Thomas Woitkewitsch wird 75 –
Alles Gute zum Geburtstag

von Edith Jeske

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Keine Frage in einem Jahr wie diesem. Aber ein Lied, das nicht nur die ältere Generation auswendig drauf hat, sondern erstaunlich viele junge Leute auch. So viele kennen so vieles von dem, was Thomas Woitkewitsch getextet hat: Denken wir nur an Herman van Veen mit den Liedern, von denen wir fast nicht glauben mögen, dass ein anderer Mensch hinter seinen Texten steht. Nicht nur wir haben diese Lieder geliebt, als wir jung waren. Wir haben auch unsere Kinder damit großgezogen, mit dem zärtlichen Gefühl, dem kleinen Fratz auf dem Kinderrad mit dem Radweg, der schwarz glänzt wie Lakritz. Flitz…!
Thomas Woitkewitsch hat Musikgeschichte geschrieben. Und nicht nur Musikgeschichte. Fernsehgeschichte auch. Rudi Carrells laufendes Band hat er mit angeworfen, gestaltet und bis zur letzten Sendung mit Songs begleitet. Auch „Wetten, dass…?“ war eines seiner Kinder – wenngleich er nicht der einzige Vater war.

Und noch eines verdanken wir ihm: die große Liebe zwischen dem deutschen Publikum und einer gewissen britischen Komikertruppe namens Monty Python. Thomas war derjenige, der diese aberwitzigen Helden zu uns holte – gegen manche Vorbehalte und die Skepsis zuständiger Redakteure: Monty Python’s Flying Circus. Überdrehter britischer Humor, der Deutschland erobert hat. Auch dank Thomas.

Der berufliche Thomas Woitkewitsch war immer zugleich ein bisschen der private, der menschliche und der menschenliebende. Mitten in einer lärmenden Welt ein leiser Melancholiker, dessen Lieder oft einen Hauch Wehmut in sich tragen. Oder eine feine Weisheit, der man sich kaum entziehen kann. Dem Sänger Kalle Pohl auf den Leib schrieb er:

Mein kleiner Mann, musst nicht traurig sein.
Kommst nicht überall ran, aber überall rein.
Mein kleiner Mann, denk bei Spott und Hohn:
Dich macht keiner klein, denn du bists ja schon.

Die ganz kleine Geste beherrscht Thomas Woitkewitsch ebenso wie die ganz große. „Ich hab keine Angst“ sang Milva stimmgewaltig zu den monumentalen Klängen von Vangelis. „Hurra, wir leben noch“ blieb als Titelmelodie des gleichnamigen Films viel länger im Ohr als der Film auf der Leinwand.

Thomas Woitkewitsch legte sich selten mit anderen an, aber die sich zuweilen mit ihm. Als Milva mit „Zusammenleben“ in der Bundesrepublik aus allen Radiogeräten klang, wurde Thomas in der Zeitschrift EMMA als „Pascha des Monats“ abgewatscht. Wieso das? Es hieß im Lied: „Ich mag dich, weil du klug und zärtlich bist, und doch – das ist es nicht allein. Du zeigst mir immer, dass es möglich ist, ganz Frau und trotzdem frei zu sein“. Alice Schwarzer schäumte. Listig verwies Woitkewitsch auf eine andere Zeile im selben Lied: „Wer wird als Frau denn schon geboren – man wird zur Frau doch erst  gemacht.“ Ein Zitat von Simone de Beauvoir, womit er die streitbare Feministin dann wieder einfing.

Lieber Thomas,
auch ich als Frau habe mich damals über dieses Lied empört. Da war mir auch Simone de Beauvoir egal. Und das Lied ist eines meiner Feindbilder bis heute. Aber du kannst gemeinsam mit mir drüber lachen. Denn eines weißt du: Du bist einer dieser Handvoll Menschen, die mir in meinem Leben am meisten bedeuten. Es gab dich darin schon lange, bevor ich wusste, wie du aussiehst. Da war nur dieser Name, der fast immer dann auftauchte, wenn Texte mich besonders anrührten (ich habe schon immer die klein gedruckten Autorennamen auf den Plattencovern gelesen). Und als ich dann selber zu schreiben begann, wurden diese Texte von diesem unbekannten Mann mir einer meiner  Maßstäbe. Ich wollte es auf meine eigene Art tun, aber ich wollte Gefühle mit einer solchen Selbstverständlichkeit rüberbringen, wie du es kannst.
Und noch was (du weißt es, aber es kann nicht oft genug gesagt werden): Die Celler Schule und du. Den Namen verdankt sie dir. Und das herzwärmende Wort „Nestwerk“ für uns alle – nach 23 Jahren, von denen du uns schon 17 begleitest.
Und jedes Jahr wieder vergoldest du unseren vorletzten Seminartag, indem du uns mitnimmst auf eine Reise durch dein Leben und uns mit wonnevoll feuchten Augen in ein Gefühl eintauchen lässt, wie es uns nicht besser beschreiben könnte:

Vergiss nicht die Freunde!
Vieles, was nicht geht, das geht dann doch ganz glatt,
wenn man Freunde hat.

Du hast sie in uns. Und bist uns ein Freund. Danke dafür. Danke, lieber Thomas und alles Gute – und mögest du noch viele Jahre an unserer Seite bleiben.
Deine Edith – zusammen mit Tobi, Julia, Rainer und der Celler Schule.

