Lach mal was mit wünschdirwas

Von Turid Müller

Sandra Niggemann ist Ärztin. Kinderärztin. Und sie weiß: Selbst die beste Medizin ist nicht alles. Das Herz ist mindestens genauso wichtig.

„Urlaub von der Krankheit“ ist das, was der Verein wünschdirwas schwerkranken Kindern ermöglichen möchte. Und es wirkt: Die Glücksmomente helfen bei der Heilung oder zumindest bei der Akzeptanz der Krankheit. Der Verein erfüllt Herzenswünsche und schenkt Vorfreude und Erinnerung rund um den besonderen Tag. Dafür werden Spenden gesammelt wie unter anderem im Rahmen von „Lach mal was mit wünschdirwas“. Das Kabarett-Benefiz-Programm findet am 06. November zum siebten Mal statt – und zwar im Pantheon in Bonn. Auf die Frage, warum sie das Benefiz-Event organisiert, antwortet Sandra Niggemann: „Weil es ein Herzenswunsch von mir ist, mein Hobby Kabarett und mein Ehrenamt zu verbinden“. Und das macht sie hochprofessionell und unter Einbeziehung all ihrer Berufe und Talente: So schafft sie durch ihre PR-Arbeit für das soziale Anliegen der Veranstaltung Öffentlichkeit und durch ihre Moderation einen Rahmen für die auftretenden KünstlerInnen.

Von Anfang an mit dabei ist Matthias Reuter. Seit kurzem ist er auch „wünschdirwas“-Botschafter. Außerdem im Lineup: Markus Maria Profitlich – ebenfalls „wünschdirwas“-Botschafter – Fatih Çevikkollu, Martin Zingsheim, Bianka Kerres & Hans Fücker. Und auch ich habe dieses Jahr die Freude und Ehre dabei zu sein. Auf dem Programm: Musik und Kabarett – es wird ein bunter Abend! Und mit drei beteiligten AbsolventInnen (Sandra Niggemann, Matthias Reuter, Turid Müller) unter den bisherigen der mit der höchsten „Celler-Quote“.

Aus dem ersten, lange geplanten und schließlich sehr spontan umgesetzten, Benefiz vor sieben Jahren ist inzwischen eine feste Größe geworden. Sandra Niggemann organisiert und moderiert seitdem für viele gute Zwecke – so zum Beispiel auch für die jährliche Matinee der Lions im Senftöpfchen. Auch hier gab es schon einige Celler-Schüler-„Einsätze.

Damals nur durch den spontanen Kauf einer CD (Und zwar mittels eines gereimten Briefes!) mit Matthias Reuter bekannt, hat sie mittlerweile selbst die Celler Schule besucht und ist Kollegin geworden. Es sind die Schnittstellen, die sie besonders reizen. So gibt sie etwa humoristisch-medizinische Vorträge für die Stiftung „Humor Hilft Heilen“ (bekannt durch ihren Gründer Eckart von Hirschhausen). Und wenn es nach ihr geht, findet sie zukünftig noch viele weitere Möglichkeiten, ihre beruflichen Welten zu verbinden.

Wer Lust bekommen hat, Helferlein der Wunschfeen zu werden, kann sich diesen exklusiven Wunsch ganz einfach selbst erfüllen. Zum Beispiel mit dem Besuch des Abends!

Gedicht des Monats: Hambacher Forst

Von Turid Müller

Seit Wochen sieht die Regierung den Wald vor lauter Bäumen nicht, wenn es um den Kohleabbau geht. Michael Feindler hat diesem Umwelt-Desaster sein Monatsgedicht gewidmet:

Ihr habt Euch oft verständnislos gegeben:
„Was bringt es denn, das Wäldchen hier zu retten?
Das ist doch – jetzt mal ehrlich – echt kein Leben,
sich wochenlang an einen Baum zu ketten.

Es ist auch nicht verhältnismäßig, um
das Bisschen Kohleabbau zu verhindern.“
Wenn’s so ist, dann erklär’n wir das Warum
solang Ihr uns bekämpft – auch Euren Kindern:

Uns geht’s nicht bloß um diese Lebensräume,
genauso wenig geht’s Euch bloß um Kohle.
Von Außen wirkt es wie ein Kampf um Bäume,
im Innern sind es Kämpfe um Symbole.

Der Kampfplatz ist zwar klein, doch hier beginnt
das große Schlacht. Seit Langem ist es Brauch:
Am Ende siegt, wer das Symbol gewinnt.
Wir wissen das. Und Ihr, Ihr wisst es auch.

In seinem Newsletter schließt der Kabarettist, der „Dichter auf den Versen“ der protestierenden SpaziergängerInnen: „An der frischen Luft und mit langem Atem“.

In diesem Sinne…

 

Sisters of Comedy – Nachgelacht

Von Turid Müller

Der 12.11.2018 ist nicht irgendein gewöhnlicher Tag: Am 12. November feiert Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht. Bundesweit erinnern Künstlerinnen daran, dass es trotzdem in Sachen Gleichberechtigung noch genug zu tun gibt. – Save the date!

