Schneewittchen (Buchseite 70)

Es ging alles so schnell. Es war alles so leicht.
Die Luft hat vibriert und ein Blick hat gereicht.
In Rauch und Musik und in Worten versunken,
beinah in Tequila und Sehnsucht ertrunken.
Der Seenot entronnen, die Insel erreicht:
Es ging alles so schnell. Es war alles so leicht.

Ich hoff, diese Nacht wird die erste von vielen.
Du bist mir zu schade, um Spiele zu spielen.
Nun liegen wir hier Arm in Arm in den Kissen
mit all dem, was wir voneinander nicht wissen.
Das Herz klopft im Hals, wir bewegen uns kaum,
denn zwischen uns steht diese Frage im Raum:

Was wäre, wenn du´s hast,
was wäre, wenn ich?
Um wen hab ich Angst? Um mich selbst oder dich?
Riskiern wir zu wenig?
Riskiern wir zuviel?
Wie hoch ist der Einsatz? Was steht auf dem Spiel?

Dein Blick weicht mir aus, deine Gesten sind knapp.
Hakst du grad im Kopf diese Checkliste ab?
Ich denke das gleiche. Ich schieb es beiseite.
Wir können ja warten, wir müssen nicht heute.
Doch was, wenn ich zögre? Dann denkst du am Ende,
daß ich Grund dazu hab. Dir zittern die Hände.

Was ist mit dir los? Doch ich wag nicht zu fragen.
Ich könnte die Antwort vielleicht nicht ertragen.
Es ging alles so schnell. Es war alles so leicht.
Nun ist der Moment, wo die Angst uns beschleicht.
Wer weiß? Vielleicht geht es um Tod oder Leben.
Es war doch noch alles so einfach. Bis eben.

Was wäre, wenn du´s hast,
was wäre, wenn ich?
Um wen hast du Angst? Um dich selbst oder mich?
Riskiern wir zu wenig?
Riskiern wir zuviel?
Wie hoch ist der Einsatz? Was steht auf dem Spiel?

Was Zärtlichkeit sein will, wird matt und mechanisch.
Die Angst und die Angst vor der Angst macht uns panisch.
Ich möchte laut rausschrein, wie satt ich das hab:
Wir streicheln uns nicht. Wir tasten uns ab.
Kann sein, es wär besser, dich gleich zu verlassen –
ich würde mich schon in der Tür dafür hassen.

Du liegst neben mir. Du bist meilenweit fort.
Wir starren ins Dunkel und reden kein Wort:
Vergeblich bemüht, unsre Angst zu verbergen –
verstörte Schneewittchen in gläsernen Särgen…

Wir könnten doch reden,
wenn du nicht, dann ich.
Wenn ich nicht, dann du –
einfach jeder von sich.
Ich lieg neben dir – eine schlaflose Nacht,
und frag mich, was noch diese Angst mit uns macht…

(Rainer Bielfeldt – Text Edith Jeske)

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