Arthur Rebner im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

„Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht, wenn an der nächsten Ecke schon ein andrer steht…“ Es war ein genialer Schnellschuss von Arthur Rebner, mit dem er Hugo Hirsch, dem Komponisten des musikalischen Schwanks Die Scheidungsreise, aus der Patsche half. Er lieferte Hirsch den Text für die zündende Hauptnummer, die ihm drei Tage vor der Premiere im Deutschen Künstler-Theater in Berlin noch fehlte, aus dem Steigreif. Das war 1920. Marlene Dietrich machte das skandalträchtige Lied berühmt. Der Name des Texters Arthur Rebner, der auch als Librettist, Chansonnier, Conférencier und Komponist Lorbeeren einheimste, ist in Vergessenheit geraten. Versuch einer Wiedergutmachung zum 130. Geburtstag.

FRÜHLING IN WIEN

Geboren wurde Arthur Rebner am 30. Juli 1890, in Lemberg, heute eine Stadt in der Ukraine, damals Hauptstadt Galiziens, Kronland der K&K Monarchie Österreich-Ungarn. Er übersiedelte er in den Jugendjahren mit seiner Familie nach Wien. Dort studierte er von 1909 bis 1915 Musik und lernte den um 10 Jahre älteren Komponisten Robert Stolz kennen, damals musikalischer Leiter am Theater an der Wien. Gemeinsam schrieben sie 1917 O Wien, ich kenne dich nicht wieder, 1918 Frühling in Wien, ein walzerseliges Sehnsuchtslied zum Ende des 1. Weltkriegs. 1919 folgte Hallo, du süße Klingelfee aus der Operette Tanz ins Glück und 1920 Salome, schönste Blume des Morgenlands, der wohl größte kommerzielle Erfolg des Duos.

SALOME

Über das Lied sagte Robert Stolz fast 95jährig kurz vor seinem Tod: „Die alte Hur’ ist nicht umzubringen.“ Die nicht gerade schmeichelnde Bezeichnung galt der tantiementrächtigen Salome. Noch heute erweist sich das Lied als ein Dauerbrenner. Extrabreit machte eine Cover-Version daraus, und auch Max Raabe hat es in seinem Programm. Umso erstaunlicher, dass der erfolgreiche Textdichter in den Stolz-Biographien kaum bis gar keine Erwähnung findet. Rebner arbeitete auch mit anderen bekannten Komponisten seiner Zeit zusammen wie Willy Engel-Berger, Fred Raymond, Artur Werau und Robert Katscher und fand einen wunderbaren Interpreten in Hermann Leopoldi (Zieh dich wieder an, Josefin). Seine Texte repräsentierten den Zeitgeist der Wilden Zwanziger Jahre: frech, anzüglich, gespickt mit jüdischem Humor.
Es blieb nicht aus, dass Rebner seine Fühler nach Berlin ausstreckte, dort wo in den Zwanzigern nicht nur in den Kabaretts der Bär steppte. 1924 schlug er dort auch seinen festen Wohnsitz auf. Er wurde Mitglied des Deutschen Bühnen-Klubs Berlin und war gefeierter Conférencier und Revueautor. Das Medium Film reizte den Vielschreiber ebenso und er verfasste Drehbücher und Lieder für Filme wie Schuberts Frühlingstraum, Acht Mädel im Boot und Großfürstin Alexandra und gemeinsam mit Fritz Zoreff für Ein Stern fällt vom Himmel mit Joseph Schmidt.

 

