Zeitlos – Tim Fischer feiert Premiere und 30 Jähriges Bühnenjubiläum

Zusammengetragen von Turid

Heute hat „Zeitlos“ Premiere im Tipi am Kanzleramt. Die Liste der neuen Lieder zeigt: Die Celler Schule ist mit von der Partie!

Im Booklet der am 11.10. erschienenen CD finden sich unter den Urheber*innen der Songs viele ExCellent*innen: Paul Schepansky, Barbara Berrien, Tillman Graach, Hannes Potthoff, Erdmann Lange, Corinna Fuhrmann. Auch Rainer Bielfeldt und Edith Jeske haben wieder mitgewirkt. Und auch die Rinnsteinprinzessin darf natürlich nicht fehlen und hat zum feierllichen Anlass ein neues Video bekommen!

Erdmann Lange ist mit seinem Stück Ich liebe Dir hinterher (Text von mir, Musik von Rainer Bielfeldt) vertreten: „Der Text beim „20 Jahre Celler-Schule-Jubiläumstreffen“ in Springe 2016 entstanden, wo Rainer seine Musik schon dabei hatte samt „Schimmel“-Text. Und in einem „Schimmel“-Workshop entstand dann schon der nahezu fertige Text von mir. Sozusagen ohne die Musik dazu zu hören, nur mit Rainers Schimmel als Vorlage. Beim nachträglichen Hinzufügen der Musik stellte sich dann raus: Das passt wunderbar! Und Rainer hat mich dann gleich angesprochen, ob er den Text dafür verwenden kann.“

Kurz: Eine echte Celler Geschichte, das neue Programm! Also: Hin da!

Und vor allem: Herzlichen Glückwunsch, Euch allen!

Deutscher Freiheitsbegriff – Michael Feindlers Monatsgedicht

Michael Feindler hat ein neues Monatsgedicht und auch ein neues Bühnenprogramm.

„Worum es dabei geht?“ fragt er in seinem Newsletter. „Zum Beispiel darum“:

Deutscher Freiheitsbegriff

Ihr dürft mich online überwachen,
mich arm und dadurch kränker machen,
an Eure eig’nen Lügen glauben,
mir schließlich meine Würde rauben,
doch lasst mir bitte dreierlei,
dann fühl ich mich auch künftig frei:
Böller, Wurst und Raserei.

Appetit bekommen? Das neue Programm gibt’s hier:Ihr Standort wird berechnet„.

Im Ankündigungstext heißt es: „Im neuen Bühnenprogramm unternimmt Michael Feindler den Versuch einer Standortbestimmung, und zwar für die Menschheit im Allgemeinen: Zwischen ökologischem Kollaps, Demokratiekrise und unübersichtlichen Datenströmen will er Freiraum für politische Visionen schaffen. Das ist anmaßend, aber womöglich der einzig realistische Weg aus den Dilemmata“. Feindler meint das ernst. Nichtg nur im Kabarett. Darum schließt er in seinem Newsletter auch mit den Worten: „Vielleicht sehen wir uns ja an irgendeiner Bühne. Oder auf der Straße – aus gegebenem Anlass.“

„Zwei Leben“: Rainer Bielfeldts neues Album und Bühnenprogramm

von Sandra Niggemann und Mario Rembold

Rainer Bielfeldt hat Wort gehalten: Rund anderthalb Jahre nach seinem letzten Album hat er nun seine neue CD „Zwei Leben“ veröffentlicht. Wir haben am 1. September 2019 im Kölner Senftöpfchen-Theater den ersten Konzertabend nach der Premiere erlebt.

Foto: Tiago Bielfeldt

„Wir haben zwei Leben. Und das zweite beginnt, wenn dir klar wird: Wir haben nur eins.“ Ob die Inspiration zu diesen Zeilen wirklich aus einem Glückskeks im Chinarestaurant kam? Das erzählt Rainer Bielfeldt im gut gefüllten Kölner Senftöpfchen-Theater, nachdem die letzten Akkorde seines Titelliedes verstummt sind. All seine Songs und Conférencen erscheinen authentisch, denn Rainer singt, spielt und erzählt aus tiefstem Herzen. Das spürt das Publikum. Immer wieder hört man aus den Zuschauerreihen ein mal wohliges und mal staunendes „Oh“. Das sind die Augenblicke, in denen man sich tief hineingezogen fühlt in die Lieder, die auch das eigene Herz zum Schwingen bringen.

Magische Momente, hinter denen eine Menge Arbeit und Sorgfalt im Vorfeld stecken.

