Lennart Schilgen gewinnt Prix Pantheon

 

So sehen Sieger aus: Lennart Schilgen (2. v. l.) freut sich mit Martin Frank, Olli Dittrich und Moderator Tobias Mann.
So sehen Sieger aus: Lennart Schilgen (2. v. l.) freut sich mit Martin Frank, Olli Dittrich und Moderator Tobias Mann.

von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Der Prix Pantheon ist einer der renommiertesten Kabarett- und Satirepreise und gilt als Karriere-Sprungbrett für die Newcomer der deutschen Kleinkunstszene. In diesem Jahr kann sich der Berliner Liedermacher Lennart Schilgen über den Jury-Preis in der Kategorie „Jung und verdorben“ freuen. „Ich bin stolz wie Bolle“, ließ Lennart seine Fans via Facebook wissen. Wir, die Kollegen der Celler Schule, gratulieren auf das Herzlichste.

„Lennart Schilgen zeigt uns, wie leise man schreien und wie eindrücklich man flüstern kann“, begründete die Jury unter Leitung von Susanne Pätzold die Preisvergabe. „In kunstvoll gebauten Liedern präsentiert er seine ebenso kunstvoll gebauten Verse. Mit fragendem  Blick, als wäre er über die Welt, die er besingt, selbst erstaunt, zeigt er uns mit wunderbarer Präzision, was Jäger und Reh unterscheidet und wie tief das Gefühl bei der Suche nach einem  Kaugummipapier sein kann. Mit kleinen Beobachtungen zu großen Gefühlen berührt, belustigt und beseelt er sein Publikum.“ Zehn Nachwuchskünstler und -künstlerinnen ritterten um die begehrte Trophäe. Ins Finale zogen neben Lennart Schilgen Miss Allie, Christoph Fritz, Shahak Shapir und Martin Frank ein.

Während Lennart Schilgen die Juroren überzeugen konnte, hatte Martin Franz in der Zuschauergunst die Nase vorn und ging in der Kategorie „Beklatscht &  Ausgebuht“ (Publikumspreis) als Sieger hervor. Der Ehrenpreis in der Kategorie „Reif und bekloppt“ wurde an den Schauspieler, Komiker, Komponisten und Musiker Olli Dittrich verliehen. Das WDR Fernsehen und WDR 5 übertrugen das Halbfinale und Finale, das von Tobias Mann, Publikumspreisträger 2008, moderiert wurde, zeitversetzt am vergangenen Wochenende. Wer die Sendungen verpasst hat, kann sie hier nachsehen.

Das Pantheon-Theater in Köln vergibt den Prix Pantheon seit 1995, feierte heuer also das 25-Jahr-Jubiläum. Der Nachwuchs-Preis ist mit 3000 Euro dotiert. Hier ein kleiner Auszug aus der Preisträgerliste: Jess Jochimsen (1999), Rainald Grebe (2003), Hagen Rether (2004), Ohne Rolf (2007), Maxi Schafroth (2013), der diesjährige Fastenprediger vom Münchner Nockherberg, und Lisa Eckhart (2017).

Lob von oben

Gedicht des Monats thematisiert wöchentliche Demos

Von Turid Müller

„Autistin!“ „Schulschwänzer!“ „Arme Greta!“ – Die Klima-AktivistInnen und ihre Galionsfigur müssen sich in den Medien viel gefallen lassen. Auch, dass sie vor die Karren derer gespannt werden, die an den Hebeln der Macht (aus)sitzen…

Die „Fridays for Future“-Demos und ihre Ikone Greta Thunberg werden heftig diskutiert: Die einen freuen sich, dass die Jugend von heute doch noch vom Smartphone aufblickt und eine politische Ader zeigt. Die anderen sorgen sich um die Vernachlässigung der Schulpflicht. So oder so: Die Klimaschutz-Maßnahmen der Bundesregierung seien jedenfalls nicht ausreichend, um den Klimawandel zu verhindern, mahnt Michael Feindler in den begleitenden Zeilen im Newsletter. Da gäbe die Wissenschaft den SchülerInnen Recht. Aber auch aus der Politik gibt es mitunter Zustimmung für die jungen Menschen, die jeden Freitag auf die Straße gehen, um ihre Zukunft und unseren Planeten zu retten. Und so lässt Feindler in seinen Versen die Alten und Mächtigen ein zweifelhaftes Loblied singen:

Lob von oben

Lauscht, wie Ihr noch nie gelauscht,
wenn Euch unsereins nun schwört,
dass er sich daran berauscht,
wenn er Eure Worte hört!

Sprecht, wie Ihr noch nie gesprochen,
wollt Ihr ins Gewissen reden,
über Wochen ungebrochen –
ob in Deutschland oder Schweden!

Steht, wie Ihr noch nie gestanden,
zu dem Ziel, die Welt zu retten,
dass Versprechen nicht versande
n
in „Wir müssten, sollten, hätten …“

Ruft, wie Ihr noch nie gerufen,
schwächelt nicht beim Protestieren,
um Alarm auf höchsten Stufen
öffentlich zu zelebrieren!

Denkt, wie Ihr noch nie gedacht,
kämpft für Eure Utopie
laut und klar, bevor es kracht!
Seht: Wir unterstützen sie!

Aber lasst uns uns’re Macht.


Erich Sellheim goes Punk

von Erich Sellheim (Celler Schule 2012)

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Erich-Sellheim-vor-Wand-745x1024.jpg

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Man muss es realistisch sehen: Einen auch nur halbwegs glaubwürdigen Irokesen kriege ich mit meiner verbliebenen Haarpracht nicht mehr hin, und Anarchie herrscht bei mir höchstens im Besteckkasten. Welche Möglichkeiten bleiben also, es dem faschistischen Schweinestaat so richtig zu geben? Na klar: Songs für Punkbands schreiben. Und mein Text zur Trennungshymne „Vergeben / vergessen“ hatte offenbar genügend Street Cred, um es auf das neue Album der Uralt-Meister „Lustfinger“ zu schaffen. Drei Paletten Karlsquell auf Punk-Guru Tobi, der den Kontakt herstellte!

