be musical – Peter Bytzek erzählt aus seinem Leben und von seinem neuen Blog

Von Peter Bytzek

Nach 10 Jahren als Liedermacher und 30 Jahren in der Verlagsgruppe Random House steht seit Anfang des Jahres wieder Gesungenes und Gereimtes auf dem Programm.

Nach der Auflösung der Liedermacher-Gruppe „WiederWillen“ Mitte der 80’er Jahre, in der ich gemeinsam mit Edith Jeske eine bewegte musikalische Zeit erlebt habe, stand ich am Ende des Popkurses in Hamburg, der damals noch in den Kinderschuhen stand und „Modellversuch Popularmusik“ hieß, vor der Entscheidung die Musik zu meinem Beruf zu machen, oder in dem bereits eingeschlagenen Weg in die Buchhandels- und Verlagslandschaft weiterzugehen. Ich habe mich damals für die Welt der Bücher entschieden und habe es nie bereut. Die Musik und das Songsschreiben liefen ja weiter, so wie es meine Zeit erlaubte, aber ohne ökonomischen Druck. Und ich habe über die Jahre in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern ( Jürgen von der Lippe, Beppo Pohlmann von den Gebrüdern Blattschuss, Karsten Speck u.a. ) tolle Begegnungen gehabt und auch die eine oder andere Veröffentlichung feiern dürfen.

Seit Anfang 2020 bin ich aus dem „aktiven Dienst am Buch“ ausgeschieden und kann mich ganz auf die Musik und das Texten konzentrieren.

Im September 2019 durfte ich am Texter-Seminar der Celler-Schule teilnehmen. Es war ein sehr schönes Wiedersehen mit meiner früheren Weggefährtin Edith und die Begegnung mit wunderbaren Menschen voller Kreativität und Empathie. Dieses Erlebnis hat meinen Blick auf mein Schreiben noch einmal deutlich geschärft.

Mein musikalisches „Schlüsselerlebnis“, hatte ich vor drei Jahren. Ich bekam die Gelegenheit in einer Projektband für ein Musical mitzuspielen. Gemeinsam mit gestandenen Rock-Musikern bin ich nach mehr als 30 Jahren Bühnen und Band-Abstinenz ins kalte Wasser gesprungen und habe die mir vertraute Akustik-Gitarre gegen eine E-Gitarre getauscht.

Das Musical basierte ausschließlich auf Stücken der Toten Hosen und ich habe in der Vorbereitung sehr deutlich vor Augen geführt bekommen, wie schmal meine Komfortzone auf der Gitarre war, in der ich mich Jahrzehntelang bewegt habe, und was es auf dem Instrument noch alles zu lernen gibt.

Wir alle spielen gern das was wir gut können, wir bewegen uns in vertrauten Regionen auf dem Griffbrett der Gitarre, wir kennen unsere Griffe und wenn wir mal in andere Tonarten ausweichen müssen, dann nehmen wir einen Kapodaster und spielen die gleichen Griffe und die gleichen Intervalle ein paar Bünde höher.

Das ist unsere „Komfortzone“ – aber Wehe, wenn wir die mal verlassen müssen. Ich bin ein ums andere Mal von den Musical-Proben nach Hause gekommen und habe gedacht: „Da spielst Du Dein Leben lang Gitarre – und hast eigentlich überhaupt keine Ahnung!“

Deshalb habe ich nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts den Reset-Knopf gedrückt und entschieden noch einmal ganz neu Gitarre spielen zu lernen, mit dem Ziel ein tieferes Verständnis für das Instrument zu erlangen, um mich intuitiver und in verschiedenen Genres auf der Gitarre bewegen zu können.

