be musical – Peter Bytzek erzählt aus seinem Leben und von seinem neuen Blog

Von Peter Bytzek

Nach 10 Jahren als Liedermacher und 30 Jahren in der Verlagsgruppe Random House steht seit Anfang des Jahres wieder Gesungenes und Gereimtes auf dem Programm.

Nach der Auflösung der Liedermacher-Gruppe „WiederWillen“ Mitte der 80’er Jahre, in der ich gemeinsam mit Edith Jeske eine bewegte musikalische Zeit erlebt habe, stand ich am Ende des Popkurses in Hamburg, der damals noch in den Kinderschuhen stand und „Modellversuch Popularmusik“ hieß, vor der Entscheidung die Musik zu meinem Beruf zu machen, oder in dem bereits eingeschlagenen Weg in die Buchhandels- und Verlagslandschaft weiterzugehen. Ich habe mich damals für die Welt der Bücher entschieden und habe es nie bereut. Die Musik und das Songsschreiben liefen ja weiter, so wie es meine Zeit erlaubte, aber ohne ökonomischen Druck. Und ich habe über die Jahre in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern ( Jürgen von der Lippe, Beppo Pohlmann von den Gebrüdern Blattschuss, Karsten Speck u.a. ) tolle Begegnungen gehabt und auch die eine oder andere Veröffentlichung feiern dürfen.

Seit Anfang 2020 bin ich aus dem „aktiven Dienst am Buch“ ausgeschieden und kann mich ganz auf die Musik und das Texten konzentrieren.

Im September 2019 durfte ich am Texter-Seminar der Celler-Schule teilnehmen. Es war ein sehr schönes Wiedersehen mit meiner früheren Weggefährtin Edith und die Begegnung mit wunderbaren Menschen voller Kreativität und Empathie. Dieses Erlebnis hat meinen Blick auf mein Schreiben noch einmal deutlich geschärft.

Mein musikalisches „Schlüsselerlebnis“, hatte ich vor drei Jahren. Ich bekam die Gelegenheit in einer Projektband für ein Musical mitzuspielen. Gemeinsam mit gestandenen Rock-Musikern bin ich nach mehr als 30 Jahren Bühnen und Band-Abstinenz ins kalte Wasser gesprungen und habe die mir vertraute Akustik-Gitarre gegen eine E-Gitarre getauscht.

Das Musical basierte ausschließlich auf Stücken der Toten Hosen und ich habe in der Vorbereitung sehr deutlich vor Augen geführt bekommen, wie schmal meine Komfortzone auf der Gitarre war, in der ich mich Jahrzehntelang bewegt habe, und was es auf dem Instrument noch alles zu lernen gibt.

Wir alle spielen gern das was wir gut können, wir bewegen uns in vertrauten Regionen auf dem Griffbrett der Gitarre, wir kennen unsere Griffe und wenn wir mal in andere Tonarten ausweichen müssen, dann nehmen wir einen Kapodaster und spielen die gleichen Griffe und die gleichen Intervalle ein paar Bünde höher.

Das ist unsere „Komfortzone“ – aber Wehe, wenn wir die mal verlassen müssen. Ich bin ein ums andere Mal von den Musical-Proben nach Hause gekommen und habe gedacht: „Da spielst Du Dein Leben lang Gitarre – und hast eigentlich überhaupt keine Ahnung!“

Deshalb habe ich nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts den Reset-Knopf gedrückt und entschieden noch einmal ganz neu Gitarre spielen zu lernen, mit dem Ziel ein tieferes Verständnis für das Instrument zu erlangen, um mich intuitiver und in verschiedenen Genres auf der Gitarre bewegen zu können.

Nachdem ich mich monatelang durch die verschiedensten Videos von „Gitarrenlehrern“ geklickt hatte und mir von all dem, was ich angeblich unbedingt wissen muss, wenn ich mich einen Gitarristen nennen will, fast schwindelig geworden war

(Die 5 Fehler, die jeder Gitarrist vermeiden sollte! – Die 10 besten Licks, die jeder Gitarrist beherrschen muss! – 20 Strumming-Grooves, die jeder Gitarristen kennen sollte – u.s.w.) habe ich mein eigenes Konzept entwickelt um dem, was ich auf dem Instrument lernen will, endlich näher zu kommen. Mein Ziel war und ist es, mehr Freiheit beim Spielen zu gewinnen, unmittelbarer und intuitiver die Musik aus meinem Kopf auf das Instrument übertragen zu können. Wenn ich es auf die Malerei übertragen beschreiben sollte, würde ich sagen, ich wollte nicht mehr nur mit einem rot, einem blau und einem grün malen, sondern viele Zwischentöne auf das Papier bringen können.

Dazu war es u.s. auch nötig mich mit dem theoretischen Background vertraut zu machen, den ich Jahrzehnte lang vernachlässigt hatte. Eine spannende Reise hatte begonnen und irgendwann unterwegs kam mir die Idee, diese Reise mit einem mit einem Video-Blog, einer Art musikalischem Reisetagebuch zu begleiten.

Im September 2020 war es dann soweit, und ich habe meinen Blog be musical gelauncht.

Für die nächsten Monate werde ich nun das Fretboard bereisen, um mein Wissen über Intervalle, Akkorde, Scales und Modes zu vertiefen. Der rote Faden dabei wird das „CAGED-System“ sein, das mir hervorragend geeignet scheint, all die erwähnten Dinge musikalisch miteinander zu verknüpfen. Darüber hinaus wird es auch hier und da ein um Recording gehen, wenn wir unsere eigenen Backing-Tracks gemeinsam aufnehmen und auch um Songwriting, wenn es gewünscht ist, denn ich wünsche mir meinen Blog nicht als Einbahnstraße, sondern suche den Austausch mit anderen.

Alle Gitarristen, die Lust haben auch mal über den Tellerrand zu gucken, sind herzlich eingeladen mich auf dieser Reise zu begleiten. Man hört nie auf zu lernen und neugierig auf alles Neue war ich schon immer …

In diesem Sinne: be musical!

