Musical Moments – Songtexte fürs Musiktheater

„Heppenheim!
Deine Bürger müssen Deppen seiM!
Sie erzwingen und sie rappen Reim!-
Was denkst du dir, oh, Heppenheim!?!“

Das ist nicht aus EVITA? Das klingt nicht nach Musical, sondern nach den Beatles…? Stimmt. –
Aber es trainiert & illustriert ein paar der Fähigkeiten, die es braucht, um einen guten Musical-Song zu kreieren: Beim Schreiben ist darauf zu achten, dass Betonungen und Silben-Verteilungen stimmen; beim Lesen zeigt sich die Singbarkeit.

Eine gute Übung ist es auch, sich ein- und demselben Sachverhalt aus der Perspektive unterschiedlicher Figuren zu nähern. Dafür (und natürlich ausschließlich zu Übungszwecken) mussten auch andere Welthits sich einiges gefallen lassen, z.B. YMCA:

„Liebste,
schön, Sie wiederzusehn,
wirklich, Liebste,
sind die Perlen nicht schön?
Sicher, Liebste,
würden die ihnen stehn!
Die sind wie für Sie geschaffen.“
(Annette Müller)

So klingt ein ähnlicher Dialog im Stadtteil nebenan vielleicht ganz anders:

„Gibts nich!
Hamwa grade nich da,
nee, dat gibts nich!
Ja, is schade, schon klar,
aber gibts nich, schon seit vorigem Jahr,
ey, wir sind hier nich im Hilton!“

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(Julia Hagemann)

Diese und andere Techniken vermittelte das Seminar „Songtexte im Musical“, das vom 19.-23.11. unter der Leitung von Edith Jeske in Berlin stattfand. Und natürlich machte es nicht nur schlau, sondern auch wahnsinnig viel Spaß! – Was haben wir gelacht bei „Memories“-Variationen wie

„Fernweh,
oh, das tut mir im Kern weh…“
(Juliane Weigel-Krämer),

zu denen uns Co-Leitung Julia Hagemann inspirierte! Und Julia ging dabei selbst immer mit gutem Beispiel und einer großen Portion Humor voran:

„Hulda!
Das war wirklich nicht nett,
also Hulda!
Mit dem Ferdi ins Bett,
wirklich, Hulda!
Hätt ich das geahnt, hätt
ich dich eher nicht genommen.
Hulda,
Mensch, was sollte das bloß
deinen, Hulda,
unvergleichlichen Schoß
gerade Ferdi,
diesem müffelnden Kloß
zum Gebrauch zu überlassen!?! –

Wir sehn uns wieder beim
Scheiiiidungsgericht,
nächsten Mittwoch beim…“
(Julia Hagemann)

Wir haben mit allen Sinnen geschrieben und wir haben mit allen Sinnen genossen. Und das nicht nur dank des abwechslungsreichen Programms aus Theorie und Schreibpraxis, sondern auch wegen des gemütlichen Dach-Ateliers und dem Buffet, mit dem uns unser Gastgeber Ludwig verwöhnt hat.
Abgerundet wurden die Tage mit Hörbeispielen aus Musicals wie Les Misérables und Linie 1.

Und die Cocktailkirsche auf dem Sahnehäubchen war das Gespräch mit Peter Lund, der uns am letzten Tag einen Einblick in seine Arbeit gab. Mit dem Musical STELLA räumten er und Wolfgang Böhmer den Großteil der Preise ab, die im Oktober von der Deutschen Musical-Akademie vergeben wurden.

Ja, es gab manchen Moment in der harmonischen aber streitbaren Gruppe, der es – wären wir Teil eines Musicals gewesen – erforderlich gemacht hätte, zu singen. Weil bloße Worte zum Beschreiben nicht mehr ausgereicht hätten. –
Zu dick aufgetragen? Macht nichts! Musical darf das.

Lukas Hainer, Santiano und der König der Piraten

Die Musik von Santiano begeistert schon seit drei Jahren ganze Familien. Ihren jüngsten Fans widmet die Band nun nicht nur ein ganzes Album, sondern eine komplett neue Welt voller Abenteuer und Geschichten. Ausgedacht hat sich dieses Hörspiel Lukas Hainer (Celler Schule 2012)koenig-der-piraten

Was geschieht?
Gemeinsam mit dem alten Haudegen Käpt’n Kork macht sich Schiffsjunge Freddy auf die Suche nach seinem Vater, einem berühmten Piraten, der schon vor langer Zeit verschollen ist. Unterwegs treffen sie auf den Feigling Wutz und die kämpferische Tiah, deren Heimat vom schwarzen Korsaren belagert wird. Und das ist nicht alles: Der Kaiser hat bekannt gemacht, den größten Freibeuter der sieben Meere zum „König der Piraten“ zu krönen. Freddy und seine Freunde stürzen sich ins Geschehen und erleben klirrende Säbelduelle, Verfolgungsjagden auf hoher See und manche faustdicke Überraschung.