124 Komikerinnen stellen an 22 Spielorten unter Beweis, dass Frauen komisch sind – und zwar auf der Bühne. Das wird ja von Kollegen und Kolleginnen (!) aus der Branche gern mal in Frage gestellt. Unter anderem dieses Vorurteil gab den Anstoß für die Aktion, die ab jetzt jährlich stattfinden wird, wenn es nach den „Sisters“ geht, die sich zusammen geschlossen haben. Denn auch in unserer Branche klafft noch immer eine Lücke zwischen Soll und Haben der Gleichstellung: Im Kleinkunst-Bereich ist es keine Seltenheit, die einzige Frau am Abend zu sein. Und das liegt nicht unbedingt am Frauenmangel, wie zum Beispiel Kollegin Anny Hartmann eindrucksvoll mit ihren ‚Gelben Seiten für Machos‘ zeigt: Auf ihrer Homepage sammelt sie die Daten von Kabarettistinnen. Und – voila: Es gibt sie! – Sie werden nur nicht eingeladen. Je höher Frau nach oben kommt auf den Brettern, die die Welt bedeuten, desto dünner wird die Luft. Da geht es uns nicht viel anders als den Frauen in anderen Berufen.

In der Pressemitteilung des Netzwerkes heißt es:

 

„Vor 100 Jahren durften Frauen zum ersten Mal wählen. Und heute? Wählen sie immer noch: ob sie Kinder kriegen oder Karriere machen, ob sie ein Dirndl oder einen Antrag auf Hartz IV ausfüllen, ob sie sich damit abfinden, dass Männer immer noch mehr verdienen oder ob sie Krawallschachteln werden, die sich wehren. Frauen sind Bundeskanzler und Verteidigungsminister. Frauen haben eigene Parkplätze. „Ja, was wollt Ihr denn noch?“ hört man da oft. Vieles! Mehr Gehör, mehr Rechte.

Ja, Frauen sind komisch, viele sogar beruflich. Und die haben sich jetzt endlich zusammengetan und „den Richtigen“ gefunden. Den richtigen Moment, um ein Zeichen zu setzen! Denn: Humor ist die Reinform des Widerstands!

In Zeiten, in denen man wieder über Frauenrechte und Meinungsfreiheit diskutieren muss, der Wind von rechts weltweit schärfer bläst und auch in westlichen Kulturen ein sehr konservatives Frauenbild neu propagiert wird, gehen die Komikerinnen in die Offensive! „Sisters of Comedy – Nachgelacht“ ist fernab von Witzen über Frustshopping und Bindegewebe – keine Frauenquotengala, keine Männerschelte, einfach eine grandiose, fulminante Show, mit allem, was Deutschlands brodelnde Komikerinnen-Szene zu bieten hat: Comediennes, Musik-Kabarettistinnen, Poetry-Slammerinnen und noch viel mehr.

Als ob das noch nicht guter Zweck genug wäre, spenden die Sisters of Comedy einen Teil der Einnahmen an lokale Frauenhilfsprojekte, die sich auch an Ort und Stelle präsentieren.“

Ich habe das Glück, im Polittbüro in Hamburg als Patin die Veranstaltung zu managen. Und das Lineup unserer Show (wie auch das anderer Städte) kann deutlich mehr als nur Spuren von Celler Schule enthalten: Mit dabei zum Beispiel Katie Freudenschuss und Anette Heiter. Daneben aber auch Karmen im Nebel – und Sandra Kreisler, die moderierend durch den Abend führt. An den Tasten: Der Quotenmann des Abends: „Mein“ Pianist: Stephan Sieveking. Dem Spielort und dem Thema gemäß haben wir inhaltlich eine eher politische Ausrichtung. Wer nicht so Comedy-affin ist, findet hier also sicher auch was „Vollkörnigeres“.

Gleichberechtigung geht ja bekanntlich alle an. Und ich finde es großartig und leider nötig, dass sie auch in unserer Branche diskutiert und zum Thema gemacht wird. Insofern freue ich mich, wenn Ihr die Werbetrommel rührt, Pressekontakte zur Verfügung stellen mögt, auf andere Art einen Beitrag leisten wollt – oder einfach vorbei schaut und Euch von unserem Programm berühren lasst!

In unserer kleinen Welt aber vor allem in der großen Welt da draußen ist das gleichberechtigte Miteinander aller Geschlechter noch immer eine Baustelle. Sisters of Comedy möchte mehr sein als nur eine Show. Es geht auch und vor allem darum, das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit auf die Sache zu lenken. Also: Packen wir’s an!

Jour Fixe – Astgabelungen zum Nestwerken

Von Turid Müller

Rückblick auf den Jour Fixe am 20.08. in Hamburg und Impulsgeber für mehr dieser magischen Meetings.

Die ersten beiden Kolleginnen sind schon da, als ich in dem Restaurant eintrudele, wo diesmal das Treffen der ExcellentInnen stattfindet. Tobi und Edith sind in der Stadt und haben zum Jour Fixe geladen. Schon im Vorfeld zeichnet sich ab: Es wird einer der am besten besuchten ever.