 

Champagner für alle! – Das neue Album von Mark Scheibe hält, was es verspricht…

Von Turid Müller

… denn der Name ist Programm: Der Komponist macht, wie er es nennt, „Du-Musik“. Und zwar mit einem gewissen Verwöhn-Faktor. Aber – fangen wir vorne an…

2019 war für den ExCellenten (Celler Jahrgang 2012) ein bewegtes Jahr. Er komponierte für GERMANIA!, eine große Theaterproduktion an der Berliner Volksbühne, Orchestermusik. Und er bekam einen Kompositionsauftrag von der Elbphilharmonie, den er dann dort im Februar 2020, kurz vor Corona, gerade noch auf die Bühne bringen konnte.
Dann kam der Lockdown. Und mit ihm zunächst eine willkommene Ruhe. Bis die Frage nach dem „Wie weiter?“ in ihm laut wurde. Kurz: Mark Scheibe hat „seinen Gedanken erlaubt, spazieren zu gehen“. Und während sie noch unterwegs waren, erreichte ihn der Anruf von einem Veranstalter aus Bremen: Sommerbespielung im Autokino-Stil. Der Sänger und Pianist arrangierte einen Konzertabend mit Streichern. Nach Monaten der Pause bereitete ihm das derart große Freude, dass er den Entschluss fasste, mit den Liedern ins Studio zu gehen.
Aber nicht nur die Songs aus den Auto-Lustspielen finden ihren Weg auf die CD. Sondern auch viele langjährige Begleiter. Zum Beispiel Material aus einem Projekt von 2015, bei dem er täglich ein Stück geschrieben hat. Ein Text von Tobias Reitz ist auch dabei: ‚Verliebt in die Nacht‘. – Eine langsame Ballade und einer seiner Lieblingssongs, wie Mark Scheibe verrät. Außerdem sind ihm auch kurzfristig noch ein paar brandneue Melodien zugeflogen.
Was er macht, würde er schon Pop nennen. Aber es hat auch was von Kunstmusik, „etwas Symphonisches“, sagt er. „Es ist so dazwischen“.

„Musik ist Kommunikation.“
(Mark Scheibe)

„Was wir am Smalltalk schätzen, ist ja die Leichtgängigkeit. Und was wir vermissen: die Tiefe des wirklichen Austausches. – Ich bilde mir ein: Das geht beides!“, postuliert der Allrounder. In einer Szene, in der ‚Kommerzialität‘ ein richtiges Schimpfwort geworden ist, weil wir es damit verbinden, dass jemand nicht seinem Inneren, sondern den Marktgesetzen folgt, ist er am ‚Du‘ des Publikums interessiert. Für ihn ist Musik Liebe. – Und es wäre doch eher befremdlich, wenn ein Liebhaber sich nicht dafür interessiert, wie es seinem Gegenüber dabei geht – oder?
Werben und Hoffieren des Publikums gehören für ihn also dazu. „Ich würde sogar soweit gehen zu sagen: In meiner Musik geht es um DICH!“ Darum heißt das Album Champagner für alle. Und auf die Frage, wo denn das Champagner-Bild herkommt, antwortet er: „Champagner ist Luxus, sich etwas gönnen, etwas Außergewöhnliches machen, verliebt sein!“ Und auch er selbst perlt, sprüht und schwärmt von allen Beteiligten. Es ist für ihn „ein richtiges Glücks-Projekt“! – Hier ein kleiner Einblick in die Produktion.

„Ich glaube, dass das die Zukunft ist.“
(Mark Scheibe über Online-Kultur)

Augenblicklich fragt er sich: „Wo wird die Bühne dafür sein?“ Und er versucht, den Bühnenbegriff auf die Art ins Digitale auszuweiten, dass es ihm Spaß macht. – Und das gelingt! Wer sich davon ein Bild machen möchte, kann das zum Beispiel bis Mitte November im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne für das Album. Dort kann man übrigens (auch als Gutschein für Weihnachten…) die CD schon vorbestellen. Aber eben auch interaktive Online-Formate erleben: Für 100,- Euro kommt der Künstler per Live-Schalte auf ein halbstündiges Privat-Konzert vorbei. „Jedes Konzert ist eine ganz persönliche Begegnung“. Und zwischen den Musikalischen Beiträgen kann er mit seinem Publikum in Austausch treten.
Alle Unterstützenden des Crowdfundings erhalten einen musikalischen Gruß. Einer davon wurde übrigens gerade von crescendo verlinkt. „Tja“, konstatiert Mark Scheibe, „diese Lieder beginnen, ihr Eigenleben zu führen!“ Und das gefällt ihm sehr. Genau wie die digitalen Experimentierfelder. Denn er glaubt fest daran, dass wir nicht gut beraten sind in der Krise, wenn wir das, was momentan nicht geht, einfach substituieren: „Das ist wie vegane Schnitzel! Die ersten veganen Produkte haben Fleisch nachgeahmt; später entstand etwas Eigenständiges!“ Genau danach sucht er: Nach den völlig neuen Wegen, die sich aus der augenblicklichen Situation entwickeln können.

Feindlers Monatsgedicht: Gemeinsamer Nenner

Turid Müller

Corona beschäftigt Michael Feindler nicht nur auf der Tour, sondern auch am Schreibtisch. Sein aktuelles Gedicht greift auf, was Kultur-Szene und Gesellschaft gerade umtreibt und findet den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Nach der langen Spielpause freut sich der Kabarettist, so erfährt man beim Lesen seines Newsletters, „wieder auf einzelnen Bühnen vor Publikum auftreten zu dürfen“. Um „Diskussionen über Details in der Ausarbeitung“ der diversen Hygiene-Konzepte der Spielstätten zuvorzukommen, hat er sich mit seinem traditionellen Monatsgedicht zu Wort gemeldet:

 

Gemeinsamer Nenner

Selbst wenn ich gerne mal die Farbe änder
und jemand anderes das Mat’rial,
so sind wir uns – bei aller freien Wahl –
in einem einig: Uns ist ein Geländer
an einer Schlucht auf keinen Fall egal.

