„Der Dornröschenschlaf ist vorbei“ – Simone Altenried freut sich über aktuelle Veröffentlichungen

Von Turid Müller

Sie ist ExCellentin aus dem Jahrgang 2010 und von jeher als Schlagertexterin unterwegs. Jetzt finden drei ihrer Texte auf Album und Single von Monika Martin Beachtung.

Foto: TELAMO

Im Oktober 2017 wurde von Monika Martin die Single Das Gefühl als Vorbote auf ihr kommendes Album als Single veröffentlicht, mit dem sie sich bereits seit 21 Wochen in den Radiocharts in den Top Ten behaupten kann. „Die Musik stammt von meinem Mann Uwe Altenried, Text von mir“, verrät Simone Altenried.

Monika wurde am 27.03. zum zweiten Mal mit dem Smago Award geehrt – diesmal in der extra für sie erdachten Kategorie Der Dornröschenschlaf ist vorbei. Diese Zeile stammt aus der Single Ich tanze – ebenfalls von dem Künstler-Paar Altenried geschrieben. Das Video dazu ging im April online und leitet das neue Album von Monika Martin für immer, welches am 11.05. veröffentlicht wird, ein. „Es gibt kein Lied auf der CD das so heißt, aber der Name sagt viel aus, über die Künstlerin, ihr Tun, ihre Kreativität und den Menschen Monika Martin“, ist bei Telamo über die Künstlerin zu lesen.

Monika ist eigentlich als der „stille Star“ bekannt geworden, hat immer sehr leise Lieder gesungen. Sie hat sich in den letzten fünf Jahren komplett neu erfunden und ist von der Volksmusik im Popschlager gelandet. Ein Spagat, der nur wenigen Interpreten gelingt. Sie wurde mehrfach mit Gold ausgezeichnet“, erzählt die stolze Texterin.

„Mit Mehr als ein Freund (Musik Natascha Arnold & Uwe Altenried) hat sich Monika Martin einen dritten Song aus meiner Feder gepickt. Eine Geschichte die das Leben schrieb. Für diesen sehr persönlichen Song hätte ich mir kein schöneres zu Hause wünschen können“, so die ExCellentin.

„Also singe ich.“ – Christof Stählins Erbe

Von Turid Müller

Am 24. und 25. März traf sich die Christof-Stählin-Gesellschaft im Weyenhof in Wasungen. Die seit 2017 bestehende Vereinigung bemüht sich um das Andenken an den 2015 verstorbenen Christof Stählin.

Vorstand der Christof-Stählin-Gesellschaft

„Wer war Stählin für dich?“ lautet die Frage in die Runde des Liedermacher-Seminars. „Ein Lehrer“, „jemand mit Strahlkraft“, „ein Phantom“. – So unterschiedlich wie die Antworten sind, ergeben sie verschiedene Perspektiven auf ein und das selbe Thema. Das Bild, was dazu an die Tafel gezeichnet wurde, zeigt den so genannten Kaspar Hauser Turm. Ein Symbol, das Stählin in seinen ‚Unterweisungen‘ verwendet hat. Der Dichter, Liedermacher und Kabarettist hat nicht nur ein umfangreiches Werk, sondern auch seine Denk-Ansätze sowie viele begeisterte Schülerinnen.

Zwei davon führen seinen Lehre nun fort: Unter der Leitung von Matthias Binner und Martin Betz fand in der Woche vor Ostern zum wiederholten Male ein so genanntes SAGO-Seminar statt. Alte AnhängerInnen und neue Gesichter treffen sich hier, um in Sinne Stählins Grundlagen des Liedermachens zu durchdringen, einander Feedback zu geben und im Austausch künstlerisch zu reifen.

Dabei gehört es zum Konzept, dass alte Hasen, die Stählin noch kannten, neu Dazugestoßenen begegnen. Darum gab es auch ein Abschlusskonzert am Ende der Versammlung der Stählin-Gesellschaft, die direkt vorher tagte. Geladen waren die Teilnehmenden der anschließenden Fortbildung. Dargeboten wurden Lieder, Gedichte und Übersetzungen aus der Feder Stählins, sowie von ihm und seiner Lehre Inspiriertes.

SAGO heißt die Schule, die um den Altmeister herum entstand. Wer jetzt an ein fast vergessenes Getreide-artiges Produkt von Anno Knips denkt, denkt richtig: Der Name leitet sich von genau diesem Kolonialwaren-Produkt ab, für das es einst in vielen Küchenschränken eine eigene Schublade gab. Nachdem es aus der Mode kam sammelten sich hier lauter Dinge, die nirgends hin gehören: Gummibänder, Kleinstteile, Schrauben… Alles, was sonst in keine Schublade passt. So ist es auch in der gleichnamigen Liedermacher-Akademie, die man nach einem Gedicht von Stählin auch als ‚Versammlung der Inseln‘ beschreiben könnte: Lauter Individuen unterschiedlichster Genres finden sich hier zusammen. Namhafte KünstlerInnen wie Bodo Wartke, Sebastian Krämer und Dota Kehr sind schon aus der Talentschmiede hervorgegangen. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Um das veröffentlichte wie das unveröffentlichte Werk des großen Liedermachers zu pflegen und verwalten, gründeten Stählins Familie, Freundeskreis, seine Kolleginnen und Kollegen die Stählin-Gesellschaft. Ziele der Vereinigung sind die Schaffung eines Back-Kataloges, die Archivierung des Nachlasses sowie jährliche Gedenk-Konzerte:

Durch nachträgliche Digitalisierung sollen nach und nach alle Tonträger des Künstlers zugänglich gemacht werden – auch die auf Vinyl erschienenen und die vergriffenen. Als Kanäle seien der Shop auf der Homepage, sowie die üblichen online-Plattformen angedacht. Bisher sei ein Album unentgeltlich erhältlich.