Zwölf neue Songs mit allen Santianos und Gastsängerin Oonagh ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte, darunter die kraftvollen Santiano-Klassiker wie „Volle Fahrt“ oder „Herren der Winde“.

Damit sowohl Musik als auch Geschichte des „König der Piraten“ voll zu Geltung kommen erscheint das neue Album als Doppel-CD. Während auf CD1 alle Songs in das Hörspiel eingearbeitet sind, findet sich auf CD2 noch einmal das Musikalbum mit den Songs ohne Unterbrechung durch die Geschichte. So steht einem Daueraufenthalt des Hörspiels im Kinderzimmer nichts im Weg, während das Musikalbum mit den neuen Songs eigene Wege gehen kann.

Seit dem 04.11.2016 ist dieser generationenübergreifende Hörgenuss überall erhältlich. Das Buch „König der Piraten“ mit der ganzen Geschichte um Freddys erstes Abenteuer erscheint im Frühjahr 2017 im Thienemann-Esslinger Verlag. Schon jetzt gibt es für den „König der Piraten“ sicher nur einen Kurs: Volle Fahrt voraus!

20 jahre Celler Schule – Teil 2

Und weil sie nicht gestorben sind…

Seit 1996 hat sich einiges getan in der Celler Schule. Vieles davon verdankt sie einem Absolventen aus dem Jahre 2001: Tobias Reitz. Für ihn bedeutete das Zusammentreffen mit Edith Jeske nicht nur die Initialzündung seiner Karriere als Schlagertextdichter, sondern er stieg kurz darauf auch ……...

jawohhhhhhl!!!
….. als Dozent der Celler Schule ins Boot.

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miniatur-mit-rainer-1Fast von Anfang an als Komponist dabei ist außerdem Rainer Bielfeldt.  Weil es ja beim Songtextschreiben nicht allein um Silben und Reime geht, sondern auch um das richtige Gefühl für die Musik. Davon hat er so überreichlich, dass er es in enormen Mengen abgeben kann.

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Seit 2014 ist das Team zu viert: Julia Hagemann heißt der Zuwachs – Celler Schule Jahrgang 2011. In ihren Trainingseinheiten bringt Julia Ideen zum Sprudeln und beweist, wie vergnüglich saubere Metrik sein kann.

 

 

Texte mit Augenzwinkern

Nach zwanzig Jahren und 21 Jahrgängen zählt die Celler Schule mehr als 200 Absolventen, Hinzu kommen all diejenigen, die die Celler Schule als Gastdozenten unterstützen oder als Komponisten oder Produzenten schon mit ExCellenten zusammengearbeitet haben. Schade, dass man so viele Künstler nicht alle unter einen Termin-Hut bekommt.

 

Noch einmal zurück zum Abschlussabend, der gleichzeitig auch eine Werkschau darstellte. Nebenbei wurden etliche Songs der Dozenten fröhlich durch den Kakao gezogen. Lennart Schilgen etwa hatte aus der poetisch-melancholischen „Rinnsteinprinzessin“ die „Bimssteinprinzessin“ gemacht – eine Fußpflegerin aus Leidenschaft. Weil Schilgen leider schon vor dem Finale abreisen musste, gaben Komponist Bielfeldt und Textautorin Jeske Lennarts Version kurzerhand selbst zum Besten.

Mit der ihm eigenen Unschuldsmiene beklagte sich Jens Ohrenblicker, Celler Schule 2016, in seiner Betextung einer Bielfeldt-Ballade „…aber Rainer spielt mal wieder nur in Moll“– am Klavier begleitet natürlich von … Rainer Bielfeldt! Zu später Stunde rockte schließlich ein Hit dieses Sommers durchs Lutherheim: Max Giesingers „80 Millionen“ – an der Gitarre Mitautor Martin „Fly“ Fliegenschmidt – Celler Schule 2006. Auch diesen Text bekam das Publikum nicht ganz originalgetreu zu hören. Tobias Reitz sang nämlich die Fassung, die Google als ersten Treffer auswirft. Aus dem „Zufall unserer Begegnung“ wird so das „Ufer unserer Begegnung“. Funktioniert auch! Und – wir erinnern: Da war noch das Geburtstagsständchen für Tobias Reitz von Rolf Zuckowski. Vor lauter Hingerissen-Sein dachte niemand ans Fotografieren. Aber in diesem Video von Henning Ruwe auf facebook ist es eingefangen. Mit vielen anderen magischen Momenten.

