Blog-Buster. Neue Redakteurin stellt sich vor

Seit einigen Monaten steht über den Blogbeiträgen des Öfteren ein neuer Name: Turid Müller. Das bin ich. 

Seit Herbst letzten Jahres bin ich im Team und habe die Freude, für Euch über Neuigkeiten aus dem Musikbusiness und dem Umfeld der Celler Schule zu berichten. Höchste Zeit, hallo zu sagen!

Moin moin aus Hamburg! Ich bin ExCellentin des Jahrgangs 2016. Direkt nach diesen (Schlaf-ärmsten wie Inspirations-reichsten Wochen meines bisherigen Lebens) bin ich mit meiner ersten eigenen Show durchgestartet: Die Teilzeitrebellin heißt das Musikkabarett- und Chanson-Programm, das ich zusammen mit meinem Pianisten Stephan Sieveking und gut gepampert von NestWerk wie Musenmuddi aus der Taufe gehoben habe.

Fotograf: Torge Niemann

Was ich singe? PolitChansons und SeelenBalsam – von satirisch bis sensibel ist alles dabei. Dabei geht’s durch viele verschiedene Genres von Pop bis zum klassischen Chanson. Zwischendurch plaudere ich aus dem Nähkästchen meiner Erfahrungen als Psychologin, die mir einen sehr speziellen Blick auf die Welt ermöglichen…

Die Celler Schule war der Startschuss, der mir lange gefehlt hatte. Und ich freue mich unbändig, jetzt meiner Berufung zu folgen und weiter mit diesem einzigartigen Netzwerk verwoben zu sein – auch durch diesen Blog. Eure Erlebnisse und Erfolge schreibend begleiten zu können, macht mir wahnsinnig viel Spaß. Und ich bin gespannt, welche Geschichten noch auf uns warten!

Wenn es etwas gibt, das Ihr für erzählenswert haltet, meldet Euch gern jederzeit bei mir! Ganz gleich, ob es dabei um Euch und Eure Projekte geht oder um etwas anderes – lasst es uns wissen!

Ich freue mich, Euch kennen zu lernen, und lade Euch hiermit ganz herzlich ein, mal vorbeizuschauen. Unter den nächsten Gelegenheiten sind zum Beispiel diese:

  • 16.03. Stollwerck Köln
  • 08.04. Sprechwerk Hamburg
  • 12.04. Das Kult Braunschweig
  • 13.04. Schauspielhaus Bergneustadt
  • 18.05. Theater O-Tonart Berlin

Also dann…

Bis ganz bald hoffentlich. – Auf einen Plausch im Foyer, in Eurer Mail an mich oder hier im Blog beim nächsten Artikel.

Turid

 

 

In himmlischer Ruh. – Dichterischer Abschluss von 2017.

Von Turid Müller.

 

Mit dem Monatsgedicht Dezember wünscht Musikkabarettist Michael Feindler seiner Leserschaft „ein möglichst friedliches Jahr 2018“:

 

In himmlischer Ruh

Am sechsundzwanzigsten Dezember geht er
bei Sonnenuntergang durch jene Straßen,
wo kürzlich Menschen in den Buden saßen,
vor denen Glühweintrinker Bratwurst aßen.
Er läuft daran vorbei und schließlich steht er
am Marktplatz vor den großen Tannenbäumen,
die diesen Platz samt Lichterketten säumen,
und weiß: Bald fängt man an, sie wegzuräumen.

Doch jetzt, für den Moment, wie eingefroren,
erstreckt sich hier mit leuchtend heller Miene
die weihnachtliche Jahresend-Ruine.
Sie hat im Schatten festlicher Termine
an Trubel, aber nicht an Glanz verloren.
Im Gegenteil. Er hat schon oft gedacht,
wie gut sich all das ohne Menschen macht.
Er lächelt und summt leise „Stille Nacht“.

Wer nicht warten möchte, bis Feindlers Monatsgedichte ihren Weg bis in diesen Blog gefunden haben, kann sie Übrigens auch per Newsletter abonnieren – und zwar hier: michael-feindler.de

Engelszungenbrecher – Lieder und Schabernack mit Lennart Schilgen

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Nun ist es raus, das erste Album von Lennart Schilgen, das live im Zebrano-Theater in Berlin aufgenommen wurde. Engelszungenbrecher heißt es, genau wie Lennarts aktuelles Solo-Programm. Schon im Titel zeigt sich sein Hang zur Doppelbödigkeit. „Ich habe heute so viel vor…“, platzt der Berliner Liedermacher und Musik-Kabarettist gleich zu Beginn heraus, um dann mit einem „…mir hergeschoben“ die vollmundige Behauptung gleich wieder zu relativieren.