Jour Fixe in Hamburg am 20.08.2018

Nach und nach füllt sich das Tischchen auf der sonnigen Terrasse und gemeinsam ziehen wir um ins eigens reservierte Separee. Schnell wird aus dem lockeren Vorgeplänkel der kollegiale Austausch, den ich so schätze: Wir klopfen uns gegenseitig ab: Wie es so geht, welche Anliegen wir mitgebracht haben, welche Texte. Und schon als die ersten Gläser serviert werden, tauchen wir ein ins Coaching. Die Musik ist extra für uns ausgemacht worden – so können wir unsere Songs ansingen und uns besser verstehen, an der wachsenden, eckigen Tafelrunde. Es wird diskutiert, Ideen fliegen durch den Raum. Und schon bald verschwinden die ersten Textblätter – inzwischen eng beschrieben mit Anregungen – in den Taschen.

Natürlich darf auch das traditionelle Spielen nicht fehlen! Nachdem wir alle satt sind, gibt es zum Nachtisch Blindgedichte – das geht immer! Beim Lesen – und vor allem beim Lachen – sind wir endlich einmal lauter als der Nachbartisch. Wir teilen uns den lauschigen Nebenraum mit einem PädagogInnen-Zirkel, der sein Verhalten vermutlich längst streng abgewatscht hätte, hätten es die SchülerInnen im Unterricht an den Tag gelegt. – Naja, wir sind flexibel: Auch das ein Thema für ein Blindgedicht!

Die ersten gehen. Es bröselt. Zum zweiten Spiel kommen wir gar nicht mehr. Die aufgelösten Reihen geben Gelegenheit für persönlicheren Austausch: Erlebnisse, Bücher, Karriere-Tipps…

Ich bin schon mit bühnenfertig gecoachten Songs, Buchungen, privaten Übernachtungsmöglichkeiten nach Shows und vielen neuen guten Kontakten und sogar Freundschaften aus unseren Runden raus gegangen, und kann sie daher nur empfehlen. Wie immer im Umfeld der Celler Schule aber ist das Schönste: Der Geist des Nestwerks, der immer und überall spürbar ist – im wertschätzenden, liebevollen und interessierten Austausch und Umgang miteinander.

Manchmal spreche ich mit KollegInnen, die (Wohnorts-bedingt) weniger reich mit solchen Celler-Abenden gesegnet sind als Hamburg. Es scheint den Wunsch nach mehr Vernetzung zu geben. Daher möchte ich mit diesen Zeilen ein Plädoyer für das Ritual „Jour Fixe“ halten. – Dazu muss man übrigens nicht darauf warten, dass Edith und Tobi in die Stadt kommen. Eigeninitiativ geht’s auch: Wenn zwei oder drei im Namen der Celler Schule versammelt sind…

In diesem Sinne: Who is next?

Wie ich die goldene Säge gewann. – Ein Bericht von Feli rockt vom 4.8.2018

Ein Artikel von Karla Feles

Es ist wahnsinnig heiß, bin voll durchgeschwitzt, denn ich habe seit kurz vor 11h etliche Miniauftritte absolviert. Mein Auftrittsstart war bei Station 1 am Herder Tor, und danach konnte man 17 weitere  Stationen in der Alt- und der Innenstadt von Osnabrück  bespielen. Alle hab ich nicht geschafft.

Es blieben tatsächlich öfters Menschen stehen in kleinen oder größeren Gruppen. Sehr nett einmal, wie sich eine Dreijährige einfach vor mich hin auf den Gehweg setzte, und die pädagogisch wertvolle Mutter die Lütte nicht wegzog, sondern sich dazu hockte. ’n paar Euro gab’s auch hier und da, speziell für meine Hamburger Lieder.

Der Jury, die überall rumhörte, schien ich zu gefallen. Na gut, ich hab mich auch besonders ins Zeug gelegt, als die Truppe auftauchte…

Gerade läutet es zur vollen Stunde vom nächstgelegenen Kirchturm und die Spielzeit ist geschafft. Ich sitze unterm Sonnenschirm vor einer ehemaligen Eisschokolade und bin gespannt auf später.

17h, Haus der Jugend. Bin ausgeruht, hab  gefuttert und mir ordentlich Flüssigkeit zugeführt. Aufm Flipchart hab ich mich für die offene Bühne soeben ein- und gleich wieder ausgetragen, weil- ich hab es gerade erfahren- ich tatsächlich bei den Preisträgern bin und eh spielen werde, um 21.40h nämlich. Aha, als Letzte? Ja, ich sei der Headliner, sagt Kuno, der Hauptorganisator. Uhhh, Spannung steigt: Wie das wohl wird im gut besuchten Hof des HdJ  auf der großen Bühne…? Und zugegeben: Es war nicht so leicht, sich auf die Künstler der Offenen Bühne einzulassen, ich war mit den Gedanken oft woanders. Kein Wunder, oder?

20h. Zusammen mit Jeske und Heske, über deren Erscheinen ich mich sehr freue, höre ich den Darbietungen der „Sonderpreise“ zu. Wir kommentieren die 4 Acts gebührend, aber nur ganz leise.