Masha Potempa, Thomas Wotkewitsch, Camilla Elisabeth Bergmann, Sylvia die Unvollendete, Erich Sellheim

Und hier – stellvertretend für den ganzen großen Rest  – noch ein paar Grüße an dich:

Sommer 1975, Urlaub auf dem Bauernhof mit meinen Großeltern. Ich kann als Zehnjähriger den Carrell-Tonfall nachahmen, und singe wohl mehrmals täglich zur Belustigung aller: „Wir brauchten früher keine großen Reisen . . .“, auswendig konnte ich es sowieso. Als ich am Abschlussabend der Celler Schule 2009 dann stundenlang mit Dir sprach, lieber Thomas, erfüllte mich eine dermaßene Resonanz, dass mein Herz überlief. Der Wein tat sein Übriges. Mein Vater starb früh; meine Mutter ist, wie ich nun weiß, 10 Tage nach Dir geboren. Ich wünsche Dir Glück und Gesundheit, Du ferner Vater im Geiste! Alles Liebe,
Stefan Noelle (Celler Schule 2009)

 

Thomas, deine Texte sind genial!
Ich mag sie, weil sie klug und zärtlich sind –
und doch, das ist es nicht allein.
Du zeigst uns immer, dass es möglich ist,
ganz Mann und doch Poet zu sein.
Der Thomas ist der Texter des Jahrhunderts,
ein Celler-Schule-Absolvent h.c.!
Man singt begeistert mit und denkt: „Wen wundert’s?“
Und schuld daran ist nicht die SPD …
Daniel Nowak (Celler Schule 2015)

 

Lieber Thomas,
die Gesellschaft braucht Menschen mit Feingefühl und Feinsinn wie dich. Schön, dass es dich gibt! Schön, dass ich dich kennenlernen durfte!
Ilona Boraud (Celler Schule 2015)

 

Lieber Thomas,
ohne Dich und Deine herzerwärmenden Geschichten wäre die Celler Schule nur halb so schön. Und die bundesdeutsche Unterhaltungskunst um einige Perlen ärmer. Danke, dass Du uns so reich beschenkst und dabei so liebenswert und bescheiden geblieben bist.
Alles Liebe zu Deinem 75. Geburtstag! Möge es Törtchen und Konfetti regnen. Oder andere segensreiche Gaben Deiner Wahl.
Camilla Elisabeth Bergmann (Celler Schule 2013)

 

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer
(auf die bekannte Melodie zu singen, aber in Moll!)
Gewidmet dem wunderbaren Thomas Woitkewitsch zum 75 Geburtstag.

Jens Ohrenblicker, (Celler Schule 2016)

Wir brauchten früher keine große Reise,
wir wurden nass in München und Berlin.
Doch heute hat das Klima echt ’ne Meise.
Man will am liebsten in die Arktis fliehn.

Ja früher gab’s an jedem Tag
zehn Wochen lang nur Niederschlag
und Gummistiefel lagen voll im Trend.
Und unterm Regenschirm zu zweit
vergaß man gerne mal die Zeit
und nie-mand musste fürchten, dass die Haut verbrennt.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?
Ein Sommer, wie er früher einmal war?
Ja, mit Wolkenbruch von Bayern bis zur Nordsee
und nicht so heiß und so saharisch wie in diesem Jahr.

Und was wir da für Regengüsse hatten!
Die Eisverkäufer machten ständig frei.
Man brauchte keine Kühlung, keinen Schatten,
und Pollen flogen nicht einmal im Mai.

Der Regen klatschte ins Gesicht,
da brauchte man die Dusche nicht,
das Auto wurde sauber von allein.
Man tanzte durch die Pfützen wie
Gene Kelly, voller Energie.
Doch heut – heut schwitzt man selbst im T-Shirt wie ein Schwein.

REFRAIN

Der Winter war der Reinfall des Jahrhunderts.
Kein Schnee fiel in der ganzen Republik.
Mein Nachbar sagt: Das Klima hier, wen wundert’s!
Das liegt nur an der Flüchtlingspolitik.

Ich find, das geht ein bisschen weit
und bald ist wieder Erntezeit,
doch die wird mager, das ist, was uns droht.
Was nützen Reichtum, Macht und Geld,
wenn wochenlang kein Regen fällt,
denn wir, wir sitzen alle doch im selben Boot.
REFRAIN

Die Erinnerung von morgen. – Am 01.12.2017 erschien Rainer Bielfeldts Album zum aktuellen Solo-Programm.

Pressetext von Tobias Reitz; gekürzt und zusammengestellt von Turid Müller.

 

Gut zehn Jahre nach seinem letzten Album „Sänger sein“ bringt er jetzt ein neues auf den Markt und geht endlich auch wieder auf die Bühne.

 

Warum die lange Pause, Herr Bielfeldt? „Ach, eine Pause war das eigentlich nicht“, wiegelt er ab, „ich hab mich nur für den Moment zurückgezogen aus der ersten Reihe und mehr Musik für Andere gemacht.“ Mit den inzwischen verstorbenen Publikumslieblingen Dirk Bach und Christiane Weber und Stars wie Jan Ammann oder Mireille Mathieu hat es Bielfeldt ins Studio gezogen. Chansons, Schlager, Musicals und Hörspiele unterschiedlichster Couleur sind entstanden. Und dann ist da natürlich noch „sein“ Künstler der ersten Stunde: Tim Fischer! Mit ihm ist er seit Jahren wieder unterwegs. Das aktuelle Programm „Absolut!“ führt die beiden Chanson-Ikonen seit einem knappen Jahr wieder quer durch die Republik – und das wird es auch weiterhin! Aber: Es wird auch wieder Zeit für ein neues Solo-Abenteuer.

 

CD-Cover Die Erinnerung von morgen front (klein)

 

Warum „Die Erinnerung an morgen“? „Das Titellied entstand in der Celler Schule, der Songtexter-Akademie, die ich seit einigen Jahren mitleite“, erklärt Bielfeldt. „Mit dreien der Absolventen habe ich den Titel geschrieben. Es ist ein Lied übers Innehalten. Ein Lied mit zwei Gegenpolen: einem getriebenen, zeitbesessenen und einem ruhigen, zeitlosen. Letzterer ist der wichtigere. Und genau so soll auch das Programm sein: Ein ruhiger, zeitloser Abend als Gegenpol zum tagtäglichen Wahnsinn. Ein schöner Moment, der zur Erinnerung von morgen wird.“ Die Musik zu diesem und nahezu allen anderen Liedern des Programms stammt von Rainer Bielfeldt selbst. Einige Texte auch („Dazwischen“, „Der dritte Mai“, „Nicht mal zehn Schritte“). Für die anderen konnte der charmant-smarte Hanseat Autorenkolleginnen und -kollegen der Premiumklasse gewinnen, darunter seine Haus- und Hof-Dichterin Edith Jeske („Willi“, „Gute Reise, mein Herz“, „Tot in Venedig“), aber auch Tobias Reitz („Wie Sommer, bloß mit Schnee“) und die bereits erwähnte Christiane Weber (1975-2011) („Mein Herz, so weit“).