„Lieder und Schabernack“ machen, das mag er und das kann er. Lennart Schilgen inszeniert sich dabei als sympathischer Loser, auf dessen To-Do-List ganz oben „Aufstehen“ steht, der aber an der Snooze-Taste oder an der verlorenen Telefonnummer scheitert. Das tut er mit soviel Musikalität, sprühendem Wortwitz und Selbstironie, dass dieses Scheitern für den Zuhörer zum reinsten Vergnügen wird. Es geht dem Liedermacher in erster Linie nicht um den schnellen Gag. Seine Texte zeichnen sich durch genaue Beobachtungsgabe, perfekte, unverbrauchte Reime und einen Hang zum Absurden aus. Das ist komisch und anrührend gleichzeitig, wenn das Komische ins Tragische kippt und umgekehrt. Und dabei sitzt Lennart immer der Schalk im Nacken wie Pippi Langstrumpf Herr Nilsson, der kleine Affe.
Lennart Schilgen erzählt nicht nur von widerspenstigen inneren und äußeren Schweinehunden und deren Zähmung, sondern auch von Frauen: von der globetrottenden Marta zum Beispiel, der er schon nachheult, bevor sie noch weg ist, oder von Miriam und ihren rotäugigen, blassen Handyfotos und vor allem von Lea, der Kurzzeitflamme, der er am Telefon gesteht, er hätte ein Lied für sie geschrieben und – Was für ein charmanter Wink mit dem Zaunpfahl an die Radiomacher! – sie solle es von ihm erfahren und nicht aus dem Radio. Lea wurde von David Wonschewski auf seinem Lieder- und Chansonblog Ein Achtel Lorbeerblatt zum Videotipp des Monats Dezember gekürt. Lennart begleitet sich selbst bei seinen Songs, er spielt Klavier und Gitarre, routiniert und vielseitig, mal zart, mal Rock’n’Roll, so wie es eben der Inhalt des Songs verlangt. „Was dabei herauskommt, ist subtiler Wahnsinn zum Wohlfühlen“, schreibt der Pressetexter. Der Mann hat Recht!

Schilgen, Absolvent der Celler Schule 2011, ist mit seinen 28 Jahren in der Szene kein Unbekannter mehr. Er hat sowohl im Alleingang als auch mit seiner Kabarett-Band Tonträger schon etliche Chanson- und Kleinkunstpreise gewonnen, darunter den 1. Preis (plus Publikumspreis) beim Potsdamer Chansonfestival 2012 – vor Georg Clementi und Konstantin Schmidt. Mit den Tonträgern gewann er 2017 die St. Ingberter Pfanne, als Solokünstler ersang er sich im selben Jahr beim Deutschen Songcontest Der Troubadour trotz gerissener Gitarrensaite den 3. Platz. 2016 gewann er den Bielefelder Kabarettpreis und ein Jahr zuvor den Deutschen Chansonpreis 2015 in der Nachwuchskategorie. „Man geht mit Freude mit auf seine doppelten Böden, man jubelt innerlich über die vielen Einfälle und Reime. Wunderbar leichte, überraschend unaufwändige und höchste einfallsreiche Songs“, hieß es in der Laudatio. „Lyrisch astreines Wortwerk … eines Reinhard Mey würdig“, schrieb der Tagesspiegel.

Erhältlich ist Engelszungenbrecher unter mail@lennartschilgen.de oder als Download bei Amazon,iTunes, Spotify, Deezer, Google Play, 7Digital und Slacker.

Blogbeitrag Nr. 500:
40 Jahre JeskeTexte. Und was für ein Fest!

1977:
In Bonn und kurz darauf in Berlin stürzt sich eine junge Frau in die Kneipen und Clubs der Liedermacherszene und auf die Bühnen. Sie will eine erfolgreiche Sängerin werden.

Karikatur: Dave Andersen

 

 

2017:
Es ist anders gekommen. Statt der Bühne ist es der Schreibtisch geworden, und sie genießt es, zumal sie kürzlich 60 wurde und es gern etwas ruhiger mag. Nur heute begrüßt sie ihre Gäste mit einem Lied. Denn in diesem Jahr feiert Edith Jeske vier Jahrzehnte Liedtexten.

Bevor sie sich vom Abendprogramm überraschen lässt, begrüßt Edith Jeske ihre mehr als hundert Gäste mit einem Lied (hier ein paar Auszüge).

 

(…)
Ich kann jetzt endlich Kohle sparnJeske singt
und auf Seniorenticket fahrn.
Ich höre noch nicht allzu schwer.
Mit Größe M komm ich noch hin,
die eignen Zähne sind noch drin
und schwanger werd ich auch nicht mehr….