FELIX, DER KATER

Auch in einem ganz anderen Metier hinterließ Rebner seine Spuren. 1917 brachte Pat Sullivan den ersten kurzen Zeichentrickfilm mit Felix the cat in die amerikanischen Kinos, 12 Jahre, bevor Walt Disney seine Micky Maus über die Leinwand laufen ließ. Die seltsamen Arbenteuer von Felix der Kater erschienen auch in Buchform als eine Art Cartoon. Arthur Rebner übertrug die Verse in Wilhelm-Busch-Manier ins Deutsche. Das Vorwort zu dem Buch, das 1927 in einem Berliner Verlag erschien, verfasste der Wiener Schriftsteller und Kaffeehausliterat Alfred Polgar.
Nach der Machtübernahme des Nationalsozialisten war Rebner gezwungen, Deutschland zu verlassen. Er kehrte vorerst nach Wien zurück und arbeitete dort als Operettenlibrettist für Robert Stolz, Leo Fall und Hans May. Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 emigrierte Rebner über die Schweiz nach Frankreich. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigrierte er nach Mexiko und später in die USA. 1947 ließ er sich in Hollywood nieder und wurde Direktor des Ebell-Willshire-Theatre, mittlerweile eines der ältesten Theater von Los Angeles.
Arthur Rebner starb am 8. Dezember 1949 im Alter von 59 Jahren in Los Angeles und wurde auf dem jüdischen Mount Carmel Cemetery begraben. Der schwarze Grabstein trägt den Zusatz „Beloved father“. Das ist – trotz intensiver Recherchen – das einzige belegbare private Detail aus dem Leben von Arthur Rebner.

Kleines Update: Noch eine persönliche Spur von Arthur Rebner. Der Wienbibliothek im Rathaus gelang es, ein Gästebuch aus dem Kabarett Blaue Spinne in der Spiegelgasse (dort wo Jahre später Gerhard Bronners berühmte Marietta-Bar Einzug hielt) zu erwerben. Hier verewigte er sich am 21. Oktober 1937 mit folgenden Worten:

Wer beruflich dichten muß, wie ich,
Findet „dichten müssen“ fürchterlich,
Wie ja auch der Schuster in der Nacht
Ungern zum Vergnügen Schuhe macht.
Doch die „blaue Spinne“ ist es wert,
Dass ich meinen Pegasus so spät noch zäume;
Und ich weiss als Gast, was sich gehört:
Nette Räume brauchen – nette Reime …

Schlagerstern in Gold für den Fernando Express – und wie man aus Mangos einen Tango macht

2020 vergab Radio Schlagerrallye (www.schlager-rallye.de) bereits zum 16. Mal die Awards für die Titel, die in der sendereigenen Hitparade im gesamten Jahr am erfolgreichsten waren.

Mehr als 500 Songs wurden vorgestellt. Der begehrte Schlagerstern in Gold ging an Fernando Express für „Tango unter Palmen“ – in diesem Jahr leider ohne Preisverleihungsgala. Groß ist die Freude trotzdem – vor allem bei Bandleader Josef Eisenhut.

Ilona Boraud und Josef Eisenhut

Seine musikalische Idee hatte er ein gutes Jahr zuvor an Ilona Boraud geschickt, die schon die Ballade „Sternschnuppennacht“ getextet hatte (Musik: Christof Bergman). Die ExCellentin (Celler Schule 2015) schrieb zunächst über „Mangos unter Palmen“, doch Josef Eisenhut hatte die Idee – passend zu den „Königen der Tanzpaläste“, wie der Fernando Express auch genannt wird – daraus „Tango unter Palmen“ zu machen. Kurzerhand wurde umgetextet.
Und das hat sich gelohnt!

Übrigens stammt auch der Titelsong des Albums von einem Absolventen der Celler Schule: Alexander Scholz (Celler Schule 2013) Im August 2019 wurde „Tango unter Palmen“ vorab als Single ausgekoppelt und war in zahlreichen Hitparaden vertreten, darunter eben auch die Schlagerrallye, wo der Song viermal hintereinander Platz 1 belegte.

Dank seiner treuen Fans – und einem treffsicheren Blick für ihr Autorenteam – ist der Fernando Express auch über 35 Jahre nach Bandgründung aus dem Schlager nicht wegzudenken.
Das muss Heidi, Hans und Josef erst einmal jemand nachmachen!
Wir gratulieren!

 

Ernst Neubach im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Ein Lied geht um die Welt… 1933 gelang dem Textdichter Ernst Neubach ein genialer Wurf. Er schuf gemeinsam mit dem Komponisten Hans May einen Jahrhundert-Hit, der den Tenor Joseph Schmidt unsterblich machte. Die Premiere des gleichnamigen UFA-Tonfilms fand am 9. Mai 1933, einen Tag vor der Bücherverbrennung, in Berlin statt. In der Übersetzung My Song Goes Round The World eroberten Lied und Film ein Jahr später den englischen Sprachraum. Heuer jährt sich der Geburtstag von Ernst Neubach, der in späteren Jahren auch eine beachtliche Karriere als Regisseur und Filmproduzent machte, zum 120. Mal. Grund genug, wieder einmal ganz tief ins Archiv zu tauchen.