21.45h, es ist soweit! Marcus Riemann, unser Moderator, erklärt, nach welchen Kriterien die Jury ausgewählt hat: -Musikalität -Kommunikation mit dem Publikum -Textgüte -Originalität -Authentizität. Auch schräg durfte man sehr gerne sein! Und jetzt:

„Aus Hamburg! Zum ersten Mal dabei! Und gleich die goldene Säge gewonnen! Feli rockt!“ Ich stürze auf die Bühne (zum Glück nicht auf d e r Bühne!), Akkordeon in Hand, und ha! Da schimmert es mir entgegen, das goldene Werkzeug, das mir zusammen mit einem Preisgeld und einer liebevollen Umarmung von der Tochter des GS-Erfinders überreicht wird. Nun spielen!

Ich bin nicht auf-, nur voll angeregt. Diese Athmosphäre mit den vielen zuhörwilligen Menschen, der warme Sommerabend, ein schönes Weizen…Ich danke noch fix den zwei Personen, ohne die ich nicht hier wäre: Edith Jeske, die mich ganz am Anfang auf den Liedermacherpfad geschubst hat, und Markus Riemann, der mir in HH dieses Liedermacherfest ans Herz gelegt hatte.

Dann los: Eins, zwei, drei Lieder mit Akkordeon laufen super. Bei Nr vier, nachdem Gaby mir ihre Gitarre hochgereicht hat, verhaue ich aber gleich den ersten Barrégriff, Mist. Mein Kommentar: „Äh, das war ’n falscher Akkord, aber nur wegen der falschen Gitarre. Ich spiel jetzt lieber was Anderes.“ Lacher. Und ne Zugabe darf ich trotz vorgerückter Stunde auch noch, passend betitelt mit  „Jetzt ist Schluss“, wieder auf dem  Akkordeon.

Und das war’s. Noch Sekt von Edith, Sekt von der Jury und kleines bisschen Selters dazwischen.

Boahhh, war das ein voller, toller Tag! Nun bin ich eine glückliche Goldenesägebesitzerin.

Der Spion der dich liebt – 1. Platz beim „Radio Grand-Prix“!

Von Turid Müller

ExCellent Alexander Scholz und „Celler Schule“-Dozent Franco Ferraro haben mit ihrem Schlager „Der Spion (der dich liebt)“ den Radio Song Contest 2018 gewonnen!

„Der Song hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel“, sagt Franco Ferraro. Ein Jahr vor dem letzten „James Bond“ hatte er die Idee dazu gehabt: Es gibt gar keinen Schlager über James Bond! Vielleicht bietet sich da eine Liebesgeschichte an?

In der Zeit hatte sich Alexander Scholz per Facebook bei ihm gemeldet. Und es hat nicht lange gedauert – dann war der Text entstanden. „Alexanders Texte“, verrät der Komponist, „sind so geschrieben, dass beim Drüberlesen schon die Melodie dafür“ im Ohr erscheint. Und so war das Lied bald komplett. Und sie haben es Jürgen Drews angeboten. Der wäre ein passender Interpret für den Song, findet Produzent Ferraro. Denn er hat die hohe Stimme, die es dafür braucht. Auch wäre die Nummer perfekt für sein damaliges Album gewesen: Es gab Fotos von ihm in Anzug und Fliege. Der Spion hätte gepasst wie die Faust aufs Auge! – Das fand auch Drews‘ Plattenfirma. Nur leider kam die Idee ein paar Monate zu spät: Die CD war gerade fertig! „Auf dem Album wäre der Song der Knaller gewesen!“ bedauert Ferraro. Die CD erschien sogar pünktlich zum Filmstart. – Aber so landete der Song in der Schublade.

Alexander Scholz und Franco Ferraro

Den Radio Song Contest hat Franco Ferraro schon zwei Mal gewonnen – mit seiner Band SECHSERPACK. Jetzt den dritten 1. Platz mit einem eigenen Projekt zu gewinnen, hat ihn sehr gefreut.

Dass der Song Potenzial für was Größeres hat – da sind sich alle einig. „Ich bin nicht so der Interpret“, gibt Ferraro zu bedenken, der den Song für den Wettbewerb selbst gesungen hat. „Das war früher mal. Jetzt bleibe ich eher im Hintergrund. Ich habe Familie; ich will nicht mehr rumtingeln.“ Also sucht er weiterhin nach einem passenden Interpreten.

Auch ins Englische haben die beiden den Song übertragen – um ihn David Hasselhoff anzubieten. Interesse sei wohl da, aber noch habe sich nichts Konkretes ergeben.

Ein Interpret für die deutsche Version des Songs wird weiterhin gesucht. – Und mit Glück wird es ja noch was mit Drews. Sie werden ihm den Titel auf jeden Fall noch mal anbieten. Vielleicht ist diesmal das Timing auf ihrer Seite.

Der erste Platz hat auf jeden Fall gezeigt, dass es ein Hit werden kann. Man darf also gespannt sein! Erstmal heißt es jetzt Warten. – Auch auf den Pokal. Der wird gerade hergestellt. Ein Pressefoto ist für Ende Mai geplant. Dann wird es hier nachgereicht. Und es gibt schon bald was auf die Ohren, nämlich hier. – Viel Spaß!