Über den zu Lebzeiten veröffentlichten Bücher- und Schallplatten-Schatz hinaus sind weitere Veröffentlichungen geplant. Es ginge darum, den Schatz zu heben und ihn für die Nachwelt zugänglich zu machen, so Vereinsmitglied Matthias Binner und Vorstandsmitglied Philipp Taubert. Auch sei beabsichtigt, die Didaktik am Leben zu halten – zum Beispiel in Form eines SAGO-Lehrbuches.

Jährlich stattfindende Konzerte zum Gedenken an Stählins künstlerisches Werk werden von wechselnden SAGOnautInnen ausgetragen. Dieses Jahr findet das Memorial-Konzert am 21.06. in der Villa Eugenia in Hechingen statt.

Christoph Stählin

Neue Mitglieder sind in der Christof-Stählin-Gesellschaft herzlich willkommen – ganz gleich ob Fans, Schülerinnen oder Neu-Einsteigende.

 

Auch ohne meine Lieder ginge die Welt nicht zugrunde.
Schön, aber ich möchte darauf hinweisen, daß die

Welt ausschließlich aus Dingen besteht, ohne die sie nicht zugrunde gehen würde.
Man kann doch nun die Welt nicht einfach so ihrer Bestandteile berauben!
Also singe ich.

(Christoph Stählin)

„Ein kleiner Traum, den man sich erfüllt.“ – Kirchberg erstmals in der Elphi!

Von Turid Müller
Sein Becher-Album „Einmal frei. Und einmal glücklich sein.“ wurde kürzlich mit dem Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik geehrt. Nun spielt er das Programm wieder. Und zwar in der Elbphilharmonie! Ein guter Zeitpunkt für ein Interview…

„Es ist so etwas, woran man mal denkt… und dann träumt man…“ sagt Johannes Kirchberg  auf die Frage, wie sich das Konzert im neuen Hamburger Konzerthaus ergeben hat: Die CD war gepresst und es gab wenig Möglichkeiten aufzutreten – ein Streichquartett und ein kantiges Thema wie der Texter der Nationalhymne der DDR – dafür kann sich nicht jeder Veranstalter begeistern. „Spiel doch in der Elphi!“ hat eine Freundin spontan vorgeschlagen. – Ein Traum war geboren. Und der Musikkabarettist freut sich nun, dass die Bewerbung bei der namhaften Konzerthalle geklappt hat. Tatsächlich waren Becher und das Streichquartett der Türöffner für dieses Haus, das sich für Kabarett weniger erwärmen kann. „Die Besetzung gibt das her; das passt in den Rahmen.“

Fotograf: Stephan KnauerDie Veranstaltung findet anlässlich des 60. Todestages von Johannes R. Becher statt. Am 22.09.2018 um 19:30 Uhr steht Kirchberg zusammen mit dem Canea Quartett auf der Bühne im Kleinen Saal.

Die Vertonungen von Bechers Texten sind nicht sein erstes Projekt dieser Art. Seit vielen Jahren bemüht er sich um den Erhalt des Werkes von Schriftstellern – darunter Kästner und Borchert. „Dass das nun durch solch einen Spielort die entsprechende Wertschätzung erfährt, ist toll!“, sagt der Musiker zufrieden. – Aber lustig sei es schon, Ausschnitte der Nationalhymne der ehemaligen DDR in diesen heiligen Hallen zu spielen. Auf der CD ist sie bewusst nicht mit drauf. Aber live wird sie ausschnittsweise gespielt und thematisiert. Zunächst hatte er durchaus Bedenken: „Man will ja nicht die falschen Leute hinterm Ofen hervorlocken…!“ Aber diese Befürchtung hat sie nie bewahrheitet. Die Reaktion der Menschen ist oft: ‚Ach, die ist aber schön!‘ Und in der Tat, so Kirchberg, hat diese Hymne den besseren Text. Es habe sogar nach der Wende Bestrebungen gegeben, diese Zeilen mit der Musik von Haydn zur neuen Nationalhymne zu machen. Aber Kohl habe diktiert, dass es bei der alten bleibt und dass lediglich die 3. Strophe gesungen wird.

„Heimat und Frieden“, darum geht es eigentlich in dem Programm, hat Kirchberg hinterher festgestellt. – Also durchaus aktuell! Der Heimatbegriff wurde – und wird ja gerade wieder – missbraucht. „Ich kann mir doch als Linker das Wort nicht wegnehmen lassen!“, findet er. Und so hat er sich an diese Inhalte ran getraut. Es drehe „sich um Heimat, um das Ringen um Demokratie und den unbedingten Willen nach Frieden.“ Und das „ohne dabei die höchst streitbare Persönlichkeit Bechers zu ignorieren“, heißt es treffend auf der Homepage der ebenfalls umstrittenen Hamburger Kult-Location.
Das Besondere an dem Abend sind die Arrangements, sagt der Pianist. Ob man das nochmal so hinkriegt, sei unklar, weil man Leute braucht, die für so eine Aktion Feuer und Flamme sind. Es sei eben wirklich ein Herzensprojekt. Interessant auch, dass diese literarischen Vorlagen nie abgespielt sind. Sie haben keinen Zeit-Bezug und verlieren nie an Bedeutung.
Was als Nächstes kommt, weiß er noch nicht. Klavierkabarett – das sei wohl naheliegend. In Zusammenarbeit im Tom Reichel entsteht gerade ein neues Kabarett: AUSSTEIGERPROGRAMModer: was tut man nicht alles nicht.
Auf die Frage, ob er noch etwas sagen wolle, entgegnet er schlicht: „Es gibt noch Karten!“
Also: Hin da!