ICH HAB’ MEIN HERZ IN HEIDELBERG VERLOREN

Ernst Neubach wurde am 3. Januar 1900 als Sohn des jüdischen k. u k. Eisenbahnbeamten Albert Neubach und dessen Frau Marie in Wien geboren. Er besuchte die Volks- und Bürgerschule sowie die Handelsakademie. Nach einem vierwöchigen Einsatz im 1. Weltkrieg im Frühjahr 1918 wurde er für untauglich erklärt und schlug sich als Plakatierer durch, ehe er seine ersten Kabarett- und Schlagertexte verfasste. Für das Singspiel Ich hab‘ mein Herz in Heidelberg verloren, das Fred Raymond (bürgerlich: Friedrich Raimund Vesely) 1927 komponierte, schrieb Neubach zusammen mit Fritz Löhner-Beda das Libretto und die Liedtexte. Das titelgebende Lied wurde ein Ohrwurm, von dem auch fast 100 Jahre danach noch die Heidelbergische Touristikwerbung profitiert. Der gleichnamige Film mit Adrian Hoven in der Hauptrolle folgte erst 1952.

HEUT’ IST DER SCHÖNSTE TAG IN MEINEM LEBEN

Neubach pendelte in den 1920er Jahren zwischen Berlin, Wien, München und Amsterdam und trat auch als Conferencier auf, u. a. im Wiener Simpl. Über seine Schlagertexte fand er Kontakt zum Tonfilm und schrieb seine ersten Drehbücher. 1932 lernte er den Tenor Joseph Schmidt kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Nach Ein Lied geht um die Welt folgte 1936 der zweite Mega-Erfolg, Heut’ ist der schönste Tag in meinem Leben. In dem gleichnamigen Film unter der Regie von Richard Oswald spielte und sang Schmidt eine Doppelrolle, darunter auch das Lied Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben. Hans May und Ernst Neubach waren ein kongeniales Duo. Von ihnen stammen auch die Evergreens Ein Stern fällt vom Himmel undIn einer kleinen Konditorei.

DU BIST DAS SÜSSESTE MÄDEL DER WELT

Ein weiterer Schlager ist Nostalgikern bis heute im Ohr geblieben: Du bist das süßeste Mädel der Welt aus dem Film Liebeswalzer (Musik: Werner Richard Heymann).Ob Neubach sich beim Schreiben des Textes von seiner Frau Helene, einer ehemaligen Schönheitskönigin, hat inspirieren lassen? 1938 waren die beiden gezwungen, die Flucht vor den Nazis anzutreten. Auf abenteuerliche Weise kamen sie über die Schweiz nach Frankreich, wo sich Neubach für die Fremdenlegion verpflichtete. Das Kriegsende erlebte er in der Schweiz, seine Frau in Paris. Seine Erlebnisse sind in dem Buch Flugsand. Dokumentarischer Roman eines Heimatlosen festgehalten. Noch dramatischer verlief die Flucht seines älteren Bruders Robert, der Schauspieler und Theaterregisseur war. Er wurde ins KZ Auschwitz deportiert, wo er 1943 starb. Schwester Alice konnte mit ihrem Mann nach New York emigrieren.
Ab 1945 lebte Neubach wieder in Frankreich. Dort arbeitete er als Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent unter dem Namen Ernest Neuville und drehte u. a. mit Fernandel das Psychodrama Le signal rouge. Seine Ehe war mittlerweile zerbrochen. Nach der Scheidung heiratete er die Schweizerin Margarete Jenni und wurde Vater von Tochter Christine.

