Klastern

Eine weitere Methode zur Materialsammlung, aber auch zur Blockadenbehebung und -prävention ist das Klastern. Der Begriff kommt vom englischen „cluster“ (Gruppe, Haufen/Häufung, Büschel, Traube). Beim Klastern bekommt die rechte (emotionale) Gehirnhälfte zu tun und die linke (rationale) hat – zunächst – frei. Wir versuchen, automatisch und ohne bewusstes Denken zu schreiben. Alles was kommt ist willkommen. Klastern eignet sich zum Finden von Bildern, zur Materialerweiterung und als Lockerungsübung.

Es dreht und rankt sich dabei alles um einen zentralen Begriff. Den schreibt man in die Mitte eines großen Blattes. Grundsätzlich eignen sich dafür alle möglichen Begriffe, aber diejenigen, die Wimmelbild-Charakter oder einen emotionalen Hintergrund haben, besonders gut (z. B. Kindheit, Wetter, Sport, Familie, Kochen, Stadt). Schließen Sie die Augen und entspannen sich. Lassen Sie die Gedanken fließen, wohin sie wollen. Ein leichter Schwebezustand macht das alles umso schöner. Wenn Ihnen danach ist, beginnen Sie mit dem Schreiben – was auch immer kommt. Starten Sie bei Ihrem zentralen Begriff in der Blattmitte und assoziieren Sie drauflos. Die einzelnen Gedanken (Worte oder Sätze) können Sie einkreisen und/oder mit Strichen verbinden. Gönnen Sie der Konzentration, dem Zensor und der Scham eine Auszeit. Alles geht und stimmt.
Meist erleben wir beim Klastern und Assoziieren zwei Wellen. Wenn der Gedankenstrom zum ersten Mal zu verebben scheint, lohnt es sich, ein wenig zu warten. Meist kommt eine zweite Welle. Oft ist sie tiefer, emotionaler und individueller als die erste – Ihre rechte Hirnhälfte hat sich warm gelaufen. Wenn Sie fertig sind, wird Ihnen ein kurzes Strecken, vor-die-Tür-Gehen oder eine andere Art von Pause gut tun.
Ihr Klaster können Sie danach auf vielfache Weise auswerten. Und nun ist Ihre linke Hirnhälfte an der Reihe:

Möglichkeit 1:
Sie können ganz rational die Begriffe durchgehen und markieren oder herausschreiben, was Sie für Ihren Song in die engere Wahl nehmen möchten. Auf diese Weise haben wir uns einmal dem Thema Lebenslauf genähert, für den wir kurze Schlagworte zur Bebilderung brauchten. Wir fanden:
Pampers / Schnuller
Clerasil / Mofa
Bausparvertrag
Kukident / Rollator
Eine ergiebige Bildersammlung

Möglichkeit 2:
Sie können auch versuchen, die Assoziationsketten gedanklich nachzuvollziehen – unterschiedliche Geschichten wollen gefunden werden. Und ein bisschen was erfahren Sie auch über sich selbst: Wenn Sie von alt auf Schaukelstuhl kommen, deutet das auf eine andere Sichtweise hin, als wenn Ihnen der Krückstock einfällt. Beides ist aber Material.

Möglichkeit 3:
Eine spielerische Zweitverwertung des Klasters ist die Blindverbindung. Bei geschlossenen Augen tippt man mit jedem Zeigefinger auf eine Stelle und probiert dann, wie die beiden Worte oder Sätze in einen Zusammenhang  zu bringen sind. Eine Teilnehmerin erwischte in einem Klaster zum Thema Café die Worte Täubchen und Gartenzwerg. Hier die betreffenden Ausschnitte aus ihren Assoziationsreihen:
Öffnungszeiten – Zeit haben – Geld – Trinkgeld – Speisekarte – Kuchen – Sahne – Häubchen – Täubchen – Gurren – […]
[…] Markenzeichen – Teesorten – Menschensorten – sortieren – Briefmarkensammler – Gartenzwerg – Mütze – Schutz -[…]
Daraus entstand ein Gedicht, mit dem sie nun ihre Chanson-Konzerte auflockert:

Die Taube und der Gartenzwerg
oder: Warum der Gartenzwerg sich nicht mehr von der Stelle rührt.

Ein hübscher kleiner Gartenzwerg mit Gummistiefelbeinen,
gießt Rosen, passt im Garten auf und ist mit sich im Reinen.
Am Abend, wenn die Sonne sinkt, dann gönnt er sich ein Bier.
Und murmelt leis: „Wie wunderschön und friedlich hab ich’s hier.“

Im Primelbeet ist alles ruhig. Doch auf der Gartenlaube
da tippelt und da tappelt diese fette graue Taube!
„Ich muss doch bitten,“ ruft der Zwerg „das hier zu unterlassen!“
Die Taube ist komplett verliebt und kann ihr Glück kaum fassen!

Sie fliegt und flattert, gurrt und landet auf dem Mützenzipfel.
Der kleine Zwerg wird puterrot und schreit: „Das ist der Gipfel!“
„Gruh, gruh!“ singt jetzt die Taubenfrau und knabbert schon das Ohr
des auserwählten Zwerggemahls. Der kommt sich dämlich vor.

Verlegen blickt der kleine Mann auf Primeln, Tulpen, Veilchen.
Und hofft: „Wenn ich mich nicht beweg, dann geht sie nach nem Weilchen.“
Und spielt verzweifelt „Toter Mann“, steht still auf seiner Stelle.
Die graue Taube stört das nicht: Sie hockt ihm auf der Pelle.

Sie putzt sich für den Liebsten raus. Und plustert ihr Gefieder.
Der Zwergenmann wird mitgeputzt – nur dem ist das zuwider.
So geht das jetzt seit Jahren schon. Man sagt: Sie sind ein Paar.
Der Zwerg, steht heute noch ganz still. Sie findet’s wunderbar!
(Die Taube und der Gartenzwerg, Anne K. Strauch (Celler Schule 2004))

Noch ein Tipp zum Abschluss:
Werfen Sie Ihre Klaster nach Verwendung nicht weg. Aufgebraucht sind sie nie! Und frische Augen und ein sich immer wieder änderndes Lebensgefühl ermöglichen ständig neue Funde und Geistesblitze!

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