„Frieden gibt es nicht umsonst“: Deutsch-französisches Kinderliederbuch auf Musikmesse lanciert

Von Turid Müller

Ilona Boraud (Celler Schule 2015) wollte „das Songtexten nur mal so ausprobieren, um es ganz eventuell irgendwann als Hobby zu betreiben“. Nun kann sie sich über zahlreiche Veröffentlichungen freuen. Eine der jüngsten: Ein deutsch-französisches Kinderliederbuch.

Alles fing mit einem Zufall an: Die Songtexterin wollte ihren Kollegen Peter Schindler nur fragen, ob es für ihn o.k. wär, wenn sie das gemeinsame Foto postet. Er rief zurück und stieß dabei auf ihren deutsch-französischen Anrufbeantworter. Französisch ist so eine tolle Sprache, fand er. Eine Weltsprache! Man müsse doch mal Lieder machen, halb auf Deutsch, halb auf Französisch! – Und so entstand das erste Lied. Aber: Auf einem Lied kann man nicht stehen. Es braucht eigentlich zehn, fand Schindler, damit man ein Buch draus machen kann. Gesagt, getan. Und im April wurde das Werk veröffentlicht: Kinderhits mit Witz Nr.22! Und schon ging’s auf die Musikmesse in Frankfurt!

Ilona Boraud auf der Musikmesse in Frankfurt

Der kollegiale Kontakt war der entscheidende Funke, aus dem die Idee geboren wurde: Der Komponist der Kinderlieder ist seit vielen Jahren Gast in der Celler Schule und stellt die bei der Ausschreibung die Aufgabe für das Genre ‚Kinderlied‘. „Ohne die Celler Schule hätts dieses Projekt nicht gegeben“, meint die ExCellentIn. Und natürlich auch nicht ohne den zweisprachigen Anrufbeantworter. – Auf die Frage, wie sie zu diesem kam, erzählt die mit einem Franzosen verheiratete Mutter mehrsprachig aufwachsender Kinder von ihren Studien-Jahren in Frankreich. Dort hat sie dann auch ihren Mann kennen gelernt… Zunächst habe der gemeinsame Anrufbeantworter nur Deutsch gesprochen – „dann haben die französischen Verwandten immer aufgelegt, weil sie nicht wussten, ob sie richtig verbunden sind“. Auch ein Französisch sprechender AB war keine Lösung – nun hängte die deutsche Familie irritiert auf. Die Antwort war schließlich: Zweisprachigkeit.

„Französisch ist eine schwierige Sprache? Stimmt nicht! Pas du tout ! Mit diesen Liedern beweisen wir das Gegenteil“, heißt es im Vorwort des Liederbuches, das die Vokabelliste gleich mitliefert.

Un, deux, trois, quatre. Eins, zwei, drei, vier.

Mach mit! Französisch lernen wir.

(Aus „Französisch lernen wir“. Musik: Peter Schindler. Text: Ilona Boraud.)

„Für die meisten Europäeer von heute ist es völlig selbstverständlich, in Frieden zu leben. Aber Frieden gibt es nicht umsonst. An der Völkerverständigung muss ständig aktiv gearbeitet werden, und ein Baustein dafür ist das Lernen der Sprache der jeweiligen Nachbarn“, gibt die Textdichterin zu bedenken. „Leider lassen sich Eltern bei der Sprach-Wahl ihrer Kinder vor allem davon leiten, was wirtschaftlich und für die Karriere nützlich ist. Die Sicherung des Friedens spielt bei diesen Überlegungen keine Rolle mehr.“

Vielleicht sollten wir es also öfter mal mit Ilona Borauds Anrufbeantworter halten. In diesem Sinne: „Bonjour und Guten Tag!“

 

 

„Ein Neuer Spielplatz“ – Vom Schlagertexter zum Jugendbuchautor

Von Turid Müller

Lukas Hainer, Celler Schule Jahrgang 1012 und danach mehrfach Jury-Mitglied, ist unter anderem mit den Songtexten bekannt geworden, die er für Santiano schrieb. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich nun der Schritt in die Welt der Bücher.

Foto: Franziska Nehmer

Schon der Eintrag in der Galerie der ExCellentInnen lässt erahnen, dass Großes zu erwarten ist. Titel: „auf dem direkten Weg zum Erfolg“. Und tatsächlich: Die Liste der Projekte, für die er textet, ist beachtlich: „Von den Schlümpfen bis zu den Puhdys, von Tobee & Vroni bis hin zu SantianoLUKAS HAINER […] zeigt die Bandbreite seines Schaffens und fährt Erfolge ein wie kaum ein anderer Newcomer der Textdichter-Szene.“ Das Debütalbum von Santiano erreichte Gold und Platin und steht inzwischen mit Diamond und 5-fach Platin bei weit über einer Million verkaufter Tonträger. Und mittlerweile schreibt er für weitere Branchen-Größen, wie z.B. für Helene Fischer.