IM HIMMEL GIBT’S KEIN BIER

Anfang der 1950er Jahren gelang es Neubach, in Deutschland in der dortigen Filmszene Fuß fassen. 1958 gründete er in München die Neubach-Film GmbH und produzierte meist nicht sehr anspruchsvolle, aber kommerziell erfolgreiche Heimat- und Schlagerfilme. Das Publikum liebte die unbeschwerte Unterhaltung der Nachkriegsjahre, wie Die Wirtin von der Lahn, Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren und Die Fischerin vom Bodensee boten. Aus letzterem Film stammt das Lied Im Himmel gibt’s kein Bier (Musik: Ralph Maria Siegel), zu dem auch heute noch in Bierzelten gern geschunkelt wird.
Mit dem Film Ein Lied geht um die Welt (Die Joseph Schmidt- Story) setzte er dem jüdischen Tenor, der 1942 an einem nicht erkannten Herzleiden in einem Schweizer Internierungslager im Alter von 38 Jahren starb, ein cineastisches Denkmal. Die Kritik lobte zwar die schauspielerische Glanzleistung von Hans Reiser in der Rolle von Schmidt, der finanzielle Erfolg hielt sich in Grenzen.
Apropos Ein Lied geht um die Welt: Dem Textdichterkollegen Kurt Feltz ging wohl der Refrain nicht aus dem Kopf und er wandelte bei der deutschen Übersetzung von Charlie Chaplins Lime Light Theme die ersten zwei Zeilen Ein Lied geht um die Welt, ein Lied, das euch gefällt ungeniert in Eine Melodie geht um die Welt, eine Melodie, die mir gefällt um. Neubach zog vor Gericht und gewann den Plagiatsprozess gegen Feltz.
Sperrbezirk
war 1966 die letzte Filmproduktion. Darin verewigte sich Ernst Neubach in einer kleinen Rolle. Zwei Jahre später, am 21. Mai 1968, starb er im Alter von 68 Jahren in München. Seine Grabstätte ist unbekannt.

Fred Weyrich Im Porträt

Von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld… sang 1972 der kürzlich verstorbene tschechische Sänger Karel Gott. Die Tschechoslowakei war damals noch hinter dem Eisernen Vorhang, Deutschland ein geteiltes Land und eine ungehinderte Ausreise für viele Menschen ein umöglicher Traum. Die Idee zu dieser Sehnsuchtshymne hatte der Textdichter Fred Weyrich. Er krempelte das Lied, das im tschechischen Original tatsächlich Hey, Hey, Baby heißt (Text: Jiri Stajdl, Musik: Karel Svoboda) komplett um und schenkte so Karel Gott einen seiner größten Hits in Deutschland.

EIN KLEINES HERZ UND EINE GROSSE LIEBE

Fred (eigentlich: Alfred) Weyrich wurde am 28. August 1921 in Tauberbischofsheim geboren. Wäre es nach seinem Vater gegangen, wäre er Zahnarzt geworden. Doch Fred zog es ans Theater. Er studierte, unterstützt von seiner Mutter, in Berlin Schauspiel, das er mit dem Examen abschloss. Die künstlerische Karriere musste kriegsbedingt warten. Weyrich wurde zum Wehrdienst einberufen und nach der Grundausbildung in der Truppenbetreuung eingesetzt. In Norwegen arbeitete er als Programmleiter und Moderator bei Radio Tromsö und leitete eine kleine Kapelle. Nach dem Krieg war er als Schauspieler und Kabarettist tätig, wurde Haussänger von Radio Hamburg und begleitete Lale Andersen mit seiner Band auf Tournee. 1950 nahm das Multitalent die ersten Platten auf, darunter Die Nacht ist voller Zärtlichkeit und Ein kleines Herz und eine große Liebe. 160 Platten sind es geworden, einige davon im Duett mit Rolf Simson unter dem Namen Fred und Rolf.