 

Rainer Bielfeldt ist kein Teenager mehr. Er hat aber noch die gleiche Spielfreude wie damals. Vielleicht noch etwas mehr. Schließlich weiß er heute, was er tut (und auch, was er nicht mehr tun würde). Das Anliegen, das ihn mit dem neuen Programm antreibt, ist eher puristisch: Musik machen. Und zwar so, dass es Spaß macht […].

CD-Cover Die Erinnerung von morgen Rückseite (klein)

Keine Angst vor Hintersinn, aber auch nicht vor großen Gefühlen. Überhaupt: Gefühle. Da sagt der Sänger, er wünsche sich mit seiner Musik „Momente des Glücks“. Da bescheinigt ihm die Presse, er sei „ein Romantiker mit Herzenswärme“ (BZ) und mit „fast schon waffenscheinpflichtigen Schauer-Angriffen in seinen Pop-Balladen“ (Hamburger MoPo). Und dann sind da seine Fans, die ihm mitunter durch halb Deutschland nachreisen, weil man Bielfeldt eigentlich kaum als „einen unter vielen“ mögen kann – ihm verfällt man ganz. „Na das is‘ doch fein“, sagt Bielfeldt. Hanseaten reden ja nicht viel über solche Dinge. Im besten Fall setzen sie sich ans Klavier und singen. Endlich wieder.

 

 

 

 

Blogbeitrag Nr. 500:
40 Jahre JeskeTexte. Und was für ein Fest!

1977:
In Bonn und kurz darauf in Berlin stürzt sich eine junge Frau in die Kneipen und Clubs der Liedermacherszene und auf die Bühnen. Sie will eine erfolgreiche Sängerin werden.

Karikatur: Dave Andersen

 

 

2017:
Es ist anders gekommen. Statt der Bühne ist es der Schreibtisch geworden, und sie genießt es, zumal sie kürzlich 60 wurde und es gern etwas ruhiger mag. Nur heute begrüßt sie ihre Gäste mit einem Lied. Denn in diesem Jahr feiert Edith Jeske vier Jahrzehnte Liedtexten.

Bevor sie sich vom Abendprogramm überraschen lässt, begrüßt Edith Jeske ihre mehr als hundert Gäste mit einem Lied (hier ein paar Auszüge).

 

(…)
Ich kann jetzt endlich Kohle sparnJeske singt
und auf Seniorenticket fahrn.
Ich höre noch nicht allzu schwer.
Mit Größe M komm ich noch hin,
die eignen Zähne sind noch drin
und schwanger werd ich auch nicht mehr….

(…)
Auf euch, da war und ist Verlass –
wenn ich das mal in Worte fass.
Wir halfen uns durch manche Krisen.
Denn wir, wir glauben fest daran,
dass man auch Eintracht säen kann.
Ihr habt es tausendmal bewiesen.

Und heut – mit meinen 60 Jahren
schau ich zurück voll Dankbarkeit
Ein Hoch auf was wir sind und waren!
und noch ein bisschen gute Zeit.“

Während in Berlin Christian Lindner die Verhandlungsgespräche über eine Jamaika-Koalition plazen lässt, ist das Haus Mariengrund in Münsters Norden eine Insel der Harmonie und der Harmonien.
40 Jahre Songtexten wollen gefeiert werden. Unterrichten wollte die Jeske nie. Inzwischen macht sie genau das seit 28 Jahren. 1996 gründete sie die Celler Schule, und viele der Absolventen sind gekommen, am 19. November. mit Thomas
Nicht nur ExCELLEnten und -innen entern den Festsaal. Auch Freunde aus 40 Jahren, echte Verwandte und „reingeliebte“, einige von Jeskes liebsten Komponisten und Interpreten, dazu Theatermenschen von beiden Seiten des Bühnenvorhangs. Denn es soll auch ein Netzwerktreffen werden. Oder NESTwerk, wie Thomas Woitkewitsch es so gern nennt.
Der ergreift das Mikrofon und singt eigens für den Abend und die Gastgeberin Getextetes. Bastian Sick hat ein Gedicht mitgebracht, im dem er die Konfettikanone der Reime auf „Edith“ abfeuert. Tim Fischer singt die Rinnsteinprinzessin und seinen Lieblingssong von Woitkewitsch.
Menschen, die einander bisher nie gesehen haben und sich im echten Leben vielleicht nie begegnen würden, stehen als Chor auf der Bühne und singen – jede/r eine Strophe und ganz ohne Probe – den Muddi-Song, den Turid Müller im Mail-Fernverfahren gemeinsam mit ihnen auf die Beine und die Bühne gestellt hat.

Muddi-Song
v.l.n.r.: Marvin Ochmann, Denis Sarp, Christina Arnold, Turid Müller, Doris Denke, Andrea Gegner, Jutta Dahl, Feli Feles, Sandra Niggemann, Mario Rembold

Als Zeremonienmeister durchs Programm führt Tobias Reitz. Und hat natürlich auch „was vorbereitet“ – das große La la la, welches schon in der Celler Schule jedes Abschlussfest mit neuen Texten aus Tobis Feder adelt.

Tobi singt 02.jpeg
Tobias Reitz

Die Karte obenauf – „Muddi macht das schon“ steht drauf
Bei der Frage, was sie macht, Da hab ich mir so gedacht:

Ja
Wenn du wen brauchst für deinen Text
Wo du grad steckst
Und es ist wie verhext – na, Muddi macht das schon!

Wenn du wen sucht mit Geist und Ader
Von Ernst Bader
So ein Wortgeschwader – Muddi macht das schon……

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi, unser Star.

Wenn du wen brauchst, der auch bei Hiltis
Ganz gechillt is
Und zu bohrn gewillt is, Muddi macht das schon!
Wenn du ’ne Katze bist, die schaut
Bei Immoscout
Wer kriegt sie gut verstaut? Ach, Muddi macht das schon!