Nachdem ich mich monatelang durch die verschiedensten Videos von „Gitarrenlehrern“ geklickt hatte und mir von all dem, was ich angeblich unbedingt wissen muss, wenn ich mich einen Gitarristen nennen will, fast schwindelig geworden war

(Die 5 Fehler, die jeder Gitarrist vermeiden sollte! – Die 10 besten Licks, die jeder Gitarrist beherrschen muss! – 20 Strumming-Grooves, die jeder Gitarristen kennen sollte – u.s.w.) habe ich mein eigenes Konzept entwickelt um dem, was ich auf dem Instrument lernen will, endlich näher zu kommen. Mein Ziel war und ist es, mehr Freiheit beim Spielen zu gewinnen, unmittelbarer und intuitiver die Musik aus meinem Kopf auf das Instrument übertragen zu können. Wenn ich es auf die Malerei übertragen beschreiben sollte, würde ich sagen, ich wollte nicht mehr nur mit einem rot, einem blau und einem grün malen, sondern viele Zwischentöne auf das Papier bringen können.

Dazu war es u.s. auch nötig mich mit dem theoretischen Background vertraut zu machen, den ich Jahrzehnte lang vernachlässigt hatte. Eine spannende Reise hatte begonnen und irgendwann unterwegs kam mir die Idee, diese Reise mit einem mit einem Video-Blog, einer Art musikalischem Reisetagebuch zu begleiten.

Im September 2020 war es dann soweit, und ich habe meinen Blog be musical gelauncht.

Für die nächsten Monate werde ich nun das Fretboard bereisen, um mein Wissen über Intervalle, Akkorde, Scales und Modes zu vertiefen. Der rote Faden dabei wird das „CAGED-System“ sein, dass mir hervorragend geeignet scheint, all die erwähnten Dinge musikalisch miteinander zu verknüpfen. Darüber hinaus wird es auch hier und da ein um Recording gehen, wenn wir unsere eigenen Backing-Tracks gemeinsam aufnehmen und auch um Songwriting, wenn es gewünscht ist, denn ich wünsche mir meinen Blog nicht als Einbahnstraße, sondern suche den Austausch mit anderen.

Alle Gitarristen, die Lust haben auch mal über den Tellerrand zu gucken, sind herzlich eingeladen mich auf dieser Reise zu begleiten. Man hört nie auf zu lernen und neugierig auf alles Neue war ich schon immer …

In diesem Sinne: be musical!

 

Adieu, Christof Stählin

Christof Stählin 18.6.1942 – 9.9.2015 Foto: Wolfgang Schmidt

„Alleine, dass du Lieder schreiben willst, ist Berechtigung, es zu tun. Der Preis dafür ist, lebenslänglich an dir zu arbeiten.“
Als du, lieber Christof, dies zu mir sagtest, war ich neunzehn. Vielleicht wäre ich ganz etwas anderes geworden, hättest nicht du mir eine Art von höherer Erlaubnis gegeben, meinem inneren Wegweiser zu folgen. Und es waren viele, denen du auf den Weg geholfen, die du bei ihren frühen künstlerischen Schritten begleitet hast und mit denen eine Verbindung blieb.
Was für uns längst „Workshop“ hieß, war und blieb bei dir „Unterweisung“. Deiner SAGO-Akademie anzugehören, war eine Auszeichnung. Jeden deiner Eleven wähltest du persönlich aus.

Auch der Celler Schule und vielen jungen Künstlern im Popkurs Hamburg warst du zugetan. Sogar bei uns in der Celler Schule hast du mal ein Dozenten-Gastspiel gegeben. Und ich eines bei dir, nicht zur Dichtkunst, sondern zum Thema GEMA. Vor allem aber haben wir einander unsere aufregenden Entdeckungen weitergereicht.
Lieber Christof, was du mir vor vierzig Jahren mit auf den Weg gegeben hast, leitet und begleitet mich noch heute. Und wir versuchen nach Kräften, diesen Geist weiterzutragen. Sogar Tobias Reitz, der bekennende Schlagertexter, hat sich in den Kreis deiner Eleven eingereiht und er war vom ersten Moment an begeistert. Ich hätte es vorhersagen können.

Du und SAGO – das war eine andere Welt. Und gerade das hat sie so wertvoll gemacht.
Für mich und für viele.
Christof, du bist nicht fort. Nur woanders.

Denn das, was du hiergelassen hast, ist unsterblich.