Anne Folgers Debut-Programm – Ein Selbstläufer

Von Turid Müller

Selbstläufer – der Name ist Programm!
Anne Folger ist wieder auf Tour! Und ich habe meine post-pandemische Saison eröffnet, und mir ihre Show angeschaut…

Anne Folger auf Sylt (Foto: Turid Müller)

Eineinhalb Jahre bin ich nicht im Theater gewesen! – Also… als Besucherin. Und es ist ein Fest, meinen „Spielzeitbeginn“ frisch durchgeimpft mit der Show einer lieben Kollegin zu begehen! Und dann noch in bester Gesellschaft! Und auf Sylt!
Hochsicherheitsmäßig werden wir eingecheckt: Impfzertifikat! Ist die Luca-App auch an? – Aber ohne Eintrittskarte wären wir vermutlich rein gekommen…! – Ein beruhigendes Gefühl, dass man es hier so genau nimmt, mit den Corona-Maßnahmen! Trotz aller Lücken und Verrücktheiten im System – hier gibt man sich Mühe!

Die Spannung steigt, das Licht geht an! Und da kommt sie auch schon in den Kursaal!
Freundlich. Und so sympathisch, wie ich sie auch aus dem Leben kenne. Nur mit noch ein bisschen mehr Strahlen.

Ein Tag am Strand mit Anne Folger (Foto: Turid Müller)

Sie hat uns sofort. Alle: Die musiktheoretisch Vorgebildeten, die auch bei den Ostereiern für Opern-Cracks lachen. Die, die gedacht haben, das wird Stand-up. Und sogar das Kind, das von seiner Familie mitgeschleppt wurde.

Anne Folger (Celle 2019) und ihr „Hauptarbeitsgerät“, wie sie den Flügel des heutigen Abends liebevoll nennt, nehmen uns mit durch eine abwechslungsreiche Melange:
Klavierkabarett, wie man es kennt und liebt. Kurzgeschichten aus ihrem Leben. Intelligente Comedy (Das war das Erste, was ich von ihr kennenlernte – aber ich liege immer wieder unterm Stuhl!).

Und ihr Markenzeichen: Eine virtuose Liaison aus Rock-Pop und Klassik! – GÄNSEHAUT!

Als das Saallicht wieder angeht, ist der Abend noch lange nicht vorbei! Natürlich wird er gebührend gefeiert in der (Juchhuuuuh, es geht wieder!) Außen-Gastro! Aber vor allem wirkt er noch nach: Die Welt ist plötzlich voller Insider, die mich an die Abenteuer erinnern, die ich mitgenommen habe:

Als ich vor Verlassen des Gebäudes noch mal für kleine Kleinkunst-Fans gehe, muss ich lachen, als das Wasser quietsch-blau durch die Schüssel spült. – Wer das verstehen will, dem sei Anne Folgers Debut-Programm sehr ans Herz gelegt, solange sie es noch spielt. Denn aktuell steht sie schon mit dem nächsten auf der Bühne: Fußnoten sind keine Reflexzonen! – Klar, was ich als nächstes gucke…!

Ein Preis – zwei ExCellent*innen: Der Förderpreis vom Kleinkunstpreis Baden-Württemberg geht an Anne Folger & Mackefisch

Von Turid Müller

Dieses Jahr wurde der hochdotierte Förderpreis gleich zweifach vergeben: Einer an Mackefisch, das Liedermacher-Duo aus Peter Fischer (Celler Schule 2018) & Lucie Mackert. Und einer an Klavierkabarettistin Anne Folger (Celler Schule 2019).

„Die Rekordzahl an eingegangenen Bewerbungen zeigt: Der Kleinkunstpreis ist aktuell wichtiger denn je“, betont Georg Wacker, Geschäftsführer von Lotto Baden-Württemberg. „Mehr als doppelt so viele Künstler wie üblich haben ihre Unterlagen eingereicht. Wir freuen uns besonders, die Preisträger auch in so einer schwierigen Situation unterstützen zu können und ihre Leistung zu würdigen.“ Daher wichen die Veranstalter*innen 2021 vom Usus ab, den Förderpreis nur an ein Projekt zu vergeben: „Der Fördergedanke ist tief bei uns verankert, deshalb haben wir beschlossen“, diesmal gleich „zwei vielversprechende Talente zu unterstützen“, bekräftigt Georg Wacker.

Lucie Mackert und Peter Fischer „sind sehr dankbar für diesen Preis des Landes Baden-Württemberg. Besonders in den auftrittslosen Zeiten von Corona, in denen einem das direkte Feedback zur eigenen Kunst etwas fehlt“ sei „so eine Auszeichnung ein fantastischer Rückenwind“, ließ das Bühnengespann verlauten.
„Superspannend“ war der Kommentar der Jury zum Material der Mini-Band.

Inzwischen arbeiten die zwei an ihrem neuen Album Oxytocin, das im März 2022 erscheinen wird.
Was das Dreamteam für Bühne und Leben sonst so bewegt? Nicht nur die Zukunft ihres Programms – auch die Zukunft unseres Planeten: Im Rahmen des Wettbewerbs Funny for Future vom Unterhaus Mainz haben Sie ein Video über ihren potenziellen Enkel gedreht. Bis 27.06. kann man für den bisher ungeborenen Nachfahren noch voten. Auch wenn es dabei eigentlich gar nicht ums Gewinnen geht, sondern um die Wurst – sprich: Um einen lebenswerten Planeten.