Thomas Woitkewitsch – Freund mit Seltenheitswert

Als ganz besonderer (und ganz besonders treuer!) Gast muss noch Thomas Woitkewitsch erwähnt werde. Er schrieb für Rudi Carrell Songtexte wie „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ und brachte

 

  • … ihm zu jeder Sendung ein Fischbrötchen mit??
  • … das Funkhaus des WDR Köln beinahe zum Einsturz?
  • … seine erste Gage auf dem Rummelplatz durch?

 

Wie es sich damals wirklich verhielt, wird morgen Abend an dieser Stelle verraten.

20 Jahre Celler Schule:
wahre Worte, schöne Töne und das große Lalala…..

Dritter Oktober 2016, Tag der Deutschen Einheit. Im Lutherheim Springe strömt schon seit drei Tagen das Nestwerk der Celler Schule zusammen. Der Abschlussabend begießt gleich zwei Geburtstage: Die Celler Schule hat ihre ersten zwanzig Jahre gestemmt. Und Tobias Reitz wird um Mitternacht 37. (wir dürfen das an dieser Stelle verraten, weil es ja ohnehin auf Wikipedia steht).
unterricht-01konsrtantins-reimweltSeit drei Tagen schon haben gut dreißig ExCELLEnten unterschiedlichster Jahrgänge einander gecoacht, blindgedichtet, die Publikumspsychologie der ersten fünf Minuten erforscht, Sinn und Unsinn aus Rhythmen hervorgezaubert, Konstantin Schmidts neue, bessere Reimdatenbank mit-entworfen, julias-rhythmen-1Variationen zu einer Bielfeldt-Miniatur geschrieben, einen Hit aus den eigenen Reihen nach Geschenken ans Publikum durchforstet (Max Giesinger: 80 Millionen), einem zweistündigen Radioportrait der Celler Schule mit Henry Gross auf NDR1 Niedersachsen gelauscht, gut gegessen und:



immer zu wenig geschlafen.

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Denn bis in die Nacht zieht es die Gäste an Tasten und Saiten und sie spielen sich gegenseitig ihre Songs vor. Statt Genregrenzen ein wunderbar buntes Durcheinander, die ganze Bandbreite von Klamauk und Kabarett über Pop und Schlager bis hin zu Chansons und Liedermacherjuwelen.

 

Am letzten Abend platzt die Bude dann fast aus den Nähten. Ein weiteres reichliches Dutzend ehemaliger Teilnehmerinnen trudelt ein und ein paar der alten Hasen: Burkhard Brozat, Thomas Woitkewitsch (sowieso) und Rolf Zuckowski. Der bringt seine ganz andere Nationalhymne mit und singt um Mitternacht für Tobi das wohl berühmteste Geburtstagsständchen in unserer Sprache: „Wie schön, dass du geboren bist“. Wer hört das schon live vom Original? Und wann erlebt Rolfs Lied einen solchen Chor wie an diesem Abend? Die Celler Schule schmettert mit.
Und ein bisschen darf sie dabei auch sich selbst meinen.

Es war einmal…

Sommer 1996: Zum allerersten Mal trafen sich zehn Pioniere im Predigerheim Celle zum „Förderseminar für Textschaffende in der Unterhaltungsmusik“. Die Idee dahinter dürfte den meisten Lesern dieses Blogs bekannt sein:
Jeder, der Songtexte in deutscher Sprache verfasst, kann sich für diese zweiwöchige Masterclass bewerben. Eine Jury wählt zehn Teilnehmer aus und bestimmt in einem anonymisierten Bewerbungsverfahren anhand der Texte, wer dabei sein wird. Bewerben kann man sich bis zum 21.10. hier:

Draufgebracht wurde Edith Jeske übrigens von Hans Hee, dem wir unter zahllosen Hits das unsterbliche „Wasser ist zum Waschen da“ verdanken und einen der meistgespielten Evergreens: „Sierra Madre“. Hee war damals Präsident des deutschen Textdichterverbandes und verordnete Edith, ein Förderseminar für Textdichter zu entwerfen. Thomas Woitkewitsch war es dann, der irgendwann ganz selbstverständlich von der „Celler Schule“ sprach – denn damals war es noch Celle, wo die Veranstaltung stattfand. Der Name blieb, obwohl sie längst nach Springe umgezogen ist.