SEHNSUCHT – DAS LIED DER TAIGA

Ab den 1960er Jahren schrieb Weyrich Melodien und Texte für andere Künstler und startete seine Karriere als Musikproduzent. Er hatte eine ausgeprägte Spürnase für Talente. So wurden Nana Gualdi, Klaus Wunderlich mit seiner Hammond-Orgel, Edina Pop und Gunter Gabriel von ihm entdeckt. Der größte Fisch, den er an Land zog, war aber Alexandra. „Eine Entdeckung, die man nur einmal im Leben machen kann“, so O-Ton Fred Weyrich. Alexandra, bürgerlich
Doris Nefedov, die damals bei einem Verleger arbeitete, soll ihrem Chef nach einem Streit einen Papierkorb aufgesetzt haben. Der warf sie zwar hinaus, schwärmte aber dem Musikproduzenten vor: „Die hat auf unserem Betriebsfest so schön gesungen. Interessiert sie dich?“ Weyrich bestellte die temperamentvolle junge Dame zum Vorsingen und war von ihrer tiefen Stimme überaus begeistert. Schon nach einer halben Stunde bot er ihr einen Fünf-Jahres-Vertrag an. Bereits die erste gemeinsame LP katapultierte Alexandra – auch der Künstlername war Weyrichs Idee – in lichte Höhen. Wehmütige, auf Russisch getrimmte Lieder – diese Nische war auf dem Schlagermarkt der 1960er Jahre noch frei. Sehnsucht hielt sich ein halbes Jahr in den deutschen Hitlisten. Dabei hat Alexandra dieses Lied angeblich gehasst. „Es war für sie ein einfältiges Kinderlied, das sie nur ein einziges Mal und unter Tränen einsang“, vermerkte der Autor Marc Böttcher in seiner Biographie. Die Karriere, die so vielversprechend begonnen hatte, endete tragisch. Alexandra starb am 31. Juli 1969 bei einem Autounfall. Das Andenken an sie und ihr musikalisches Vermächtnis wird auch noch fünfzig Jahre nach ihrem Tod von dem Verein Alexandra-Freunde e.V. wachgehalten.

KASATSCHOK, KASATSCHOK, RAS, DWA, TRI…

Offensichtlich hatte Weyrich ein Schwäche für die russische Seele: Er produzierte zahlreiche Platten mit Ivan Rebroff, und als Boris Rubaschkin den Modetanz Kasatschok erfand, verfasste Weyrich einen Text zur Melodie. Für Dorthe schrieb der unermüdliche Textdichter Sind Sie der Graf von Luxemburg?, für France Gall Zwei Apfelsinen im Haar, die deutsche Übersetzung von La Banda, und für Karel Gott das eingangs zitierte Lied Einmal um die ganze Welt.

Fred Weyrich mit seiner Entdeckung Alexandra und seinem Texter-Kollegen Hans Blum (links)

Weitere prominente Namen auf der unvollständigen Künstlerliste: Heidi Brühl, Vico Torriani, Gerhard Wendland, Costa Cordalis, René Kollo, Nana Mouskouri, Hanne Haller, Hildegard Knef, Dunja Rajter, Wencke Myhre und Harald Juhnke. Für ihn machte Weyrich, der auch unter dem Pseudonym Fred Conta textete, aus Frank Sinatras Welt-Hit New York, New York eine Hymne an Berlin.
Auch in Radio und Fernsehen war der Alleskönner präsent. So produzierte er mit Peter Frankenfeld Peters Bastelstunde. Sein Talent hat er an seinen Sohn Pit Weyrich vererbt, der als erfolgreicher Kameramann, Regisseur und Moderator für das ZDF arbeitete. Weyrich sen. zog sich in den 1990er Jahren aus dem Show-Business zurück und tüftelte in Dießen am Ammersee an seinen Lebenserinnerungen. Am 30. Dezember 1999 starb er völlig unerwartet an einem Herzversagen. Die Memoiren blieben unvollendet.

Ralph Maria Siegel im Porträt

von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Auch in diesem Sommer konnte sich Capri vor Touristen nicht erwehren. Bis zu 45.000 Tagesgäste! Wer jetzt aber glaubt,das läge daran, dass dort Heidi Klum und Tom Kaulitz neulich in den Hafen der Ehe geschippert sind,der irrt. Der Mittelmeer-Tourismus wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Capri quasi „erfunden“. In 1950er Jahren entdeckte dann der internationale Jetset die Insel, ehe der deutsche Massentourismus auf sie überschwappte. Nicht ganz unschuldig daran ist der Textdichter und Komponist Ralph Maria Siegel, der mit dem Lied Capri-Fischer das Italo-Fieber entfachte und einen unsterblichen Evergreen schuf. Darauf ein Glas Chianti!