Seinen Werdegang als Textdichter und seine neue Spielwiese als Buchautor schildert der Künstler in einem Clip: Santiano, seine Eintrittskarte zum Erfolg, wurde auch der Anstoß, Bücher zu schreiben: Ein Produkt für die Familien in der Hörerschaft sollte her. So entstand das Buch König der Piraten, das den Komponisten und Songwriter zum Kinder-&-Jugendbuch-Autoren machte. Natürlich ist es auch als Hörbuch mit Santiano-Songs erhältlich.

Buchcover: Franziska Nehmer

Nachdem Lukas die Herausforderung einmal angenommen hatte, stand ihm eine neue Welt offen. In der Welt der Bücher hatte er schon immer klare Favoriten, wie wir in einem Interview erfahren, das der Verlag mit ihm führte: „Die großen Kinder- und Jugendbuchautoren haben in mir beim Lesen immer den größten Eindruck hinterlassen“, so Hainer. „Von Ottfried Preußlers „Krabat“ über Michael Endes „Momo“ bis hin zu JK Rowlings „Harry Potter“ und jüngst „Reckless“ von Cornelia Funke: Neben Stephen King lese ich fast ausschließlich All-Age-Bücher, also Bücher, die Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansprechen.“

Sein erster Jugendroman ist am 01.03.2018 bei Piper erschienen. Das dunkle Herz heißt das Buch, zu dem ihn der Piraten-Ausflug ins Schriftstellertum motiviert hat. Die Ideen dazu haben natürlich auch etwas mit ihm zu tun, lässt er in einem Video durchblicken. Und mit dem Vorwissen und den Gedanken, die man mitbringt, wenn man sich an den Schreibtisch setzt. Inspirationsquelle war unter anderem das Stanford Prison Experiment. Der psychologische Versuch aus den 70ern war derart eskaliert, dass er abgebrochen werden musste und seither als Negativbeispiel für mögliche seelisch-zwischenmenschliche Komplikationen in der Forschung gesehen werden kann.

Auch bei dieser neusten Veröffentlichung führen die beiden beruflichen Wege wieder zusammen. Die Musik ist immer mit dabei: So kann man den Allrounder auch bei musikalischen Lesungen live erleben. Und natürlich ist er nicht nur als Buch-Autor aktiv, sondern auch nach wie vor als Songtexter. Er genießt es, selbst zu entscheiden, worüber er schreiben will. Was er sich als nächstes vornimmt? – Man darf gespannt sein…! Klar ist: Das dunkle Herz ist nur der erste Teil. Und: „Die Idee hat definitiv Potenzial für einen zweiten Band“, bestätigen RezensentInnen (mandysbuecherecke.de, 22.03.2018). – Eine Fortsetzung ist also in Sicht!

 

 

Die Illusion des Fortschritts: Feindlers Monatsgedicht – April 2018

 

Von Turid Müller

Michael Feindler packt diesen Monat einen Dauerbrenner der Geschichte an.

Einleitend schreibt er in seinem Newsletter (Link):  „Ob sich – in Anbetracht der Weltlage – die Menschheit wirklich weiterentwickelt, bleibt umstritten.“

Die Illusion des Fortschritts
Wird wieder mal der Vorwurf laut,
sie hätten bloß darauf geschaut,
den Stillstand exzessiv zu pflegen,
beginnen sie sich aufzuregen:
„Ihr seht doch, dass wir uns bewegen!
Wir geh’n voran, wir schreiten fort,
denn Fortschritt ist der schönste Sport –
den treibt man nicht am Abstellgleis!“
Doch wer genauer hinsieht, weiß:
Sie gehen. Aber nur im Kreis.

Bleibt zu hoffen, dass es kein Kreis, sondern eine Spirale ist.

„Der Dornröschenschlaf ist vorbei“ – Simone Altenried freut sich über aktuelle Veröffentlichungen

Von Turid Müller

Sie ist ExCellentin aus dem Jahrgang 2010 und von jeher als Schlagertexterin unterwegs. Jetzt finden drei ihrer Texte auf Album und Single von Monika Martin Beachtung.

Foto: TELAMO

Im Oktober 2017 wurde von Monika Martin die Single Das Gefühl als Vorbote auf ihr kommendes Album als Single veröffentlicht, mit dem sie sich bereits seit 21 Wochen in den Radiocharts in den Top Ten behaupten kann. „Die Musik stammt von meinem Mann Uwe Altenried, Text von mir“, verrät Simone Altenried.

Monika wurde am 27.03. zum zweiten Mal mit dem Smago Award geehrt – diesmal in der extra für sie erdachten Kategorie Der Dornröschenschlaf ist vorbei. Diese Zeile stammt aus der Single Ich tanze – ebenfalls von dem Künstler-Paar Altenried geschrieben. Das Video dazu ging im April online und leitet das neue Album von Monika Martin für immer, welches am 11.05. veröffentlicht wird, ein. „Es gibt kein Lied auf der CD das so heißt, aber der Name sagt viel aus, über die Künstlerin, ihr Tun, ihre Kreativität und den Menschen Monika Martin“, ist bei Telamo über die Künstlerin zu lesen.