Zudem hat sich Rainer für die Regie seines aktuellen Bühnenprogramms in die Hände von Edda Schnittgard begeben: Die einzelnen Songs sind durch kleine Anekdoten, Betrachtungen und Geschichten miteinander verbunden, mit denen er die Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer Reise einlädt. Auf der Reise sein – davon spricht und singt Rainer immer wieder, vom Reisen, vom Ankommen und von Sehnsucht. „Viel zu selten allein’“ ist ein augenzwinkerndes Beispiel für alle drei dieser „bielfeldtschen“ Herzensthemen. Das Publikum gerät in herzhaftes Lachen, als Rainer in den ersten Zeilen des Liedes feststellt: „Du lässt mich viel zu selten allein. Du könntest hin und wieder mal verreisen.“

Neben all dem zeigt er eine differenzierte und feinfühlige Haltung: Themen wie Populismus und Rassismus begegnet er nicht mit plumpem erhobenem Zeigefinger, sondern mit sehr persönlichen Ansichten und Geschichten: So erzählt zum Beispiel „Insel namens Abendland“ – unserer Meinung nach ein Highlight des Abends – die Geschichte zweier ehemals dicker Schulfreunde, von denen einer nun, Jahre später, auf Facebook fremdenfeindlich „Häme, Hassgebrüll und Jammern“ verbreitet. Betroffen stellt Rainer aus Sicht des anderen Freundes die Frage: „Bist du noch zu retten, oder bist du schon verloren?“

Erwähnt sei auch Rainer Bielfeldts 1975 verstorbene Lieblingsdichterin Mascha Kaléko. Ihre Gedichte hätten ihn seit seiner Jugend berührt. Und weil, so Rainer, „Mascha Kaléko bei keinem meiner Konzerte fehlen darf“, sind auch drei ihrer Texte auf seinem Album zu kurzen Miniaturen verwoben. Sie sind ein Kontrast zu den anderen Liedern – ein bisschen wie ein Innehalten auf seiner Reise.

Foto: Tiago Bielfeldt

Neben diesen Miniaturen und Texten von Rainer Bielfeldt bündelt „Zwei Leben“ auch die Kreativität einer ganzen Truppe aus dem Kreis der Celler Schule. Während Rainer alle Songs komponiert hat, haben an den Texten neben Rainer folgende Autoren mitgewirkt: Barbara Berrien, Thorsten Budde, Karla Feles, Peter Fischer, Tilmann Graach, Julia Hagemann, Thomas Lienenlüke, Annette Müller, Hannes Potthoff, Thomas Paul Schepansky, David Quaass, Dagmar Schönleber, Otto Senn und Carsten Thiele. Drei Songtexte des Albums hat Edith Jeske beigesteuert.

Insgesamt zeigt sich Rainer Bielfeldt mit seiner neuen CD und seinem neuen Bühnenprogramm abwechslungsreich: nicht nur melancholisch und nachdenklich, sondern auch humorvoll und entschlossen. Das spiegelt sich unter anderem im Lied „Pflanz Lavendel auf mein Grab“ wider. Auch wenn der Titel anderes vermuten lässt: Rainer singt hier eine Hymne an das Leben, das er mit allen Sinnen genießen möchte. Er sei halt, so sagt Rainer Bielfeldt, ein „melancholischer Optimist“.

Und wenn am Abend seine musikalische Reise mit dem Lied „Der Horizont“ zu Ende geht und die Zeilen erklingen „Irgendwann… komm ich an“, dann zeigt der Applaus ganz klar: Beim Publikum des Senftöpfchens ist er angekommen – und wie.

Apropos: Mal abgesehen davon, dass man mit dem Kauf des CD-Albums auf Konzerten den Berliner Hospizdienst Tauwerk unterstützt, bietet Rainer nach seinem Auftritt eine „kostenlose Umarmung“ an. Ein Herzensmensch eben.

REALITY – ein neues Musical mit den Songtexten einer ExCELLEntin

Alle paar Jahre bringt der österreichische Musikveranstaltungsverein KlangKasten ein eigenes Musical auf die Bühne. Christina Priplata-Harand, Ex-Cellentin 2017, hat zum fünften Mal alle Songtexte dafür geschrieben.

#Reality heißt die aktuelle Show – und ja, wie am Titel zu erkennen ist, geht es um Beziehungen on- und offline. Rund um die Hochzeit von Lizzi und Julian zeigen Familie und Freunde des Brautpaars, wer sie wirklich sind.

Der KlangKasten hat seine Heimat in Kasten bei Böheimkirchen. Das wiederum liegt in der Nähe von St. Pölten.

Wer die weite Anreise schaut, findet die Songtexte hier

Und wer die Termine auf dem Foto nicht recht lesen kann, findet sie hier (einfach ein bisschen scrollen).

