Vermasseln kann man es auch so. Kreativität am falschen Platz.

Was bringen uns die besten Texte, wenn sie in der Schublade vergammeln? Also raus damit in die Welt! Und hier wartet die unvergleichliche Chance, unseren potenziellen Partnern schon beim Lesen viel Freude zu bereiten. Hier unsere kleine – Achtung: satirische!!! – Anleitung, wie Sie sich schon den Einstieg mit Karacho in den Sand setzen können. Wobei tatsächlich nichts (!) in dieser Liste erfunden ist. Für einiges davon müssen wir uns sogar an die eigene Nase fassen – auch wenn es ein paar Jährchen her ist.

· Schreiben Sie Ihren Text in der kleinstmöglichen Schrift!
Nur junge dynamische Menschen mit guten Augen sollten ein Recht haben, ihn zu lesen.

· Oder schreiben Sie Ihren Text in so großer Schrift, dass man ihn als Plakat aufhängen könnte!
Kombiniert mit handbreiten Absatzabständen und einem üppigen Rand oben und unten erreichen Sie locker, dass Ihr Text zwei, drei oder sogar noch mehr Seiten umfasst. Im Idealfall bedeckt er einen ganzen Schreibtisch und sichert fortwährende Beschäftigung beim Zusammensuchen (Seitenzahlen sind Verschwendung von Druckertinte).

· Wählen Sie eine Schnörkelschrift oder schreiben Sie alles in GROSSBUCHSTABEN! Das sichert Ihnen, dass die Zeit zum Lesen Ihres Textes sich verdoppelt. Gestresste Partner freuen sich, wenn sie mit sanfter Gewalt angehalten werden, langsamer zu arbeiten.

· Handschriftliche Texte sind ein Indiz für Individualität! Am besten mit Unterstreichungen, Betonungszeichen, –> Pfeilen und Querverweisen (siehe anderswo). Die Welt soll ruhig sehen, wie komplex Sie denken. Auch dekorative Kaffeeränder verraten die Künstlernatur.

· Apostrophieren Sie alles, was sich irgendwie apostrophieren lässt! Ein Apostrophengewitter lässt Ihren Text funkeln – vielleicht noch mit ein paar Anführungszeichen drin (das hilft ungemein an den Stellen, an denen Außergewöhnliches steht, das man vielleicht sonst nicht bemerken würde):

Heut‘ geht’s ‘rauf auf‘n Gipfel, das „Sonnenland“ seh’n
’Runter soll’s erst hinter’m Alpenglüh’n geh’n

Wenn das ma‘ kein‘ „Spass“ macht!

 

  • Schreiben Sie unerbittlich jede Wiederholung aus! Zwanzigmal “oh Baby” und vier Refrain-Wiederholungen am Schluss liest jeder gern.
  • Verzieren Sie Ihren Text mit Blümchen, Aufklebern, Comics, Emoticons. Es zeigt, dass Sie das Schreiben nicht nur als trockenen  Brotjob betrachten :-( , sondern auch dass Sie sehr viel Zeit haben :-) .
  • Verzichten Sie – besonders bei Briefpost – unbedingt auf Adresse und Kontaktdaten auf Ihrem Text. Der Empfänger soll sein Interesse an Ihnen bekunden, indem er den Papierkorb auf links dreht und nach dem Briefumschlag mit Ihrem Absender wühlt. Oder im Maileingangsordner nach Ihren Anhängen und Ihrer Absenderadresse fahndet. Er wird sich noch lange daran erinnern.
  • Wenn Sie Ihre Texte mailen: Benutzen Sie Ihre lustigste Mailadresse. Schnuppelchen245@web.de kommt garantiert supergut an.
    ACHTUNG: Die Bewerbung für die Celler Schule muss per Briefpost erfolgen (sprich: Papier!!! :roll: ) . Bewerbungen per Mail sind nicht zulässig und führen zu Disqualifikation.
  • Setzen Sie einen unübersehbaren Vermerk “notariell geschützt” auf Ihr Blatt. Das schafft Vertrauen und lässt durchblicken, dass Sie sich in den Gepflogenheiten der Branche bestens auskennen.
  • Geben Sie detaillierte Vertonungs- und Interpretationshinweise! Damit zeigen Sie, dass Sie nichts dem Zufall überlassen.
  • Versenken Sie jedes einzelne Textblatt in einer eigenen Dokumentenhülle! Ihr Empfänger freut sich über die kleine Abwechslung, wenn er alles auseinanderfriemeln muss.
  • Fordern Sie unbedingt, dass Ihre Texte zurückgesandt werden! Auf diese Weise prägt sich Ihr zukünftiger Partner schon mal Ihre Adresse ein.