Anne Folger (Fotograf: Guido Werner)

Die andere Förderpreisträgerin ist Anne Folger. Fazit der Jury: „Blitzgescheit, charmant, spritzig, frech und hintergründig!“ Das Lied, das die Jury vor allem überzeugte, ist aus Fußnoten, dem brandneuen Programm der Musikkabarettistin: „Manche Anmerkungen findet man nicht im Text. Den kleingedruckten Stachel hinter dem Kompliment, die euphorische Schlagzeile mit ironischem Beigeschmack. Annes Blickwinkel sind eigenwillig und kommen leichtfüßig, aber tiefgründig daher. Mit Wortwitz und Ironie singt sie im Rosamunde-Pilcher-Stil gegen Großkonzerne, über das Glück zu fliegen, wenn die Beine fest auf dem Boden stehen, parodiert anschaulich Beethovens Götterfunken unter Lockdown- und Weingeist-Bedingungen, lässt Doremi (…), die Influencerin ihres Debüt-Programmes „Selbstläufer„, im neuen Tutorial erklären, welche Intervalle zum Fasten geeignet sind und warum der Tritonus keine Nuss ist.“

Bei ihrer Bewerbung hatten die Preisträger*innen es dieses Jahr krisenbedingt besonders schwer: „Die extrem hohe Anzahl der Bewerbungen ist (…) ein deutliches Signal dafür, dass die Künstlerinnen, Künstler und Gruppen auch in der Pandemie neue Programme und Formate entwickelt haben.“ Die Organisator*innen wollten mit dem Preis „in der herausfordernden Zeit der Corona-Pandemie auch ein Signal des Mutmachens setzen“, betonte Petra Olschowski. Die Kunststaatssekretärin ist sich sicher: „Auch die große Fangemeinde wird der Kleinkunst treu bleiben.“ Das kann sie dann hoffentlich spätestens bei der offiziellen Preisverleihung unter Beweis stellen: Wenn alles gut geht ganz klassisch in 3D – am 12. Oktober in der Württembergischen Landesbühne in Esslingen.

 

Sisters of Comedy – Ab jetzt für immer!

von Turid Müller

Kleinkünstlerinnen gehen bundesweit für mehr Gleichberechtigung auf die Bühne.

Im letzten Jahr hat Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert: Die Geburtsstunde der Sisters of Comedy. Das Ziel: Auf die Missstände in Punkto Geschlechtergerechtigkeit aufmerksam machen. – Die auf der Kleinkunst-Bühne und die in der großen Welt. Das hat so gut funktioniert, dass die Sisters offenbar gekommen sind, um zu bleiben: Ab jetzt stehen die Künstlerinnen jedes Jahr im ganzen deutschsprachigen Raum für mehr Gleichstellung im Rampenlicht. Und viele ExCellent*innen sind dabei!

Ja, das Sternchen lohnt sich! Denn es wandeln nicht nur Frauen auf den Pfaden der Emanzipation:

Mit Ferdi Riester ist unter den „Sisters“ auch ein „Brother“; als Teil der Gruppe Die schrillen Fehlaperlen gehört er zu den Gastgeber*innen in Erlaheim. Und im Hamburger Polittbüro haut an meiner Seite Michael Hierer als Quoten-Mann des Abends in die Tasten. In Hamburg sind die Sisters übrigens – bundesweit einmalig – gleich mit drei Spielorten vertreten! Aber jetzt zu denen, um die es eigentlich geht an diesem Abend: Die Frauen:

In Erfurt ist Isabel Arnold (HyperBel) Gastgeberin im HsD. In Esslingen steht Anette Heiter mit ihrem juristischen Kabarett auf der Bühne. In Herrenberg spielt Anne Folger auf der Klaviatur des Publikums – wie ihr Programm-Titel verspricht: ein Selbstläufer! In Köln gibt’s im Stollwerck Kabarett mit Dagmar Schönleber. Sie ist nicht nur die Patin der Show, sondern gehört auch (zusammen mit Carmela de Feo und Patrizia Moresco) zu den Gründerinnen der Bewegung. In Rheine rockt Feli die Stadthalle. In Stuttgart singt Katie Freudenschuß.

Habe ich eine Kollegin vergessen? – Dann lasst es mich bitte wissen! Die Fülle ist überwältigend! Gut so!

Denn: Feminismus ist zwar ein Wort, das nicht bei allen auf offene Ohren stößt. Aber die Kleinkunst ist nicht die einzige kulturelle Sparte, die sich mit Gleichstellungs-Fragen beschäftigt. Auch aus anderen Richtungen gibt es Bestrebungen, auf mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern hinzuwirken. Auf Facebook gibt beispielsweise es die Gruppe Musicalfrauen stärken Musicalfrauen“, die unter anderem bei der Preisverleihung der Deutschen Musical Akademie 2018 mit der Forderung 50/50 auf sich aufmerksam machte.

In diesem Sinne: Kommt gucken! Spielt im nächsten Jahr mit oder organisiert bei Euch vor Ort eine Show der Sisters! – Gemeinsam können wir was bewegen.