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Und weil sie nicht gestorben sind…

Seit 1996 hat sich einiges getan in der Celler Schule. Vieles davon verdankt sie einem Absolventen aus dem Jahre 2001: Tobias Reitz. Für ihn bedeutete das Zusammentreffen mit Edith Jeske nicht nur die Initialzündung seiner Karriere als Schlagertextdichter, sondern er stieg kurz darauf auch …

  • … durch ein Kellerfenster in eine Millionärsvilla ein?
  • … in einen Zug nach Nirgendwo?
  • … in der Fußball-Kreisliga dramatisch ab?

Mehr dazu morgen an dieser Stelle.

Ex-CELLE-nter Doppelerfolg beim Textwettbewerb Traulieder!

Julia Hagemann
Julia Hagemann

Ilona Boraud

Neue Texte zu bekannten Kirchenliedern suchte die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und schrieb 2015 den Wettbewerb „Texte für Traulieder“ aus. In den folgenden Monaten wurden aus 128 Einsendungen drei Gewinnertexte ausgesucht – und gleich zwei davon stammen von Ex-CELLE-ntinnen!
Julia Hagemann überzeugte mit ihrem – so die Jury – „unkonventionellen“ Text „Dein liebster Mensch steht heut vor dir“ auf die Melodie von „Geh aus mein Herz“.

Ilona Boraud gewann bei der Melodie „Großer Gott, wir loben dich“ mit dem Beitrag „Eure Liebe“. Die Jury lobte den „bilderreichen“ und „leicht eingängigen“ Text.
Die vollständigen Texte sind hier zu lesen:
Die Gewinnertexte werden mit jeweils 300 Euro prämiert und in das neue Beiheft  zum Gesangbuch der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck aufgenommen. Am 10. September 2017 findet in Marburg ein feierlicher Gottesdienst statt, in dem das Beiheft der Öffentlichkeit übergeben wird und die Preisträgerinnen offiziell gewürdigt werden.

Tatort Liebe? Tatort Springe!

 

Von Erdmann Lange (Celler Schule 2014)

Andi Königsmann, Erich Sellheim, Terence Olivier, Tobias Reitz und Erdmann Lange als Texter – sowie  abermals Andi Königsmann, Willy Klüter und Mike Rötgens unter den Komponisten: Alles Namen aus vergangenen (und im Falle der Dozenten natürlich auch künftigen) „Celler Jahrgängen“, die nun im Booklet zum neuen Album von Ross Antony mit dem Titel TATORT LIEBE zu finden sein werden, das am 12. Februar bei Telamo erscheint. Dabei ist zumindest einer der Titel sogar unmittelbar aus den in Springe bearbeiteten „Aufgaben“ des Jahres 2014 entstanden!Ross Antony

Insgesamt sind gleich fünf Songs auf dem neuen Album des in England geborenen Sängers und Moderators – nämlich LIEBE,  DAS TUT SO GUT, ICH LEBE MEINE TRÄUME, ZEIT ZU LEBEN  sowie DIE LIEBE WEISS SCHON WAS SIE TUT – Werke der oben genannten Ex – Cellenten und Celler Schule – Dozenten.

„Ross Antony featuring Celler Schule“, könnte man also sagen…

 

AnniKa von Trier – GERADE JETZT –
Premiere am 15.1.16

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Foto © www.curious.zone

Die Singer/ Songwriterin AnniKa von Trier ist mit ihrem lindgrünen Akkordeon im Jetzt unterwegs. Das Phänomen der Gegenwart, Lebensarten und Zeitgefühl im 21. Jahrhundert, der Zeitgeist in Berlin zwischen Ost und West nach 25 Jahren Mauerfall, ständige Erreichbarkeit, die Digital-Bohème, Karl Marx‘ Umgang mit Geld, der Fernsehturm als letztes Wahrzeichen, eigensinnige Clochards de Luxe und Patchworkfamilien sind ihre Sujets. In der Vielstimmigkeit ihres Gesangs kommt der polyphone Klang der Großstadt zum Ausdruck: Poetisch, politisch und schnoddrig wie Berlin.
Premiere Freitag, 15.01.2016 um 20 h