DER MANN IM FRACK

Ralph Maria (eigentlich: Rudolf) Siegel kam am 8. Juni 1911 in München als Sohn des Juristen und Komponisten Rudolf Siegel, einem Schüler von Engelbert Humperdinck, und dessen Frau Maria zur Welt. Schon früh zeigte sich sein musikalisches Talent. Nach dem Realgymnasium in Krefeld besuchte er das dortige Konservatorium und ging mit 16 Jahren zum Geigen- und Klavierstudium nach Rom und Florenz, wo seine italienische Großmutter lebte. Seinen Vornamen hatte er kurzerhand in Ralph Maria abgeändert. Das Kürzel RMS sollte später zu seinem Markenzeichen werden. Mit 18 Jahren wurde er in London Sekretär eines Kunsthändlers, der auch als Mäzen fungierte, als Siegel gemeinsam mit seinem Jugendfreund und späteren Textdichter-Kollegen Kurt Feltz die erste Operette, Der Mann im Frack, schuf, eine Jazz-Operette, die allerdings nicht dem Zeitgeist entsprach und gnadenlos verrissen wurde. Das tat aber Siegels Ambitionen keinen Abbruch. Er gründete eine eigene Tanzkapelle und schrieb Musik für weitere Operetten (Alles für Eva, 1933) und Spielfilme (Hilde und die vier PS, 1936). Das Handwerk hatte er bei dem österreichischen Komponisten Ernst Toch erlernt, nach Selbsteinschätzung der „vergessenste Komponist des 20. Jahrhunderts“.

JA, JA, DER CHIANTI-WEIN…

Als Siegel den Komponisten Gerhard Winkler traf, wechselte er die Seite und wurde Schlagertexter. Die Studienjahre in Italien machten sich nun bezahlt. Er bezauberte seine Landsleute mit Liedern wie O mia bella Napoli (1937) Ja, ja, der Chianti-Wein (1940) und Capri-Fischer (1943). Die Erstfassung sang Magda Hain, es folgte eine weitere Plattenaufnahme mit
Rudi Schuricke. Als im Oktober 1943 die Italiener den Deutschen den Krieg erklärten, war aber Schluss mit Vino und romantisch-verklärten Sonnenuntergängen. Aus dem Chianti wurde ein Tiroler Wein und über die Capri-Fischer ein Rundfunk-Boykott verhängt. Das Duo Winkler/Siegel musste deshalb bis nach Kriegsende auf den Erfolg warten.
In der Zwischenzeit debütierte Siegel, der auch ausgebildeter Tenor war, am Theater am Gärtnerplatz in München und verliebte sich in die Leipziger Operettendiva Ingeborg Döderlein, die er Sternchen nannte. Geheiratet wurde 1942, drei Jahre später kam Sohn Ralph zur Welt. Das Sprichwort Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm bewahrheitete sich bei den Siegels. Auch wenn der Junior lange im Schatten seines übermächtigen Vaters stand, wurde er einer der erfolgreichsten deutschen Schlagerkomponisten der Gegenwart. Mit dem Lied Ein bisschen Frieden, getextet von Bernd Meinunger und gesungen von Nicole, verhalf er 1982 Deutschland zu Grand-Prix-Ehren.

WENN BEI CAPRI DIE ROTE SONNE IM MEER VERSINKT

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs verbreitete sich das Sehnsuchtslied der Capri-Fischer unaufhaltsam. Winkler und Siegel hatten den Nerv der Zeit getroffen. Die Aufnahmen mit Rudi Schuricke und Vico Torriani erreichten in den 1950er-Jahren Rekordumsätze in Millionenhöhe und verhalfen Capri zu einer Gratis-Fremdenverkehrswerbung erster Güte. Plötzlich waren die Deutschen reif für die Insel. Mode und Industrie sprangen ebenfalls auf den Zug auf. Die deutsche Modedesignerin Sonja de Lennart erfand die Capri-Hose, die Audrey Hepburn berühmt machte, die Autofirma Ford benannte ein Modell nach der Insel und ein Getränkehersteller packte die Capri-Sonne in Trinktüten. Viele Künstler – von Peter Kraus bis Max Raabe – nahmen den Schlager in ihr Repertoire auf. Mehr als eine Million Klicks auf Raabes Youtube-Video von bestätigen die ungebrochene Popularität des Liedes.

