Spuren von Nüssen – Gedichtband von Dieter Behrens

Von Turid Müller
Er hat es wieder getan! Nach seinem Erstling „Nicht-Ganz-Dichtkunst“ hat Dieter Behrens nun einen zweiten Lyrikband veröffentlicht: „Spuren von Nüssen„.

Dieter Behrens

Eigentlich schreibt und singt der studierte Biologe bei Vocal Recall. Das Musikcomedy-Ensemble aus Berlin ist zurzeit mit der Show „Die Zeit ist live“ auf Tour. Doch der ExCellent (Celler Schule 2017) macht sich seinen Reim auf die Welt zuweilen eben auch in ungesungenen Versen. – Ein kleiner Eindruck:

Jetzt siehste Mal
Heut habe ich’s dem Bus gezeigt,
er kam verspätet an mit Schnaufen,
doch kurz bevor er bei mir war,
bin ich ihm weggelaufen!
Ha!

Autor und Werk haben im Dezember bereits die Premierenlesung über die Bühne gebracht. 2023 folgen weitere. Wer selbst ein bisschen stöbern möchte, findet online eine Leseprobe.

Nach einem Statement zu seinem neusten Buch gefragt, zitiert der Künstler selbiges:

 

Dichterisches Credo
Es gibt glaub ich keinen Gedanken,
den man nicht so sehr kann beschranken,
dass, wenn man ein Gedicht verfasst,
er locker in vier Zeilen
passt.

Zum Ausklang noch etwas Weihnachtliches:

Aufrührerisches Militär

 

Zur Weihnacht schleicht der General
klammheimlich in den Küchensaal.
Dort späht er ins Rezeptebuch
und startet einen Punschversuch.

„Nett gemeint“ – Das Monatsgedicht von Michael Feindler

Hier ist es: Michael Feindlers Monatsgedicht!

Aktuell wie immer setzt er sich diesmal mit der aktuellen Internet-Kampagne auseinander: #metoo

 

Losgetreten wurde die Kampagne von Alyssa Milano. Via Twitter regte die Schauspielerin an, dass alle Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, dies sichtbar machen. Und zwar mit dem Hashtag #MeToo („Ich auch“). Die dadurch angestoßen Diskussionen sind weltweit, kontrovers und reichen bis hinein ins politische Geschehen. Feindler kommentiert das im Monatsgedicht Oktober:


Nett gemeint

Er wurde langsam wütend, denn er fand,
dass sie ihn regelmäßig falsch verstand.
Er habe nämlich stets Respekt vor ihr,

ihm käme etwas wie Sexismus schier

nicht in den Sinn – er sei da reflektiert,
er habe ja im Übrigen studiert,
und überhaupt: Bevor sie auf die Schnelle
ein Urteil über seine Worte fälle
und ihm Wer-weiß-was-Schlimmes unterstelle,
wär schön, wenn sie dabei im Auge hätt:

Er meine, was er sage, immer nett.
Sie schlug ihm vor, dann dürfe er gern wagen,
das eigentlich Gemeinte auch zu sagen.
Es würde schließlich naheliegend scheinen,
er würde das Gesagte auch so meinen.

 

Lyrik von Feindler! – Wer mehr davon will, kann das haben. Und zwar in seinem aktuellen Programm „Artgerechte Spaltung“:

 

16.11. Leipzig, Academixer
23.11. Leichlingen, Kulturcafé
25.11. Köln, Ateliertheater
02.12. Karlsruhe, Kabarett in der Orgelfabrik 22.12. Hannover, Theater am Küchengarten

Offene Briefe – leicht gemacht

von Edith Jeske

Vorbei die Zeiten, als wir noch um Worte ringen mussten, um der Welt unseren unverzichtbaren Standpunkt darzulegen. Angestoßen durch die Debatte um die Unsäglichkeiten von  (aber auch über) Günter Grass, hat sich gezeigt, dass man noch viel mehr und viel schneller schreiben kann, wenn man nur über die richtigen Werkzeuge verfügt:

Mit http://www.wortfeld.de/offenerbrief/ steigt dessen Entwickler laut eigenem Bekunden in einen Wachstumsmarkt ein. Mit vielen schönen Modulen passt das Ergebnis quasi immer und für alle wichtigen Anlässe. Sogar die Möglichkeit der Grassifizierung wird angeboten: Geben wir unserem Text also den hochwertigen Anstrich von Lyrik!

Viel Spaß!