Die Premiere ist übrigens morgen, am 23. Mai!

Absurdes zwischen Alltag und Weltpolitik

 

Matthias Reuter unterwegs mit seinem neuen Programm „Wenn ich groß bin, werd’ ich Kleinkünstler“

Von Mario Rembold

Matthias Reuter (Foto: Peter Heske)

„Große Kunst ist immer, wenn ich das nicht verstehe“, stellt Matthias Reuter fest, kurz nachdem er die Bühne betreten hat. Da war zum Beispiel dieser Besuch in einer Kunstgalerie zusammen mit seiner Freundin, „und da hab ich vieles nicht verstanden.“ Vor meinem inneren Auge läuft sofort ein Film ab, und offenbar auch bei den anderen Zuschauern. Es wird gelacht und geklatscht, obwohl die Show gerade erst anfängt. Große Kunst, so erfahren wir, ist manchmal auch einfach „mit fünf Dübeln befestigt“. Matthias macht aber lieber Kleinkunst, verrät er uns. Zitat: „Denn das verstehe ich.“ Dann setzt er sich ans Klavier und legt los.

Es ist der 16. November 2018, und wir befinden uns gerade in Oberhausen im ausverkauften Ebertbad. Premiere: Matthias Reuter präsentiert sein neues Bühnenprogramm „Wenn ich groß bin, werd’ ich Kleinkünstler“. Links steht ein Flügel, rechts ein kleiner Tisch mit Stuhl. Am Flügel hören wir Songs über russische Hacker, denen wir Trump, die AFD und David Hasselhoff verdanken, über Kinder, die von ihren kindischen Eltern genervt sind, oder eine aktualisierte Version seines „NRW-Abitur“-Songs. Wer im bevölkerungsreichsten Bundesland sein Abi gemacht hat, der darf sich nämlich auch mal verrechnen, wenn er, sagen wir, einen Flughafen plant.

Vom Tisch aus liest uns Matthias Geschichten vor, die aus dem Alltag gegriffen scheinen und dabei das Groteske in den Mittelpunkt rücken. In einem der Texte geht es um diese Schublade, die jeder von uns zu Hause hat: die mit dem Krimskrams drin, die „Schrömmelschublade“. Doch was ist das für ein Plastikteil, das da zwischen Entlüftungsschlüssel und alten Eintrittskarten liegt? Matthias möchte es herausfinden, und das Chaos nimmt seinen Lauf. In einer anderen Erzählung erfahren wir, dass man als Kleinkünstler regelmäßig Weinflaschen von Veranstaltern geschenkt bekommt, und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Premiere (Foto: Peter Heske)

Zwischen Flügel und Tisch bleibt Matthias häufig stehen, um scheinbar aus dem Stegreif Anekdoten zum Besten zu geben. Es kommt sogar vor, dass er mitten im Song die Tasten loslässt und aufsteht, weil ihm da etwas einfällt, das er jetzt erzählen muss. Wir wissen nicht, wie viel aus den Geschichten und Berichten tatsächlich aus dem Leben gegriffen ist, doch ganz gewiss hat Matthias einen Blick für das Absurde zwischen Alltag und Weltpolitik. Manchmal ist es auch die ganz eigene Art, wie er etwas erzählt, das uns im Publikum zum Lachen bringt. Ein kurzer Satz aus seinem Mund, leicht eingefärbt in eine Prise Ruhrpott, kann ganze Bilder und Geschichten im Kopf des Zuschauers entstehen lassen.

Wer ihn noch nicht live gesehen hat, mag sich nun fragen: Ist das Comedy oder Kabarett? Matthias Reuter beweist, dass dieses typisch deutsche Schubladendenken manchmal zu kurz greift. Nein, es gibt in seinem Programm keine Schenkelklopfer. Wir hören keine flachen Gags über das andere Geschlecht oder über peinliche Liebschaften. Auf der anderen Seite macht Matthias aber auch kein Zeigefinger-Kabarett. Statt über „die da oben“ herzuziehen, zeigt er humorvoll, wie Demokratie im Kleinen bei jedem einzelnen von uns beginnt (und was Ernie und Bert damit zu tun haben). Aber genau das ist eben auch eine Haltung in einer Zeit der Shitstorms und Empörungen.

Die zwei Stunden sind schnell vorbei, doch es gibt noch eine Zugabe: Matthias geht „Rentner fischen im Hallenbad“. Eine rundum gelungene Premiere – das sage nicht nur ich, sondern der Applaus im Saal spricht für sich und für Matthias. Wer neugierig geworden ist auf sein neues Programm: Aktuelle Termine gibt es auf Matthias’ Website.