Wenn du wen suchst, der dein Metrum
Verbessert und
Dir hilft die Zeilenlänge zu beachten – Muddi macht das schon

Wenn du wen brauchst mit noch mehr Kitsch
Als Woitkewitsch
Ich hab den Tipp für ditsch – die Muddi macht das schon

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi – unser Star

Turid singt
Turid Müller

Bis halb drei am Morgen geht das Programm. Zu später Stunde und vor immer noch vollen Reihen singt Turid Müller ihrer MusenMuddi noch den Pipi in die Augen, mit einer Premiere – einem Lied für die Mentorin:

Wie ein Wink des Schicksals.
Wie ein Stoß mit nem göttlichen Queue:
Plötzlich bringts alle Kugeln ins Rollen.
Du fragst: „Werde ich jemals..?“
Und du denkst dir schon: „Nö….“
Doch son Engel sagt: „Du musst nur wollen.“
„Ich trau dir das zu!“ ist sein magischer Satz.
Und alles fällt an seinen Platz.“
(Turid Müller & Stephan Sieveking)

 

Den Videomitschnitt macht Henning Ruwe zum Geschenk, mit den Tischdekorationen und auf der Bühne verzaubert Romanautorin Christine Vogeley die Gäste, Burkhard Heim liest Patrick Süskind, Marcel Kösling bringt einen Tisch zum Schweben, Gordon November stellt  seine traumhafte Bühnenanlage zur Verfügung und singt zwei seiner Lieder, außerdem Rainer Bielfeldt als Solist, aber auch als Begleiter vieler Kollegen, Willy Klüter, Annette Postel, Katja Kaye, Matthias Reuter, Andreas Schleicher, Henrika Fabian, Corinna Fuhrmann, Karla Feles, Alin Coen, Lennart Schilgen Jan Jahn, Peter Bytzek – Weggenosse aus Berliner Zeiten, Sandra Niggemann und Mario Rembold, Heike Baller, Julia Hagemann, eine gemeinsam mit Jeske getextete Schlagersingle geben Petra und Kurt Schoger zum Besten, die Musikantenstadl-Bürgerwehr schmettern Jeske mit Emmi und Willnowski Emmi und Willnowski, für die Edith Jeske seit weit mehr als zehn Jahren Songtexte schreibt.

 

Schwester Juttamaria

Und – ganz zum Schluss gegen halb drei – helfen die Gäste beim Aufräumen, denn der Saal muss um acht Uhr am Montag besenrein übergeben werden. Mindestens zwei Dutzend Hände packen mit an. Müdigkeit wird überbewertet.
Solche Freunde Kollegen sind mit Gold nicht aufzuwiegen.
Da stimmt auch Schwester Juttamaria zu.

 

 

20 Jahre Celler Schule: dritter und letzter Teil

Thomas Woitkewitsch – unser treuer Freund

Als ganz besonderer Gast sei noch Thomas Woitkewitsch erwähnt. Er schrieb für Rudi Carrell Songtexte wie „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ und brachte …

 

….richtig –

 

„Monty Python’s Flying Circus“ nach Deutschland – um nur zwei Beispiele aus seinem Lebenswerk zu nennen. Seit fast anderthalb Jahrzehnten lässt Woitkewitsch keine Celler Schule aus und ist, so hört man es regelmäßig von den Absolventen, ein emotionales Highlight der zwei Wochen. Mit seinen Anekdoten und Songtexten bringt er die Kursteilnehmer zum Lachen und rührt sie zu Tränen. Folgerichtig war es daher ein Lied aus seiner Feder, mit dem der Abschlussabend begann:

 

Wir singen einen Song von Thomas Woitkewitsch
Gemeinsam sangen alle Rudi Carrells – nein, Woitkewitschs großes „La la la“, bevor es losging mit der Werksschau. Und der Song zum Schluss war wieder von Thomas: „Wenn man Freunde hat“.

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Hier noch ein paar weitere Impressionen vom letzten Abend. Es heißt, dass die Raumpflegerin morgens um acht die letzten MusikerInnen aus dem Raum feudeln musste…

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Freundeskreis Celler Schule

Damit die Celler Schule auch noch die kommenden zwanzig Jahre Textdichter auf den Weg bringen kann, wollen sich Jeske und Reitz nicht allein auf die Förderung durch die GEMA-Stiftung verlassen. Bislang ist sie Hauptgeldgeberin der Stipendien für die zehn Teilnehmer. „Die dürfen ihr Stammkapital nicht anrühren“, begründet Jeske und erklärt, dass die Stiftung ausschließlich Zinserträge dafür verwenden kann, um Projekte zu unterstützen. Wer sich die Zinsentwicklung der letzten Jahre und seine eigenen Auszüge vom Tagesgeldkonto anschaut, weiß, was das seit der Finanzkrise bedeutet.

Zum Glück gibt es dafür jetzt den „Freundeskreis Celler Schule – ins Leben gerufen von ExCELLEnt Jahrgang 2010, Gordon November und Willi Giere. Der Freundeskreis soll sicherstellen, dass der Eigenbeitrag der Stipendiaten auch künftig möglichst gering bleibt und vielleicht sogar auf Null gedrückt werden kann. Wer dem Förderverein beitreten will oder eine Spende überweisen möchte, kann das sogar von der Steuer absetzen.
Weitere Informationen – zum Ausdrucken oder Runterladen:

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Also dann – bis zum Fünfundzwanzigsten 2021 !!! Und für diesmal: tschüs!
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20 jahre Celler Schule – Teil 2

Und weil sie nicht gestorben sind…

Seit 1996 hat sich einiges getan in der Celler Schule. Vieles davon verdankt sie einem Absolventen aus dem Jahre 2001: Tobias Reitz. Für ihn bedeutete das Zusammentreffen mit Edith Jeske nicht nur die Initialzündung seiner Karriere als Schlagertextdichter, sondern er stieg kurz darauf auch ……...

jawohhhhhhl!!!
….. als Dozent der Celler Schule ins Boot.