(…)
Auf euch, da war und ist Verlass –
wenn ich das mal in Worte fass.
Wir halfen uns durch manche Krisen.
Denn wir, wir glauben fest daran,
dass man auch Eintracht säen kann.
Ihr habt es tausendmal bewiesen.

Und heut – mit meinen 60 Jahren
schau ich zurück voll Dankbarkeit
Ein Hoch auf was wir sind und waren!
und noch ein bisschen gute Zeit.“

Während in Berlin Christian Lindner die Verhandlungsgespräche über eine Jamaika-Koalition plazen lässt, ist das Haus Mariengrund in Münsters Norden eine Insel der Harmonie und der Harmonien.
40 Jahre Songtexten wollen gefeiert werden. Unterrichten wollte die Jeske nie. Inzwischen macht sie genau das seit 28 Jahren. 1996 gründete sie die Celler Schule, und viele der Absolventen sind gekommen, am 19. November. mit Thomas
Nicht nur ExCELLEnten und -innen entern den Festsaal. Auch Freunde aus 40 Jahren, echte Verwandte und „reingeliebte“, einige von Jeskes liebsten Komponisten und Interpreten, dazu Theatermenschen von beiden Seiten des Bühnenvorhangs. Denn es soll auch ein Netzwerktreffen werden. Oder NESTwerk, wie Thomas Woitkewitsch es so gern nennt.
Der ergreift das Mikrofon und singt eigens für den Abend und die Gastgeberin Getextetes. Bastian Sick hat ein Gedicht mitgebracht, im dem er die Konfettikanone der Reime auf „Edith“ abfeuert. Tim Fischer singt die Rinnsteinprinzessin und seinen Lieblingssong von Woitkewitsch.
Menschen, die einander bisher nie gesehen haben und sich im echten Leben vielleicht nie begegnen würden, stehen als Chor auf der Bühne und singen – jede/r eine Strophe und ganz ohne Probe – den Muddi-Song, den Turid Müller im Mail-Fernverfahren gemeinsam mit ihnen auf die Beine und die Bühne gestellt hat.

Muddi-Song
v.l.n.r.: Marvin Ochmann, Denis Sarp, Christina Arnold, Turid Müller, Doris Denke, Andrea Gegner, Jutta Dahl, Feli Feles, Sandra Niggemann, Mario Rembold

Als Zeremonienmeister durchs Programm führt Tobias Reitz. Und hat natürlich auch „was vorbereitet“ – das große La la la, welches schon in der Celler Schule jedes Abschlussfest mit neuen Texten aus Tobis Feder adelt.

Tobi singt 02.jpeg
Tobias Reitz

Die Karte obenauf – „Muddi macht das schon“ steht drauf
Bei der Frage, was sie macht, Da hab ich mir so gedacht:

Ja
Wenn du wen brauchst für deinen Text
Wo du grad steckst
Und es ist wie verhext – na, Muddi macht das schon!

Wenn du wen sucht mit Geist und Ader
Von Ernst Bader
So ein Wortgeschwader – Muddi macht das schon……

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi, unser Star.

Wenn du wen brauchst, der auch bei Hiltis
Ganz gechillt is
Und zu bohrn gewillt is, Muddi macht das schon!
Wenn du ’ne Katze bist, die schaut
Bei Immoscout
Wer kriegt sie gut verstaut? Ach, Muddi macht das schon!

Wenn du wen suchst, der dein Metrum
Verbessert und
Dir hilft die Zeilenlänge zu beachten – Muddi macht das schon

Wenn du wen brauchst mit noch mehr Kitsch
Als Woitkewitsch
Ich hab den Tipp für ditsch – die Muddi macht das schon

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi – unser Star

Turid singt
Turid Müller

Bis halb drei am Morgen geht das Programm. Zu später Stunde und vor immer noch vollen Reihen singt Turid Müller ihrer MusenMuddi noch den Pipi in die Augen, mit einer Premiere – einem Lied für die Mentorin:

Wie ein Wink des Schicksals.
Wie ein Stoß mit nem göttlichen Queue:
Plötzlich bringts alle Kugeln ins Rollen.
Du fragst: „Werde ich jemals..?“
Und du denkst dir schon: „Nö….“
Doch son Engel sagt: „Du musst nur wollen.“
„Ich trau dir das zu!“ ist sein magischer Satz.
Und alles fällt an seinen Platz.“
(Turid Müller & Stephan Sieveking)

 