Und hier der Text:

VERGEBEN / VERGESSEN

Das war unsre letzte Schlacht
Und ich stolper durch die Nacht
Ohne Plan, weiß nicht woher und nicht wohin
Einfach war es mit uns nie
Doch es ging schon irgendwie
Und nach jedem Abschied kam ein Neubeginn

Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das mit uns ging endlos tief
Selbst im Glück hoch explosiv
Höchstens ein, zwei Ecken bis zum nächsten Streit

Denn du warst mein Gegenteil
Gerade das war geil
Fest verschworen und die Taschen voller Zeit

Wir warn Schwefel, wir warn Pech
Doch das hat sich bald gerächt
Du bist weg, und Pech ist alles, was mir bleibt

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das war unsre letzte Schlacht
Und wer hätte das gedacht
Dass ich mit dem Herzen auf der Staße steh?

Gottverlassen steh ich hier
Mit dem Film von dir und mir
Den ich Tag und Nacht in meinen Träumen seh
Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das war unsre letzte Schlacht
Und ich stolper durch die Nacht
Ohne Plan, weiß nicht woher und nicht wohin
Einfach war es mit uns nie
Doch es ging schon irgendwie
Und nach jedem Abschied kam ein Neubeginn

Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein
.

Das mit uns ging endlos tief
Selbst im Glück hoch explosiv
Höchstens ein, zwei Ecken bis zum nächsten Streit

Denn du warst mein Gegenteil
Gerade das war geil
Fest verschworen und die Taschen voller Zeit

Wir warn Schwefel, wir warn Pech
Doch das hat sich bald gerächt
Du bist weg, und Pech ist alles, was mir bleibt

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein

Das war unsre letzte Schlacht
Und wer hätte das gedacht
Dass ich mit dem Herzen auf der Staße steh?

Gottverlassen steh ich hier
Mit dem Film von dir und mir
Den ich Tag und Nacht in meinen Träumen seh
Aber diesmal ist es mehr
Es gibt keine Wiederkehr
Ich lauf weg vor mir und häng doch mittendrin

Vergeben, vergeben
Ich werd es sicher überleben
Nicht alles kann für immer sein
Vergeben, aber nicht vergessen
Wir hab’n ein Himmelreich besessen
Zur Hölle, jetzt geh ich den Weg allein


Platz 1 und 2! – Celler Schule ganz vorn in den Rundfunk-Hitparaden … und mittendrin…

Von Turid Müller

Tobias Reitz und Alexander Scholz sind als Textdichter von Schlager & Volksmusik auf Platz 1 und 2 der Jahresbilanz 2018 im Bereich Hörfunk.

In der Publikation des Musikpressedienstes vom 14.Dezember 2018 belegen die beiden ExCellenten in der Kategorie Rundfunk den ersten und zweiten Platz. Tobias Reitz liegt mit 573 Platzierungen ganz vorn und Alexander Scholz mit 391 dicht auf. Eine Flut von Glückwünschen füllt die Kommentarzeilen auf Facebook. Und Ilona Boraud merkt an, dass auch zahlreiche SchülerInnen von Tobias Reitz und Edith Jeske auf der Liste vertreten sind: „Irgendwas musst du richtig machen!“ schreibt die Songtexterin, die das aus eigener Erfahrung weiß, weil sie selber Absolventin der Celler Schule ist. Und tatsächlich! In der Tabelle finden sich zum Beispiel auch: Jonathan Zelter, Simone Altenried,  Lukas Hainer, Marcel Brell, Andreas Zaron und „Fly“ Martin Fliegenschmidt
Herzlichen Glückwunsch an alle Platzierten (und an die Celler Schule)!

Unsichtbar: Kinder & Jugendliche in Pflegeverantwortung

Von Turid Müller

Sie leben mitten unter uns. Und doch ist den Wenigsten bewusst, dass es sie gibt: Junge Pflegende. Eine Initiative setzt sich nun dafür ein, sie in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen. Ein Lied soll dafür sorgen, dass nicht nur der Kopf, sondern auch die Gefühle angesprochen werden.

Es ist das erste Mal, dass ich vor einer Fernsehkamera stehe, die sich nicht jenseits der Bühne im Publikum versteckt. Sie wird direkt vor meiner Nase sein. Etwas nervös steige ich mit Hanneli Döhner aus dem Taxi, das uns zum Drehort bringt: Der Wohnung von Julika Stich, der Gründerin von Young Helping Hands. Die Dokumentation, die heute um einige Szenen bereichert wird, bringt einen Beitrag über sie. Über ihr Leben, ihre Geschichte und ihr Engagement. In der Sendung wird es um junge Pflegende gehen. Eine Menschengruppe, die in Deutschland fast vollkommen untergeht. Sogar in Politik und Wissenschaft!

Die Tür schwingt auf und schon geht es los: Als ich Julika Stich und Janine Adomeit endlich persönlich kennenlerne (bislang haben wir lediglich telefoniert und gemailt) hängt bereits eine Tonangel über uns. Aber was sich in den ersten Minuten anfühlt wie Beobachtet-Werden, wird bald zur Gewohnheit. – Nicht zuletzt auch Dank des feinfühligen Film-Teams. Rund um die gemütliche Sitzgruppe entspannen wir uns in ein wirklich bewegendes Gespräch. Mein Wille, mich für diese Sache als Botschafterin einzusetzen, wächst immer mehr: Unfassbar, dass statistisch gesehen in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder betroffen sind! Und niemand weiß davon! Und das mit schwerwiegenden Folgen: Statt den Kids zu helfen, drohen Strafen für nicht gemachte Hausaufgaben und Schulschwänzen! Höchste Zeit, das öffentlich zu machen! – Und dafür sind wir schließlich hier.