Haus Berlin – PANORAMABAR
(13. Stock, Aufzug)
Strausbergerplatz 1/ Karl-Marx-Allee
Weitere Termine
14.02. und 19.02.2016 um 20 h

Kartenreservierung unter karten@annika-von-trier.com
Kartentelefon: 01590-5178677

www.annika-von-trier.com

www.facebook.com/AnnikavonTrier

 

Zickzack zum Erfolg?

von Lothar Heising

Konstanz im Musikgeschäft? Vergiss es! Mal läuft es gut, aber meistens schlecht. Mal hat man als Songtexter viel zu tun, meistens nix. Mal rennt man dir die Bude ein, mal kennt dich anscheinend kein Schwein.

Umso erfreuter war ich, als sich Alexander Ferro meldete und fragte, ob ich ihm mal wieder als Texter behilflich sein könnte. Schließlich hatten wir seinen Song „Ein Königreich für deine Liebe“ und Marcella Carins „Unwiderstehlich“ zusammen geschrieben. Die zugeschickte Melodie lief gut und bald schon stand der Text. Okay, ein wenig außergewöhnlich war er schon. Aber weil ich weiß, dass Alexanders Publikum auf den Tanzflächen der Fox-Discos zu finden ist, passte es schon. Also: „Du, ich hab hier einen Schuh, Cinderella, wollt mal sehn, ob er dir passt, Cinderella!“ Ein Titel, der in jedem begehbaren Kleiderschrank sein Zuhause finden könnte.

Und was sagte der Komponist dazu? Tja, die selbstbestimmten Zeiten sind anscheinend vorbei, denn inzwischen hat der junge Barde ein Management, das sich auch im Musikbusiness auskennt. Sein Manager ist nämlich Uwe Hübner, früher Moderator der ZDF-Hitparade und inzwischen Betreiber der dj-hitparade und Herausgeber der gleichnamigen Sampler. Und der hat sich ein wenig vom traditionellen Fox-Schlager abgewandt und setzt jetzt eher auf die poppige Variante. Umso mehr freute ich mich, als am 2. November die Mail kam: Der Text ist abgesegnet.

Fünf Tage später hieß es plötzlich: Nein, der Text passt doch nicht. Der Sänger sollte doch nicht als Märchenonkel daherkommen und von Prinzessinnen und geküssten Fröschen singen. „Nana, ich hab doch nicht den Soundtrack zu den Gebrüdern Grimm geschrieben“ erklärte ich und weigerte mich standhaft, einen neuen und moderneren Text zu schreiben. Meine Argumente waren, dass es nun mal Alexander Ferros Stil ist, und dass er unbedingt glaubhaft und authentisch herüberkommen sollte. Nach langen WhatsApp-Mitteilungen habe ich mich von ihm freundlich verabschiedet und ihm viel Glück mit anderen Textern gewünscht. Anscheinend hatte er ja noch ein paar jüngere Texter in petto, die die moderne Schiene mittragen würden. Das war´s also!
Cinderella CoverNach einer weiteren Woche kam plötzlich die Mitteilung, „Cinderella“ würde die nächste Single werden … und in 11 Tagen ist Premiere! Wenn man zu einem Auftritt beim Branchentreff der dj-hitparade eingeladen wird, sollte man schon mit scharfen Waffen auf die Bühne gehen. Und Cinderella war scharf. Zwischen den vielen Vollplaybacks fiel Alexanders Liveshow schon sehr positiv auf.

Das blieb natürlich auch Uwe Hübner nicht verborgen, der sein Alexander Ferro-Konzept noch einmal neu überdenken musste. Das Ergebnis war, dass das erste Ferro-Album, das im Frühjahr auf den Markt kommen soll, im bisherigen Style sein soll und dann von den Tanzflächen aus in die Charts geht. Genau so haben z.B. Andrea Berg und Helene Fischer angefangen. Wenn ein Song die Tanzflächen füllt, wird er normalerweise auch seinen Weg machen.

Und was macht Cinderella? Sie war Neuvorstellung in der dj-hitparade und ist sofort auf Platz 5 gelandet, dann sogar auf 4. Hatte ich also doch Recht, dass das der richtige Song für ihn ist?

Und wie geht´s weiter? Wir schreiben gerade an weiteren Songs für das Album, aber inzwischen lass ich mir meine Texte nicht so schnell zerschreddern.
Wenn ich finde, der Song ist gut, dann kämpf ich auch für ihn.

