1. Celina Muza

    „Mit über vierzig darf ich Texte singen, die mir gefallen“
    Berlinger Morgenpost, Dienstag, 7. Dezember 2010 – Von Ulrike Borowczyk

    Celina Muza singt über die Liebe und das Leben. Melancholisch bis heiter – ganz so, wie es sich für eine echte Chanson-Interpretin gehört. Und in elegantes Schwarz gekleidet, mit lockenumrandetem Gesicht und tiefroten Fingernägeln ist die zierliche Polin mit Wohnsitz Berlin schließlich der Inbegriff einer Chanteuse.

    Kurz vor ihrem 44. Geburtstag findet die ausgebildete Sängerin und Schauspielerin zudem: „Ich bin froh, dass es das Chanson gibt. Am Theater wäre ich jetzt im passenden Alter für die Lady Macbeth.“

    Als ehrgeizzerfressene Furie mag man sich Celina Muza ohnehin nicht vorstellen, schätzt man sie doch viel zu sehr als Musikerin. Eine beinahe aus der Not geborene Berufung. Bis 1990 spielte die Künstlerin nämlich diverse Musical-Hauptrollen in ihrer polnischen Heimat. Dann lernte sie 1990 auf einem Studentenfestival im sauerländischen Menden ihren heutigen Mann Andreas Visser kennen und probierte sich daraufhin auch in der deutschen Musical-Landschaft aus. 1994 wurde sie von Helmut Baumann für das Musical „Cyrano“ ans Theater des Westens geholt. Schnell stellte sie fest: „Das war nicht mein Ding. Ich komme aus dem Repertoire-Theater in Polen. Dort stand ich innerhalb von zwei Wochen in fünf verschiedenen Rollen auf der Bühne. Hier vier Monate lang das gleiche zu spielen, hat mich gelangweilt.“ Eines Abends las sie – was für ein guter Zufall – das letzte Interview von Marlene Dietrich und eine Idee war geboren: Celina Muzas erstes Chansonprogramm „Einsamer Engel“, mit dem sie vor nunmehr vierzehn Jahren auch die Zuschauerherzen in ihrer damals neuen Wahlheimat Berlin eroberte.

    Nach mittlerweile vier Alben kennt man die Sängerin zunehmend als Grenzgängerin zwischen Chanson und Jazz. Auch ihr neues Album „frei“, das unter anderem am 8. Dezember im Schlot CD-Release feiert, ist wieder ein virtuoser Genre-Mix. Über zwei Jahre lang hat Celina Muza daran gefeilt. In langen Gesprächen mit Norbert Tefelski und Edith Jeske entstanden kluge, poetische bis witzige Texte. Die Musik dazu stammt aus der Feder von Susanne Folk, Andrzej Zarycki und von Celina Muza selbst.

    Den CD-Titel „frei“ hat sie ganz bewusst gewählt: „Ein bisschen egoistisch, habe ich mir meinen eigenen Spaß gegönnt, weil ich dachte, mit über vierzig darf ich die Texte singen und die Musiker nehmen, die mir gefallen. Chanson ist schließlich Nischenkultur, kein Popgeschäft. Die Lieder sind zwar nicht autobiographisch, mit den Texten muss ich mich aber identifizieren können.“ Zumal sie diesmal fast nur auf Deutsch singt. „Ich singe sonst auch gern auf Polnisch, Englisch und Französisch. Es wird aber auch ein polnisches Lied geben“, verrät sie.

    Nach den CDs „Sorglos“ und „Berühre mich“ hat sich Celina Muza auch die kreative Freiheit genommen, verstärkt auf ihr Markenzeichen „Chanson meets Jazz“ zu setzen. „Auch auf die Gefahr hin, dass manches dann vielleicht nicht so einfach zu konsumieren ist. Jazzfans könnten sich natürlich auch fragen, was denn ein Vers soll wie „Heute ist ein perfekter Tag für einen kleinen Suizid“? Der Jazz bereichert die Songs aber musikalisch. Ich hoffe, das Publikum sieht es genauso“, sagt sie.

    Eingespielt mit fünfköpfiger Band, ist die Fusion überaus gelungen. Erschließt sich ein Track mal melodiös nicht auf Anhieb, macht er neugierig genug aufs mehrmalige Hören und setzt sich dann umso nachhaltiger. Viele Songs sind allerdings wunderbar eingängig und intensiv zugleich. Veredelt mit Celina Muzas nuancierter und ausdrucksstarker Stimme. Um die richtige Etikettierung ihres Musikstils schert sich die Sängerin ohnehin nicht: „Ich benutze die Bezeichnungen Chanson oder Jazz eigentlich gar nicht, sondern sage lieber, ich singe Lieder mit guten Texten.“

    Kunstfabrik Schlot , Chausseestr. 18. Tel. 448 21 60 Termin: 8.12. um 21 Uhr

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