Feindler schließt vorsichtig optimistisch: „Aber auch ein „Geländer“ kann bekanntlich keine hundertprozentige Sicherheit bieten, weshalb ich es mir nicht anmaßen würde, die Teilnahme an Kulturveranstaltungen aktuell als gesundheitlich völlig bedenkenlos zu bezeichnen. Doch wie gesagt: Alle Beteiligten geben ihr Bestes, um sich der Unbedenklichkeit zumindest ein wenig anzunähern.“ Na dann: Nix wie hin!

Viel wäre gewonnen, wenn wir uns nicht nur im Theaterhaus, sondern auch gesamtgesellschaftlich auf diesen gemeinsamen Nenner einigen könnten.

 

UPPS TOT! – Mörderische Kurzgeschichten von Jutta Wilbertz

Von Turid Müller

Das gleichnamige Bühnenprogramm spielt sie schon seit einer ganzen Weile. Das Buch zum Programm ist gerade frisch erschienen. Beides stammt aus der Feder von Jutta Wilbertz (Celle 2011), der Krimi-Spezialistin in Lied und Wort. 

„Hurra, es ist soweit! Ab sofort ist meine Kurzkrimisammlung „Upps-tot! Kurzkrimis & böse Songs“ überall im Buchhandel!“, freut sich die Autorin und Chansonnette in ihrem jüngsten Newsletter. „Es ist ein tolles Gefühl, das fertige Buch in den Händen zu halten … und nun hoffe ich natürlich, dass es seinen Weg macht und sich tapfer eine Bresche in die Welt des Büchermarktes schlägt.“ Als E-Book ist es übrigens auch erhältlich – in den ersten Wochen noch zum Vorzugspreis. Wer es dreidimensionaler mag kann ab November ihre ‚Krimi- & Songs‘-Lesungen besuchen und es im Anschluss persönlich erwerben. Das Buch ist etwas ganz Besonderes: Bisher hat sie ihre witzig-bösen Kurzkrimis in zahlreichen Anthologien diverser Verlage veröffentlicht. Nun aber hat sie erstmalig ihre besten, teilweise preisgekrönten Kurzkrimis in einem einzigen Band gebündelt und herausgebracht. „Und da ich so oft nach meinen mörderischen Songtexten gefragt werde, habe ich die einfach auch noch dazu gepackt. Also das ideale Buch fürs ‚Zwischendurch-mal-Krimi- schmökern-während-ich-auf-die-Bahn-warte-oder-in-der-Wanne-liege'“, empfiehlt sie.
Klappentext:  „Ach, es ist so schnell passiert: Ein Spaziergang entlang der Klippen … ein Segeltörn im Haifischgebiet … eine Rangelei unter Freunden… manchmal reicht eben ein kleiner Schubs: UPPS! Gemordet wird immer – ob im Urlaub oder Alltag, auf vielfältige Art und Weise!“
Der knackige Titel ist übrigens ein Produkt der Celler Schwarmintelligenz, erzählt die ExCellentin: Er ist auf einem Jour Fixe entstanden. Das Buch ist ein Konglomerat ihres „kriminellen Schaffens“ – angefangen mit ihrem allerersten Krimi von 2004.
Der 2. Band ist schon in Planung. Für Ende 2021. Eine Vorankündigung gibt es bereits: Hinten im Buch.

Auch auf der Bühne gibt es Neuigkeiten: Ab nächstes Jahr geht sie in Zusammenarbeit mit einer anderen Musikkabarettistin ein neues Programm an. – Dazu bald mehr… Augenblicklich jedoch schreibt sie an ihrem ersten Kriminal-Roman. Heute ist sie auf Seite 250. Im Kopf und auf dem Storyboard ist die Geschichte schon fertig. Jetzt muss das Ende nur noch geschrieben werden.
Corona hin oder her, die Kleinkünstlerin geht gerade in die Vollen. Jüngst hat sie sich selbstständig gemacht. Den Anstoß dazu gab ihre Brieffreundin aus Peru: Seit sie elf war, haben sie sich geschrieben. Bei ihrem ersten und einzigen Treffen letztes Jahr in Köln sagte die an Krebs erkrankte Freundin „Ich weiß nicht, wie lange ich lebe. Ich will einfach die Dinge (wie diesen lang gehegten Traum einer Europareise) jetzt tun.“
Die Dinge jetzt tun – das macht Jutta auch. Mit Kuchen und einem Lied auf der Ukulele hat sie sich von ihrem bürgerlichen Job verabschiedet. – Sie braucht ihre Zeit jetzt für was anderes: Ihren Bestseller.

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil V)

Von Turid Müller

Die ersten Theater öffnen wieder – unter herausfordernden Bedingungen. Andere planen den Neustart erst fürs kommende Jahr. Die zweite Welle ist im Anrollen und verursacht bereits erste Absagen. Termine für 2021 werden großzügig auf 2022 verlegt. Und booken tut sowieso kaum einer. – Was machen die Kreativen in solch einer Situation? Hier ein paar ihrer Geschichten…

Foto: Arno Kohlem

Es ist September. Die ersten Schokoweihnachtsmänner bevölkern die Supermarkt-Regale. „Früh genug an Weihnachten denken!“ Das hat auch Celler Kollege Konstantin Schmidt beherzigt. Und dann kam alles anders:
„Mitte März ließ ich 1000 Flyer mit den Terminen für mein Weihnachtsprogramm im Dezember drucken. Kurz darauf begannen die Absagen für die Termine im Frühjahr/Sommer, bei denen ich die Flyer verteilen wollte. Pech! In Mai und Juni stemmten sich zwei Veranstalter mit Streaming-Terminen gegen die Krise. Bei einem Termin gab‘s sogar etwas Gage. Immerhin.

Im Juli dann der erste Live-Auftritt unter Corona-Bedingungen – sogar in einem geschlossenen Raum. Die zwei Openair-Termine im August fanden auch tatsächlich statt. Die Zuschauer hatten Spaß und ich auch. Wäre ich Zuschauer, fände ich den vielen Platz um mich herum gar nicht schlecht. Ich sitze nicht gerne wie die Sardinen in der Büchse.