DEUTSCHER MUSICAL THEATER PREIS –
Nachlese einer spektakulären Premiere

26.10.2015
Das TIPI in Berlin ist ausverkauft. Vor den Eingang bibbern einige in der Hoffnung auf Restkarten.
Drinnen knistert die Stimmung. Bekannte Gesichter im Halbdunkel des Zuschauerraums. Schöne Frauen in eleganten Kleidern, Männer im Jackett. Wer hier in Jeans und Shirt erscheint, trägt eine Kamera vorm Bauch.
Die Deutsche Musicalakademie lädt zur Gala: Erstmalig verleiht sie den DEUTSCHEN MUSICAL THEATER PREIS.
Pünktlich um acht flammen die Scheinwerfer auf und es teilt sich der Lamettavorhang für die Moderatoren des Abends: Katharine Mehrling und Thomas Hermanns, der ein Knallbonbon nach dem anderen zündet, und dem Katharine nichts schuldig bleibt. Schon bei der ersten Moderation gluckst das Publikum vor Vergnügen. Wenn RTL ein Warm-Up nötig hat – wir jedenfalls nicht.

In dreizehn Kategorien werden Preise vergeben: beste Komposition, bestes Buch, bestes Musical, beste Regie, beste Darsteller und Nebendarsteller, Kostüm, Bühnenbild, musikalische Gestaltung, Choreografie. Dazwischen Ausschnitte der nominierten Musicals. Gerechnet habe ich durchaus mit einer respektablen Show. Aber das hier haut mich vom Sitz. Das ist ganz großes Kino. Auch wenn manches ganz kleines Musical ist.

Aus der Schweiz ist ein gefühlter Bus voller Menschen gekommen: Das Ensemble und die Entourage von OST SIDE STORY. Buch, Songtexte und Komposition sind die Arbeit von Roman Riklin. Wir sehen Ausschnitte daraus, außerdem aus Lotte (Festspiele Wetzlar), Alma und das Genie (Stammzellformation), Gefährliche Liebschaften (Gärtnerplatztheater München), Der kleine Störtebecker (Schmidt’s Theater Hamburg).
Den Preis für den besten Liedtext darf heute ich verleihen – eine Ehre: ich bin die erste von all den vielen, die das künftig noch tun werden. Zuerst stelle ich die Nominierten kurz vor:
Roman Riklin (Ostside Story)
Kevin Schroeder (Lotte)
Tom van Hasselt (Alma und das Genie)
Heiko Wohlgemuth (Der kleine Störtebeker)
Dann ist es soweit. Am liebsten würde ich jedem dieser großartigen Kollegen den Preis in die Hände drücken. Leider kann ihn nur einer mit nach Hause nehmen:
Es ist Tom van Hasselt. Auch für mich eine Freude – er war 1998 Absolvent der Celler Schule. So lange kennen wir uns. Tom begleitet mit einer ebenso kleinen wie feinen Combo den Abend auch am Klavier. Dass er sich unter anderem auch beim kürzlich verstorbenen Christof Stählin bedankt, lässt einen kleinen Moment des Innehaltens entstehen. Christof wäre stolz.

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Und ich bin es auch, denn die Celler Schule steht kurz danach noch mal auf dem Siegertreppchen: Wolfgang Adenberg (Celler Schule 1996) ist einer der Preisträger der Kategorie „Bestes Musical“. Hier wird nämlich „Gefährliche Liebschaften“ ausgezeichnet, die Musical-Adaption, die Adenberg mit Marc Schubring geschrieben hat. Später hilft mir Roman Riklin geduldig drauf, dass er vor 17 Jahren mein Student im Popkurs war. Bei uns beiden liegen die Jahre und etliche Kilos dazwischen. Trotzdem finden wir, wir haben uns gut gehalten.

Der Abend geht seinem Ende und seinem Höhepunkt entgegen: Den Preis fürs Lebenswerk erhält Prof. Peter Weck. Mit CATS in Wien 1983 hat er Musicalgeschichte geschrieben. Und das war ja erst der Anfang. Fest steht, Peter Weck hat sich als erster getraut und über all die Jahre Wien zur Musicalmetropole gemacht.
Angelika Milster hält die Laudatio für diesen Mann, mit dem ihr eigenes Leben als Musicalstar so eng verbunden war.
Fazit des Abends: eine Premiere, wie aus dem Hut gezaubert, deren Leichtigkeit man die viele Arbeit im Hintergrund überhaupt nicht anmerkt.
ECHO – wir kommen!