 

 

 

 

 

 

 

 

Musik verbindet! – Der Unterwegs.Chor hilft gegen Heimweh und beim Zusammenwachsen

Von Turid Müller

 

Manuela Hörr, Celler Schule 2001, hat zusammen mit ihrem Kollegen und Partner Mark Roberts den UChor ins Leben gerufen. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz hat das Projekt jüngst ausgezeichnet. – Hoch verdient!

 

Fotograf: Clemens Heidrich

Die ExCellentin kennt sich aus mit Multikulturalität. – Sie lebt in einer zweisprachigen Familie, die gleichzeitig ein Zwei-Personen-Theaterunternehmen ist: Das Theater R.A.M.: Manuela Hörr (Schauspielerin, Sängerin, Komponistin, Texterin & Kulturpädagogin) und Mark Roberts (Musiker & Sänger).
Mit ihrer Musik und ihren Theaterstücken für Kinder und Jugendliche touren sie durch ganz Deutschland und haben in ihrem BaseCamp Hildesheim auch für große Kinder viele Initiativen ins Leben gerufen, die schon beim Lesen schwer neugierig machen – wie zum Beispiel der „Hildesheimer Beschwerdechor“.

Seit einer Weile gibt es eine neue Perle in dieser spannenden Reihe: Den Unterwegs.Chor. Hier wird zusammen gesungen, geschauspielert und gekocht. Und das in vielen vielen Sprachen. Alle lernen voneinander. Jeder ist Expertin – für das eigene Land.

Der Unterwegs.Chor Hildesheim besteht aus Menschen, die unterwegs sind. Angekommene Zugewanderte und bewegliche Einheimische schlendern gemeinsam durch ihre unterschiedliche Musik und Kultur. Gleichzeitig wandert das Publikum durch die Hildesheimer Landschaft. Die Natur gehört allen, die Musik auch. Wir machen gemeinsam Musik und lernen einfache Lieder aus verschiedenen Ländern voneinander singen.

Unser Projekt bietet Menschen die Möglichkeit, sich durch gemeinsames Tun kennenzulernen, ohne dass Sprache ein Hinderungsgrund wäre. Wir singen Lieder aus unserer jeweiligen kulturellen Heimat, wir summen oder lautmalen. Auch Bodypercussion ist als universelle Sprache bestens geeignet.
Beim Unterwegs.Chor treffen sich alle mit den gleichen Voraussetzungen als Weltbürger, als Menschen mit Offenheit und Neugier.“

Fotograf: Clemens Heidrich

Was unsere Gesellschaft gerade dringend braucht, wird hier geschafft: Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen begegnen sich, tauschen sich aus und wachsen zusammen. Und so verwundert es nicht, dass von den 381 Institutionen, die sich 2017 beworben hatten, auch der UChor gewürdigt worden ist. Als „Vorbildlich“ sieht die Jury das Wirken des Chores. Mit der Auszeichnung verbunden sind Preisgeld, Medienpräsenz sowie eine feierliche Preisverleihung.

Wer Lust bekommen hat, rein zu schnuppern, kann HIER eine Dokumentation über das Ensemble und über seine Performance „Club Homesick“ bewundern. Es locken aber auch live-Konzerte, zum Beispiel eine Sing-, Spiel- und Backperformance am 21. und 22. April im Riedelsaal. Mehr Informationen zu den Shows sowie Tickets gibt’s online.

Viel Spaß!

Günther Schwenn im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Der Fasching war kurz, der diesjährige Rosenmontagkater ist längst verflogen. Wer aber glaubt, Komasaufen wäre ein Phänomen unserer Tage, der irrt. In den 1960er Jahren sang man: Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort… Günther Schwenn hatte zur Musik von Heino Gaze den Text für dieses Karnevalslied geschrieben, das Willy Millowitsch berühmt machen sollte, und sich dadurch heftige Kritik von zwei protestantischen Kirchenmännern aus Frankfurt eingehandelt. Dass Schwenn allerdings weit mehr auf dem Kasten hatte als simple Schunkellieder, zeigt dieses Porträt.

SCHÖN IST JEDER TAG…MARIE LUISE

Günther Schwenn wurde am 18. März 1903 als Adolf Hermann Carl Günther Franzke als Sohn des Kaffeegroßhändlers Eduard Franzke und dessen Frau Louise in Berlin geboren. Günther wurde sein Rufname. Später nahm er den Mädchennamen seiner Mutter als Pseudonym an. Nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium, das er schon 17 Jahren ablegte, studierte er Literatur-und Kunstgeschichte in Freiburg. Nach der Rückkehr nach Berlin begann seine Karriere als Kabarettist, wo Franzke/Schwenn im Küka, dem Künstlerkaffee, arbeitete – nach eigener Aussage als Direktor, Klavierspieler, Texter und Rausschmeißer in Personalunion. Seine Mitstreiter waren Erich Kästner, Werner Finck und Max Kolpe, der für eine Gage von 5 Mark seine ersten Gedichte aufsagte. Als das Küka geschlossen wurde, trat er in dem politischen Kabarett Die Wespen auf und veröffentlichte Chansontexte und Gedichte in dem Buch Gesänge gegen bar.

Nach der Machtergreifung Hitlers verschwand der Kabarettist Günther Franzke von der Bildfläche. Als Günther Schwenn kehrte er wieder, verschrieb sich von nun an der leichten Muse, wurde Schlagertexter und landete mit dem Lied Schön ist jeder Tag, den du mir schenkst, Marie Luise in dem Film Die Sonne geht auf, seinen ersten Erfolg. Dieses Lied, das Will Meisel komponierte, fand auch später Eingang in die Operette Königin der Nacht.