Den Videomitschnitt macht Henning Ruwe zum Geschenk, mit den Tischdekorationen und auf der Bühne verzaubert Romanautorin Christine Vogeley die Gäste, Burkhard Heim liest Patrick Süskind, Marcel Kösling bringt einen Tisch zum Schweben, Gordon November stellt  seine traumhafte Bühnenanlage zur Verfügung und singt zwei seiner Lieder, außerdem Rainer Bielfeldt als Solist, aber auch als Begleiter vieler Kollegen, Willy Klüter, Annette Postel, Katja Kaye, Matthias Reuter, Andreas Schleicher, Henrika Fabian, Corinna Fuhrmann, Karla Feles, Alin Coen, Lennart Schilgen Jan Jahn, Peter Bytzek – Weggenosse aus Berliner Zeiten, Sandra Niggemann und Mario Rembold, Heike Baller, Julia Hagemann, eine gemeinsam mit Jeske getextete Schlagersingle geben Petra und Kurt Schoger zum Besten, die Musikantenstadl-Bürgerwehr schmettern Jeske mit Emmi und Willnowski Emmi und Willnowski, für die Edith Jeske seit weit mehr als zehn Jahren Songtexte schreibt.

 

Schwester Juttamaria

Und – ganz zum Schluss gegen halb drei – helfen die Gäste beim Aufräumen, denn der Saal muss um acht Uhr am Montag besenrein übergeben werden. Mindestens zwei Dutzend Hände packen mit an. Müdigkeit wird überbewertet.
Solche Freunde Kollegen sind mit Gold nicht aufzuwiegen.
Da stimmt auch Schwester Juttamaria zu.

 

 

„Nett gemeint“ – Das Monatsgedicht von Michael Feindler

Hier ist es: Michael Feindlers Monatsgedicht!

Aktuell wie immer setzt er sich diesmal mit der aktuellen Internet-Kampagne auseinander: #metoo

 

Losgetreten wurde die Kampagne von Alyssa Milano. Via Twitter regte die Schauspielerin an, dass alle Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, dies sichtbar machen. Und zwar mit dem Hashtag #MeToo („Ich auch“). Die dadurch angestoßen Diskussionen sind weltweit, kontrovers und reichen bis hinein ins politische Geschehen. Feindler kommentiert das im Monatsgedicht Oktober:


Nett gemeint

Er wurde langsam wütend, denn er fand,
dass sie ihn regelmäßig falsch verstand.
Er habe nämlich stets Respekt vor ihr,

ihm käme etwas wie Sexismus schier

nicht in den Sinn – er sei da reflektiert,
er habe ja im Übrigen studiert,
und überhaupt: Bevor sie auf die Schnelle
ein Urteil über seine Worte fälle
und ihm Wer-weiß-was-Schlimmes unterstelle,
wär schön, wenn sie dabei im Auge hätt:

Er meine, was er sage, immer nett.
Sie schlug ihm vor, dann dürfe er gern wagen,
das eigentlich Gemeinte auch zu sagen.
Es würde schließlich naheliegend scheinen,
er würde das Gesagte auch so meinen.

 

Lyrik von Feindler! – Wer mehr davon will, kann das haben. Und zwar in seinem aktuellen Programm „Artgerechte Spaltung“:

 

16.11. Leipzig, Academixer
23.11. Leichlingen, Kulturcafé
25.11. Köln, Ateliertheater
02.12. Karlsruhe, Kabarett in der Orgelfabrik 22.12. Hannover, Theater am Küchengarten

Neue CD von Sylvia – Die Unvollendete

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Sylvia - die Unvollendete
Sylvia – Die Unvollendete

Was kann einen himmelblauen Frühlingstag noch schöner machen? Ein Päckchen aus Berlin. Darin die neue CD der Musikkabarettistin und Chansonsängerin Sylvia – Die Unvollendete. Nach „Fang nichts mit deinem Pianisten an“ legt die ExCELLEntin (Jahrgang 2007) ihr 2. Album mit dem Titel „Egoisten müssen zusammenhalten“ vor.

Ist Ihnen dieses Phänomen vertraut? Sie lernen jemanden kennen und möchten gerne mehr über ihn erfahren. Gespannt werfen Sie die Suchmaschine Ihres Vertrauens an und stalken dem Objekt Ihrer Begierde virtuell hinterher. Sylvia tut es auch. „Ich hab dich gegoogelt heut Nacht“, gesteht sie mit leicht frivoler Stimme auf dem 1. Lied der CD, einem Lied, das man nicht mehr aus dem Ohr kriegt und das mit einer wunderbaren Pointe endet. Ein toller Einstieg! Dass die Chansons eine unerwartete Wendung nehmen, ist neben den witzigen, unverbrauchten und durchwegs perfekten (von wegen unvollendet!) Reimen eine Spezialität von Sylvia. Erstaunlich, was die Frau alles auf dem Kasten hat: Sie schreibt nicht nur die Texte, sondern auch die Melodien selbst, die – durchaus beabsichtigt – wie aus der Zeit gefallen klingen. Das macht eine ganze besondere reizvolle Mischung aus. Ihre musikalischen Vorbilder wie Friedrich Hollaender und Georg Kreisler sind unüberhörbar.