Als erstes stimme ich mit meiner Morgenstimme und noch etwas wackelig in der vorm Frühstück erdachten Melodie den Song an, den ich am Vortag getextet habe. Die Reaktion überwältigt mich: Glänzende Augen. Ich bin sehr glücklich, dass es mir offenbar gelungen ist, die Essenz einzufangen. In Telefonaten und Mails mit Julika Stich und Janine Adomeit und mit Hilfe der bereitgestellten Informationen habe ich das für mich recht unbekannte Thema erforscht und in zwei Strophen, zwei Refrains und einer Bridge gebündelt. Gemeinsam diskutieren wir den Text und seine Wirkung. Die Musik soll ein Weg in die Herzen sein. Informationen allein sind nicht genug, um Menschen zu erreichen. Um sie zu bewegen braucht es mehr als den Kopf.

Es entspinnt sich ein Gespräch über die Wege der Öffentlichkeitsarbeit, die wir gemeinsam angehen wollen. Über die Probleme des Pflegesystems, das bislang oft übersieht, dass zu pflegende Personen Kinder haben, die ebenfalls Unterstützung benötigen. Und über die weiteren Dreharbeiten. Denn nach der ersten Ausstrahlung am 24.03. um 17:30 in der ARD in der Reihe Echtes Leben wird eine weitere, umfangreichere Version gesendet werden.

Wer vor März schon mal ein bisschen rein gucken möchte, kann das übrigens online tun: Auf der Facebook-Seite finden sich ein Einblick in die Dreharbeiten und viele informative Beiträge zum Thema. Teilen ist ausdrücklich erwünscht. Den es geht ja darum, #youngcarers ins Gespräch zu bringen. Und das scheint wirklich bitter nötig: Meine Facebook-Posts dazu jedenfalls haben so viel Resonanz erlebt wie selten zuvor! Es stimmt wohl wirklich: Viele Menschen haben etwas Ähnliches erlebt. Und viele von ihnen haben lange dazu geschwiegen. Die Gründe sind vielfältig. Aber so oder so scheint Austausch ein Bedürfnis zu sein. ‚Sorgen wir dafür‘, nehme ich mir vor, ‚dass Junge Pflege kein Tabu mehr ist!‘ – Nur dann ist es möglich, betroffene Familien angemessen zu unterstützen.

Als ich an diesem Tag nach Hause komme, habe ich viel gelernt. Ich bin berührt von der geballten Power, die ich heute erleben durfte. Und wild entschlossen, mein Amt als Botschafterin gut auszufüllen. Außerdem habe ich etwas über mich verstanden: Das ist mein Ding, meine ganz spezielle künstlerische Nische: Durch die seelische Brille, die ich als Psychologin nun mal aufhabe, auf politische und gesellschaftliche Verhältnisse blicken. Die Erlebnisse Betroffener in eine Form bringen, die sie mit ihren Erfahrungen abholt und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Ich bin Dolmetscherin, die mit Texten und Tönen um Verständnis wirbt. Musikalische Lobbyistin für diejenigen, die in unserer Welt keine Lobby haben.

Hans Hee im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)
Die ersten Zeilen des Refrains haften mir seit Schulskikurszeiten im Gedächtnis: „Wasser ist zum Waschen da, fallera und fallera. Auch zum Zähneputzen kann man es benutzen…“ Umso mehr freute es mich, als ich den Texter des vermeintlichen Volksliedes 2006 in Celle kennenlernte. Am 30. Januar hätte Hans Hee, der mit „Sierra Madre del Sur“ eines der erfolgreichsten Lieder der deutschen Unterhaltungsmusik aller Zeiten schrieb und die Celler Schule ins Leben rief, seinen 95. Geburtstag begangen.

WASSER IST ZUM WASCHEN DA
Geboren wurde Hans Hee in Sao Paulo. Sein Vater Hans Hee versuchte in Südamerika mit seiner Frau das große Glück als Restaurantbesitzer, kehrte aber schon 1925 wieder nach Deutschland zurück. So wuchs das strohblonde Hänschen, das in Braslien alle Blicke auf sich gezogen hatte, mit vier Geschwistern in sehr bescheidenen Verhältnissen in der Schwäbischen Alb auf. Als begabter Schüler bekam er zwar ein Stipendium für das Gymnasium, musste aber dorthin barfuß gehen, weil das Geld für die Schuhe nicht reichte.
Als 17-jähriger machte Hee das Notabitur und wurde an die Front geschickt, wo ein Halsdurchschuss ihn fast das Leben gekostet hätte. Nach Ende des Krieges zog er nach Bremen, heiratete und wurde Vater von drei Kindern. Den Lebensunterhalt verdiente er als Polizist, in seiner Freizeit schrieb er Gedichte und Lieder, u.a. für die „3 Peheiros“, die das Publikum mit „Wasser ist zum Waschen da“ und „Susi, sag doch bitte saure Sahne“ zum Lachen brachten. 1959 hängte der Polizeimeister seine Dienstkappe endgültig an den Nagel und verlegte sich ganz aufs Schreiben. Er verfasste Rundfunkfeatures, Sketche, kabarettistische Texte und Drehbücher fürs Fernsehen. Dass Hee der Schalk im Nacken saß, bestätigt auch seine Tochter Heidrun, die offizielle Rechtsnachfolgerin: „Mein Vater sang schon, wenn er morgens aus dem Bad kam. Ich habe keinen optimistischeren und fröhlicheren Menschen als ihn erlebt.“

SIERRA MADRE DEL SUR
Dass er aber nicht nur witzig, sondern auch emotional schreiben konnte, zeigte sich in der Zusammenarbeit mit dem Bremer Sänger und Komponisten Wolfgang Roloff, besser bekannt unter dem Namen Ronny, der mit sonorer Stimme die Damenwelt („O my Darling Caroline“, „Kleine Annabell“ und „Dunja, du“) sowie die Natur („Hohe Tannen“) besang.
Dem Lied „Sierra Madre den Sur“ aus dem Jahr 1970 war anfänglich nur mäßiges Interesse beschieden. Erst dreißig (!) Jahre später sollte es in der Interpretation der Zillertaler Schürzenjäger bei der „Krone der Volksmusik“ zum absoluten Mega-Hit werden. Mit über 200 Cover-Versionen – von Heino bis Semino Rossi – brach „Sierra Madre“ alle Rekorde und ist bis heute eines der erfolgreichsten Lieder der deutschen U-Musik aller Zeiten.

