Der Spion der dich liebt – 1. Platz beim „Radio Grand-Prix“!

Von Turid Müller

ExCellent Alexander Scholz und „Celler Schule“-Dozent Franco Ferraro haben mit ihrem Schlager „Der Spion (der dich liebt)“ den Radio Song Contest 2018 gewonnen!

„Der Song hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel“, sagt Franco Ferraro. Ein Jahr vor dem letzten „James Bond“ hatte er die Idee dazu gehabt: Es gibt gar keinen Schlager über James Bond! Vielleicht bietet sich da eine Liebesgeschichte an?

In der Zeit hatte sich Alexander Scholz per Facebook bei ihm gemeldet. Und es hat nicht lange gedauert – dann war der Text entstanden. „Alexanders Texte“, verrät der Komponist, „sind so geschrieben, dass beim Drüberlesen schon die Melodie dafür“ im Ohr erscheint. Und so war das Lied bald komplett. Und sie haben es Jürgen Drews angeboten. Der wäre ein passender Interpret für den Song, findet Produzent Ferraro. Denn er hat die hohe Stimme, die es dafür braucht. Auch wäre die Nummer perfekt für sein damaliges Album gewesen: Es gab Fotos von ihm in Anzug und Fliege. Der Spion hätte gepasst wie die Faust aufs Auge! – Das fand auch Drews‘ Plattenfirma. Nur leider kam die Idee ein paar Monate zu spät: Die CD war gerade fertig! „Auf dem Album wäre der Song der Knaller gewesen!“ bedauert Ferraro. Die CD erschien sogar pünktlich zum Filmstart. – Aber so landete der Song in der Schublade.

Alexander Scholz und Franco Ferraro

Den Radio Song Contest hat Franco Ferraro schon zwei Mal gewonnen – mit seiner Band SECHSERPACK. Jetzt den dritten 1. Platz mit einem eigenen Projekt zu gewinnen, hat ihn sehr gefreut.

Dass der Song Potenzial für was Größeres hat – da sind sich alle einig. „Ich bin nicht so der Interpret“, gibt Ferraro zu bedenken, der den Song für den Wettbewerb selbst gesungen hat. „Das war früher mal. Jetzt bleibe ich eher im Hintergrund. Ich habe Familie; ich will nicht mehr rumtingeln.“ Also sucht er weiterhin nach einem passenden Interpreten.

Auch ins Englische haben die beiden den Song übertragen – um ihn David Hasselhoff anzubieten. Interesse sei wohl da, aber noch habe sich nichts Konkretes ergeben.

Ein Interpret für die deutsche Version des Songs wird weiterhin gesucht. – Und mit Glück wird es ja noch was mit Drews. Sie werden ihm den Titel auf jeden Fall noch mal anbieten. Vielleicht ist diesmal das Timing auf ihrer Seite.

Der erste Platz hat auf jeden Fall gezeigt, dass es ein Hit werden kann. Man darf also gespannt sein! Erstmal heißt es jetzt Warten. – Auch auf den Pokal. Der wird gerade hergestellt. Ein Pressefoto ist für Ende Mai geplant. Dann wird es hier nachgereicht. Und es gibt schon bald was auf die Ohren, nämlich hier. – Viel Spaß!

Der Schlager lebt. Noch Fragen?

von Edith Jeske

fast vier Stunden deutscher Schlager zur Primetime im Fernsehen. Der Musikantenstadl ist tot, es lebe der Schlagerboom. Wobei sich ja auch in der volkstümlichen Musik seit einiger Zeit was tut. Und hier wie dort steht derselbe Name drauf: Florian Silbereisen. Zugegeben: Wenns um volkstümlichen Schlager geht, gefällt mir nicht alles. Im Schlagerboom übrigens auch nicht. Ein musikalischer Fan von Micky Krause werde ich wohl nie.
Es geht um etwas anderes:

Florian Silbereisen und das Team dieses TV-Großevents haben es hingekriegt, den Schlager aus der Mottenkiste zu ziehen, wo er vor sich hin gemodert hat. Zumindest haben weite Teile der Öffentlichkeit es so wahrgenommen. Erst recht die Sendeanstalten, die eine Schlagersendung nach der anderen haben sterben lassen.
Und plötzlich kommen da die quicklebendigen Jungs von nebenan:  Sie haben den Schlager entstaubt, durchgelüftet und Lametta draufgeworfen. Bisschen viel Lametta, besonders für die Älteren unter uns. Dafür junge Gesichter im Publikum – wohin auch immer die Kamera schaut.
Und das ist der Punkt.

Den Ikonen des Schlagers wurde Ehre erwiesen. Und wenn sie wollten, haben sie gezeigt, was sie Neues am Start haben. Wenn nicht, liebt man sie trotzdem. Dass die große Zeit des deutschen Schlagers in Vergessenheit gerät, ist nicht zu befürchten. Aber wir schreiben das Jahr 2016. Und der Schlager ist dort angekommen.
Für uns Autoren heißt das: umdenken. Und uns selbst in Frage stellen. Möglich, dass ich diese Art von Schlager nicht werde liefern können. Dann muss das so sein. Die jungen (und jung gebliebenen) Textdichter sind da. Die nächste Generation war mehr als fällig.
Der Schlager lebt.
Und die Welt da draußen hats bemerkt. Spätestens jetzt.