noch mehr flächenhafte Lieder zur Analyse
(Buchseite 48)

Eine Analyse-Übung zum flächenhaften Lied haben Sie schon im Buch gemacht. Hier nun zwei weitere Texte, die Sie analysieren können.
Die Fragen dazu kennen Sie schon:

  • Behandelt mein Lied eine Emotion und nur eine? Welche ist es?
  • Halte ich diese Emotion von Anfang bis Ende durch?
  • Stützt jede Aussage in meinem Text diese Emotion?
  • Wenn das Lied ein Bühnenbild hat: Sind es einfache, klare und sparsam dosierte Bilder, mit denen ich meine Zuhörer einfange?
  • Ist diese Kulisse durchgehalten?
  • Wenn es keine hat: bleibt das Lied bis zum Schluss kulissenfrei?

Hier nun für Sie eine Momentaufnahme, die nicht in der Ich-Perspektive erzählt ist, sondern in der Sicht von außen. Wobei die Erzählerin zusätzlich die Gefühle der Protagonistin kennt, ihr also sozusagen in die Seele schauen kann.

Der Brief

Im Schein der Kerzen liegt ein Stück Vergangenheit.
Sie lehnt am Fenster schon seit einer Ewigkeit.
Das Licht der Sterne – ein Hauch von Wärme.
Die laute Welt hält ihren Atem an.

Nur diesen Brief,
den sie heute Abend fand,
hält sie in der Hand.
Denn er schrieb diesen Brief.
Einen Augenblick
denkt ihr Herz daran zurück.

In seinen Worten fühlt sie sich noch einmal jung.
So mache Zeile trägt ein Stück Erinnerung.
Vertraut und leise – auf ihre Weise,
ein stilles Märchen, das der Wind erzählt.

Nur diesen Brief….

Bilder ziehn vorbei
so unbeschwert und frei.
Doch sie sind
– sich noch immer treu.

Denn er schrieb ihr diesen Brief,
de sie heute Abend fand.
Sie hält in der Hand
– nur diesen Brief
voller Zärtlichkeit.
Sie hat keinen Tag bereut.

(Anke Lautenbach, Text: Heike Fransecky [Celler Schule 1999])

Wenn Sie die scheinbar leere Fläche mit dem Cursor markieren, sehen Sie die Lösung

  • Thema des Liedes ist eine einzige Emotion: eine Liebe, die viele Jahre überdauert hat und immer noch anhält.
  • Die Kulisse ist für die Atmosphäre notwendig. Sie ist einfach, sparsam und wirkungsvoll: Die Frau am Fenster, der Brief. Mehr Bilder braucht es nicht. Als Zuhörer ergänzen wir das Zimmer in unserer Phantasie. Wir geben der Frau eine Gestalt und ein Gesicht.
  • Diese Kulisse wird durchgehalten. Stark, aber völlig unaufdringlich, bleibt sie präsent.

Und hier ein flächenhaftes Lied  als Pop/Rockballade: auch hier betrachten wir einen Menschen an einem Fenster:

Tagebruch
Ich sitz auf meinem Fensterplatz
und schaue in die Welt.
Doch sie schaut nicht, weil sie von mir
nicht sonderlich viel hält.
Mein Herz geht auf die Reise,
doch mein Kopf bleibt hier,
ich wäre gerne überall
nur nicht hier bei mir.

Ich wäre gern was anderes
als das, was ich bin.
Ich wäre gern ein anderer,
wär gern ein Hauptgewinn.
Doch bin ich nur ein Trostpreis,
den niemand trösten kann
Nie geht was zu Ende,
denn es fängt nichts an.

Was ich mir nicht erklärn kann,
erklärt mein Therapeut.
Ich erzähle ihm von mir,
er erzählt von Freud.
Ich schaue aus dem Fenster
und blick in mich hinein.
Ich denke mir ein Leben aus,
bald wird es meines sein.

(„Tagebruch“, Finn Ritter [Celler Schule 2001])

  • Thema des Liedes ist eine einzige Emotion: der gelähmte Veränderungswunsch.
  • Jedes Bild bestätigt den paralysierten Grübelzustand  und die Hoffnung als Lippenbekenntnis.
  • Das Fenster und das (passive) Hinausschauen bilden die innere Situation des Protagonisten äußerlich ab.
  • Diese Kulisse wird nur am Anfang erwähnt, bleibt aber unterschwellig präsent, denn der Protagonist verlässt sie nicht. Am Schluss wird noch einmal daran erinnert, das Fenster bildet erzählerisch den Rahmen der Geschichte.

Und jetzt SIE:

Poppen wär schön

Der Sonntagmittag ist zu lang.
Und keiner ruft an.
Auch egal.
Ein Unfall auf dem Nürburgring –
das wär´n Ding.
Schaun wer mal

Doch die fahren alle brav im Kreis,
und nichts explodiert, hey, was soll der Scheiß!
I
ch möcht nun endlich mal´n bisschen Action sehn

und Poppen wär schön.
P
oppen wär schön.

Nun jammer nicht rum – tu irgendwas.
Es gibt so viel Dinge, die machen Spaß.
Du könntest zum Beispiel auch spazieren gehn

und Poppen wär schön.
P
oppen wär schön.

Der Sonntag schleppt sich so dahin
und ich bin
vom Winde verweht.
Ich schalt in ’n anderes Programm
und schau mir an,
was da so geht.

Dressurreiten ist nicht der Hit.
Ist das euer Ernst, hey, was soll ich damit!
Ich wart auf die Lindenstraße Folge zwei-tau-send-drei-hun-dert-sieb-zehn…

und Poppen, Poppen wär schön.
Sascha Bendiks (Celler Schule 2001)

  • Wir wissen, dass Sie es jetzt alleine können 🙂

 


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