Hut ab vor den Veranstaltern, die die Termine irgendwie durchziehen! Sie nehmen die Kontaktdaten auf. Sie achten auf die Sitzordnung mit Abstand. Sie scheuen den Aufwand nicht, am Platz zu bedienen, statt die Gäste anstehen zu lassen. Sie desinfizieren Hände und Flächen.“
Ein Thema, das im Alltag für uns alle neu ist – und so auch im Bühnenberuf – ist der Respekt der Corona-Maßnahmen und die Kommunikation rund um diese neuen Regeln des An- und Abstands: „Interessant ist, dass viele Gäste es nicht schaffen, einen etwas größeren Abstand zu halten, wenn sie mich, den Künstler, hinterher noch ansprechen. Es wäre doch ein leichtes auf einsfünfzig Abstand ein Gespräch zu führen“, berichtet der Klavierkabarettist aus seinem frisch gewonnenen Corona-Erfahrungsschatz. „Aber die meisten unterbieten das. Selbst als ich mal demonstrativ einen kleinen Satz zurück gemacht habe, wurde der Landgewinn sofort wieder ausgeglichen. Ich will mich nicht aufregen. Ich bin ja froh, dass Leute kommen. Ich sage mir, die sind so begeistert von mir, dass sie mich fast abknutschen wollen. Das tröstet etwas.

Und der Herbst/Winter mit meinem Weihnachtsprogramm? Nun, allmählich äußern sich die Veranstalter. Die einen sagen, dass es unter diesen Umständen nicht geht. Die anderen haben ein Konzept nach dem es doch geht. Oft mit weniger Mindestgage und oft in größeren Räumen. Mal sehen. Vielleicht habe ich diesen Dezember wider Erwarten viel Muße mich mental auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Viel Gage wäre mir allerdings lieber.“

Foto: Simone Graph

In dieser für die Kultur schwierigen Zeit wollen Sandra Niggemann (Celler Schule Jahrgang 2014) und Mario Rembold (Celle 2015) was zurückgeben. Darum haben sie eine Spenden-Aktion an den Start gebracht: Aus dem gesammelten Videomaterial für ihre jährliche Benefiz-Show ist ein Online-Channel geworden, der Finanzspritze für das Heimattheater Pantheon und Öffentlichkeit für alle Kreativen im Lineup der Veranstaltung sein möchte: „Für diese Playlist zahlt sich nun aus, dass Sandra dafür gesorgt hat, dass die Shows auch auf Video aufgezeichnet werden – übrigens von Thorsten Franzen, falls mal jemand eine professionelle Hand an der Kamera sucht“, erzählt Mario Rembold. „Bei Lach mal was mit wünschdirwas steht der schöne Abend für das Publikum im Mittelpunkt.“ Gründerin Sandra Niggemann hat einen Weg gefunden, „dass das Publikum auf unterhaltsame und bewegende Art und Weise etwas über den Verein wünschdirwas erfährt.“ Neben Sandra Niggemann und Mario Rembold sind auch andere Excellent*innen schon dabei gewesen: Allen voran Matthias Reuter. Aber auch ich hatte schon das Vergnügen.

Fotografin: Susa Lie

Hohen Einsatz für die Kreativ-Branche bringt auch Motion-Designerin Sylvia Nitzsche (Celle 2007): „Die Corona-Krise hat mich als Video-Expertin im digitalen Bereich glücklicherweise nicht so stark getroffen. Aber ich leide mit meinen vielen Künstlerfreund*innen, die nicht auftreten können. Ich habe überlegt, wie ich helfen kann. Erstmal habe ich Online-Tickets für Konzerte gekauft. Dann sah ich die Petition des VSGD, die eine Verlängerung und faire Ausgestaltung der Corona-Hilfen für alle Selbstständigen forderte.“ Also hat sie dazu ein Erklär-Video animiert, um mehr Menschen die Botschaft zu übermitteln. – Mit erfreulichem Ergebnis: Die Petition war mit über 50.000 Mitzeichnern erfolgreich und wird bald im Bundestag behandelt.
In ihrem neusten Projekt Warum ich lieber am Computer arbeite, als auf der Bühne zu stehen möchte Sylvia Nitzsche mit Info-Grafiken versuchen, auf die Missstände im Künstler-Beruf hinweisen.

Gut so! Es ist höchste Zeit. Denn die gegenwärtige Krise zeigt mal wieder deutlich, dass die Kulturschaffenden keine wirksame Lobby für ihre Belange haben.

 

 

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil IV)

Von Turid Müller

Die einen machen wieder auf, die anderen machen pleite. Und das Sommerloch schließt nahtlos an den Shutdown an. Was bedeutet das für die einzelnen Kreativen? – Ein paar Einblicke…

Corinna Fuhrmann (© Paul Zimmer)

„Ich muss ehrlich sagen, mein Kopf war die ersten Wochen lang absolut leer“, berichtet Corinna Fuhrmann (Celler Schule 2017). Als Lucy van Kuhl steht sie sonst mit ihren Klavier-Chanson-Kabarett-Programmen auf der Bühne. „Ich wollte nicht auf den Zug der Live-Streaming-Konzerte aufspringen und hatte das Gefühl, alles, was ich bislang geschrieben habe, sei banal. Dann kam endlich die Lust aufs Kreativsein zurück, die Lust aufs unbeschwerte Schreiben.“
Dreieinhalb Monate lang ist sie in ihrer Wahlheimat, in der Provence: „Man denkt sofort: Urlaub! Aber hier herrschten ziemlich strenge Ausgangssperren. Das hat mich an manchen Tagen sehr deprimiert. Aber immerhin gehöre ich nicht zur Risikogruppe. Ich habe mich gefragt, wie es wohl den alten Menschen geht, für die jeder Tag unendlich viel Wert sein muss und die diese kostbaren Tage gerade nicht leben dürfen. Daraus ist das Lied Liebe Omama entstanden. Gecoacht hat es mein Freund Jonas Pätzold, der mit mir 2017 in Springe war. Durch das Schreiben und Aufnehmen des Liedes ist meine Motivation zurückgekommen.
Mit ihrem Freund Lars Redlich (Celler Schule 2014) ist dann ein Lied über ein weiteres aktuelles Thema entstanden: Abstand. Und der Name ist Programm: „Wir haben es dann nacheinander über 1000 km Entfernung aufgenommen und in einem Video zusammengeführt. Sowas hatte ich vorher noch nie gemacht – also etwas gelernt in der Corona-Zeit…“