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miniatur-mit-rainer-1Fast von Anfang an als Komponist dabei ist außerdem Rainer Bielfeldt.  Weil es ja beim Songtextschreiben nicht allein um Silben und Reime geht, sondern auch um das richtige Gefühl für die Musik. Davon hat er so überreichlich, dass er es in enormen Mengen abgeben kann.

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klatschen-mit-julia

Seit 2014 ist das Team zu viert: Julia Hagemann heißt der Zuwachs – Celler Schule Jahrgang 2011. In ihren Trainingseinheiten bringt Julia Ideen zum Sprudeln und beweist, wie vergnüglich saubere Metrik sein kann.

 

 

Texte mit Augenzwinkern

Nach zwanzig Jahren und 21 Jahrgängen zählt die Celler Schule mehr als 200 Absolventen, Hinzu kommen all diejenigen, die die Celler Schule als Gastdozenten unterstützen oder als Komponisten oder Produzenten schon mit ExCellenten zusammengearbeitet haben. Schade, dass man so viele Künstler nicht alle unter einen Termin-Hut bekommt.

 

Noch einmal zurück zum Abschlussabend, der gleichzeitig auch eine Werkschau darstellte. Nebenbei wurden etliche Songs der Dozenten fröhlich durch den Kakao gezogen. Lennart Schilgen etwa hatte aus der poetisch-melancholischen „Rinnsteinprinzessin“ die „Bimssteinprinzessin“ gemacht – eine Fußpflegerin aus Leidenschaft. Weil Schilgen leider schon vor dem Finale abreisen musste, gaben Komponist Bielfeldt und Textautorin Jeske Lennarts Version kurzerhand selbst zum Besten.

Mit der ihm eigenen Unschuldsmiene beklagte sich Jens Ohrenblicker, Celler Schule 2016, in seiner Betextung einer Bielfeldt-Ballade „…aber Rainer spielt mal wieder nur in Moll“– am Klavier begleitet natürlich von … Rainer Bielfeldt! Zu später Stunde rockte schließlich ein Hit dieses Sommers durchs Lutherheim: Max Giesingers „80 Millionen“ – an der Gitarre Mitautor Martin „Fly“ Fliegenschmidt – Celler Schule 2006. Auch diesen Text bekam das Publikum nicht ganz originalgetreu zu hören. Tobias Reitz sang nämlich die Fassung, die Google als ersten Treffer auswirft. Aus dem „Zufall unserer Begegnung“ wird so das „Ufer unserer Begegnung“. Funktioniert auch! Und – wir erinnern: Da war noch das Geburtstagsständchen für Tobias Reitz von Rolf Zuckowski. Vor lauter Hingerissen-Sein dachte niemand ans Fotografieren. Aber in diesem Video von Henning Ruwe auf facebook ist es eingefangen. Mit vielen anderen magischen Momenten.

Thomas Woitkewitsch – Freund mit Seltenheitswert

Als ganz besonderer (und ganz besonders treuer!) Gast muss noch Thomas Woitkewitsch erwähnt werde. Er schrieb für Rudi Carrell Songtexte wie „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ und brachte

 

  • … ihm zu jeder Sendung ein Fischbrötchen mit??
  • … das Funkhaus des WDR Köln beinahe zum Einsturz?
  • … seine erste Gage auf dem Rummelplatz durch?

 

Wie es sich damals wirklich verhielt, wird morgen Abend an dieser Stelle verraten.

20 Jahre Celler Schule:
wahre Worte, schöne Töne und das große Lalala…..

Dritter Oktober 2016, Tag der Deutschen Einheit. Im Lutherheim Springe strömt schon seit drei Tagen das Nestwerk der Celler Schule zusammen. Der Abschlussabend begießt gleich zwei Geburtstage: Die Celler Schule hat ihre ersten zwanzig Jahre gestemmt. Und Tobias Reitz wird um Mitternacht 37. (wir dürfen das an dieser Stelle verraten, weil es ja ohnehin auf Wikipedia steht).
unterricht-01konsrtantins-reimweltSeit drei Tagen schon haben gut dreißig ExCELLEnten unterschiedlichster Jahrgänge einander gecoacht, blindgedichtet, die Publikumspsychologie der ersten fünf Minuten erforscht, Sinn und Unsinn aus Rhythmen hervorgezaubert, Konstantin Schmidts neue, bessere Reimdatenbank mit-entworfen, julias-rhythmen-1Variationen zu einer Bielfeldt-Miniatur geschrieben, einen Hit aus den eigenen Reihen nach Geschenken ans Publikum durchforstet (Max Giesinger: 80 Millionen), einem zweistündigen Radioportrait der Celler Schule mit Henry Gross auf NDR1 Niedersachsen gelauscht, gut gegessen und:



immer zu wenig geschlafen.

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Denn bis in die Nacht zieht es die Gäste an Tasten und Saiten und sie spielen sich gegenseitig ihre Songs vor. Statt Genregrenzen ein wunderbar buntes Durcheinander, die ganze Bandbreite von Klamauk und Kabarett über Pop und Schlager bis hin zu Chansons und Liedermacherjuwelen.

 

Am letzten Abend platzt die Bude dann fast aus den Nähten. Ein weiteres reichliches Dutzend ehemaliger Teilnehmerinnen trudelt ein und ein paar der alten Hasen: Burkhard Brozat, Thomas Woitkewitsch (sowieso) und Rolf Zuckowski. Der bringt seine ganz andere Nationalhymne mit und singt um Mitternacht für Tobi das wohl berühmteste Geburtstagsständchen in unserer Sprache: „Wie schön, dass du geboren bist“. Wer hört das schon live vom Original? Und wann erlebt Rolfs Lied einen solchen Chor wie an diesem Abend? Die Celler Schule schmettert mit.
Und ein bisschen darf sie dabei auch sich selbst meinen.