ICH BAU DIR EIN SCHLOSS
Und noch ein weiterer Glücksfall: Mit „Ich bau dir ein Schloss“ und „Oma so lieb“ machten Hee, Roloff sowie der Komponist und Manager Addy Klejngeld (Nomen est omen!) einen holländischen Dreikäsehoch namens Heintje in den späten 1960ern zum Kinderstar.
Trotz des Füllhorns an Tantiemen, das sich über Hans Hee ergoss, blieb er ein sparsamer Schwabe, der zwar schnelle Autos liebte, aber auch Wert auf Understatement legte. Heidrun Hee erinnert sich: „Als sich mein Vater einen eher unscheinbaren, aber PS-starken und kostspieligen Wagen zulegte, meinte meine Mutter augenzwinkernd: Kannst du dir nicht einmal ein Auto kaufen, dem man auch ansieht, wie teuer es ist?“
Hans Hee, der mit zahlreichen Auszeichnungen (vom Goldenen Löwen von Radio Luxemburg bis zum GEMA-Ehrenring) bedacht wurde, war von 1993 bis 2006 Präsident des Deutschen Textdichterverbandes (DTV) und von 1997 bis 2006 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der GEMA. 1995 bat er im Namen der GEMA-Stiftung die Textdichter-Kollegin Edith Jeske, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Das war die Stunde Null der Celler Schule.
Bis kurz vor seinem Tod am 10. Dezember 2009 war er ein gern gesehener Besucher in Celle, der mit Witz und Charme beeindruckte. Musen-Muddi Edith Jeske: „Hans Hee war all die Jahre ein treuer Wegbegleiter, ein verlässlicher und ein väterlicher Freund, den wir sehr vermissen.“

Übers Ziel hinaus

Von Turid Müller

Wie Julia Hagemann Jesus wiedergefunden, Schubladen über Bord geworfen und einen Wettbewerb gewonnen hat.

Julia Hagemann ist ein Celler Unikat. Wenn sie nicht gerade die Celler Schule mit ihren aberwitzigen Reim-Übungen zum Zählen und zum Lachen bringt oder quer durch die Republik Gesangsunterricht gibt, steht sie auf inländischen Kabarett-Bühnen oder wandelt auf fremdländischen Pilger-Pfaden. – Aber so eine kurze Zusammenfassung wird ihrer Vielfalt gar nicht gerecht. Das zeigt nicht nur ein Blick auf ihre Homepage, das zeigte auch jüngst ihre Nominierung für den Autorenwettbewerb auf der multimedialen Plattform  www.travelepisodes.com. Und den hat sie dann auch gewonnen. Mit ihrem Reisebericht „Übers Ziel hinaus“.

2018 hatte es die Jury nicht leicht: „Fünf Geschichten haben die gleiche, höchste Punktzahl bekommen – deswegen haben wir entschieden: alle fünf kommen ins Buch!“. Aber für Jurymitglied Christoph Rehage ist klar: „Julia Hagemann hat mich mitgenommen. Ich möchte von ihr ein ganzes Buch lesen, egal, zu welchem Thema“. Und sein Wunsch ist dabei wahr zu werden:

Ab dem 04.06. kann er, und können wir alle, das Buch bestellen, das aus dem Wettbewerb hervorgegangen ist – zum Beispiel hier. Es geht darin um die Lust daran, allein zu reisen: „Jeden Tag nach den eigenen Wünschen und Vorlieben leben? Die Freiheit, zu bleiben oder zu gehen, wie es einem beliebt? Im eigenen Tempo reisen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen? Das Solo-Reisen öffnet verborgene Türen und fremde Herzen, es macht verwundbar, aber auch empfänglich für die Wunder der Ferne.“ Und auch „Übers Ziel hinaus“ ist dabei. Wer nicht warten kann, kann schon mal rein lesen – zum Beispiel in die Erlebnisse von Julia Hagemann, die mit Humor und Tiefgang ihre (vorerst!) letzten Tage auf dem ersten Camino beschreibt: www.travelepisodes.com/reise/uebers-ziel-hinaus/ – Und ein ganzes Buch steht auch in Aussicht… 

Aber Vorsicht! Ihr Reiseblog, dessen Auszüge wir hier lesen, hat Suchtpotenzial. Wer die Dosis erhöhen, und virtuell mitreisen möchte, kann das zwar tun. Allerdings sind die Blogs von Julia Hagemann bisher nicht online zu finden: „Ich glaube, ich schreibe anders, dichter und persönlicher, wenn ich denke, ich schriebe für meinen Freundeskreis,“ so die Autorin des Email-Blogs. ‚Leise Reisemeise‘ (bei einer Doppelmoppelei entstanden) ist dabei ihr Pseudonym und Blog-Name. Im letzten Sommer und Herbst hat sie 30 Reisemeisen geschrieben und als Privatblog in Mailform an FreundInnen und Verwandte geschickt. 2017 hieß das „Schnitzeljagd am Rande des Atlantiks“. Und vermutlich wird daraus bald ein Buch. – Wenn nicht im Malik-Verlag, dann woanders, eine e-Book-Fassung ist in Arbeit. Wenn es soweit ist, gibt’s hier den nächsten Artikel zur leisen Reisemeise.

