicht gerade die Celler Schule mit ihren aberwitzigen Reim-Übungen zum Zählen und zum Lachen bringt oder quer durch die Republik Gesangsunterricht gibt, steht sie auf inländischen Kabarett-Bühnen oder wandelt auf fremdländischen Pilger-Pfaden. – Aber so eine kurze Zusammenfassung wird ihrer Vielfalt gar nicht gerecht. Das zeigt nicht nur ein Blick auf ihre Homepage, das zeigte auch jüngst ihre Nominierung für den Autorenwettbewerb auf der multimedialen Plattform  www.travelepisodes.com. Und den hat sie dann auch gewonnen. Mit ihrem Reisebericht „Übers Ziel hinaus“.

2018 hatte es die Jury nicht leicht: „Fünf Geschichten haben die gleiche, höchste Punktzahl bekommen – deswegen haben wir entschieden: alle fünf kommen ins Buch!“. Aber für Jurymitglied Christoph Rehage ist klar: „Julia Hagemann hat mich mitgenommen. Ich möchte von ihr ein ganzes Buch lesen, egal, zu welchem Thema“. Und sein Wunsch ist dabei wahr zu werden:

Ab dem 04.06. kann er, und können wir alle, das Buch bestellen, das aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist – zum Beispiel hier. Es geht darin um die Lust daran, allein zu reisen: „Jeden Tag nach den eigenen Wünschen und Vorlieben leben? Die Freiheit, zu bleiben oder zu gehen, wie es einem beliebt? Im eigenen Tempo reisen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen? Das Solo-Reisen öffnet verborgene Türen und fremde Herzen, es macht verwundbar, aber auch empfänglich für die Wunder der Ferne.“ Und auch „Übers Ziel hinaus“ ist dabei. Wer nicht warten kann, kann schon mal rein lesen – zum Beispiel in die Erlebnisse von Julia Hagemann, die mit Humor und Tiefgang ihre (vorerst!) letzten Tage auf dem ersten Camino beschreibt: www.travelepisodes.com/reise/uebers-ziel-hinaus/ – Und ein ganzes Buch steht auch in Aussicht… 

Aber Vorsicht! Ihr Reiseblog, dessen Auszüge wir hier lesen, hat Suchtpotenzial. Wer die Dosis erhöhen, und virtuell mitreisen möchte, kann das zwar tun. Allerdings sind die Blogs von Julia Hagemann bisher nicht online zu finden: „Ich glaube, ich schreibe anders, dichter und persönlicher, wenn ich denke, ich schriebe für meinen Freundeskreis,“ so die Autorin des Email-Blogs. ‚Leise Reisemeise‘ (bei einer Doppelmoppelei entstanden) ist dabei ihr Pseudonym und Blog-Name. Im letzten Sommer und Herbst hat sie 30 Reisemeisen geschrieben und als Privatblog in Mailform an FreundInnen und Verwandte geschickt. 2017 hieß das „Schnitzeljagd am Rande des Atlantiks“. Und vermutlich wird daraus bald ein Buch. – Wenn nicht im Malik-Verlag, dann woanders, eine e-Book-Fassung ist in Arbeit. Wenn es soweit ist, gibt’s hier den nächsten Artikel zur leisen Reisemeise.

Für alle, die so lange nicht warten wollen gibt es Hoffnung: „Wer die „Blogs“ lesen möchte, kann mich anmailen (jhhag@gmx.de) und bekommt die Datei,“ stellt die Offline-Bloggerin in Aussicht. Wer in den Verteiler aufgenommen werden möchte, schreibt in den Betreff am besten „bitte in den Reiseverteiler“. Vielleicht unternimmt die Autorin aber auch bald eine Reise in die Weiten des World Wide Web: „Möglicherweise mache ich die nächste Reise tatsächlich in öffentlicher Blog Form, zu Weihnachten habe ich einen Webseitenoptimierungskurs für eins dieser Blogprogramme bekommen.“ 

Wie sie zum Reisen gekommen ist, habe ich Julia Hagemann gefragt. Denn ihre Reise-Dosis geht weit über die üblichen paar Wochen im Jahr hinaus. Ihre Antwort: „Keine Ahnung. Es treibt mich dazu – und das immer mehr. Der Anfang“, sagt sie, „war eine dieser Abschluss-Visionen am letzten Tag der Celler Schule, wo in meinem Text plötzlich drinstand: ‚Ich reise durch die Welt und schreibe Lieder. Das halbe Jahr Bali war erst der Anfang.‘ Und dann wusste ich, ich kanns nicht länger aufschieben, ich MUSS nach Bali. Und so eine Reise kann man nicht für vierzehn Tage machen, das lohnt erst ab zwei Monaten. […] Jedenfalls war ich nach Bali versaut fürs sesshafte Leben und wollte gleich acht Monate später wieder hin. […] Nur um dann zu merken, dass eine wiederholte Neuentdeckung keine Neuentdeckung mehr ist.