Es war einmal…

Sommer 1996: Zum allerersten Mal trafen sich zehn Pioniere im Predigerheim Celle zum „Förderseminar für Textschaffende in der Unterhaltungsmusik“. Die Idee dahinter dürfte den meisten Lesern dieses Blogs bekannt sein:
Jeder, der Songtexte in deutscher Sprache verfasst, kann sich für diese zweiwöchige Masterclass bewerben. Eine Jury wählt zehn Teilnehmer aus und bestimmt in einem anonymisierten Bewerbungsverfahren anhand der Texte, wer dabei sein wird. Bewerben kann man sich bis zum 21.10. hier:

Draufgebracht wurde Edith Jeske übrigens von Hans Hee, dem wir unter zahllosen Hits das unsterbliche „Wasser ist zum Waschen da“ verdanken und einen der meistgespielten Evergreens: „Sierra Madre“. Hee war damals Präsident des deutschen Textdichterverbandes und verordnete Edith, ein Förderseminar für Textdichter zu entwerfen. Thomas Woitkewitsch war es dann, der irgendwann ganz selbstverständlich von der „Celler Schule“ sprach – denn damals war es noch Celle, wo die Veranstaltung stattfand. Der Name blieb, obwohl sie längst nach Springe umgezogen ist.

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Und weil sie nicht gestorben sind…

Seit 1996 hat sich einiges getan in der Celler Schule. Vieles davon verdankt sie einem Absolventen aus dem Jahre 2001: Tobias Reitz. Für ihn bedeutete das Zusammentreffen mit Edith Jeske nicht nur die Initialzündung seiner Karriere als Schlagertextdichter, sondern er stieg kurz darauf auch …

  • … durch ein Kellerfenster in eine Millionärsvilla ein?
  • … in einen Zug nach Nirgendwo?
  • … in der Fußball-Kreisliga dramatisch ab?

Mehr dazu morgen an dieser Stelle.

Tatort Liebe? Tatort Springe!

 

Von Erdmann Lange (Celler Schule 2014)

Andi Königsmann, Erich Sellheim, Terence Olivier, Tobias Reitz und Erdmann Lange als Texter – sowie  abermals Andi Königsmann, Willy Klüter und Mike Rötgens unter den Komponisten: Alles Namen aus vergangenen (und im Falle der Dozenten natürlich auch künftigen) „Celler Jahrgängen“, die nun im Booklet zum neuen Album von Ross Antony mit dem Titel TATORT LIEBE zu finden sein werden, das am 12. Februar bei Telamo erscheint. Dabei ist zumindest einer der Titel sogar unmittelbar aus den in Springe bearbeiteten „Aufgaben“ des Jahres 2014 entstanden!Ross Antony

Insgesamt sind gleich fünf Songs auf dem neuen Album des in England geborenen Sängers und Moderators – nämlich LIEBE,  DAS TUT SO GUT, ICH LEBE MEINE TRÄUME, ZEIT ZU LEBEN  sowie DIE LIEBE WEISS SCHON WAS SIE TUT – Werke der oben genannten Ex – Cellenten und Celler Schule – Dozenten.

„Ross Antony featuring Celler Schule“, könnte man also sagen…

 

100% Mensch – Der Benefiz-Song für gleiche Rechte

von Tobias Reitz

Vor einigen Monaten fragte mich HOLGER EDMAIER (Celler Schule 2006), ob ich Lust hätte ihn bei einem Benefiz-Projekt zu unterstützen. Der Hintergrund: Nach Monaten anti-schwul-lesbischer Propaganda, verbunden mit erschütternden Gesetzesänderungen u.a. in Russland habe er einen Song geschrieben, den er jetzt als Multi-Artist-Projekt an die Öffentlichkeit bringen möchte: „100% Mensch“. Ich hörte mir das Demo an und sagte zu.

Erst einige Tage später erfuhr ich, in welches Kollektiv mich Holger da eingebunden hatte. Als mediales Zugpferd hatte er Hella von Sinnen gewinnen können, weshalb wir auch Wochen vor der Veröffentlichung von „100% Mensch“ schon erste Presseberichte hatten. Daneben freute ich mich aber auch, Künstler wie Bernd von Fehrn, Claus Vincon, Käthe Köstlich, Markus Grimm, Michelle Connah und meinen Schlager-Kollegen Olaf Bossi (dichtet u.a. für Wolkenfrei) kennenzulernen und liebe Kollegen wie Stefan Runge, Klaus Nierhoff und Nina Klopschinski wiederzusehen, die mir bei meinem ersten Solo-Auftritt im Herbst 2004 (sie stand damals mit ihrem Projekt Coco Camelle auf der Bühne) noch das Händchen gehalten hatte.

Eingesungen haben wir unsere Parts in Stefan Runges begehbarem Kleiderschrank, in dem Holger sein mobiles Studio aufgebaut hatte. Politische Statements im Four-to-the-floor-Beat zu einem Duftgemisch aus Parfum, Leder und Mensch. Witzig, eng, wunderbar.  

Bewundernswert finde ich vor allem die unermüdliche Energie, mit der sich Holger und sein Team beim Projekt „100% Mensch“ geradezu verausgabt haben. Vier Wochen nach den Aufnahmen zogen wir durch Kölns Nachtleben und drehten den Videoclip zum Song. Parallel dazu wurden der Endmix, das Pressematerial und die „100% Mensch“-Webseite an den Start gebracht und ein pralles Promotionpaket geschnürt. Auf fast allen CSDs des Landes wurde „100% Mensch“ performt – in jeweils unterschiedlicher, tagesaktueller Besetzung – je nachdem wer gerade konnte. Künstler reisten durch halb Deutschland und präsentierten ihr Statement (ich war beispielsweise zusammen mit Klaus Nierhoff, Käthe Köstlich und Mayo Velvo für den CSD Düsseldorf zuständig), für das es vor Ort größtenteils Lob und Anerkennung gab (nur die Presse wollte es nicht immer so sehen…). Den größten Auftritt hat das Projekt „100% Mensch“ am 5. Juli auf dem ColognePride, wie der Kölner Christopher Street Day inzwischen heißt. Da kommt noch einmal ein Großteil der mitwirkenden Künstler zusammen. Wenn wir auch unser erklärtes Ziel, den Einstieg in die Charts, verfehlt haben, konnten wir uns über mehrere Tage Top 10 in den Schlager-Download-Trendcharts sowie eine Menge begeistertes Feedback freuen.