Für alle, die so lange nicht warten wollen gibt es Hoffnung: „Wer die „Blogs“ lesen möchte, kann mich anmailen (jhhag@gmx.de) und bekommt die Datei,“ stellt die Offline-Bloggerin in Aussicht. Wer in den Verteiler aufgenommen werden möchte, schreibt in den Betreff am besten „bitte in den Reiseverteiler“. Vielleicht unternimmt die Autorin aber auch bald eine Reise in die Weiten des World Wide Web: „Möglicherweise mache ich die nächste Reise tatsächlich in öffentlicher Blog Form, zu Weihnachten habe ich einen Webseitenoptimierungskurs für eins dieser Blogprogramme bekommen.“ 

Wie sie zum Reisen gekommen ist, habe ich Julia Hagemann gefragt. Denn ihre Reise-Dosis geht weit über die üblichen paar Wochen im Jahr hinaus. Ihre Antwort: „Keine Ahnung. Es treibt mich dazu – und das immer mehr. Der Anfang“, sagt sie, „war eine dieser Abschluss-Visionen am letzten Tag der Celler Schule, wo in meinem Text plötzlich drinstand: ‚Ich reise durch die Welt und schreibe Lieder. Das halbe Jahr Bali war erst der Anfang.‘ Und dann wusste ich, ich kanns nicht länger aufschieben, ich MUSS nach Bali. Und so eine Reise kann man nicht für vierzehn Tage machen, das lohnt erst ab zwei Monaten. […] Jedenfalls war ich nach Bali versaut fürs sesshafte Leben und wollte gleich acht Monate später wieder hin. […] Nur um dann zu merken, dass eine wiederholte Neuentdeckung keine Neuentdeckung mehr ist.

Also zog ich für zwei Monate nach Venedig, was ein weiterer Traum von mir war. Und NACH Venedig war ich noch mehr durch den Wind […] und deswegen musste ich gleich im Sommer meinen dritten Reisetraum verwirklichen und den Jakobsweg laufen. Als zwanghafte Individualistin natürlich nicht den, den alle gehen, sondern den an der Küste. Tja, und wer einmal auf dem Camino war… Ich hatte mich ja am Anfang gewundert, wieso ich so oft gefragt wurde, „mein wievielter“ das jetzt sei.“

Und so wird es weiter gehen: „Ich bin jetzt seit Juli 2017 ca. 3200 km auf sechs verschiedenen Jakobswegen gelaufen. Aber nur zweimal in Santiago angekommen. Es sind also noch ein paar Fäden lose, die darauf warten, dieses Jahr aufgenommen zu werden.“

Die Blog-Idee hatte ganz zufällig begonnen: Um „den Daheimgebliebenen“ mitzuteilen, was sie so treibt, ohne die „komplette Zeit für Einzelmails im Internetcafé“ zu verbrauchen. Aber aus dem Bloggen ist mehr geworden als nur eine praktische Rundmail: „Es erhöht an manchen Erlebnissen kolossal den Genuss, wenn man sich schon darüber freut, wie man das nachher satirisch verwursten wird.“ Und wir LeserInnen bekommen eine Kostprobe von den vielen Erlebnissen, die Julia Hagemann dann „schreibend sozusagen ‚einweckt‘ für schlechte Zeiten oder überhaupt für später“.

Was als Mail an den Freundeskreis begann, füllt nun bald Bücher. – Auch der Blog ist also sozusagen ‚übers Ziel hinaus‘ geschossen. – Schön da!

 

Ihr Kinderlein kommet – Christoph von Schmid im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

So muss man Feste feiern! Christoph von Schmid, der Textdichter des Weihnachtsliedes Ihr Kinderlein kommet, wäre heuer 250 Jahre alt geworden. Seine Heimatstadt Dinkelsbühl dachte sich für das Jubiläumsjahr etwas Besonderes aus und rief zum Flashmob #SingHisSong auf. Und alle – nicht nur die Kinderlein – kamen, sangen, spielten, rappten und rockten. Die Ersten schon zum Geburtstag im August, die Letzten am 1. Adventwochenende. Wer war der Mann, der noch heute die Massen begeistert?

IHR KINDERLEIN KOMMET

Geboren wurde Christoph Schmid am 15. August 1768 in Dinkelsbühl als Sohn des höheren Beamten Friedrich Schmid und dessen Gattin Theresia. Er war der älteste von neun Kindern, bekam nach der Grundschule Privatunterricht im Kloster und wechselte dann in das Gymnasium in Dillingen. Nach dem Abitur war er als Hauslehrer tätig, wo er sein pädagogisches und erzählerisches Talent entwickelte. Ab 1785 studierte er Philosophie und Theologie an der bischöflichen Universität Dillingen und wurde 1791 zum katholischen Priester geweiht. Er arbeitete in verschiedenen Gemeinden als Seelsorger und wurde 1827 zum Domherrn in Augsburg ernannt. Zehn Jahre später wurde Schmid von König Ludwig I. in den Adelsstand erhoben.

DIE KINDER BEY DER KRIPPE

Christoph von Schmid war auch der erfolgreichste Kinder- und Jugend-schriftsteller seiner Zeit. Er schrieb Erzählungen mit pädagogischen Anliegen in einer auch für Kinder verständlichen Sprache, das Oratorium Caecilia oder Die Feyer der Tonkunst (vertont von Georg Valentin Roeder) und Kirchenlieder. Bis heute noch in aller Munde: Ihr Kinderlein kommet. Es ist vermutlich 1789 an seinem ersten Dienstort in Nassenbeuren entstanden. Ursprünglich hatte das Gedicht acht Strophen und hieß Die Kinder bey der Krippe. In der Vertonung von Franz Luft wurde es 1818 in die Sammlung Blüthen, dem blühenden Alter gewidmet aufgenommen. Das Autograph befindet sich heute in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg. Bekannt geworden ist das Lied Ihr Kinderlein kommet aber erst in einer späteren Vertonung des Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz, Hofkapellmeister am dänischen Hof in Kopenhagen. 1832 veröffentlichte es der Gütersloher Volksschullehrer und Organist Friedrich Hermann Eickhoff, dessen Schwiegervater der Verleger Carl Bertelsmann war, in der Sammlung Sechzig deutsche Lieder für dreißig Pfennig. Das Notenheft wurde ein Verkaufsschlager. Durch die Auswanderer gelangte das Lied in die große weite Welt und wurde in 24 Sprachen übersetzt.