 

Satirischer Monatsrückblick August 2015
von Joachim Zawischa

August ist Urlaubszeit, Zeit der Reise, der Sonne, der Erholung. Zeit des Sommerlochs. Da willst du einen locker-fluffig-sommerlichen Monatsrückblick schreiben.
Doch dann liest du die Schlagzeilen des Augustes 2015:
Zawischa 2015
In China geht ein Hafengelände in die Luft, die Börse in China jedoch stürzt ab.
Ein amerikanischer Soldat, der ein Trikot des FC Bayern trägt, stürzt sich auf einen marokkanischen Mann, der mit einer russischen Kalaschnikow durch einen französischen Zug rennt, welcher durch belgisches Gebiet fährt und aus Holland kommt.

Und dann Flüchtlinge! Heidenau! Rechte Dumpfbacken liefern sich mit der Polizei vor einem ehemaligen Baumarkt, der als Flüchtlingsunterkunft dient, eine Schlacht.

Und du denkst: Nö! Ach komm. Nicht schon wieder. Nein, ich will nicht mehr. Ich will es nicht mehr hören, ich will es nicht mehr lesen. Ich will nicht ständig Bilder in Zeitungen sehen, die hässliche Neonazi-Fratzen zeigen.
Wo sind die guten alten Schlagzeilen, wie: „Nacktbaden zieht immer mehr Menschen an.“ Oder irgendetwas mit Uli Hoeneß. Ich will lieber lesen „Pferdefleisch in Lasagne“ als „Neonazis in Heidenau“. Lieber „Salmonellen im Supermarkt“ als „Auflauf vorm Baumarkt“.
Und dann immer dieses Verständnis-Trallala: Wir verstehen die Ängste der Menschen vor dem Fremden.

Nein! Verstehe ich nicht! Null! Ich hab auch Ängste. Wenn ich jedes Mal etwas abfackeln würde, wenn ich Angst habe, wäre ich schon lange ein Pyromane.
Außerdem, wenn ich Angst vor dem Fremden habe, muss ich mich mit dem Fremden beschäftigen. Dann ist es nämlich nicht mehr fremd. Und macht auch keine Angst mehr.

Babys wollen sich...

Und diese Statements. Eine sächsische Frau sagte: „Isch habb Angst uff de Schdraaße zu geen, die vorgewaltigen dorr de Fraun, habsch gehörd.“ Mal abgesehen davon, dass das völliger Stuss ist, hört man solche Sätze meist von Frauen, die so aussehen, dass selbst potentielle Vergewaltiger ihre Finger von ihnen lassen würden.

Der Bürgermeister von Heidenau wurde laut Süddeutscher Zeitung von einem Demonstranten gefragt: „Warum Menschen als Menschen betrachten, die sich nur durchfüttern lassen wollen?“

Mein lieber Herr Gesangsverein, wo sind wir denn hier? Wenn ich so etwas höre, wird mir ja richtig übel. Denn dieser Logik nach müsste man vielen Menschen die Menschenwürde absprechen.
Zum Beispiel Pflegefälle in Pflegeheimen – die wollen sich auch durchfüttern lassen. Patienten auf der Intensivstation oder Schwerstbehinderte – lassen sich einfach durchfüttern. Und Babys erst, Babys sind die Schlimmsten, scheißen alles voll und dann den ganzen Tag füttern, füttern, füttern!

Flüchtlinge sind Menschen – und daran kann man im Moment nicht oft genug erinnern. Sie sind Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Wie groß diese Not zum Teil ist, beweist eine wahre Geschichte einer Flüchtlingsmutter aus Ghana. Sie hat unsere Kanzlerin als Namenspatin für ihr Kind eingesetzt. Ihr Kind heißt jetzt tatsächlich Angela Merkel. Da erahnt man doch, wie verzweifelt diese Menschen sein müssen.

Die junge Frau aus Ghana heißt übrigens mit Nachnamen Adé.
Ist doch ne Supernummer, oder? Denn ihr Töchterchen heißt jetzt mit vollem Namen Angela Merkel Adé.
Einfach den Akzent weglassen und schon gibt’s doch noch ne positive Schlagzeile: „Angela Merkel Ade!“ Ja, ich weiß, „ade“ müsste man klein schreiben. Aber wer wird denn bei so viel Vorfreude so pingelig sein.