Der Bogen der Themen ist weit gespannt. Mal gibt sich Sylvia – Die Unvollendete mit entzückender Berliner Schnauze (n)ostalgisch („Wenn noch DDR wär“), mal nimmt sie den zeitgeistigen Lifestlye auf die Schippe („Nimm doch ’nen Nerd“, „Du bist fest und ich bin frei“ und „Wer kennt wen?“). „Das Bett von Jeannette“, in dessen Matratze noch Licht brennt (Was für eine köstliche Formulierung!) endet in einem Furioso. Regisseur und Chansonsänger Jo van Nelsen attestiert dem Lied absolute Kreisler-Qualitäten in Text und Melodie.

„Fang nichts mit deinem Pianisten an“, riet Sylvia – Die Unvollendete auf ihrer ersten CD. Nun hat sie es doch wieder getan. Der Mann am Klavier ist Peter André Rodekuhr, der auch zwei Duette mit der Chansonette singt. Egoisten müssen zusammenhalten. Zumindest für die Dauer von 14 Liedern. Die CD gibt es auf Amazon, I-Tunes und GooglePlay.

 

 

 

 

 

 

 

Eckart Hachfeld im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Vierzig Jahre sind es her, dass Mathilde, Ottilie, Marie und Liane, das Damenkränzchen in der Konditorei ums Eck, das erste Mal zum Sturm auf das Kuchenbuffet bliesen. Udo Jürgens hat ihren genüsslichen Schlachtruf Aber bitte mit Sahne! unvergessen gemacht. In den Mund gelegt wurde ihm dieser von dem satirischen Multitalent Eckart Hachfeld. – Ein Porträt mit Sahnehäubchen.
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VOM OFFIZIER ZUM SATIRIKER
Eckart Hachfeld wurde am 9. Oktober 1910 als Sohn eines Offiziers in Lothringen, das damals zu Deutschland gehörte, geboren. Er besuchte das Gymnasium in Mannheim und studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg, Leipzig und Kiel. Nach der Promotion 1935 arbeitete der Jurist u. a. als Anzeigen- und Werbeleiter und war im Zweiten Weltkrieg als Offizier im Einsatz. Er kam in englische Kriegsgefangenschaft, wo er – man glaubt es kaum – sein humoristisches Talent entdeckte und eine Kabarett-Truppe namens Waschbrettl um sich scharte. 1946 ließ sich Hachfeld mit seiner Frau Erika Levin und seinen drei Söhnen Eckart, Rainer und Tilman in Hamburg nieder und startete als Kabarett-Texter durch. Er schrieb für die Bonbonniere in Hamburg, die Mausefalle in Stuttgart sowie die Stachelschweine in Berlin, wurde Hausautor im Düsseldorfer Kom(m)ödchen und machte Wolfgang Neuss zum ,Mann an der Pauke’. Hachfeld galt als kreativster Satiriker des Wirtschaftswunders. Sammy Drechsel von der Münchner Lach- und Schießgesellschaft bezeichnete ihn als Kaiser unter den Kabarett-Textern. Auch viele Sendungen in Radio und Fernsehen trugen seinen satirischen Stempel.
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AMADEUS GEHT DURCHS LAND
Ein neues Kapitel schlug der vielseitige Texter, der nach Berlin übersiedelt war, 1951 auf, als er für Die Welt eine gereimte wöchentliche Zeitsatire mit dem Titel Amadeus geht durchs Land verfasste. Sein Wechsel zum Stern zehn Jahre später hatte einen unerfreulichen Rechtsstreit zur Folge, den der Autor aber gewann. Bis 1990 nahm Amadeus Woche für Woche seine Landsleute aufs Korn. An die 2000 Glossen sind es geworden. Sie erschienen auch in Buchform, ebenso wie eine Neufassung des Struwwelpeters. Sohn Rainer, der als Karikaturist arbeitete, steuerte die Zeichnungen bei. Auch als Drehbuchautor machte sich Hachfeld einen Namen. Die Liste der Filme ist lang. Unvergessen sind Der Pauker (1959, mit Heinz Rühmann), Was eine Frau im Frühling träumt (1959, mit Winnie Markus), Ich zähle täglich meine Sorgen (1960, mit Peter Alexander), Der letzte Fußgänger (1960, mit Heinz Erhardt) Kohlhiesls Töchter (1962, mit Lieselotte Pulver) und Was ist denn bloß mit Willi los? (1970, mit Heinz Erhardt). Noch heute tauchen die einstigen Kassenschlager im Samstagsnachmittagsprogramm im Fernsehen auf.
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ABER BITTE MIT SAHNE
Am meisten im Gedächtnis geblieben sind aber Hachfelds Schlagertexte. 1970 kontaktierte Udo Jürgens’ Manager Hans R. Beierlein den Autor auf der Suche nach gesellschaftskritischen Liedern. Lieb Vaterland war ein Wagnis, das zahlreiche Diskussionen auslöste. Soviel Provokation wollten die meisten Udo-Fans dann doch nicht hören und auch die Radiostationen wie Radio Luxemburg nicht, die das Lied boykottierten. Versöhnlicher stimmte das Lied Zeig mir den Platz an der Sonne, das Udo Jürgens im August 1971 im Berliner Olympiastadion vor 75.000 Zuhörern als Hymne der Deutschen Fernsehlotterie präsentierte. Den Vogel schoss Hachfeld eindeutig mit Aber bitte mit Sahne ab. Das Lied erschien 1976, wurde 1977 in den Diskotheken zum Superhit und ist heute noch ein unverwüstlicher Oldie. Insgesamt 18 Lieder schrieb Hachfeld für Udo Jürgens. Französisch singende Stars wie Dalida (Er war gerade achtzehn Jahr), Adamo, Gilbert Becaud und Charles Aznavour belieferte er mit deutschen Texten. Auch die Übersetzung von Stephen Sondheims Song Send In The Clowns aus dem Musical A Little Night Music (Wo sind die Clowns) stammt aus seiner Feder.