 

Karla Feles

Neue Wege beschritten hat auch Karla Feles (Celler Schule 2018). Sie hat den Livestream für sich entdeckt. Was sie in den letzten Monaten erlebt hat, beschreibt sie so:

„13. März 2020, Mathildebar Ottensen, Hamburg. Feli rockt die Mathilde, und keiner weiß, dass der Lockdown ganz kurz bevorsteht und dieses mein letztes Konzert für viele Wochen sein wird. Und dann? Kam Corona mit all dem, was jeder kennt. Und ging es mir schlecht? Kaum mag ich es zugeben: nein. Das einzige, was mir wirklich fehlte, war, meine Kinder umarmen zu können. Ansonsten hatte ich alles: Dach, Essen&Trinken, Nähmaschine, Musik. Da ich aber wusste, dass es manchen in meinem großen Freundes- und Bekanntenkreis anders ging, hab ich mir überlegt, diejenigen mit meinen Liedern aufzumuntern. Und 10 Wochen lang jeden Abend um 18.30h gab es dann im Live Stream auf FB ein Felilied zu hören und zu sehen.
Die Reaktionen waren immer sehr positiv; man drückte Dankbarkeit aus und freute sich auf das nächste Lied. 1 Kommentar machte mich schmunzeln: “ Über deine Lieder kann man ja geteilter Meinung sein, aber dein Outfit war immer top!“ Wer sich da selbst ein Bild machen möchte, schaue einfach in meine Chronik.“
In guter Aufnahmequalität gibt es einen der Songs auch auf YouTube, zusammen mit weiteren Liedern. CD-Aufnahmen sind auch kürzlich gemacht worden: „Hat unglaublich Spaß gemacht!“

Was alles nicht stattfand zu Coronazeiten, will sie lieber nicht aufzählen: „Sonst bin ich doch zu betrübt.“ Lieber konzentriert sie sich auf nächste Pläne. Und gibt uns mit: „Freut euch an eurer Kreativität, füttert sie mit Neuem, lasst euch nicht verdrießen!“

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil III)

Von Turid Müller

Die ersten Lockerungen gibt es schon. Doch noch sind die meisten Kultureinrichtungen geschlossen – oder müssen mit starken Beschränkungen zurechtkommen. Aber die ExCellent*innen schreiben, singen und musizieren weiter…

Credit: Emanuel Klempa

Christin Henkel (Celler Schule 2013) verbringt die „unverhoffte Freizeit durch abgesagte/verschobene Veranstaltungen“ am Klavier. Spontan kam ihr die Idee zu einer Piano-EP mit dem Titel „Dreamscore“: „Auf meinem Instagram-Kanal habe ich dazu aufgerufen, mir persönliche Traumgeschichten zu schicken. Diese möchte ich in Musik verwandeln. Träume vertonen also.“

Außerdem schreibt sie ihr neues Buch. Es erscheint am 21.09. und trägt den Titel Achtsam scheitern // Wie ich die Erde retten und dabei gut duften wollte. – Am 09.10 kommt dann übrigens gleich auch ihr aktuelles Album #infaulenzer raus.

Konstantin Schmidt (Celler-Jahrgang 2011) hofft in seiner Eigenschaft als Bühnenkünstler, der gerade letztes Jahr ein neues Weihnachtszeit-Programm auf die Beine gestellt hat, vor allem, dass es keine zweite Infektionswelle gibt: „Denn nur dann habe ich eine Chance, dass ich im November Dezember mein neues Programm auch wirklich live spielen kann. Auch werde ich einige Nummern umschreiben müssen, um genau das aus dem Programm auszunehmen, was die Kleinkunst ausmacht: die Nähe zum Publikum. Und das ist, wenn man es genau überlegt, ein ganz großer Mist. Aber wem sag‘ ich’s?“

Foto: Arno Kohlem, Karlsruhe

Eigentlich hätte er sich im ersten Halbjahr vor allem um das nächste (ganzjährige) Solo-Kabarett-Programm gekümmert. Aber es kam anders: „Angesichts der unsicheren Lage, habe ich das im März beiseite gelegt. Stattdessen experimentiere ich mit neuen Videoformaten. Mein Ziel, musikalisches Kabarett auch jenseits kompletter Lieder per Video zu machen. Drei Scheinwerfer habe ich schon!“ Zum Glück gibt es bis dahin ein paar Online-Auftritt, zum Beispiel Mittwoch,10.6. um 19 Uhr in der Show Lachen Sie sich schon mal frei, die im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim aufgezeichnet wird. Karten gibt’s über Reservix.

Außerdem hat er etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant in die Entwicklung seiner „Reim-Datenbank“ gesteckt: „Das soll ein Web-Dienst werden, der uns Textdichter beim Schreiben unterstützt, und zwar weit über das reine Finden von passenden Reimwörtern hinaus. Das Projekt ist schon weit gediehen. Erste Testnutzer werden es dieses Jahr in die Finger bekommen. Und wenn alles glatt läuft, geht es 2021 offiziell an den Start.“

Aus dem Musikvideo „Aus der Ferne nah“

Michael Hierer (Celle 2018) hat die Krise zum Glück beruflich nicht so hart getroffen wie einige andere: „In meinem Studium als Keyboarder und Produzent habe ich viel Zeit mit digitalen Medien verbracht und gelernt Einschränkungen (bei allem gebotenem Respekt) als Chancen zu begreifen. Meine Unterrichtstätigkeit habe ich beim Großteil meiner Schüler sehr schnell auf Online-Unterricht umstellen können, der dankbar angenommen wurde. Produktionen u.ä. laufen ohnehin so, dass die Kunden von mir digital beliefert werden. Einzig der Wegbruch des Live-Sektors war schmerzhaft. Die Tour mit Nikolas Müller durch die Republik wäre für mich ein Highlight gewesen, das jetzt warten muss (immerhin haben wir einen wundervollen Live-Stream aus den Münsterland-Studios gespielt). Auch mit Turid Müller (Jahrgang 2016) hätte ich einige Termine gespielt, die abgesagt werden mussten. Dafür haben wir uns aber kurzentschlossen um unser Duo-Projekt Steife Krise gekümmert, mit dem wir inzwischen mehrere Songs für unsere erste EP geschrieben und produziert haben. Die Finanzierung versucht ihr Glück auf Startnext und freut sich über Unterstützung. Schließlich kreist mein Kopf (und mein Studio) noch sehr um mein Solo-Projekt „Hierer“, mit dem ich am liebsten noch dieses Jahr ein Album vorlegen würde.“
Dieses Jahr hat also – Krise hin oder her – noch Einiges zu bieten. – Lassen wir uns überraschen!