Übrigens eine kleine, feine Fußnote: „100% Mensch“ wurde veröffentlicht auf dem Hitmix-Label von ERICH ÖXLER (Celler Schule 2000).

Zur Webseite von „100% Mensch“

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„Und wir waren wie Vampire“: Jürgen Drews‘ außergewöhnlichster Hit

von Tobias Reitz (Celler Schule)

„Und wir waren wie Vampire, zogen rastlos durch die Nacht…“ Derzeit dröhnen diese Zeilen aus allen Boxen! Ausgedacht hat sie sich einer, der mit 24 Jahren wahrscheinlich der Jüngste ist, der sich im Moment über eine Veröffentlichung als Schlagertexter freuen kann: Alexander Scholz. Dass er einen Hit mit Jürgen Drews landen würde, hätte er sich vor zwei Jahren noch nicht zu träumen getraut. Und so ist es dazu gekommen – wohl eine der außergewöhnlichsten Geschichten, die ein Hit je hatte:

2011 veröffentlichen Edith Jeske und Tobias Reitz das „Handbuch für Songtexter„. Natürlich muss ein solches Buch in der Anfangszeit promotet werden (inzwischen ist es ein Standardwerk für Musiker). Die Promoterin Dagmar Ambach hat die zündende Idee: Man könnte einen Songtexter-Wettbewerb mit einem Zeitschriftenverlag starten. Das klingt stark! Immerhin sind aus solchen Wettbewerben schon Hits wie „The Last Farewell“ (Roger Whittaker/Elvis Presley) und „Wähle 3-3-3“ (Graham Bonney) entstanden. Man fragt den Bauer Verlag. Bauer-Entertainment-Chef Jörg Mandt und Redakteur Eike Lange wollen den Wettbewerb in der Zeitschrift DAS NEUE bringen. Fragt sich nur: Wer könnte den Siegersong singen? Die Wahl fällt schnell auf Jürgen Drews. Jürgen ist begeistert von der Idee und schickt seinen Manager Kurt Kokus und seinen Produzenten Mike Rötgens in die Jury.

Im Juni 2012 titelt der Bauer Verlag: „DAS NEUE-Leser schreiben den neuen Schlager-Hit“. Schlager-Deutschland macht mobil: Es hagelt Einsendungen en masse – sogar Profis beteiligen sich an der Ausschreibung. Im Oktober tagen die fünf Branchenexperten (Rötgens-Kokus-Lange-Mandt-Reitz) und sichten über 700 (!) Einsendungstexte! Nach einem langen Tag steht der Siegersong fest: „Und wir waren wie Vampire“ hat alle geflasht! Es entsteht sogar schon während der Jury-Sitzung eine Melodie-Idee! Man freut sich, dass der Sieger Alexander Scholz ein junger, ausgeschlafener Typ ist, der den Schlager liebt wie kaum ein Zweiter. 2013 qualifiziert er sich für die Celler Schule und bildet sich zum professionellen Songwriter fort. Nachfolge-Veröffentlichungen sind schon im Arbeit.

JDrews_AlbKornblumen_Cover052F-kleinIm Oktober 2013 erscheint „Und wir waren wie Vampire“ auf Jürgen Drews‘ neuem Studioalbum „Kornblumen“, einem der erfolgreichsten Drews-Alben überhaupt. Der Bauer-Verlag belohnt den Jungautoren mit einem Gold-Award für seinen Sieg im Autoren-Wettbewerb. Eigentlich war „Und wir waren wie Vampire“ nur als Bonustrack auf dem „Kornblumen“-Album gedacht. Da schaltet sich aber die Universal ein: „Der Song ist großartig – wir wollen ihn zur neuen Single machen!“ Und so steht jetzt ein Song ganz vorne in den Airplay- und Diskotheken-Charts, der den wohl außergewöhnlichsten Entstehungsweg hatte, den es im Musikgeschäft dieses Jahrtausends je gab. Die Single ist seit dem 21.02.2014 im Handel.

Glückwunsch, Alexander Scholz, zum grandiosen Einstieg ins Musikgeschäft! Und Glückwunsch, Jürgen Drews, zum neuen Hit!

 

 

Ein Wolkentaxi für den Schlagerhimmel

von Carolin Graml (Celler Schule 2012)

„Komm, wir mieten uns heute einfach ’ne Wolke und fliegen übers Meer!“, singt der neue Stern am Schlagerhorizont mit dem passenden Namen Patrick Himmel.

Wie bitte? Eine Wolke mieten? Ja, warum eigentlich nicht? Wieso nicht einfach für einen Augenblick die graue Realität vergessen und sich wegträumen, „der Sehnsucht hinterher“? Patrick Himmel macht es einem leicht, schließlich legt er so viel positive Energie und ein hörbares Lächeln in seine Stimme, dass selbst ich spätestens beim Refrain im Rhythmus mitwippen muss. Wieso „selbst ich“?

Weil ich selbst den Text geschrieben habe, gemeinsam mit Erich Sellheim, den ich in der Masterclass der Celler Schule 2012 kennengelernt habe. Inzwischen sind wir ein eingespieltes Songtexter-Team und „verarzten“ zusammen immer wieder gerne und fleißig Schlagermusiken mit möglichst griffigen Textzeilen.

Wo wäre der Text wohl gelandet ohne Celler Schule? Gar nicht erst geschrieben oder in der Schublade oder noch schlimmer: von uns selbst gesungen, auf dem Geburtstag von Onkel Schorsch und Tante Anneliese…

Gott sei Dank ist die Celler Schule mehr als nur das Hogwarts der Textdichter-Lehrlinge, sie ist für viele auch der erste Kontakt zur Branche und in unserem Fall der zu Patrick Himmel.

 „Wolkentaxi“ schrieben Erich Sellheim und ich noch während des Sommercamps der Celler Schule 2012 in Springe, bewaffnet mit Block und Stift während der wenigen Seminar-Pausen auf dem Zimmer – ein Leichtes nach 2 Wochen Inspiration durch die Seminarleiter Edith Jeske und Tobias Reitz, die unheimlich talentierten anderen Seminarteilnehmer und die vielen Gäste aus der Texterbranche.