SING HIS SONG!

Christoph von Schmid war ein langes Leben vergönnt. Er starb am 3. September 1854 im Alter von 86 Jahren in Augsburg, wo er auch begraben wurde. Sein Name ist nicht in Vergessenheit geraten. Mehrere Straßen und Schulen in Orten und Städten, in denen er gearbeitet hatte, wurden nach ihm benannt. Und noch zu seinen Lebzeiten wurde dem edlen Freund der Jugend, dem Lehrer hoher Tugend, so die Inschrift, auf der Eurasburg bei Augsburg eine Linde gepflanzt. Ob es sich bei dem Baum tatsächlich noch um das Original handelt, wie behauptet wird? Der berühmte Bildhauer und Schüler von Ludwig Schwanthaler, Maximilian Widnmann, schuf 1859 ein imposantes Denkmal, das vor dem Münster St. Georg in Dinkelsbühl steht. Anlässlich des 250. Geburtstags von Christoph von Schmid wurde es Christo-mäßig verhängt. Auf Schildern stand zu lesen: Don’t watch him! #SingHisSong!

Yes, we do it! Spätestens am 24. Dezember!

Lach mal was mit wünschdirwas

Von Turid Müller

Sandra Niggemann ist Ärztin. Kinderärztin. Und sie weiß: Selbst die beste Medizin ist nicht alles. Das Herz ist mindestens genauso wichtig.

„Urlaub von der Krankheit“ ist das, was der Verein wünschdirwas schwerkranken Kindern ermöglichen möchte. Und es wirkt: Die Glücksmomente helfen bei der Heilung oder zumindest bei der Akzeptanz der Krankheit. Der Verein erfüllt Herzenswünsche und schenkt Vorfreude und Erinnerung rund um den besonderen Tag. Dafür werden Spenden gesammelt wie unter anderem im Rahmen von „Lach mal was mit wünschdirwas“. Das Kabarett-Benefiz-Programm findet am 06. November zum siebten Mal statt – und zwar im Pantheon in Bonn. Auf die Frage, warum sie das Benefiz-Event organisiert, antwortet Sandra Niggemann: „Weil es ein Herzenswunsch von mir ist, mein Hobby Kabarett und mein Ehrenamt zu verbinden“. Und das macht sie hochprofessionell und unter Einbeziehung all ihrer Berufe und Talente: So schafft sie durch ihre PR-Arbeit für das soziale Anliegen der Veranstaltung Öffentlichkeit und durch ihre Moderation einen Rahmen für die auftretenden KünstlerInnen.

Von Anfang an mit dabei ist Matthias Reuter. Seit kurzem ist er auch „wünschdirwas“-Botschafter. Außerdem im Lineup: Markus Maria Profitlich – ebenfalls „wünschdirwas“-Botschafter – Fatih Çevikkollu, Martin Zingsheim, Bianka Kerres & Hans Fücker. Und auch ich habe dieses Jahr die Freude und Ehre dabei zu sein. Auf dem Programm: Musik und Kabarett – es wird ein bunter Abend! Und mit drei beteiligten AbsolventInnen (Sandra Niggemann, Matthias Reuter, Turid Müller) unter den bisherigen der mit der höchsten „Celler-Quote“.

Aus dem ersten, lange geplanten und schließlich sehr spontan umgesetzten, Benefiz vor sieben Jahren ist inzwischen eine feste Größe geworden. Sandra Niggemann organisiert und moderiert seitdem für viele gute Zwecke – so zum Beispiel auch für die jährliche Matinee der Lions im Senftöpfchen. Auch hier gab es schon einige Celler-Schüler-„Einsätze.

Damals nur durch den spontanen Kauf einer CD (Und zwar mittels eines gereimten Briefes!) mit Matthias Reuter bekannt, hat sie mittlerweile selbst die Celler Schule besucht und ist Kollegin geworden. Es sind die Schnittstellen, die sie besonders reizen. So gibt sie etwa humoristisch-medizinische Vorträge für die Stiftung „Humor Hilft Heilen“ (bekannt durch ihren Gründer Eckart von Hirschhausen). Und wenn es nach ihr geht, findet sie zukünftig noch viele weitere Möglichkeiten, ihre beruflichen Welten zu verbinden.

Wer Lust bekommen hat, Helferlein der Wunschfeen zu werden, kann sich diesen exklusiven Wunsch ganz einfach selbst erfüllen. Zum Beispiel mit dem Besuch des Abends!

Sisters of Comedy – Nachgelacht

Von Turid Müller

Der 12.11.2018 ist nicht irgendein gewöhnlicher Tag: Am 12. November feiert Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht. Bundesweit erinnern Künstlerinnen daran, dass es trotzdem in Sachen Gleichberechtigung noch genug zu tun gibt. – Save the date!

124 Komikerinnen stellen an 22 Spielorten unter Beweis, dass Frauen komisch sind – und zwar auf der Bühne. Das wird ja von Kollegen und Kolleginnen (!) aus der Branche gern mal in Frage gestellt. Unter anderem dieses Vorurteil gab den Anstoß für die Aktion, die ab jetzt jährlich stattfinden wird, wenn es nach den „Sisters“ geht, die sich zusammen geschlossen haben. Denn auch in unserer Branche klafft noch immer eine Lücke zwischen Soll und Haben der Gleichstellung: Im Kleinkunst-Bereich ist es keine Seltenheit, die einzige Frau am Abend zu sein. Und das liegt nicht unbedingt am Frauenmangel, wie zum Beispiel Kollegin Anny Hartmann eindrucksvoll mit ihren ‚Gelben Seiten für Machos‘ zeigt: Auf ihrer Homepage sammelt sie die Daten von Kabarettistinnen. Und – voila: Es gibt sie! – Sie werden nur nicht eingeladen. Je höher Frau nach oben kommt auf den Brettern, die die Welt bedeuten, desto dünner wird die Luft. Da geht es uns nicht viel anders als den Frauen in anderen Berufen.