Monika ist eigentlich als der „stille Star“ bekannt geworden, hat immer sehr leise Lieder gesungen. Sie hat sich in den letzten fünf Jahren komplett neu erfunden und ist von der Volksmusik im Popschlager gelandet. Ein Spagat, der nur wenigen Interpreten gelingt. Sie wurde mehrfach mit Gold ausgezeichnet“, erzählt die stolze Texterin.

„Mit Mehr als ein Freund (Musik Natascha Arnold & Uwe Altenried) hat sich Monika Martin einen dritten Song aus meiner Feder gepickt. Eine Geschichte die das Leben schrieb. Für diesen sehr persönlichen Song hätte ich mir kein schöneres zu Hause wünschen können“, so die ExCellentin.

„Also singe ich.“ – Christof Stählins Erbe

Von Turid Müller

Am 24. und 25. März traf sich die Christof-Stählin-Gesellschaft im Weyenhof in Wasungen. Die seit 2017 bestehende Vereinigung bemüht sich um das Andenken an den 2015 verstorbenen Christof Stählin.

Vorstand der Christof-Stählin-Gesellschaft

„Wer war Stählin für dich?“ lautet die Frage in die Runde des Liedermacher-Seminars. „Ein Lehrer“, „jemand mit Strahlkraft“, „ein Phantom“. – So unterschiedlich wie die Antworten sind, ergeben sie verschiedene Perspektiven auf ein und das selbe Thema. Das Bild, was dazu an die Tafel gezeichnet wurde, zeigt den so genannten Kaspar Hauser Turm. Ein Symbol, das Stählin in seinen ‚Unterweisungen‘ verwendet hat. Der Dichter, Liedermacher und Kabarettist hat nicht nur ein umfangreiches Werk, sondern auch seine Denk-Ansätze sowie viele begeisterte Schülerinnen.

Zwei davon führen seinen Lehre nun fort: Unter der Leitung von Matthias Binner und Martin Betz fand in der Woche vor Ostern zum wiederholten Male ein so genanntes SAGO-Seminar statt. Alte AnhängerInnen und neue Gesichter treffen sich hier, um in Sinne Stählins Grundlagen des Liedermachens zu durchdringen, einander Feedback zu geben und im Austausch künstlerisch zu reifen.

Dabei gehört es zum Konzept, dass alte Hasen, die Stählin noch kannten, neu Dazugestoßenen begegnen. Darum gab es auch ein Abschlusskonzert am Ende der Versammlung der Stählin-Gesellschaft, die direkt vorher tagte. Geladen waren die Teilnehmenden der anschließenden Fortbildung. Dargeboten wurden Lieder, Gedichte und Übersetzungen aus der Feder Stählins, sowie von ihm und seiner Lehre Inspiriertes.

SAGO heißt die Schule, die um den Altmeister herum entstand. Wer jetzt an ein fast vergessenes Getreide-artiges Produkt von Anno Knips denkt, denkt richtig: Der Name leitet sich von genau diesem Kolonialwaren-Produkt ab, für das es einst in vielen Küchenschränken eine eigene Schublade gab. Nachdem es aus der Mode kam sammelten sich hier lauter Dinge, die nirgends hin gehören: Gummibänder, Kleinstteile, Schrauben… Alles, was sonst in keine Schublade passt. So ist es auch in der gleichnamigen Liedermacher-Akademie, die man nach einem Gedicht von Stählin auch als ‚Versammlung der Inseln‘ beschreiben könnte: Lauter Individuen unterschiedlichster Genres finden sich hier zusammen. Namhafte KünstlerInnen wie Bodo Wartke, Sebastian Krämer und Dota Kehr sind schon aus der Talentschmiede hervorgegangen. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Um das veröffentlichte wie das unveröffentlichte Werk des großen Liedermachers zu pflegen und verwalten, gründeten Stählins Familie, Freundeskreis, seine Kolleginnen und Kollegen die Stählin-Gesellschaft. Ziele der Vereinigung sind die Schaffung eines Back-Kataloges, die Archivierung des Nachlasses sowie jährliche Gedenk-Konzerte:

Durch nachträgliche Digitalisierung sollen nach und nach alle Tonträger des Künstlers zugänglich gemacht werden – auch die auf Vinyl erschienenen und die vergriffenen. Als Kanäle seien der Shop auf der Homepage, sowie die üblichen online-Plattformen angedacht. Bisher sei ein Album unentgeltlich erhältlich.

Über den zu Lebzeiten veröffentlichten Bücher- und Schallplatten-Schatz hinaus sind weitere Veröffentlichungen geplant. Es ginge darum, den Schatz zu heben und ihn für die Nachwelt zugänglich zu machen, so Vereinsmitglied Matthias Binner und Vorstandsmitglied Philipp Taubert. Auch sei beabsichtigt, die Didaktik am Leben zu halten – zum Beispiel in Form eines SAGO-Lehrbuches.