Unser Ziel war es, „Wolkentaxi“ Patrick Himmel quasi auf den Leib zu schreiben. Schließlich hatte man uns eingebläut, dass ein guter Text neben ausreichend sauberen Reimen und Rhythmen und einer ohrwurmartig-eingängigen Hook auch perfekt zum Interpreten passen muss, wenn der sich am Ende voll und ganz damit identifizieren können soll. Und scheinbar ist uns das auf Anhieb gelungen, denn der Song wurde nicht nur sofort Bestandteil von Patrick Himmels erstem Album „Alles auf Rot“ (erschienen im September 2013), sondern auch noch eines seiner Lieblingslieder!

IMG_0931Patrick hat mir geschrieben – und darüber freue ich mich sehr: „Der Song hat mich von Anfang an berührt und gleich mitgerissen. Es war für mich sofort klar, Wolkentaxi muss aufs Album. Da ich ja selbst eigentlich die Texte für meine Songs schreibe, wollte ich ursprünglich auch nur eigene Texte für mein erstes Album verwenden. Wenn man dann aber einen solchen Song wie „Wolkentaxi“ vorgelegt bekommt, ist man förmlich gezwungen, alle Vorsätze über Bord zu werfen, und hat gar keine andere Wahl, als ihn aufzunehmen und aufs Album zu packen. Wolkentaxi passt nicht nur unwahrscheinlich gut zu meinem eigenen Namen, sondern ist meiner Meinung nach auch ein echter Radiotitel, der hoffentlich den Nerv vieler Hörer treffen wird.“

Am liebsten hätte es Patrick, wenn er sich „irgendwann seinen Platz im oberen Feld des deutschen Schlagers erobern“ könnte. Ein ehrgeiziges Ziel. In weiter Ferne? Aber nein,  wir haben doch … ein Wolkentaxi!

Celler Schule 2013: „Was hier für Talente herumschwirren…“

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

 

Heuer kam nichts dazwischen: Keine MarilleClaudia Karner und Thomas Woitkewitsch beim Abschlussfest der Celler Schule 2013nernte bei Freundin Inge im Burgenland, kein Schrammelklang im Waldviertel, kein Tollwood-Festival in München. Also, rein in den Zug und ab nach Springe, zum Abschlussfest der Celler Schule 2013, wo es nach zwei intensiven Wochen in der Talenteschmiede JeskeReitz wieder eine Menge zu feiern gab. Und zum Schauen und Hören auch. „Kinder, was hier für Talente herumschwirren!“, begeisterte sich mein Tischnachbar Thomas Woitkewitsch, der Grandseigneur der Liedtexterei, seit zehn Jahren hochgeschätzter Dozent in  der Celler Schule. Einen Satz hat er allen ExCELLEnten auf den Weg mitgegeben. „Wenn zum Schluss alle heulen, ist es gut gelaufen!“

Tobias Reitz führte charmant durch den Abend (Was kann der Mann eigentlich nicht?), und für die  Musenmuddi, die ihren Klassiker „Rinnsteinprinzessin“ zum Besten gab,  hatte er eine besondere Überraschung parat: das nie übergebene Doppel-Platin für den Song „Wieder zurück“, den Edith Jeske Ende der 90er für Wolfgang Petry geschrieben hatte. Von den ExCELLEnten  gab es neben einem  originellen Geschenk, einer Flasche  Reimgold Brillant, ein Ständchen aller Teilnehmer. Bei der Parodie auf Michael Holms „Tränen lügen nicht“ spürte man: Hier ist wieder ein excellenter Jahrgang am Moussieren.

Die Nacht verging wie im Railjet. Plötzlich war es vier Uhr morgens, und der Saal im Lutherheim hatte sich schon gelichtet. Übrig geblieben war ein  Fähnlein Nimmermüder, darunter Silke Frost, Axel Paetz, Lennart Schilgen und Thomas Franz (für mich  d i e  Entdeckung des Abends), die sich mit Singen und Spielen die drohenden Ermüdungserscheinungen vertrieben.  Wie schön, dass ich dabei sein durfte. Danke an euch alle! Während sich die Berliner Gruppe mit Tilman Lucke, Michael Feindler und  Lennart Schilgen zu Fuß bei Sonnenaufgang auf den Weg zum Bahnhof machte, um den ersten Zug zu erreichen, nahm mich Anna Brandt gemeinsam mit Silke im Auto mit. Es war kurz vor sechs, als wir in Hannover ankamen. Die ersten Trödler bauten an der Leine ihre Flohmarkstände rund um die bunten Nanas von Niki de Saint Phalle auf. „Kommst du nächstes Jahr wieder?“ fragte mich Anna beim Aussteigen. Ich schüttelte bedauernd den Kopf. „Sieben Stunden im Zug, das ist mir einfach zu weit.“

Vor ein paar Tagen gab Tobi den Termin für das Abschlussfest im nächsten Jahr bekannt.  Naja, bis zum 25. Juli 2014 kann ich’s mir ja noch einmal überlegen…

 

Santiano auf Tour mit Helene Fischer

Im Sommer wird die erfolgreichste Sängerin des Landes auf Deutschlands Stadion-Bühnen stehen:  Helene Fischer! Und höchstwahrscheinlich wird sie auch Songs von Tobias Reitz singen. Der war 2001 Teilnehmer der Celler Schule und leitet sie heute bekanntermaßen zusammen mit Edith Jeske. Seit seiner Zusammenarbeit mit Helene Fischer (16 veröffentlichte Songs) ist er hauptberuflich Textdichter.

Support-Act bei den Helene-Fischer-Stadionkonzerten ist DIE Shootingstar-Band der letzten Jahre: Santiano! Die „Seemänner 2.0“ hatten ihre größten Erfolge mit Songs, zu denen Lukas Hainer (Celler Schule 2012) die Texte geschrieben hat. Für die Zusammenarbeit wurde er u.a. mit Doppelplatin ausgezeichnet.

Wer Lust hat, bei den Mega-Events (allein 35.000 verkaufte Tickets AufSchalke!) dabei zu sein, findet auf www.helene-fischer.de  alle weiteren Infos und Termine.