 

 

Das Gedicht des Monats – und ein heißer Tipp: Das Krisenbüro

Fotografin: Sylvie Gagelmann

Zusammengestellt von Turid Müller

Michael Feindler nutzt sein Monatsgedicht erstmals für Werbung – und zwar für ein brandneues TV-Format…

 

Corona und der Lockdown stellen uns als Gesellschaft vor große Herausforderungen. Zu tun gibt es für uns Kreative also mehr als genug. Da ist so Vieles, was im Argen liegt und dringend kommentiert werden müsste: Das Sterben der Kulturszene, die Forderung danach, die „Schwächsten in der Gesellschaft einfach sterben zu lassen“, und das Wiedererstarken mancher alter Denkmuster. Doch gerade jetzt gibt es zu wenig Bühnen dafür. Wir schaffen uns daher neue, virtuelle. So auch Michael Feindler. Darum gibt es in seinem aktuellen – und wie immer mit spannenden Links gespickten – Newsletter diesmal einen…

 

 

TV-Tipp in eigener Sache

Ich wünscht, man hätte mich gebeten,
gleich morgen wieder aufzutreten
und mit der Bahn herumzureisen
zu Bühnen, die zur Zeit verwaisen.
Doch das ist aktuell nicht drin.
Ich akzeptiere Grund und Sinn,
bemerke aber immer wieder:
Ich brauch für Kabarett und Lieder
ein so genanntes Publikum,
sonst bleiben meine Worte stumm;
ein Vers erwacht erst dann zum Leben,
kann ich ihn munter weitergeben.

Es bleibt ein Trost (obgleich ein schwacher):
Für Poesie und feine Lacher
konnt ich mit einigen Kollegen
im Fernseh’n kürzlich was bewegen.
Und so empfehle ich als Wink
mit einem Zaunpfahl diesen Link:
Das Krisenbüro – Drei Satiriker off Stage | MDR

Schlagerstern in Gold für den Fernando Express – und wie man aus Mangos einen Tango macht

2020 vergab Radio Schlagerrallye (www.schlager-rallye.de) bereits zum 16. Mal die Awards für die Titel, die in der sendereigenen Hitparade im gesamten Jahr am erfolgreichsten waren.

Mehr als 500 Songs wurden vorgestellt. Der begehrte Schlagerstern in Gold ging an Fernando Express für „Tango unter Palmen“ – in diesem Jahr leider ohne Preisverleihungsgala. Groß ist die Freude trotzdem – vor allem bei Bandleader Josef Eisenhut.

Ilona Boraud und Josef Eisenhut

Seine musikalische Idee hatte er ein gutes Jahr zuvor an Ilona Boraud geschickt, die schon die Ballade „Sternschnuppennacht“ getextet hatte (Musik: Christof Bergman). Die ExCellentin (Celler Schule 2015) schrieb zunächst über „Mangos unter Palmen“, doch Josef Eisenhut hatte die Idee – passend zu den „Königen der Tanzpaläste“, wie der Fernando Express auch genannt wird – daraus „Tango unter Palmen“ zu machen. Kurzerhand wurde umgetextet.
Und das hat sich gelohnt!

Übrigens stammt auch der Titelsong des Albums von einem Absolventen der Celler Schule: Alexander Scholz (Celler Schule 2013) Im August 2019 wurde „Tango unter Palmen“ vorab als Single ausgekoppelt und war in zahlreichen Hitparaden vertreten, darunter eben auch die Schlagerrallye, wo der Song viermal hintereinander Platz 1 belegte.

Dank seiner treuen Fans – und einem treffsicheren Blick für ihr Autorenteam – ist der Fernando Express auch über 35 Jahre nach Bandgründung aus dem Schlager nicht wegzudenken.
Das muss Heidi, Hans und Josef erst einmal jemand nachmachen!
Wir gratulieren!

 

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil II)

Von Turid Müller

Was machen eigentlich die Absolvent*innen der Celler Schule jetzt, wo die Spielstätten geschlossen sind? – Weiter! Aber oft auf anderem Wege…

Isabel Arnold und ihr neuer „Bühnenkollege“

HüperBel alias Isabel Arnold (Celler Schule 2019) bringt es auf den Punkt:
Was sie daheim in den Wahnsinn treibt, ist:

1)Stundenlange Telefonkonferenzen mit den Kollegen zu Fragen, die man normalerweise schnell mal im Büro bei einem Kaffee klärt

2)Die Kinder bei Laune halten, die natürlich viel lieber ständig Xbox spielen als Hausaufgaben zu machen.

3)Nicht selber Xbox ständig spielen können

Allerdings hat sie selbst in dieser Krise, wie sie sagt, eher kleine Sorgen und verrät, was ihr gut tut:

1)einen Bürojob zu haben und damit das Privileg, die eigene Existenz gerade nicht in Gefahr sehen zu müssen

2)den Freund als Bühnen- und Produktionspartner zu entdecken

3)mit dem Internet die ganze Welt erreichen zu können“

Jutta Wilbertz – Mord ist mehr als nur ihr Hobby

Wie sie dazu kommt? Sie plaudert aus dem Nähkästchen:

„Auf einmal waren wir jeden Abend daheim, kein Improtheater mehr spielen, Kein Stand-Up, kein Kabarett, nüscht. Man kann ja nicht ständig Xbox spielen. Comedy Kollege Berhane Berhane hatte die Idee, in einem Instagram Livestream ein paar neue Jokes zu testen, was eigentlich ganz gut funktioniert hat. Ich hatte dafür fix einen Quarantäne Macarena zusammengeschustert und den danach ins Netz gestellt. Den hatte ich dann – eigentlich nur als Sprachübung – ins Dänische übersetzt. Aber ein gelangweiltes Wochenende später hatten mein Freund und ich die Version aufgenommen und samt Video ins Netz gestellt. Ich glaube, das war zumindest auf Facebook mein bisher erfolgreichstes Video – mit deutschen Untertiteln.“
Auch Jutta Wilbertz (Celler Schule 2011) treibt sich vermehrt im Internet rum. Nicht nur zur Akquise neuer Gigs, sondern sozusagen auch in „krimineller Mission“ – sie schreibt Krimis. Aber natürlich auch neue Songs – wie zum Beispiel die Couch-Schnecke, in der sich vermutlich die Eine oder der Andere wiedererkennt… Und manchmal mischen sich auch ihre beiden kreativen Lieblingsfelder – und dann kommt ein Krimi-Song dabei raus.
Katie Freudenschuss (Celler Schule 2008) äußert sich im Rahmen von Livestreams und Challenges zur Situation. Zum Beispiel unter dem #weiterlachen beim WDR, bei Schmidt FLYX im SR2 Kulturradio und an der Seite von Gerburg Jahnke im Ebertbad Oberhausen. Heute (03.05.2020) um 19 Uhr gibt es dort auch ihr Solo zu sehen. Dienstag ist sie zu Gast in der Anstalt. Und Ende Mai / Anfang Juni erscheint ihr neues Album, das sie live im Schmidtchen aufgezeichnet hat.

Katie Freudenschuss – Viel unterwegs

Einige macht die Krise Erfinderisch und experimentierfreudig. So zum Beispiel Jens Wenzel (Celler Schule 2016): „So mies, wie diese Krise auch ist, hat sie für mich auch einige neue Impulse gebracht. Ich habe das Live-Streaming für mich entdeckt, da ich meine Show trotz des „Auftrittsverbots“ durchführen wollte und es mich gereizt hat, mit einfachen Mitteln meinen eigenen kleinen „Fernsehsender“ an den Start zu bringen. Ich bin zwar eher Audiomensch und kamerascheu, aber vor allem die Improszenen in meiner Show funktionieren besser, wenn man die Schauspieler*innen auch sieht.

Jenz Wenzel – Finale vom 1. Livestream

Ich plane gerade ein abgespecktes Format meiner Show, „Gerührt und geschüttelt – light“, in dem ich verschiedene Künstler vorstellen werde.
Außerdem unterstütze ich die Leute vom BühnenRausch beim Live-Streaming, so streamen wir morgen die Online-Dating-Improshow „Fake It“ auf Facebook. Auch wenn ein Live-Stream keine Bühne ersetzen kann, wichtig ist es einfach, kreativ zu bleiben und sich nicht von einem Virus ins künstlerische Handwerk pfuschen zu lassen.“
Wer die Premiere von Jens‘ Streaming-Aktivitäten sehen möchte, kann das hier. Improtheater, Musik, Talk – es ist eine bunte Mischung und funktioniert tatsächlich alles auch online.
Also: Wir sind und bleiben kreativ. Trotzdem ist bei weitem nicht alles rosig. Die staatlichen Hilfen haben zuweilen mehr Lücken als Netz. Die Gratis-Kunst im Internet könnte die Preise auf dem umkämpften Kulturmarkt noch weiter drücken und die Lage für alle noch prekärer machen als sie ohnehin schon war. Und auch die Dinge, die wir uns anhören müssen, sind seit der Krise nicht besser geworden. Zum Umgang mit uns Kreativen habe ich neulich mal in gereimten Worten Stellung bezogen. Das taugt vielleicht als Schlusswort.

ExCellent durch die Krise – Kreative Wege in Zeiten des Lockdown (Teil I )

Von Turid Müller

Was machen eigentlich die Absolvent*innen der Celler Schule jetzt, wo die Spielstädten geschlossen sind? – Weiter! Aber oft auf anderem Wege…

Mario Rembold

Mario Rembold, Celler Schule 2015, ist (im bürgerlichen Beruf) Wissenschaftsjournalist. Er betrachtet den Ausnahmezustand durch die Brillen seiner beiden Professionen, die auf unterschiedliche Weise vom Shutdown betroffen sind: „Mein Song Tausend Smileys und ein Herz entstand im heimischen Wohnzimmer (Wo sonst?). Was mach ich sonst so? Als Wissenschaftsjournalist schreibe ich und telefoniere auch schon mal mit Forschern. Da ich meist zuhause arbeite, ist das keine große Umstellung. Sorgen habe ich trotzdem, was meine Auftragslage in naher Zukunft betrifft. Vieles wird sich ja ändern, für jeden von uns. Erstmal ist wichtig, gesund zu bleiben und die Menschen um uns zu schützen.“

Aus professioneller Sicht aus der Welt der Wissenschaft hat er einen Wunsch: „Leider gibt es in den digitalen sozialen Netzen derzeit massenhaft selbsternannte Experten, die mit gefährlichem Halbwissen fragwürdige Thesen verbreiten und damit Klicks generieren. Als Wissenschaftsjournalist wünsche ich mir jetzt, dass wir ausnahmsweise mal alle auf die seriösen Stimmen hören.

Melvin Haack

Als Songschreiber und Bühnenbiologe will ich aber auch, dass wir dabei unseren Mut und Humor behalten. Momentan ist das Wichtigste: Meidet soziale Kontakte! Damit schützt ihr euch und eure Lieben. Aber hey: Ihr dürft trotzdem Spaß haben, mit Freunden videochatten, lustige Videos anschauen oder selber filmen. Seid kreativ oder fahrt einfach mal runter. Es gibt eine Welt nach SARS-CoV-2. Bis dahin lasst uns die Menschen um uns herum schützen, lasst uns gesund bleiben – damit es für all unsere Lieben auch ein Leben nach Corona gibt.“

Melvin Haack, Celler Schule 2016, ist in Wohlstandsquarantäne. Diese gibt ihm und seiner Band Schnaps im Silbersee aber ganz offenbar Zeit für neue Musikvideos.

Und da ist er nicht allein. Viele Kreative stehen statt auf der Bühne zurzeit im Netz.