AUF DEM WALK OF FAME

Eckart Hachfeld drängte sich nie ins Rampenlicht. „Mein Vater verstand sich als Handwerker, nie als Künstler“, sagte sein Sohn Tilman, ein Theologe, in einem Interview. Und sein Sohn Eckart, der Gründer des Berliner Gripstheaters, der den Künstlernamen Volker Ludwig trägt, meinte: „Jeder deutsche Fernsehzuschauer und Rundfunkhörer kennt Texte von ihm, auch wenn er in der Regel nicht weiß, wie der Autor heißt“.

Der Ruhm war bereits verblasst, als der „Text-Kaiser“ am 5. November 1994, wenige Wochen nach seinem 84. Geburtstag, nach einem Herzinfarkt starb. Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze, behauptete Schiller. Dem Textdichter auch nicht, füge ich hinzu. Für Satiriker jedoch fällt manchmal ein Stern ab. So auch für Eckart Hachfeld. Ein Stern auf dem Walk of Fame des Kabaretts in Mainz trägt seinen Namen.

AnniKa von Trier – GERADE JETZT –
Premiere am 15.1.16

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Foto © www.curious.zone

Die Singer/ Songwriterin AnniKa von Trier ist mit ihrem lindgrünen Akkordeon im Jetzt unterwegs. Das Phänomen der Gegenwart, Lebensarten und Zeitgefühl im 21. Jahrhundert, der Zeitgeist in Berlin zwischen Ost und West nach 25 Jahren Mauerfall, ständige Erreichbarkeit, die Digital-Bohème, Karl Marx‘ Umgang mit Geld, der Fernsehturm als letztes Wahrzeichen, eigensinnige Clochards de Luxe und Patchworkfamilien sind ihre Sujets. In der Vielstimmigkeit ihres Gesangs kommt der polyphone Klang der Großstadt zum Ausdruck: Poetisch, politisch und schnoddrig wie Berlin.
Premiere Freitag, 15.01.2016 um 20 h

Haus Berlin – PANORAMABAR
(13. Stock, Aufzug)
Strausbergerplatz 1/ Karl-Marx-Allee
Weitere Termine
14.02. und 19.02.2016 um 20 h

Kartenreservierung unter karten@annika-von-trier.com
Kartentelefon: 01590-5178677

www.annika-von-trier.com

www.facebook.com/AnnikavonTrier

 

Satirischer Monatsrückblick August 2015
von Joachim Zawischa

August ist Urlaubszeit, Zeit der Reise, der Sonne, der Erholung. Zeit des Sommerlochs. Da willst du einen locker-fluffig-sommerlichen Monatsrückblick schreiben.
Doch dann liest du die Schlagzeilen des Augustes 2015:
Zawischa 2015
In China geht ein Hafengelände in die Luft, die Börse in China jedoch stürzt ab.
Ein amerikanischer Soldat, der ein Trikot des FC Bayern trägt, stürzt sich auf einen marokkanischen Mann, der mit einer russischen Kalaschnikow durch einen französischen Zug rennt, welcher durch belgisches Gebiet fährt und aus Holland kommt.

Und dann Flüchtlinge! Heidenau! Rechte Dumpfbacken liefern sich mit der Polizei vor einem ehemaligen Baumarkt, der als Flüchtlingsunterkunft dient, eine Schlacht.