FÜR EINE NACHT VOLLER SELIGKEIT

Ope-rette sich, wer kann! so lautete Schwenns Devise, als er Haus- und Hoftexter des Metropoltheaters in Berlin wurde. Heinz Hentschke war dort nicht nur Direktor, sondern auch Librettist, „der letzte König und der erste Manager der Operette“, so ZEIT online. Zehn Jahre lang verfassten die beiden mit Komponisten wie Fred Raymond, Ludwig Schmidseder, Friedrich Schröder und Theo Mackeben alljährlich ein musikalisches Bühnenwerk, getreu dem Motto: Je schwerer die Zeiten, desto leichter die Unterhaltung. Die erfolgreichste Operette wurde Maske in blau (Komponist: Fred Raymond). Noch heute steht sie auf den Spielplan deutschsprachiger Musiktheater, noch heute hat man das Lied Die Julischka, die Julischka aus Buda-Buda-Budapest im Ohr.

Auch der Musikfilm kam an dem vielseitigen Texter nicht vorbei. Dank Schwenn sang sich  Marika Rökk mit viel ungarischem Temperament und ebensolchem Akzent in dem Film Kora Terry in die Herzen der deutschen Kinobesucher. Ihr Lied Für eine Nacht voller Seligkeit ist bis heute unvergessen. Die Melodie stammte von Peter Kreuder. Die meisten Filme sind in Vergessenheit geraten. Nur Witwer mit 5 Töchtern mit Heinz Erhardt in der Hauptrolle taucht Lochness-artig im Samstagsnachmittagsprogramm des Österreichi-schen Fernsehens auf.

Schwenns kreativer Output war schier unerschöpflich: Er verfasste die Liedtexte für 60 Bühnenwerke, 100 Musikfilme und über 1000 Einzeltitel, darunter: Wenn die Sonne über den Dächern versinkt (Pola Negri, Greta Keller und Hildegard Knef), Ach, Egon, ich hab ja nur aus Liebe zu dir… (Evelyn Künneke), Wenn die Glocken hell erklingen, eine Übersetzung von Les trois cloches (Fred Bertelmann, Gerhard Wendland, Lys Assia und Margot Eskens), Es kommt auf die Sekunde an (Johannes Heesters) und Durst ist schlimmer als Heimweh (Friedel Hensch). Bei seinem Auftritt im Wintergarten in Berlin wurde der Clown Charlie Rivel mit dem Lied Akrobat schö-ö-ön! überrascht, das Schwenn gemeinsam mit Fred Raymond schuf.

HEIMWEH NACH DEM KURFÜRSTENDAMM

Nach Ende des Krieges konnte Günther Schwenn seine Arbeit als Textdichter, Librettist und Autor nahtlos fortsetzen. Er engagierte sich ehrenamtlich in den Berufsverbänden, gehörte zu den Mitbegründern der GEMA-Stiftung und folgte Kurt Schwabach als Präsident des Deutschen Textdichteverbandes. In Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Unterhaltungsmusik wurde ihm 1979 als erstem Textdichter der Paul-Lincke-Ring verliehen, er wurde 1982 Ehrenmitglied der GEMA und erhielt 1983 die Goldene Feder des DTV.

Günther Schwenn starb am 4. Januar 1991 in Montreux am Generelle. Er wurde auf dem Friedhof Berlin-Wilmersdorf beigesetzt. Schwenn lebte seit 1959 in der Schweiz, blieb aber im Grund seines Herzens ein Berliner. Ist ja auch nicht verwunderlich bei einem, der seiner Heimatstadt eine unnachahmliche Liebeserklärung geschenkt hat: Ich hab’ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm, ich hab’ so Sehnsucht nach meinem Berlin… Die 3 Travellers nahmen 1950 das Lied auf Platte auf, das durch die Interpretation von Marlene Dietrich und Hildegard Knef berühmt gemacht wurde. Für Bobby Kamp, den Komponisten der Berliner Hymne, blieb es allerdings ein One-Hit-Wonder.

Der während des Krieges nach London emigrierte Journalist und Kritiker Paul Erich Markus, der seine Artikel mit Kürzel PEM signierte, sprang auf den Zug auf und verwendete den Titel für seine Erinnerungen an das Berlin der Zwanziger Jahre. Das 1951 erschienene Buch wurde ein Bestseller.

 

 

 

 

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„Freiheit über alles lieben“(Beethoven): ExCellentin trifft Egmont

Von Turid Müller

 

Beate Haeckl, Celler Schule Jahrgang 2003, war schon damals – als Texterin, Autorin und Sprecherin – in vielen verschiedenen kreativen Gewässern unterwegs. Im letzter Zeit hat sie sich vermehrt dem Musiktheater zugewandt. So wurde 2015 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel die Oper „Penthesilea“ nach Heinrich von Kleist uraufgeführt, für die sie als Librettistin mit dem französischen Komponisten Pascal Dusapin zusammenarbeitete. Als Dramaturgin wirkte sie letzthin an der Musiktheaterproduktion „Egmont“ in deutscher Sprache mit. Die Herausforderung bestand darin, das fünfaktige Drama von Goethe auf ein angemessenes Maß zu reduzieren, sowohl was die Besetzung als auch die Dramaturgie betrifft. Im Verlauf dieser zweijährigen Arbeit entstand eine Bühnenfassung, die auch einem französischen Publikum zugänglich sein sollte.