Michael Krebs

So zum Beispiel auch Michael Krebs, Celler Schule 2003. Er hat einen Online-Channel live aus dem Wohnzimmer ins Leben gerufen, um in Kontakt mit seinem Publikum zu bleiben, und mich damit auf die Idee zu diesem Artikel gebracht. Er hat übrigens seit Neustem in einen Spuckschutz auf dem Flügel investiert. – Ich zitiere: „Irre, was man alles schafft, wenn mal mal gar nichts tut!“

Dagmar Schönleber, Celler schule 2018, ist in der Krise regelmäßige Gästin in der Geistershow vom Hoftheater Baienfurt, Samstags 20:15. Dort spielt sie das Lied der Woche zur Lage der Nation. Und sie war im WDR-Portal #weiterlachen zu sehen. Zur Frage, was sie von einem eigenen Live-Channel hält, sagt sie: „Ich selbst bin noch nicht live gegangen, werde das auch vorerst nicht tun, da ist dieses Überangebot und ich würde das jetzt auch nicht exzessiv betreiben wollen…“

Dagmar Schönleber (Foto: Ralf Bauer)

Stefan Noelle, Celler Schule 2009, sieht die neuen Blüten, die die Kulturszene in Corona-Zeiten im Internet treibt, kritisch: „Ich nutze die freiwerdende Zeit vor allem zum Üben. Mich zu verbessern, damit ich nach der Krise im Zweifel noch mehr gefragt bin, ist immer ein gutes Ziel. Zum Schreiben fehlte mir bis jetzt die Muße, denn Verschiebungen und Umbuchungen erfordern Zeit. Skeptisch bin ich gegenüber dem ganzen freien Content, der jetzt von uns Kreativen massiv ins Netz gedrückt wird. Ich halte das für eine gute Möglichkeit zur Klientelpflege, bezweifle aber stark, dass das tatsächlich eine dauerhafte wirtschaftliche Grundlage für ganz viele sein kann. Im Gegenteil befürchte ich da eher eine weitere Entwertung unserer Arbeit, wenn wir jetzt massenhaft zeigen, dass wir alle bereit sind, ohne Bezahlung schöne Sachen zu machen. Unser Publikum darf uns ruhig ein bisschen vermissen, oder? Dann will es uns danach um so mehr wiedersehen.“

Und ich (Celler Schule 2016, by the way)? Ich habe keine Lust, mich durch vermeintlich unbürokratische Anträge und dergleichen zu arbeiten. Und ebenso wenig möchte ich, dass die kreative Selbst- und Frendausbeutung nun online fortgesetzt wird (Stichwort „Honorar können wir leider nicht zahlen, wir zahlen ja schon das Kamera-Team…“). Lieber mache ich aus der Not eine Tugend und freue mich, endlich Zeit zu haben: Ich schreibe an meinen Musical-Projekten, und sitze an neuen Songs für mein Programm. Mein persönliches Experiment heißt „Crowdfunding„: Dieser Tage startet ein Blog, der meine virtuelle Bühne sein wird in dieser Zeit. Wer will, kann sich gratis inspirieren lassen. Wer möchte kann aber auch solidarisch sein und spenden. Wofür: Für neue Gedichte, Geschichten, Sprüche und Songs, die uns online durch die Tage der Isolation begleiten, und die hinterher auf die Bühne kommen. Dann, wenn es wieder geht. Und bis dahin gilt: #wirbleibenzuhause

 

 

Konnst du mi hern

von Turid Müller

Aktuelle Single der Hundskrippln: Eine Rockballade über den Tod.

Die Mundart-Band ist eigentlich „für fetzige bayrische Lieder bekannt“. Doch die aktuelle Single hat eine ganz andere Note: Es geht um den Tod. Und um die Frage: Was passiert danach?

Als Nordlicht mag man sich fragen: Was ist das eigentlich? Hundskrippln? Die Website der bayrischen Boygroup liefert Antworten: „Hundskrippln ist ein bayerisches Schimpfwort für einen gerissenen, gemeinen Kerl oder die Bezeichnung für ein ungezogenes Kind.“ So versteht sich auch der Kommentar der Stadlpost zur Single: „Die Hundskrippln werden erwachsen“!

Leadsänger Manuel Peisker ist der Haupt-Texter des neuen Songs. Matthias (Hias) Riegler – Celler Schule 2019 – hat bei dem Song das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Kameramann war Lukas Plöchl aus Österreich. Schnitt: Thomas Eberl (der Gitarrist). „Konnst du mi hern“ ist die erste Single vom zweiten Album. Es wird im Herbst erscheinen. Es ist der erste Song, den die Band bei Erwin Bader aufgenommen hat, einem Produzenten aus Wien. Bekannt ist Bader unter anderem durch das Erfolgsduo ‚Pizzera&Jaus‘. Auch hat er die ESC-Gewinnerin Conchita Wurst produziert.

„Es gab trotz des traurigen Inhalts beim Dreh immer mal wieder Momente, an denen wir rumgeblödelt und gelacht haben,“ erzählt Hias. „Ich denke es ist auch wichtig bei so einem traurigen Song, da man sich sonst irgendwann gegenseitig runterzieht. Gleichzeitig ist es aber genauso wichtig, sich wenn die Kamera läuft dann wieder schnellstmöglich in die Lage zu versetzen, um das Ganze auch authentisch und glaubwürdig rüber bringen zu können.

Ich selbst spiele ja den Verstorbenen im Video. Ich wurde oft gefragt, ob es denn nicht schwierig sei, da sein eigenes Sterbebild anzuschauen und einen Toten zu spielen. Ich empfand das aber nicht als schwierig, da für mich hier der künstlerische Aspekt im Vordergrund steht. Die Musik und auch eventuell dazugehörige Videos sind einfach Emotion pur, egal ob fröhlich, traurig oder sonst was. Das ich persönlich dann eben diesen jenen gespielt habe steht für mich völlig im Hintergrund.“

Dem emotionalen Video werden Worte aber nur begrenzt gerecht. „Gänsehautmomente“ müsst Ihr Euch selbst abholen. Schaut mal rein! – Ihr seid nicht die Ersten. Das Video hat schon eine beachtliche Anzahl von Views.- Der Tod geht uns eben doch alle an.