Und nun Scherz beiseite:

Was Sie mit den besten Texten erreichen können, versauen Sie sich mit einer Präsentation, die Ihrem Gegenüber die Lust verdirbt.

  • Machen Sie Ihren Text so leicht lesbar wie möglich! Apostrophieren Sie nur da, wo man sonst Verständnisprobleme bekäme. Setzen Sie Strophen und Refrain deutlich voneinander ab. Kürzen Sie Refrain-Wiederholungen ggf. sinnvoll ab.
  • Wählen Sie ein individuelles Layout und – wenn Sie wollen – eine individuelle Schrift. Beides sollte aber mühelos zu lesen sein. Verzichten Sie auf Spielereien, die aussehen, als hätten Sie sonst nichts zu tun.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Text auf eine Seite passt! Wenn Schlager – Rock- und Poptexte mehr als eine DIN-A-4-Seite brauchen, sind sie mit einiger Sicherheit zu lang. Bei Chanson, Rap, Musical kann der Text so umfangreich sein, dass eine Seite nicht ausreicht. Lösen sie dieses Problem nicht mit Mikroschrift. Lieber ein zweiseitiger Text als Augenbluten. Dann aber bitte jede Seite mit Titel, Kontaktdaten und Seitenzahl versehen.
    Bei Bewerbungen zur Celler Schule natürlich KEINE Kontaktdaten auf dem Textblatt!
  • Verzichten Sie auf Klarsichthüllen und andere Beschäftigungsprogramme. Eine gemeinsame, schlichte (Klapp-)Hülle für mehrere Texte genügt (für die Bewerbung zur Celler Schule bitte nicht mal die). Schlampige und schmuddelige Unterlagen lassen Rückschlüsse zu. Überpingelige aber auch.
  • Fordern Sie auf keinen Fall, dass Ihre Texte zurückgesandt werden! Sie outen sich damit als Kontrollfreak und vor allem als Anfänger. Wer die Texte vor der Rücksendung kopieren wollte, könnte es ohnehin tun. Für ausufernde Erklärungen, wie mit Ihrem Text zu verfahren ist, gilt das Gleiche.
  • Wenn Sie Ihre Texte mailen: Legen Sie sich eine seriöse Mailadresse zu (sie sollte am besten Ihren Namen enthalten). Selbstbewusst darf sie sein. Aber hitschleuder-gerlinde-mustermann@gmx.de wäre sicher suboptimal.
  • Recherchieren Sie, an wen Ihr Brief oder Ihre Mail gerichtet ist. “Sehr geehrte Damen und Herren” lässt darauf schließen, dass Sie ins Blaue geschossen haben.
  • Lernen Sie loszulassen!

Übrigens freuen sich viele Komponisten, wenn Sie zusätzliche oder weggelassene Silben in Ihrem Text markieren. Folgende Kennzeichnungen empfehlen sich und werden verstanden:

(-) für weggelassene Silben (z.B. Auftakt oder Mittelzäsur)
kursiv für zusätzliche Silben (meist handelt es sich um einen Auftakt)

_ (Unterstrich), wenn eine Note geteilt wird – z.B. wenn aus einer Viertelnote zwei Achtelnoten werden sollen.

Am besten sprechen Sie abweichende Zeichen mit Ihren Komponisten ab.

Achtung: Das ist eine Kommunikationshilfe und kein Freibrief, sich über die Musik andauernd hinwegzusetzen! Also bitte sparsam handhaben.