 

Fotograf: Knut Stritzke

 

Egmont! Das heißt: Beethoven bzw. Goethe! – Ein alter Schinken?
Nicht in der Pariser Inszenierung von 2017:
„Laurence Equilbey [Dirigat] und Séverine Chavrier [Regie] hatten den Wunsch, dem Werk der beiden Genies seinen ganzen Einfallsreichtum und seine Aktualität zurückzugeben, indem sie sich den Herausforderungen der Erzählung dieses vielschichtigen Stücks stellten. Hierfür haben sie gemeinsam mit der Dramaturgin Beate Haeckl eine besondere Form gewählt, die Musik, gespieltes und gefilmtes Theater und das Geschehen aus der Sicht zweier Hauptpersonen, Klara und Ferdinand, auf der Bühne vereint,“ ist in einem Paper des insula orchestras zu lesen.

 

Das Orchester spielte die von Goethe zu seinem Drama „Egmont“ in Auftrag gegebene symphonische Zwischenmusik von Beethoven, Séverine Chavrier inszenierte das auf fünf Personen reduzierte Stück in deutscher Sprache. Die Uraufführung fand im Konzertsaal der Seine Musicale auf der Ile Seguin im Südwesten von Paris statt. Der große Kulturkomplex wurde Anfang 2017 erst eingeweiht.

Die Produktion ging in Frankreich auf Tournee; im Dezember 2017 gastierte sie im Theater an der Wien.

 

Orchesterdirigentin Laurence Equilbey bringt die Besonderheit der Herangehensweise auf den Punkt: „Beethovens Bühnenmusik drängt nach Freiheit und dient dem Drama und Egmonts Welt auf prachtvolle Weise. Sie lässt uns abwechselnd seine Liebe für das Leben, sein Heldentum, seine Trauer bei Klaras Tod und die Exaltiertheit bei der triumphalen Sinfonie zum Abschluss verspüren, als Egmont für die Freiheit seines Volkes alles opfert.
Wird diese Musik allein, unabhängig von Goethes Stück gespielt, klingt sie nicht so, wie sie eigentlich sollte. Deshalb haben wir mit Séverine Chavrier und Beate Haeckl beschlossen, eine besondere Form zu schaffen, ein gefilmtes und auf der Bühne gespieltes Theater, das die wichtigsten Momente des Stücks Egmont wiedergibt und die ganze Kraft der herausragenden Musik Beethovens zum Ausdruck bringt.“

 

Altklug oder jung weise? – Michael Feindler rechnet mit Vorurteilen gegenüber der Jugend ab

Von Turid Müller

 

Im aktuellen Monatsgedicht widmet sich der junge Kabarettist einem Satz, den er schon oft gehört hat: „Das, was Sie da machen, ist echt gut… für Ihr Alter.“

 

Diese oder Ähnlich gönnerhafte Worte aus dem Munde Älterer hat wohl nicht nur er schon mal gehört. Selbst in der Politik wurde das Thema kürzlich aufgegriffen – und zwar unter dem Hashtag #diesejungenleute. Ein guter Zeitpunkt für Feindlers poetischen punch back:

Einwurf der jungen Leute

 

Ihr tragt Erfahrungen der vielen Jahre
wie einen gut gepflegten, langen Bart.
Ihr deutet stolz auf all die grauen Haare,
noch stolzer deutet ihr die Gegenwart.

Ihr werft Euch für die Außenwelt in Schale,
als mehrte dies den Inhalt Eurer Köpfe,
sitzt selbstgefällig in der Schaltzentrale
der Macht, bedient die Hebel und die Knöpfe –

nicht weil Ihr’s besser könntet, sondern schlicht,
weil Ihr als Erste dort gesessen habt.
Die Zeit hat’s Euch gegeben. Mehr war’s nicht.
„Gegeben“ heißt noch lange nicht „begabt“.

Wir sagen nicht, dass wir es besser wüssten.
Nur anders. Aber das ist auch schon was.
Wie wär es, mal gemeinsam auszumisten?
Und keine Angst: Es wird schon nicht zu krass.

Doch meidet Ihr gemeinsames Gelingen
wie Einzelkämpfer einen Staffellauf.
Ihr glaubt, wir wollen Euch zur Strecke bringen?
Uns drängt sich eher diese Frage auf:

Wozu der Stress, Euch böse aufzulauern?
Ihr habt ja keinen Vorsprung von Bestand.
Was heute jung ist, wird Euch überdauern.
Da warten wir doch lieber ganz entspannt.

Bleibt dennoch Eure Angst durch uns zu stürzen,
schaut nicht auf uns herab – das hilft uns allen!
Warum Ihr Angst habt, lässt sich drauf verkürzen:
Wer weiter oben steht, kann tiefer fallen.

In diesem Sinne wünschen wir – um mit Feindler zu sprechen:

„Frohes und gesundes Altern!“

In himmlischer Ruh. – Dichterischer Abschluss von 2017.

Von Turid Müller.

 

Mit dem Monatsgedicht Dezember wünscht Musikkabarettist Michael Feindler seiner Leserschaft „ein möglichst friedliches Jahr 2018“:

 

In himmlischer Ruh

Am sechsundzwanzigsten Dezember geht er
bei Sonnenuntergang durch jene Straßen,
wo kürzlich Menschen in den Buden saßen,
vor denen Glühweintrinker Bratwurst aßen.
Er läuft daran vorbei und schließlich steht er
am Marktplatz vor den großen Tannenbäumen,
die diesen Platz samt Lichterketten säumen,
und weiß: Bald fängt man an, sie wegzuräumen.

Doch jetzt, für den Moment, wie eingefroren,
erstreckt sich hier mit leuchtend heller Miene
die weihnachtliche Jahresend-Ruine.
Sie hat im Schatten festlicher Termine
an Trubel, aber nicht an Glanz verloren.
Im Gegenteil. Er hat schon oft gedacht,
wie gut sich all das ohne Menschen macht.
Er lächelt und summt leise „Stille Nacht“.