In der Pressemitteilung des Netzwerkes heißt es:

 

„Vor 100 Jahren durften Frauen zum ersten Mal wählen. Und heute? Wählen sie immer noch: ob sie Kinder kriegen oder Karriere machen, ob sie ein Dirndl oder einen Antrag auf Hartz IV ausfüllen, ob sie sich damit abfinden, dass Männer immer noch mehr verdienen oder ob sie Krawallschachteln werden, die sich wehren. Frauen sind Bundeskanzler und Verteidigungsminister. Frauen haben eigene Parkplätze. „Ja, was wollt Ihr denn noch?“ hört man da oft. Vieles! Mehr Gehör, mehr Rechte.

Ja, Frauen sind komisch, viele sogar beruflich. Und die haben sich jetzt endlich zusammengetan und „den Richtigen“ gefunden. Den richtigen Moment, um ein Zeichen zu setzen! Denn: Humor ist die Reinform des Widerstands!

In Zeiten, in denen man wieder über Frauenrechte und Meinungsfreiheit diskutieren muss, der Wind von rechts weltweit schärfer bläst und auch in westlichen Kulturen ein sehr konservatives Frauenbild neu propagiert wird, gehen die Komikerinnen in die Offensive! „Sisters of Comedy – Nachgelacht“ ist fernab von Witzen über Frustshopping und Bindegewebe – keine Frauenquotengala, keine Männerschelte, einfach eine grandiose, fulminante Show, mit allem, was Deutschlands brodelnde Komikerinnen-Szene zu bieten hat: Comediennes, Musik-Kabarettistinnen, Poetry-Slammerinnen und noch viel mehr.

Als ob das noch nicht guter Zweck genug wäre, spenden die Sisters of Comedy einen Teil der Einnahmen an lokale Frauenhilfsprojekte, die sich auch an Ort und Stelle präsentieren.“

Ich habe das Glück, im Polittbüro in Hamburg als Patin die Veranstaltung zu managen. Und das Lineup unserer Show (wie auch das anderer Städte) kann deutlich mehr als nur Spuren von Celler Schule enthalten: Mit dabei zum Beispiel Katie Freudenschuss und Anette Heiter. Daneben aber auch Karmen im Nebel – und Sandra Kreisler, die moderierend durch den Abend führt. An den Tasten: Der Quotenmann des Abends: „Mein“ Pianist: Stephan Sieveking. Dem Spielort und dem Thema gemäß haben wir inhaltlich eine eher politische Ausrichtung. Wer nicht so Comedy-affin ist, findet hier also sicher auch was „Vollkörnigeres“.

Gleichberechtigung geht ja bekanntlich alle an. Und ich finde es großartig und leider nötig, dass sie auch in unserer Branche diskutiert und zum Thema gemacht wird. Insofern freue ich mich, wenn Ihr die Werbetrommel rührt, Pressekontakte zur Verfügung stellen mögt, auf andere Art einen Beitrag leisten wollt – oder einfach vorbei schaut und Euch von unserem Programm berühren lasst!

In unserer kleinen Welt aber vor allem in der großen Welt da draußen ist das gleichberechtigte Miteinander aller Geschlechter noch immer eine Baustelle. Sisters of Comedy möchte mehr sein als nur eine Show. Es geht auch und vor allem darum, das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit auf die Sache zu lenken. Also: Packen wir’s an!

Wie ich die goldene Säge gewann. – Ein Bericht von Feli rockt vom 4.8.2018

Ein Artikel von Karla Feles

Es ist wahnsinnig heiß, bin voll durchgeschwitzt, denn ich habe seit kurz vor 11h etliche Miniauftritte absolviert. Mein Auftrittsstart war bei Station 1 am Herder Tor, und danach konnte man 17 weitere  Stationen in der Alt- und der Innenstadt von Osnabrück  bespielen. Alle hab ich nicht geschafft.

Es blieben tatsächlich öfters Menschen stehen in kleinen oder größeren Gruppen. Sehr nett einmal, wie sich eine Dreijährige einfach vor mich hin auf den Gehweg setzte, und die pädagogisch wertvolle Mutter die Lütte nicht wegzog, sondern sich dazu hockte. ’n paar Euro gab’s auch hier und da, speziell für meine Hamburger Lieder.

Der Jury, die überall rumhörte, schien ich zu gefallen. Na gut, ich hab mich auch besonders ins Zeug gelegt, als die Truppe auftauchte…

Gerade läutet es zur vollen Stunde vom nächstgelegenen Kirchturm und die Spielzeit ist geschafft. Ich sitze unterm Sonnenschirm vor einer ehemaligen Eisschokolade und bin gespannt auf später.

17h, Haus der Jugend. Bin ausgeruht, hab  gefuttert und mir ordentlich Flüssigkeit zugeführt. Aufm Flipchart hab ich mich für die offene Bühne soeben ein- und gleich wieder ausgetragen, weil- ich hab es gerade erfahren- ich tatsächlich bei den Preisträgern bin und eh spielen werde, um 21.40h nämlich. Aha, als Letzte? Ja, ich sei der Headliner, sagt Kuno, der Hauptorganisator. Uhhh, Spannung steigt: Wie das wohl wird im gut besuchten Hof des HdJ  auf der großen Bühne…? Und zugegeben: Es war nicht so leicht, sich auf die Künstler der Offenen Bühne einzulassen, ich war mit den Gedanken oft woanders. Kein Wunder, oder?

20h. Zusammen mit Jeske und Heske, über deren Erscheinen ich mich sehr freue, höre ich den Darbietungen der „Sonderpreise“ zu. Wir kommentieren die 4 Acts gebührend, aber nur ganz leise.

