Prinzenjagd

„Ein Drache nistet tief im Wald,
schuppig schwarz und steinzeitalt.
Kommt einmal ein Prinz des Wegs,
endet er als Prinzenkeks“

So sprach der König einst zur Tochter,
denn ihr Angst zu machen mocht´ er:
„Wir schaffen dir, so ist mein Plan,
noch heute einen Prinzen an.
Ein Prinz ist, trotz Allür´ und Putz
der allerbeste Drachenschutz.“

Prinz Nummer eins fand sehr galant sich,
maß jedoch nur knapp einszwanzig:
„Dieses Vieh ischt grausig groß,
doch ich geb ihm den Todesstoß!“
Der zweite Prinz, auf den sie trifft,
war schon morgens zugekifft.

Nummer Drei hat – c´est la vie –
eine Drachenallergie,
Nummer Vier war viel zu fett,
Fünf hat Schuppen am Jackett,
Sechs war noch nicht stubenrein.
Doch Vater sagte: „Prinz muss sein.“

Am nächsten Tag war sie verschwunden.
Der König hat den Brief gefunden
mit Prinzessins Monogramm:
„Die Loser kannste selber ham!
Sauf´ du mit diesen Deppen Wein –
den Prinzen fang ich mir allein“

Der König hat zutiefst entsetzt
die Prinzen auf die Spur gehetzt:
„Schnappt sie euch, bringt sie zurück,
das verwöhnte kleine Stück!
Sonst reißt euch Foltermeister Klaus
die Nasenhaare einzeln aus.“

In goldnen Schuhn mit Trekkingsohlen
ging, um sich nen Prinz zu holen,
die Prinzessin durch den Wald.
„Den Prinzen“, denkt sie, „hab ich bald.
Und dann bringt der den Drachen um.“
Sie war so jung und ach, so dumm.

Der Wald wird tiefer, sie geht weiter
durch die Dämmrung, froh und heiter,
als sie stolpert, sich erschreckt:
im Moos liegen Prinzen ausgestreckt,
friedlich schlummernd, Arm in Arm – –
„Jesses! Vaters Suchtruppschwarm!“

Sie will sich still vom Acker machen,
als die Prinzen grad erwachen
„Da! Die Holde! Haltet sie!“
Schneller rannte sie noch nie!
Bis sie eine Höhl‘ entdeckt
und sich – schwupps – darin versteckt.

Sie entkam der Prinzenmeute.
Vielleicht findt´se´n Prinzen heute
in der Höhle hier am Hang?
Denn plötzlich hört sie drin – Gesang!
„Das ist mein Prinz, er muss es sein!“
So schleicht sie in die Höhle rein.

„Was führt ihn wohl in dieses Dunkel?
Depressionen? Ein Furunkel?
Wie mir sein Gesang gefällt!
Doch wie ists ums Gesicht bestellt?“
Dann denkt sie an den ersten Kuss,
als sie plötzlich niesen muss.

Ein Schrei! Ein Blitz! Der Maid wird bange,
Feuerhauch streift ihre Wange,
als des Drachen Nüstern glühn.
Sie erstarrt, kann nicht entfliehn.
da spricht das grausige Objekt:
„Verdammt! Hast du mich jetzt erschreckt….!

Komm, lass uns mal nach draußen gehn,
man kann ja bei dem Rauch nichts sehn.“
Stumm und starr hebt sie die Hand –
zu mehr ist sie nicht mehr imstand –
als er sie am Arm berührt
und galant ins Freie führt.

Er leitet sie hinaus ans Licht.
Sie traut ihren Augen nicht:
Vor ihr steht im Sonnenschein
weder schwarz noch alt wie Stein
ein schlanker Drache, jung und kühn,
mit weiten Flügeln, gold und grün.

„Du bist ja gar nicht alt und schlimm!“
„Geschwafel von den Brüdern Grimm.“
„Ich möcht dich küssen, doch – oh Graus –
ich hoff, es wird kein Prinz daraus.“
„Küss mich doch, es gibt kein Zosch.
Ich bin Drache. Und kein Frosch.“

Da schlüpft sie aus den goldnen Schuhen,
schmiegt sich, um sich auszuruhen,
zwischen seine Flügel hin,
grün und gold und mittendrin
liegt sie müde, schläft fast schon,
und er fliegt mit ihr davon.

Ein Montag wars. Der König starrte
sprachlos auf die Ansichtskarte:
„Neuigkeiten gibt’s genug,
befinde mich auf Hochzeitsflug.

Gib den Jungs von mir die Hand –
schönen Gruß aus Feuerland!“

mit freundlicher Genehmigung Fabian Schläper (Celler Schule 2003)
Musik: Rainer Bielfeldt

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