Wer nicht warten möchte, bis Feindlers Monatsgedichte ihren Weg bis in diesen Blog gefunden haben, kann sie Übrigens auch per Newsletter abonnieren – und zwar hier: michael-feindler.de

Engelszungenbrecher – Lieder und Schabernack mit Lennart Schilgen

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Nun ist es raus, das erste Album von Lennart Schilgen, das live im Zebrano-Theater in Berlin aufgenommen wurde. Engelszungenbrecher heißt es, genau wie Lennarts aktuelles Solo-Programm. Schon im Titel zeigt sich sein Hang zur Doppelbödigkeit. „Ich habe heute so viel vor…“, platzt der Berliner Liedermacher und Musik-Kabarettist gleich zu Beginn heraus, um dann mit einem „…mir hergeschoben“ die vollmundige Behauptung gleich wieder zu relativieren.

„Lieder und Schabernack“ machen, das mag er und das kann er. Lennart Schilgen inszeniert sich dabei als sympathischer Loser, auf dessen To-Do-List ganz oben „Aufstehen“ steht, der aber an der Snooze-Taste oder an der verlorenen Telefonnummer scheitert. Das tut er mit soviel Musikalität, sprühendem Wortwitz und Selbstironie, dass dieses Scheitern für den Zuhörer zum reinsten Vergnügen wird. Es geht dem Liedermacher in erster Linie nicht um den schnellen Gag. Seine Texte zeichnen sich durch genaue Beobachtungsgabe, perfekte, unverbrauchte Reime und einen Hang zum Absurden aus. Das ist komisch und anrührend gleichzeitig, wenn das Komische ins Tragische kippt und umgekehrt. Und dabei sitzt Lennart immer der Schalk im Nacken wie Pippi Langstrumpf Herr Nilsson, der kleine Affe.
Lennart Schilgen erzählt nicht nur von widerspenstigen inneren und äußeren Schweinehunden und deren Zähmung, sondern auch von Frauen: von der globetrottenden Marta zum Beispiel, der er schon nachheult, bevor sie noch weg ist, oder von Miriam und ihren rotäugigen, blassen Handyfotos und vor allem von Lea, der Kurzzeitflamme, der er am Telefon gesteht, er hätte ein Lied für sie geschrieben und – Was für ein charmanter Wink mit dem Zaunpfahl an die Radiomacher! – sie solle es von ihm erfahren und nicht aus dem Radio. Lea wurde von David Wonschewski auf seinem Lieder- und Chansonblog Ein Achtel Lorbeerblatt zum Videotipp des Monats Dezember gekürt. Lennart begleitet sich selbst bei seinen Songs, er spielt Klavier und Gitarre, routiniert und vielseitig, mal zart, mal Rock’n’Roll, so wie es eben der Inhalt des Songs verlangt. „Was dabei herauskommt, ist subtiler Wahnsinn zum Wohlfühlen“, schreibt der Pressetexter. Der Mann hat Recht!

Schilgen, Absolvent der Celler Schule 2011, ist mit seinen 28 Jahren in der Szene kein Unbekannter mehr. Er hat sowohl im Alleingang als auch mit seiner Kabarett-Band Tonträger schon etliche Chanson- und Kleinkunstpreise gewonnen, darunter den 1. Preis (plus Publikumspreis) beim Potsdamer Chansonfestival 2012 – vor Georg Clementi und Konstantin Schmidt. Mit den Tonträgern gewann er 2017 die St. Ingberter Pfanne, als Solokünstler ersang er sich im selben Jahr beim Deutschen Songcontest Der Troubadour trotz gerissener Gitarrensaite den 3. Platz. 2016 gewann er den Bielefelder Kabarettpreis und ein Jahr zuvor den Deutschen Chansonpreis 2015 in der Nachwuchskategorie. „Man geht mit Freude mit auf seine doppelten Böden, man jubelt innerlich über die vielen Einfälle und Reime. Wunderbar leichte, überraschend unaufwändige und höchste einfallsreiche Songs“, hieß es in der Laudatio. „Lyrisch astreines Wortwerk … eines Reinhard Mey würdig“, schrieb der Tagesspiegel.

Erhältlich ist Engelszungenbrecher unter mail@lennartschilgen.de oder als Download bei Amazon,iTunes, Spotify, Deezer, Google Play, 7Digital und Slacker.

„Einmal frei. Und einmal glücklich sein.“ Johannes Kirchbergs aktuelles Album wird geehrt.

Johannes Kirchberg, Celler Schule Jahrgang 1998, erhält mit seinem aktuellen Album den Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. – Herzlichen Glückwunsch!

Erst am 10. November 2017 erschienen, schafft es das aktuelle Album gleich ganz nach vorn: Auf der Bestenliste 4/2017  steht in der Kategorie Liedermacher: „Johannes Kirchberg und das CANEA Quartett Hamburg (…).“

Johannes Kirchberg kommentiert den Erfolg auf seiner Homepage: „Diese Anerkennung macht mich sehr glücklich, ist sie doch eine Wertschätzung für die Arbeit und das Herzblut, das in dieser Produktion steckt.