21.45h, es ist soweit! Marcus Riemann, unser Moderator, erklärt, nach welchen Kriterien die Jury ausgewählt hat: -Musikalität -Kommunikation mit dem Publikum -Textgüte -Originalität -Authentizität. Auch schräg durfte man sehr gerne sein! Und jetzt:

„Aus Hamburg! Zum ersten Mal dabei! Und gleich die goldene Säge gewonnen! Feli rockt!“ Ich stürze auf die Bühne (zum Glück nicht auf d e r Bühne!), Akkordeon in Hand, und ha! Da schimmert es mir entgegen, das goldene Werkzeug, das mir zusammen mit einem Preisgeld und einer liebevollen Umarmung von der Tochter des GS-Erfinders überreicht wird. Nun spielen!

Ich bin nicht auf-, nur voll angeregt. Diese Athmosphäre mit den vielen zuhörwilligen Menschen, der warme Sommerabend, ein schönes Weizen…Ich danke noch fix den zwei Personen, ohne die ich nicht hier wäre: Edith Jeske, die mich ganz am Anfang auf den Liedermacherpfad geschubst hat, und Markus Riemann, der mir in HH dieses Liedermacherfest ans Herz gelegt hatte.

Dann los: Eins, zwei, drei Lieder mit Akkordeon laufen super. Bei Nr vier, nachdem Gaby mir ihre Gitarre hochgereicht hat, verhaue ich aber gleich den ersten Barrégriff, Mist. Mein Kommentar: „Äh, das war ’n falscher Akkord, aber nur wegen der falschen Gitarre. Ich spiel jetzt lieber was Anderes.“ Lacher. Und ne Zugabe darf ich trotz vorgerückter Stunde auch noch, passend betitelt mit  „Jetzt ist Schluss“, wieder auf dem  Akkordeon.

Und das war’s. Noch Sekt von Edith, Sekt von der Jury und kleines bisschen Selters dazwischen.

Boahhh, war das ein voller, toller Tag! Nun bin ich eine glückliche Goldenesägebesitzerin.

Es muss ja nicht immer Hollywood sein! – Katie Freudenschuss live im TV.

Turid Müller im Gespräch mit Katie Freudenschuss

„Bis Hollywood is eh zu weit“ heißt ihr aktuelles Programm. Aber an prominenter Stelle ins hiesige Fernsehen hat sie es in letzter Zeit gleich drei Mal geschafft.

 

„Seit 2014 bin ich solo in dem Genre unterwegs“, erzählt die Songschreiberin, Sachensagerin und Comedienne. Im TV war sie schön öfter – unter anderem bei Ladies Night oder Pufpaffs Happy Hour. Aber in den letzten Monaten hat sie gleich drei Meilensteine erreicht: Zwei Live-Aufzeichnungen – beim hr (hier sogar mit live-Improvisation) und beim 3Sat. Und eine Einladung in die Anstalt: „Das ist etwas Besonderes! Da habe ich mich sehr drauf gefreut!“ sagt sie über den Besuch in der Anstalt, ihre „Lieblingssendung in dem Segment“.

„Und“, fügt sie hinzu „ich hatte einen riesen Respekt. Weil ich bin ja gar nicht politisch politisch. Also im Sinne von solidem Hintergrundwissen. Meine Stärke ist eher die Frage zu stellen: Wie fühlen sich die Menschen in einer Situation, die auch politisch ist?“

Offenbar hat gerade das die bekannte Kabarett-Sendung sehr bereichert, denn im Rückblick nach dem schönsten Moment befragt, verrät die Sängerin: „Einer der schönsten Momente war eigentlich nach der Sendung. Rückmeldung auf Augenhöhe von jemandem, zu dem man selbst so aufschaut.“ Ihre Texte kamen gut an, und „die Kraft ihrer Musik“.

„Der ganze Prozess ist toll“, erzählt die Pianistin begeistert von den Erlebnissen der intensiven Vorbereitungen. „Wie sich das gegenseitig beflügelt. Das Miteinander auf der Bühne! Wie die Werke ineinander greifen!“ Das täte ihr gut; sie sei eigentlich ein Teamplayer. Und lachend ergänzt sie: „Ich weiß auch nicht, wie das passiert ist, mit diesem Soloprogramm.“

Wie sie diese aufreibenden Tage vom ersten Reading bis zur Live-Sendung durchgestanden hat? Antwort: Ein Kompliment an die Celler Schule: „Je besser das Handwerk, desto besser funktioniert man in Stress-Situationen!“ Und nachts um vier vorm Sendetermin danach befragt, ob man aus der spontanen Improvisation vorhin in der Pause nicht eine Nummer schreiben wolle, erinnert man dann eben, „dass das wichtige Wort nicht auf der unbetonten Zählzeit sitzen sollte.“ Auch sowas wie die Vorgabe, ein Programm ohne nennenswerte Toleranzzeit in einen vorgegebenen Zeitrahmen zu bringen, ist Teil des Jobs: „Das ist nicht besonders poetisch – aber es gehört halt auch dazu.“

Die Angebote von den Sendern waren ein wichtiger Beweggrund, ihr Programm noch ein weiteres Jahr zu spielen. Aber schon bald, gibt es die ersten Try Outs vom neuen Programm:

Am 14.09. gibt es eine Vorpremiere in der Motte in Hamburg, und am 15.10. im Lutterbeker. Die endgültige Premiere findet dann im November in der Schweiz statt. Und wir sind die ersten, die den Titel der neuen Show erfahren (Trommelwirbel!):

„Einfach Compli-Katie“

„Ein Experiment“, zwinkert Katie. „Wegen des teilweise älteren Publikums, das ja nicht so Englisch-affin ist.“

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Das Konzept ist klar. Aber es wird aufregend. „Wir lassen uns überraschen!“ sagt sie selbst. – Und ich trage die Termine fürs Try Out in meinen Kalender ein und denke an Mark Twain:

„Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.“