Also zog ich für zwei Monate nach Venedig, was ein weiterer Traum von mir war. Und NACH Venedig war ich noch mehr durch den Wind […] und deswegen musste ich gleich im Sommer meinen dritten Reisetraum verwirklichen und den Jakobsweg laufen. Als zwanghafte Individualistin natürlich nicht den, den alle gehen, sondern den an der Küste. Tja, und wer einmal auf dem Camino war… Ich hatte mich ja am Anfang gewundert, wieso ich so oft gefragt wurde, „mein wievielter“ das jetzt sei.“

Und so wird es weiter gehen: „Ich bin jetzt seit Juli 2017 ca. 3200 km auf sechs verschiedenen Jakobswegen gelaufen. Aber nur zweimal in Santiago angekommen. Es sind also noch ein paar Fäden lose, die darauf warten, dieses Jahr aufgenommen zu werden.“

Die Blog-Idee hatte ganz zufällig begonnen: Um „den Daheimgebliebenen“ mitzuteilen, was sie so treibt, ohne die „komplette Zeit für Einzelmails im Internetcafé“ zu verbrauchen. Aber aus dem Bloggen ist mehr geworden als nur eine praktische Rundmail: „Es erhöht an manchen Erlebnissen kolossal den Genuss, wenn man sich schon darüber freut, wie man das nachher satirisch verwursten wird.“ Und wir LeserInnen bekommen eine Kostprobe von den vielen Erlebnissen, die Julia Hagemann dann „schreibend sozusagen ‚einweckt‘ für schlechte Zeiten oder überhaupt für später“.

Was als Mail an den Freundeskreis begann, füllt nun bald Bücher. – Auch der Blog ist also sozusagen ‚übers Ziel hinaus‘ geschossen. – Schön da!

 

Absurdes zwischen Alltag und Weltpolitik

 

Matthias Reuter unterwegs mit seinem neuen Programm „Wenn ich groß bin, werd’ ich Kleinkünstler“

Von Mario Rembold

Matthias Reuter (Foto: Peter Heske)

„Große Kunst ist immer, wenn ich das nicht verstehe“, stellt Matthias Reuter fest, kurz nachdem er die Bühne betreten hat. Da war zum Beispiel dieser Besuch in einer Kunstgalerie zusammen mit seiner Freundin, „und da hab ich vieles nicht verstanden.“ Vor meinem inneren Auge läuft sofort ein Film ab, und offenbar auch bei den anderen Zuschauern. Es wird gelacht und geklatscht, obwohl die Show gerade erst anfängt. Große Kunst, so erfahren wir, ist manchmal auch einfach „mit fünf Dübeln befestigt“. Matthias macht aber lieber Kleinkunst, verrät er uns. Zitat: „Denn das verstehe ich.“ Dann setzt er sich ans Klavier und legt los.

Es ist der 16. November 2018, und wir befinden uns gerade in Oberhausen im ausverkauften Ebertbad. Premiere: Matthias Reuter präsentiert sein neues Bühnenprogramm „Wenn ich groß bin, werd’ ich Kleinkünstler“. Links steht ein Flügel, rechts ein kleiner Tisch mit Stuhl. Am Flügel hören wir Songs über russische Hacker, denen wir Trump, die AFD und David Hasselhoff verdanken, über Kinder, die von ihren kindischen Eltern genervt sind, oder eine aktualisierte Version seines „NRW-Abitur“-Songs. Wer im bevölkerungsreichsten Bundesland sein Abi gemacht hat, der darf sich nämlich auch mal verrechnen, wenn er, sagen wir, einen Flughafen plant.

Vom Tisch aus liest uns Matthias Geschichten vor, die aus dem Alltag gegriffen scheinen und dabei das Groteske in den Mittelpunkt rücken. In einem der Texte geht es um diese Schublade, die jeder von uns zu Hause hat: die mit dem Krimskrams drin, die „Schrömmelschublade“. Doch was ist das für ein Plastikteil, das da zwischen Entlüftungsschlüssel und alten Eintrittskarten liegt? Matthias möchte es herausfinden, und das Chaos nimmt seinen Lauf. In einer anderen Erzählung erfahren wir, dass man als Kleinkünstler regelmäßig Weinflaschen von Veranstaltern geschenkt bekommt, und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Premiere (Foto: Peter Heske)

Zwischen Flügel und Tisch bleibt Matthias häufig stehen, um scheinbar aus dem Stegreif Anekdoten zum Besten zu geben. Es kommt sogar vor, dass er mitten im Song die Tasten loslässt und aufsteht, weil ihm da etwas einfällt, das er jetzt erzählen muss. Wir wissen nicht, wie viel aus den Geschichten und Berichten tatsächlich aus dem Leben gegriffen ist, doch ganz gewiss hat Matthias einen Blick für das Absurde zwischen Alltag und Weltpolitik. Manchmal ist es auch die ganz eigene Art, wie er etwas erzählt, das uns im Publikum zum Lachen bringt. Ein kurzer Satz aus seinem Mund, leicht eingefärbt in eine Prise Ruhrpott, kann ganze Bilder und Geschichten im Kopf des Zuschauers entstehen lassen.