Und du denkst: Nö! Ach komm. Nicht schon wieder. Nein, ich will nicht mehr. Ich will es nicht mehr hören, ich will es nicht mehr lesen. Ich will nicht ständig Bilder in Zeitungen sehen, die hässliche Neonazi-Fratzen zeigen.
Wo sind die guten alten Schlagzeilen, wie: „Nacktbaden zieht immer mehr Menschen an.“ Oder irgendetwas mit Uli Hoeneß. Ich will lieber lesen „Pferdefleisch in Lasagne“ als „Neonazis in Heidenau“. Lieber „Salmonellen im Supermarkt“ als „Auflauf vorm Baumarkt“.
Und dann immer dieses Verständnis-Trallala: Wir verstehen die Ängste der Menschen vor dem Fremden.

Nein! Verstehe ich nicht! Null! Ich hab auch Ängste. Wenn ich jedes Mal etwas abfackeln würde, wenn ich Angst habe, wäre ich schon lange ein Pyromane.
Außerdem, wenn ich Angst vor dem Fremden habe, muss ich mich mit dem Fremden beschäftigen. Dann ist es nämlich nicht mehr fremd. Und macht auch keine Angst mehr.

Babys wollen sich...

Und diese Statements. Eine sächsische Frau sagte: „Isch habb Angst uff de Schdraaße zu geen, die vorgewaltigen dorr de Fraun, habsch gehörd.“ Mal abgesehen davon, dass das völliger Stuss ist, hört man solche Sätze meist von Frauen, die so aussehen, dass selbst potentielle Vergewaltiger ihre Finger von ihnen lassen würden.

Der Bürgermeister von Heidenau wurde laut Süddeutscher Zeitung von einem Demonstranten gefragt: „Warum Menschen als Menschen betrachten, die sich nur durchfüttern lassen wollen?“

Mein lieber Herr Gesangsverein, wo sind wir denn hier? Wenn ich so etwas höre, wird mir ja richtig übel. Denn dieser Logik nach müsste man vielen Menschen die Menschenwürde absprechen.
Zum Beispiel Pflegefälle in Pflegeheimen – die wollen sich auch durchfüttern lassen. Patienten auf der Intensivstation oder Schwerstbehinderte – lassen sich einfach durchfüttern. Und Babys erst, Babys sind die Schlimmsten, scheißen alles voll und dann den ganzen Tag füttern, füttern, füttern!

Flüchtlinge sind Menschen – und daran kann man im Moment nicht oft genug erinnern. Sie sind Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Wie groß diese Not zum Teil ist, beweist eine wahre Geschichte einer Flüchtlingsmutter aus Ghana. Sie hat unsere Kanzlerin als Namenspatin für ihr Kind eingesetzt. Ihr Kind heißt jetzt tatsächlich Angela Merkel. Da erahnt man doch, wie verzweifelt diese Menschen sein müssen.

Die junge Frau aus Ghana heißt übrigens mit Nachnamen Adé.
Ist doch ne Supernummer, oder? Denn ihr Töchterchen heißt jetzt mit vollem Namen Angela Merkel Adé.
Einfach den Akzent weglassen und schon gibt’s doch noch ne positive Schlagzeile: „Angela Merkel Ade!“ Ja, ich weiß, „ade“ müsste man klein schreiben. Aber wer wird denn bei so viel Vorfreude so pingelig sein.

In diesem Sinne, kommen Sie gut in den September. Und gehen Sie mal wieder ins Kabarett. Die neue Theater-Saison hat begonnen.
Auf jeden Fall denken Sie dran: Immer schön lächeln!

Noch mehr Rückblicke von Joachim Zawischa und überhaupt ein empfehlenswerter Blog:  hier

Michael Krebs – „Zusatzkonzert“ in Osnabrück

von Turid Müller

Bisher dachte ich, es gibt Musik, die was zu sagen hat, und es gibt Musik, die rockt. Das Zusatzkonzert von Micheal Krebs hat mich eines Besseren belehrt: Sein Rock’n Roll-Kabarett kann beides. Die Songs sind kritisch und hintersinnig, dabei so unterhaltsam, dass ich vor Lachen heiser wurde, und so mitreißend, dass Schnipsen und Mitsingen von ganz allein.

(v.l.n.r.) Turid Müller, Michael Krebs, Edith Jeske, Peter Heske
(v.l.n.r.) Turid Müller, Michael Krebs, Edith Jeske, Peter Heske

Viele Momente der Wiedererkennung: Bei der nächsten Party-Einladung werde ich an ihn denken müssen, beim Hören von Jazz (und insbesondere von Jazz-Pianisten), beim Eingeben von Passwörtern, beim nächsten Gespräch mit meinem Telefonanbieter, und besonders bei den „Arschlecken-Momenten“ des Lebens – da werde ich ab sofort innerlich singen: „Leudde, ihr könnt mich alle mal am Arsch lecken, Leudde. Macht Euren Scheiß doch alleine!“

43% der Zuschauer, die sich für Musik-Kabarett interessierten, das sich selber nicht zu ernst nimmt, interessieren sich auch für Michael Krebs.