Auch wenn Sie zu einem ersten Gespräch eingeladen werden, sollten Sie einige Dinge beachten:

  • Formulieren Sie die Bedürfnisse Ihres Gegenübers. Zwar wollen Sie etwas von Ihrem Gesprächspartner (nämlich Ihre Texte an den Mann oder an die Frau bringen). Beurteilt werden Sie aber nur danach, ob Sie etwas bringen – nicht danach, was Sie gern möchten. Bauen Sie Ihre Argumentation also auf dem Gedanken auf: Was nützt meinem Gesprächspartner? Stellen Sie ruhig Fragen. Fragen, die auf Zukünftiges zielen, sind Türöffner. Aber das Zukünftige Ihres Gegenübers, nicht Ihres! Entlocken Sie Ihrem Wunschpartner seine Visionen und Pläne und lassen Sie es wie zufällig dazu passen, wenn Sie von sich erzählen.
  • Verwenden Sie die Tatsache, dass Sie (noch) wenig Ahnung von der Branche haben, nicht als Entschuldigung. Aber bluffen Sie auf keinen Fall mit Wissen, das Sie gar nicht haben (Nachfragen Ihres Gegenübers können peinlich werden). Verkneifen Sie sich jedoch vorauseilende Entschuldigungen
  • Auch wenn man Sie bittet, von sich zu erzählen: Fangen Sie nicht bei Adam und Eva an. Beantworten Sie Fragen pointiert und langweilen Sie Ihr Gegenüber nicht. Überlegen Sie sich schon vor einem Gespräch in Ruhe, wie sie Ihren Lebenslauf – oder was davon wichtig ist – vorstellen können. Das können Sie auch auf Vorrat tun – falls Sie auf einem Branchentreff (oder wo auch immer) jemandem begegnen der Sie spontan fragt: “Und was haben Sie schon so gemacht”
  • Schwammige Selbstpräsentation schießt Sie gnadenlos ab (“Eigentlich habe ich…”, “Vielleicht könnte man sagen…”). Seien Sie konkret und überlegen Sie sich rechtzeitig vorher, wie Sie Ihre Fähigkeiten und Ihr Potenzial in ein gutes Licht rücken können. Übrigens ist es wie beim Texteschreiben selbst: Etiketten (“Ich bin zu jeder Tageszeit kreativ”) wirken weit schwächer als Filme (“Mich könnte man nachts um drei wecken und ich könnte nach zwei Minuten losdichten.”)
  • Schon wenn Sie reden, muss man Ihnen glauben, dass Sie mit Sprache souverän umgehen können. Ein paar gute Bücher über Schlagfertigkeit und Kommunikation zu lesen und regelmäßig aufzufrischen ist außerordentlich nützlich.

Wenn Sie sich jetzt fragen: “Wie soll ich das alles je schaffen?” Hier ist ein Rat von Martin Wehrle, der auch uns schon in manchem Stimmungstief aufgerichtet hat:

Betrachten Sie Ihre Träume und Visionen einmal mit der Frage:
Welcher Mensch hat es geschafft, ähnliche Pläne mit Erfolg umzusetzen? Befassen Sie sich mit der Lebensgeschichte dieser Personen. Wie ist es Ihren Vorbildern gelungen, all die Hindernisse zu überwinden?
Wie sahen deren erste kleine Erfolge aus? Und wann kam der endgültige Durchbruch? Recherchieren Sie im Internet, lesen Sie Artikel und studieren Sie ihre Biografie. Wenn Sie aber auf Ihr Idol treffen: Behandeln Sie dessen Privatsphäre unbedingt mit Respekt und überfahren Sie ihn nicht mit Ihrem recherchierten Wissen. Musikschaffende sind mehrheitlich keine öffentlichen Personen (nur das, was sie machen, ist von öffentlichem Interesse!) und reagieren schnell irritiert, wenn potentielle Partner sich ihnen allzu vehement an den Hals schmeißen. Eine gute Kombination aus Interesse und Taktgefühl hilft!

Natürlich dürfen Sie sich trotzdem fragen: “Was genau kann ich für meine Pläne von ihm/ihr lernen?” oder auch “Was würde er (oder sie) jetzt an meiner Stelle tun?” Ohnehin wird die Zeit kommen, in der Sie sich freischwimmen und Ihren eigenen Weg einschlagen. Seien Sie achtsam.

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