Das Herzblut war wohl zu hören. Denn die Jury erläutert ihre Entscheidung wie folgt:

„Der Pianist, Komponist und Sänger Johannes Kirchberg aus Hamburg widmet sich mit seiner jüngsten Veröffentlichung auf einfühlsame und sensible Weise dem expressionistischen Dichter Johannes R. Becher, der später Kulturminister der DDR wurde. Das Programm, entworfen zum sechzigsten Todestag Bechers, macht auch um die Nationalhymne keinen Bogen, aber es zeigt vor allem Bechers Ambivalenz zwischen Affirmation und Phantasie, Politik und Privatem, im Ringen um Heimat, Frieden, Liebe. Jens-Uwe Günther hat Kirchbergs Lieder für Streichquartett-Begleitung anspruchsvoll arrangiert – ein künstlerisch ambitionierter Weg, sich einem vergessenen Poeten anzunähern. (Für die Jury: Kai Engelke)“

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. ist ein unabhängiger Zusammenschluss von Musikkritikern und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Und er ist nicht der einzige, den die Scheibe abgesahnt hat: „Schritt der Jahrhundertmitte“, eines der Lieder vom preisgekrönten Tonträger, schaffte es im Oktober auf Platz 4 der Liederbestenliste.

Und so lobt auch die Presse das Werk in höchsten Tönen:

„Johannes Kirchberg hat aus den Gedichten Lieder gemacht … selbst vertont und einen sehr aufwändigen klassischen Ansatz gewählt. Das Streichquartett Canea begleitet ihn dabei eindrucksvoll. Sein Gesang verleiht den Texten eine gewisse Frische und Unbeschwertheit.“ (Folker)

„Im letzten Lied der CD, Bechers „Heimatlied“, stellt er sich gleichwohl dem Thema; unpathetisch gesungen irgendwo zwischen Süverkrüp und Wecker, inspiriert melodiös, mit einer die Sprache beflügelnden Quartettbegleitung.“ (Junge Welt)

Das Album ist im Hamburger Rudolf Steiner Haus live eingespielt worden. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, kann das hier.

Das gleichnamige Programm hatte am 02.10.2017 auf dem Hamburger Theaterschiff, einer der Wirkungsstätten des Musikkabarettisten, Premiere. Der musikalische Abend speist sich aus Texten und Gedichten dieses fast vergessenen Autors – einem politischen Dichter bzw. einem dichtenden Politiker. Im Ankündigungstext heißt es: „Ein Abend, der Interesse weckt an dieser zwiespältigen Person. An dem Münchner Dichter, der später der erste Kulturminister der DDR wurde.“

Umso bemerkenswerter, dass so ein kantiges Thema einen solchen Erfolgskurs nimmt. – Chapeau!

 

Blogbeitrag Nr. 500:
40 Jahre JeskeTexte. Und was für ein Fest!

1977:
In Bonn und kurz darauf in Berlin stürzt sich eine junge Frau in die Kneipen und Clubs der Liedermacherszene und auf die Bühnen. Sie will eine erfolgreiche Sängerin werden.

Karikatur: Dave Andersen

 

 

2017:
Es ist anders gekommen. Statt der Bühne ist es der Schreibtisch geworden, und sie genießt es, zumal sie kürzlich 60 wurde und es gern etwas ruhiger mag. Nur heute begrüßt sie ihre Gäste mit einem Lied. Denn in diesem Jahr feiert Edith Jeske vier Jahrzehnte Liedtexten.

Bevor sie sich vom Abendprogramm überraschen lässt, begrüßt Edith Jeske ihre mehr als hundert Gäste mit einem Lied (hier ein paar Auszüge).

 

(…)
Ich kann jetzt endlich Kohle sparnJeske singt
und auf Seniorenticket fahrn.
Ich höre noch nicht allzu schwer.
Mit Größe M komm ich noch hin,
die eignen Zähne sind noch drin
und schwanger werd ich auch nicht mehr….

(…)
Auf euch, da war und ist Verlass –
wenn ich das mal in Worte fass.
Wir halfen uns durch manche Krisen.
Denn wir, wir glauben fest daran,
dass man auch Eintracht säen kann.
Ihr habt es tausendmal bewiesen.

Und heut – mit meinen 60 Jahren
schau ich zurück voll Dankbarkeit
Ein Hoch auf was wir sind und waren!
und noch ein bisschen gute Zeit.“

Während in Berlin Christian Lindner die Verhandlungsgespräche über eine Jamaika-Koalition plazen lässt, ist das Haus Mariengrund in Münsters Norden eine Insel der Harmonie und der Harmonien.
40 Jahre Songtexten wollen gefeiert werden. Unterrichten wollte die Jeske nie. Inzwischen macht sie genau das seit 28 Jahren. 1996 gründete sie die Celler Schule, und viele der Absolventen sind gekommen, am 19. November. mit Thomas
Nicht nur ExCELLEnten und -innen entern den Festsaal. Auch Freunde aus 40 Jahren, echte Verwandte und „reingeliebte“, einige von Jeskes liebsten Komponisten und Interpreten, dazu Theatermenschen von beiden Seiten des Bühnenvorhangs. Denn es soll auch ein Netzwerktreffen werden. Oder NESTwerk, wie Thomas Woitkewitsch es so gern nennt.
Der ergreift das Mikrofon und singt eigens für den Abend und die Gastgeberin Getextetes. Bastian Sick hat ein Gedicht mitgebracht, im dem er die Konfettikanone der Reime auf „Edith“ abfeuert. Tim Fischer singt die Rinnsteinprinzessin und seinen Lieblingssong von Woitkewitsch.
Menschen, die einander bisher nie gesehen haben und sich im echten Leben vielleicht nie begegnen würden, stehen als Chor auf der Bühne und singen – jede/r eine Strophe und ganz ohne Probe – den Muddi-Song, den Turid Müller im Mail-Fernverfahren gemeinsam mit ihnen auf die Beine und die Bühne gestellt hat.