Wer ihn noch nicht live gesehen hat, mag sich nun fragen: Ist das Comedy oder Kabarett? Matthias Reuter beweist, dass dieses typisch deutsche Schubladendenken manchmal zu kurz greift. Nein, es gibt in seinem Programm keine Schenkelklopfer. Wir hören keine flachen Gags über das andere Geschlecht oder über peinliche Liebschaften. Auf der anderen Seite macht Matthias aber auch kein Zeigefinger-Kabarett. Statt über „die da oben“ herzuziehen, zeigt er humorvoll, wie Demokratie im Kleinen bei jedem einzelnen von uns beginnt (und was Ernie und Bert damit zu tun haben). Aber genau das ist eben auch eine Haltung in einer Zeit der Shitstorms und Empörungen.

Die zwei Stunden sind schnell vorbei, doch es gibt noch eine Zugabe: Matthias geht „Rentner fischen im Hallenbad“. Eine rundum gelungene Premiere – das sage nicht nur ich, sondern der Applaus im Saal spricht für sich und für Matthias. Wer neugierig geworden ist auf sein neues Programm: Aktuelle Termine gibt es auf Matthias’ Website.

Lach mal was mit wünschdirwas

Von Turid Müller

Sandra Niggemann ist Ärztin. Kinderärztin. Und sie weiß: Selbst die beste Medizin ist nicht alles. Das Herz ist mindestens genauso wichtig.

„Urlaub von der Krankheit“ ist das, was der Verein wünschdirwas schwerkranken Kindern ermöglichen möchte. Und es wirkt: Die Glücksmomente helfen bei der Heilung oder zumindest bei der Akzeptanz der Krankheit. Der Verein erfüllt Herzenswünsche und schenkt Vorfreude und Erinnerung rund um den besonderen Tag. Dafür werden Spenden gesammelt wie unter anderem im Rahmen von „Lach mal was mit wünschdirwas“. Das Kabarett-Benefiz-Programm findet am 06. November zum siebten Mal statt – und zwar im Pantheon in Bonn. Auf die Frage, warum sie das Benefiz-Event organisiert, antwortet Sandra Niggemann: „Weil es ein Herzenswunsch von mir ist, mein Hobby Kabarett und mein Ehrenamt zu verbinden“. Und das macht sie hochprofessionell und unter Einbeziehung all ihrer Berufe und Talente: So schafft sie durch ihre PR-Arbeit für das soziale Anliegen der Veranstaltung Öffentlichkeit und durch ihre Moderation einen Rahmen für die auftretenden KünstlerInnen.

Von Anfang an mit dabei ist Matthias Reuter. Seit kurzem ist er auch „wünschdirwas“-Botschafter. Außerdem im Lineup: Markus Maria Profitlich – ebenfalls „wünschdirwas“-Botschafter – Fatih Çevikkollu, Martin Zingsheim, Bianka Kerres & Hans Fücker. Und auch ich habe dieses Jahr die Freude und Ehre dabei zu sein. Auf dem Programm: Musik und Kabarett – es wird ein bunter Abend! Und mit drei beteiligten AbsolventInnen (Sandra Niggemann, Matthias Reuter, Turid Müller) unter den bisherigen der mit der höchsten „Celler-Quote“.

Aus dem ersten, lange geplanten und schließlich sehr spontan umgesetzten, Benefiz vor sieben Jahren ist inzwischen eine feste Größe geworden. Sandra Niggemann organisiert und moderiert seitdem für viele gute Zwecke – so zum Beispiel auch für die jährliche Matinee der Lions im Senftöpfchen. Auch hier gab es schon einige Celler-Schüler-„Einsätze.

Damals nur durch den spontanen Kauf einer CD (Und zwar mittels eines gereimten Briefes!) mit Matthias Reuter bekannt, hat sie mittlerweile selbst die Celler Schule besucht und ist Kollegin geworden. Es sind die Schnittstellen, die sie besonders reizen. So gibt sie etwa humoristisch-medizinische Vorträge für die Stiftung „Humor Hilft Heilen“ (bekannt durch ihren Gründer Eckart von Hirschhausen). Und wenn es nach ihr geht, findet sie zukünftig noch viele weitere Möglichkeiten, ihre beruflichen Welten zu verbinden.

Wer Lust bekommen hat, Helferlein der Wunschfeen zu werden, kann sich diesen exklusiven Wunsch ganz einfach selbst erfüllen. Zum Beispiel mit dem Besuch des Abends!