„Kompensation“ – Monatsgedicht anlässlich der Europawahl

Von Turid Müller

Vor einer Woche hat Europa gewählt. Michael Feindler hat im Vorwege mit seinem Gedicht des Monats dazu aufgerufen, möglichst wenig Menschen ins EU-Parlament einziehen zu lassen, die „die Existenzberechtigung aller Menschen keinesfalls für selbstverständlich halten„:

Kompensation
Ein Mensch ist ziemlich oft frustriert,
er fühlt sich nämlich ignoriert –
nicht von Kollegen und den Seinen,
doch von der Welt im Allgemeinen.
Zwar könnte er nur selten sagen,
er hätte etwas beizutragen
von allgemeiner Relevanz,
(weshalb das mit der Ignoranz,
die man ihm meist entgegenbringt,
von außen leider logisch klingt),
doch will er – fällt ihm auch nicht ein,
warum – sehr gerne wichtig sein.
Da kommt geradezu gelegen
ein Anlass, sich mal aufzuregen:
Wieso genau? Egal. Dagegen!
Der Mensch bemerkt: Wenn wer Bekanntes
was sagt – am besten Relevantes –
und jemand lautstark reagiert,
wird dieser kaum mehr ignoriert,
was online einfach funktioniert:
Für eine Zwei-Wort-Reaktion
im dreisten aggressiven Ton
gibt’s vier Minuten Ruhm als Lohn.
Sobald der Mensch nun Chancen wittert,
beginnt er wütend, wild, verbittert
zu schimpfen – bis man vor ihm zittert.
Dann spürt er neuen Lebensschwung
und Existenzberechtigung.

Die Wahl liegt hinter uns. Aber das Gedicht verliert nicht an Gültigkeit…

Artists4Future: Fürs Klima im Einsatz

Michael Feindler & Turid Müller

Eben war es noch Thema in seinem Gedicht des Monats. Jetzt hat Michael Feindler eine neue Bewegung mit auf den Weg gebracht. Artists4Future stärkt den Streikenden Schüler*innen den Rücken und sorgt sich (nicht nur freitags) um die Zukunft unseres Klimas.

„Mitte März lag die Idee, Artists4Future zu gründen, gewissermaßen in der Luft“, schreibt Kollege Feindler mir, nach den Anfängen befragt. „Nachdem sich neben den Scientists4Future auch schon die Farmers4Future und Entrepreneurs4Future gegründet hatten. Und es sind zeitlich nahezu parallel Strukturen entstanden, die anfangs nichts voneinander wussten – und zwar mindestens vier an der Zahl“:

 

1. Eine Facebook-Seite, die der Regisseur Karsten Müller initiiert hat (seine Tochter ist in Trier als Schülerin bei „Fridays for Future“ aktiv).
2. Die Facebook-Gruppe, in der Künstler*innen angefangen haben, über Ideen zu diskutieren.
3. Die Website artistsforfuture.de (jetzt .org) mit dem dazugehörigen Twitter-Account Artists4Future, die sich Steffen Peschel nach Absprache mit seiner Parents4Future-Gruppe in Leipzig gesichert hat
4. Eine Gruppe mehrerer Künstler*innen, die eine gemeinsame Stellungnahme für die Artists4Future formuliert haben.

„Der vierte Punkt ist mein persönlicher Anknüpfungspunkt bei dem Projekt gewesen“, berichtet der ExCellent. „Unmittelbar nach der Fridays-for-Future-Demo in Berlin am 15. März habe ich mich mit Bodo Wartke, der dort aufgetreten war, und Musikern der Band „Nofretete“ zusammengesetzt, um zu überlegen, wie wir das Ganze angehen sollten. Wir waren alle hochmotiviert, etwas zu starten, damit sich möglichst viele Künstlerinnen und Künstler mit den Klima-Protesten solidarisieren. Am Ende der ersten Besprechung erklärte ich mich bereit, über das anstehende Wochenende einen ersten Textentwurf für eine Stellungnahme zu erarbeiten und schrieb somit zusammen mit Uta Köbernick (Liedermacherin aus der Schweiz, die dort auch schon im Radio mit kurzen Songs die Klima-Streiks besungen und unterstützt hat) einen ersten groben Entwurf. In den folgenden zwei Wochen haben sich zehn weitere Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Sparten daran beteiligt Feedback zu geben, Passagen umzuformulieren und Gedanken zu ergänzen – unter anderem Bodo Wartke (Celler Schule 1998), Sahra Hakenberg (Celler Schule 2010) sowie Edith Jeske und Tobias Reitz. Am 1. April lag endlich das Ergebnis vor, auf das sich alle Beteiligten einigen konnten.“

Als Menschen aus Musik, Bildender Kunst, Literatur und Darstellender Kunst haben wir uns aus gegebenem Anlass zusammengeschlossen, um uns mit den Klima-Streiks zu solidarisieren (Präambel der Stellungnahme).

Anschließend, erzählt der engagierte Kabarettist, habe er unter anderem „das Sammeln der Erstunterzeichnungen koordiniert“ und „zusammen mit Steffen Peschel von Parents4Future Leipzig die Website geplant“. Ab jetzt soll die Organisation allerdings dezentral laufen.

„Aktuell haben wir etwa 1500 Künstlerinnen und Künstler beisammen, die den Text unterzeichnet haben.“ Auch in den Medien gab es Resonanz: „MDR Kultur hat kurz nach Veröffentlichung der Stellungnahme etwas zum Thema geschrieben (…). Viele bekannte Kolleg*innen haben Stellung bezogen. So zum Beispiel auch Konstantin Wecker.

Wer Interesse hat sich einzubringen, kann sich unter FAQ viele Fragen beantworten. „Es dürfen ruhig noch mehr werden“, meint Michael Feindler und verweist auf die Homepage. Dort kann man die Stellungnahme unterzeichnen.