EINFACH MAL GENIAL
die West-östlichen Diven im Zimmertheater Steglitz am 10.10.2014

Das Celler-Schul-Netzwerk werkt und wirkt! Jetzt haben die 3 Chansonetten einen Berliner Ableger bekommen!

Barbara Berrien, Julia Hagemann (beide Celler Schule 2011) und Camilla Elisabeth Bergmann (Celler Schule 2013) schmeißen ihre gesammelte Kreativität in einen Topf und prallen als „Westöstliche Diven“ aufeinander!
Welturaufführung des Abends einfach mal genial  im Zimmertheater Steglitz in Berlin

West-östlichhe DivenUnd man fragt sich natürlich:
Drei Diven auf der kleinsten Bühne Berlins – kann das gutgehen?

Die Berlinerinnen Barbara Berrien und Camilla Elisabeth Bergmann treffen auf Julia Hagemann aus der finstersten Provinz kurz vor Ostfriesland. Dabei entsteht eine gleichermaßen vergnügliche wie anrührende Mischung aus ihren Liedern und blühendem Unsinn: von „Queen of Genörgel“ über „Ich könnte deine Oma sein, mein Hübscher“ bis zu „Jochen, noch’n Rochen kochen“, Songs über fremdgehende Hühner, pathologische Hilfsbereitschaft und übermotivierte Security-Mitarbeiter. Ein kabarettistisch-musikalischer Ensemble- und Liederabend, bei dem Sie Dinge lernen können, die Ihnen bisher verschlossen waren…

Übrigens hängt die Celler Schule in vielfacher Hinsicht mit drin. Eines der Kleider ist von Anne Weber (Celler Schule 2011), ein halbes Lied stammt von Konstantin Schmidt (ebenfalls Celler Schule 2011). Zwei der Chansons wurden von Rainer Bielfeldt komponiert, der die Celler Schule von Anfang an begleitet.  Guido Raschke (der als Pianist die Playbacks einspielte) steht sonst mit Robert Metcalf auf der Bühne (Celler Schule 2013). Den Anstoß zum Kennenlernen gab Tilman Lucke (Celler Schule 2008). Ein Abend, der sich lohnt – versprochen!

Gedicht des Monats

von Michael Feindler (Celler Schule 2010)

Aufmerksame Leserschaft,

ach, was ist das schön, endlich wieder klare Feindbilder zu haben – die Guten im Westen, der böse Putin im Osten! Die nostalgische Kalte-Kriegsstimmung wird von den wenigsten so genannten „Leitmedien“ gestört, höchstens vielleicht von einem Artikel wie diesem, verfasst vom Schriftsteller Eugen Ruge: http://www.zeit.de/2014/11/pro-russische-position-eugen-ruge/komplettansicht
Auch der Hinweis der Panorama-Redaktion, welche politisch motivierten „Revolutionäre“ in der Ukraine von der EU mitunterstützt werden, sollte die Stimmung nicht trüben: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/ukraine357.html
 
Dem Hinweis des US-Außenministers John Kerry vor einer Woche, Russland verhalte sich wie im 19. Jahrhundert und marschiere in andere Länder unter Verweis auf frei erfundene Gründe ein, ist nichts mehr hinzuzufügen. Abgesehen vielleicht von diesem abstrakten Tiergedicht:
 
Vom kleinen Bären und dem großen Tiger
 
Ein Tiger sprach zu einem Bären:
„Ich sollte längst von Dir verlangen,
noch heute damit anzufangen,
dich vegetarisch zu ernähren!“
 
Den Bären überraschte das.
Er meinte, bei den Hauptgerichten
auf Fleisch und Fische zu verzichten,
das sei ihm irgendwie zu krass.
 
Und außerdem sei’s ungerecht,
wenn er als Bär verzichten müsse,
zugleich jedoch sehr sicher wisse,
der Tiger gegenüber dächt
 
noch nicht einmal im Traum daran,
das Gleiche selber anzustreben
und Fleischkonsum heut aufzugeben.
Was maße der sich bitte an?
 
Zur Antwort wurde jener Bär
vom Tiger einfach totgeschlagen.
Der fraß ihn auf. Was bleibt zu sagen?
Das Leben ist nicht immer fair.
 
Ein kompletter (nach Möglichkeit aktuell gehaltener) Tourplan ist hier zu finden.