Muddi-Song
v.l.n.r.: Marvin Ochmann, Denis Sarp, Christina Arnold, Turid Müller, Doris Denke, Andrea Gegner, Jutta Dahl, Feli Feles, Sandra Niggemann, Mario Rembold

Als Zeremonienmeister durchs Programm führt Tobias Reitz. Und hat natürlich auch „was vorbereitet“ – das große La la la, welches schon in der Celler Schule jedes Abschlussfest mit neuen Texten aus Tobis Feder adelt.

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Tobias Reitz

Die Karte obenauf – „Muddi macht das schon“ steht drauf
Bei der Frage, was sie macht, Da hab ich mir so gedacht:

Ja
Wenn du wen brauchst für deinen Text
Wo du grad steckst
Und es ist wie verhext – na, Muddi macht das schon!

Wenn du wen sucht mit Geist und Ader
Von Ernst Bader
So ein Wortgeschwader – Muddi macht das schon……

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi, unser Star.

Wenn du wen brauchst, der auch bei Hiltis
Ganz gechillt is
Und zu bohrn gewillt is, Muddi macht das schon!
Wenn du ’ne Katze bist, die schaut
Bei Immoscout
Wer kriegt sie gut verstaut? Ach, Muddi macht das schon!

Wenn du wen suchst, der dein Metrum
Verbessert und
Dir hilft die Zeilenlänge zu beachten – Muddi macht das schon

Wenn du wen brauchst mit noch mehr Kitsch
Als Woitkewitsch
Ich hab den Tipp für ditsch – die Muddi macht das schon

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi – unser Star

Turid singt
Turid Müller

Bis halb drei am Morgen geht das Programm. Zu später Stunde und vor immer noch vollen Reihen singt Turid Müller ihrer MusenMuddi noch den Pipi in die Augen, mit einer Premiere – einem Lied für die Mentorin:

Wie ein Wink des Schicksals.
Wie ein Stoß mit nem göttlichen Queue:
Plötzlich bringts alle Kugeln ins Rollen.
Du fragst: „Werde ich jemals..?“
Und du denkst dir schon: „Nö….“
Doch son Engel sagt: „Du musst nur wollen.“
„Ich trau dir das zu!“ ist sein magischer Satz.
Und alles fällt an seinen Platz.“
(Turid Müller & Stephan Sieveking)

 

Den Videomitschnitt macht Henning Ruwe zum Geschenk, mit den Tischdekorationen und auf der Bühne verzaubert Romanautorin Christine Vogeley die Gäste, Burkhard Heim liest Patrick Süskind, Marcel Kösling bringt einen Tisch zum Schweben, Gordon November stellt  seine traumhafte Bühnenanlage zur Verfügung und singt zwei seiner Lieder, außerdem Rainer Bielfeldt als Solist, aber auch als Begleiter vieler Kollegen, Willy Klüter, Annette Postel, Katja Kaye, Matthias Reuter, Andreas Schleicher, Henrika Fabian, Corinna Fuhrmann, Karla Feles, Alin Coen, Lennart Schilgen Jan Jahn, Peter Bytzek – Weggenosse aus Berliner Zeiten, Sandra Niggemann und Mario Rembold, Heike Baller, Julia Hagemann, eine gemeinsam mit Jeske getextete Schlagersingle geben Petra und Kurt Schoger zum Besten, die Musikantenstadl-Bürgerwehr schmettern Jeske mit Emmi und Willnowski Emmi und Willnowski, für die Edith Jeske seit weit mehr als zehn Jahren Songtexte schreibt.

 

Schwester Juttamaria

Und – ganz zum Schluss gegen halb drei – helfen die Gäste beim Aufräumen, denn der Saal muss um acht Uhr am Montag besenrein übergeben werden. Mindestens zwei Dutzend Hände packen mit an. Müdigkeit wird überbewertet.
Solche Freunde Kollegen sind mit Gold nicht aufzuwiegen.
Da stimmt auch Schwester Juttamaria zu.

 

 

„Nett gemeint“ – Das Monatsgedicht von Michael Feindler

Hier ist es: Michael Feindlers Monatsgedicht!

Aktuell wie immer setzt er sich diesmal mit der aktuellen Internet-Kampagne auseinander: #metoo

 

Losgetreten wurde die Kampagne von Alyssa Milano. Via Twitter regte die Schauspielerin an, dass alle Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, dies sichtbar machen. Und zwar mit dem Hashtag #MeToo („Ich auch“). Die dadurch angestoßen Diskussionen sind weltweit, kontrovers und reichen bis hinein ins politische Geschehen. Feindler kommentiert das im Monatsgedicht Oktober:


Nett gemeint

Er wurde langsam wütend, denn er fand,
dass sie ihn regelmäßig falsch verstand.
Er habe nämlich stets Respekt vor ihr,

ihm käme etwas wie Sexismus schier

nicht in den Sinn – er sei da reflektiert,
er habe ja im Übrigen studiert,
und überhaupt: Bevor sie auf die Schnelle
ein Urteil über seine Worte fälle
und ihm Wer-weiß-was-Schlimmes unterstelle,
wär schön, wenn sie dabei im Auge hätt:

Er meine, was er sage, immer nett.
Sie schlug ihm vor, dann dürfe er gern wagen,
das eigentlich Gemeinte auch zu sagen.
Es würde schließlich naheliegend scheinen,
er würde das Gesagte auch so meinen.

 

Lyrik von Feindler! – Wer mehr davon will, kann das haben. Und zwar in seinem aktuellen Programm „Artgerechte Spaltung“:

 

16.11. Leipzig, Academixer
23.11. Leichlingen, Kulturcafé
25.11. Köln, Ateliertheater
02.12. Karlsruhe, Kabarett in der Orgelfabrik 22.12. Hannover, Theater am Küchengarten