In diesem Sinne, kommen Sie gut in den September. Und gehen Sie mal wieder ins Kabarett. Die neue Theater-Saison hat begonnen.
Auf jeden Fall denken Sie dran: Immer schön lächeln!

Noch mehr Rückblicke von Joachim Zawischa und überhaupt ein empfehlenswerter Blog:  hier

Daumen drücken für die Celler Schule beim
Deutschen Chansonpreis…..!

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Um das deutschsprachige Chanson zu fördern, verleihen Das Schiff und die Produktionsfirma Theaterplatz zusammen mit der BGFG zum bereits dritten Mal den Deutschen Chanson-Preis“ und den „Deutschen Chansonpreis Nachwuchspreis“ Am Dienstag, 19. Mai findet zunächst der Nachwuchswettbewerb „Deutscher Chansonpreis“ statt – und zwar auf dem Theaterschiff in Hamburg. Um 19.30 Uhr treten die Finalisten und Finalistinnen an, um Jury und Publikum zu überzeugen: Nisse Barfuss, Peter Fischer, Matthias Lüke, Lukas Meister, außerdem Masha Potempa, Lennart Schilgen und Christin Henkel – alle drei Absolventen der Celler Schule.

Am Mittwoch, 20. Mai um 19.30 Uhr folgt dann die Gala zum Wettbewerb: den ersten Teil des Programms bestreitet der Gewinner (oder die Gewinnerin) des Nachwuchswettbewerbs, der zweite Teil gehört Tim Fischer, dem der Deutsche Chansonpreis verleihen wird. Sein Begleiter und Komponist vieler Chansons ist Rainer Bielfeldt. Und der eine oder andere Text von Edith Jeske wird wohl auch dabei sein….

Der Fred-Jay-Preis 2015 für Marcel Brell:
ein Highlight für die Celler Schule

Diesmal war es sogar eine dreifache Preisverleihung, denn neben dem Fred-Jay-Preis wurde erstmalig der Radiokulturpreis vergeben. Er ging an zwei Radiosender: BR-Klassik und Radio Fritz. Die Laudatio hielt Dr. Ralf Weigand (Mitglied des Aufsichtsrats der GEMA). Er dankte den Vertretern beider Sender dafür, dass sie zuweilen auch Wege abseits des Mainstreams einschlagen, ließ aber auch durchblicken, dass nach oben noch einiges an Platz sei. Ein guter Start allemal für diesen Preis, der sowohl Sendern als auch der GEMA eine Stärkung der positiven Öffentlichkeitswirkung verspricht.

Und dann der – herbeigefieberte – Fred Jay-Preis. Beinahe ein Klassentreffen unserer Absolventen aus 19 Jahren. Viele reisten an, um mit Marcel Brell zu feiern und ihm zu gratulieren.

Jacobson Reitz BRell 2-002 05.05.2015 22-15-49Tobias Reitz stellte in seiner Laudatio die Biografien von Marcel Brell und Fred Jay einander gegenüber – mit verblüffenden Übereinstimmungen. Ganz nebenbei lernte man mehr über diesen Autor. Für Marcel hatte Tobias eine Sampler-CD mit lauter Liedern von Fred Jay aufgetrieben. 

 

AMichael Jay Jacobson red-002 12.05.2015 14-44-24uch Michael Jacobson, Sohn von Fred Jay, zeigte sich begeistert – sowohl vom Preisträger als auch vom Laudator.
Ausdrücklich hob er erneut den Grundgedanken des Fred-Jay-Preises hervor: „Die Auszeichnung soll einem Textdichter oder einer Textdichterin einen Schub geben, eine Hilfe zum Erfolg sein, eine Anerkennung am Anfang der Karriere, wo auch das Geld am meisten gebraucht wird“.

In diesem Sinne freuen wir uns auf Marcels nächstes Album, an dem die Arbeit jetzt beginnt.
Und wer die wunderbare Laudatio von Tobias Reitz in voller Länge lesen möchte, findet sie auf der Webseite des Deutschen Textdichterverbandes.

Thomas Woitkewitsch schreibt:
dass Marcell als Mensch und als Künstler ausgezeichnet ist, habe ich in Springe schon mehrfach erleben können.
Jetzt wurde er in Berlin mit dem Fred-Jay-Preis ausgezeichnet. Warum? Das hat unser Freund Tobi in seiner Laudatio mit wunderbaren Worten ausführlich begründet.
Ich behaupte nur: Das hat er verdient! Mehr als…
Mit freudigen Grüßen
Thomas