Jährlich stattfindende Konzerte zum Gedenken an Stählins künstlerisches Werk werden von wechselnden SAGOnautInnen ausgetragen. Dieses Jahr findet das Memorial-Konzert am 21.06. in der Villa Eugenia in Hechingen statt.

Christoph Stählin

Neue Mitglieder sind in der Christof-Stählin-Gesellschaft herzlich willkommen – ganz gleich ob Fans, Schülerinnen oder Neu-Einsteigende.

 

Auch ohne meine Lieder ginge die Welt nicht zugrunde.
Schön, aber ich möchte darauf hinweisen, daß die

Welt ausschließlich aus Dingen besteht, ohne die sie nicht zugrunde gehen würde.
Man kann doch nun die Welt nicht einfach so ihrer Bestandteile berauben!
Also singe ich.

(Christoph Stählin)

„Ein kleiner Traum, den man sich erfüllt.“ – Kirchberg erstmals in der Elphi!

Von Turid Müller
Sein Becher-Album „Einmal frei. Und einmal glücklich sein.“ wurde kürzlich mit dem Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik geehrt. Nun spielt er das Programm wieder. Und zwar in der Elbphilharmonie! Ein guter Zeitpunkt für ein Interview…

„Es ist so etwas, woran man mal denkt… und dann träumt man…“ sagt Johannes Kirchberg  auf die Frage, wie sich das Konzert im neuen Hamburger Konzerthaus ergeben hat: Die CD war gepresst und es gab wenig Möglichkeiten aufzutreten – ein Streichquartett und ein kantiges Thema wie der Texter der Nationalhymne der DDR – dafür kann sich nicht jeder Veranstalter begeistern. „Spiel doch in der Elphi!“ hat eine Freundin spontan vorgeschlagen. – Ein Traum war geboren. Und der Musikkabarettist freut sich nun, dass die Bewerbung bei der namhaften Konzerthalle geklappt hat. Tatsächlich waren Becher und das Streichquartett der Türöffner für dieses Haus, das sich für Kabarett weniger erwärmen kann. „Die Besetzung gibt das her; das passt in den Rahmen.“

Fotograf: Stephan KnauerDie Veranstaltung findet anlässlich des 60. Todestages von Johannes R. Becher statt. Am 22.09.2018 um 19:30 Uhr steht Kirchberg zusammen mit dem Canea Quartett auf der Bühne im Kleinen Saal.

Die Vertonungen von Bechers Texten sind nicht sein erstes Projekt dieser Art. Seit vielen Jahren bemüht er sich um den Erhalt des Werkes von Schriftstellern – darunter Kästner und Borchert. „Dass das nun durch solch einen Spielort die entsprechende Wertschätzung erfährt, ist toll!“, sagt der Musiker zufrieden. – Aber lustig sei es schon, Ausschnitte der Nationalhymne der ehemaligen DDR in diesen heiligen Hallen zu spielen. Auf der CD ist sie bewusst nicht mit drauf. Aber live wird sie ausschnittsweise gespielt und thematisiert. Zunächst hatte er durchaus Bedenken: „Man will ja nicht die falschen Leute hinterm Ofen hervorlocken…!“ Aber diese Befürchtung hat sie nie bewahrheitet. Die Reaktion der Menschen ist oft: ‚Ach, die ist aber schön!‘ Und in der Tat, so Kirchberg, hat diese Hymne den besseren Text. Es habe sogar nach der Wende Bestrebungen gegeben, diese Zeilen mit der Musik von Haydn zur neuen Nationalhymne zu machen. Aber Kohl habe diktiert, dass es bei der alten bleibt und dass lediglich die 3. Strophe gesungen wird.

„Heimat und Frieden“, darum geht es eigentlich in dem Programm, hat Kirchberg hinterher festgestellt. – Also durchaus aktuell! Der Heimatbegriff wurde – und wird ja gerade wieder – missbraucht. „Ich kann mir doch als Linker das Wort nicht wegnehmen lassen!“, findet er. Und so hat er sich an diese Inhalte ran getraut. Es drehe „sich um Heimat, um das Ringen um Demokratie und den unbedingten Willen nach Frieden.“ Und das „ohne dabei die höchst streitbare Persönlichkeit Bechers zu ignorieren“, heißt es treffend auf der Homepage der ebenfalls umstrittenen Hamburger Kult-Location.
Das Besondere an dem Abend sind die Arrangements, sagt der Pianist. Ob man das nochmal so hinkriegt, sei unklar, weil man Leute braucht, die für so eine Aktion Feuer und Flamme sind. Es sei eben wirklich ein Herzensprojekt. Interessant auch, dass diese literarischen Vorlagen nie abgespielt sind. Sie haben keinen Zeit-Bezug und verlieren nie an Bedeutung.
Was als Nächstes kommt, weiß er noch nicht. Klavierkabarett – das sei wohl naheliegend. In Zusammenarbeit im Tom Reichel entsteht gerade ein neues Kabarett: AUSSTEIGERPROGRAMModer: was tut man nicht alles nicht.
Auf die Frage, ob er noch etwas sagen wolle, entgegnet er schlicht: „Es gibt noch Karten!“
Also: Hin da!