ICH HAB’ NOCH EINEN KOFFER IN BERLIN

Ein genialer Wurf gelang Siegel 1951 mit einem weiteren Lied Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin. Hier war er allerdings als Komponist tätig. Den Text schrieb Aldo von Pinelli. Bully Buhlan sang die erste Schallplatten-Version, Marlene Dietrich und Hildegard Knef machten das Lied berühmt. Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin heißt auch die Biographie, die der Wiener Autor Andi Zahradnik zum 100. Geburtstag von Ralph Maria Siegel und Ingeborg Döderlin 2011 verfasste. Das Leben aus dem Koffer kannte RMS nur zu gut. Er hatte 1948 einen höchst erfolgreichen Musikverlag gegründet, später das Platten-Label
Jupiter Records, war dauernd auf Achse und entdeckte viele Künstler, darunter den jungen Udo Jürgens als Komponisten. „Mein Vater schaffte es, dass Shirley Bassey ein Lied von Udo zu hören bekam, Reach For The Stars. Es wurde dessen erster Welterfolg“, schrieb Ralph Siegel in seinen Lebenserinnerungen. „Was Vater betraf: Er liebte Udo, aber dessen Karriereweg ging als Sänger weiter, und dann kamen andere Macher, Manager und Verleger ins Spiel“.
Mehr als 2500 Lieder schrieb Siegel, der auch die Pseudonyme Theo Hansen und Gustav Auerbach verwendete, im Laufe seines Lebens, darunter Auf meiner Ranch bin ich König für Peter Hinnen und Der Puppenspieler von Mexiko für Roberto Blanco, der deutschen Fassung von The young new Mexican puppeteer. Vor allem 1950er und 1960er-Jahren war es in Mode, internationale Erfolgsschlager ins Deutsche zu übertragen. Das kam dem sprachbegabten Siegel gerade recht. Für Connie Francis machte er aus Ev’rybody’s somebody’s fool Die Liebe ist ein seltsames Spiel, für Dalida übersetzte er J’attendrais (Komm zurück), für Charles Trenet La mer (Das Meer) für Edith Piaf La vie en rose (Schau mich bitte nicht so an) und für Renée Franke Les feuilles mortes (Der Schleier fiel von meinen Augen), um nur einige der bekanntesten Titel zu nennen. Siegel hielt sich fast nie an das Original. „Ich war immer bemüht, meinen Texten einen Sinn zu geben, sauber zu reimen, leicht verständlich zu sein und der Stimmung der Musik zu folgen“, beschrieb er seine Arbeitsweise. Mit dem Aufkommen der Beat-Musik Anfang der 1960er Jahre, mit der er nicht viel anfangen konnte, war die große Zeit des Schlagertexters vorbei. 1967 wollte RMS es noch einmal wissen und machte gemeinsam mit den Textdichter-Granden Robert Gilbert und Max Colpet aus der Verwechslungskomödie Charleys Tante ein Musical. Hauptdarsteller war Hans Clarin, die spätere Synchronstimme des Pumuckl. Der Erfolg war sensationell. Seine Heimatstadt München lag ihm zu Füßen. Im Deutschen Theater in München besuchten 70.000 Zuschauer die Vorstellungen.

„EINE KERZE, DIE AN BEIDEN ENDEN BRANNTE“

Als Verleger und Plattenproduzent war Siegel ein Workaholic, lange bevor dieses Wort erfunden wurde. Stress, viele Reisen und eine ausschweifende Lebensweise setzten dem schwergewichtigen Mann und dessen Gesundheit zu. Da halfen auch die eigenen Ratschläge in dem Buch Wer wiegt(wagt), gewinnt! – Eine kleine Fastenkur nichts. Die Leber rebellierte. Häufige Klinikaufenthalte waren die Folge. „Mein Vater hörte nicht auf seinen Körper. Er war wie eine Kerze, die an beiden Enden brannte“, notierte der Junior in seiner Biographie. „Er reiste stets mit zwei Taschen: die eine war voll mit Arbeitsunterlagen, die andere mit Medikamenten.“ Am 22. Juli 1972 kam der Zusammenbruch. Siegel wurde in ein Münchner Krankenhaus eingeliefert, wo er am 2. August 1972 an einem Organversagen starb. Mit knapp 61 Jahren. Ob er geahnt hatte, wie schlimm es um ihn stand? Drei Wochen vorher hatte er das Testament zugunsten seines Sohnes Ralph, der damals 27 Jahre alt war, geändert. Wie sehr der große RMS geliebt und geschätzt wurde, zeigte sich bei seinem Begräbnis. 5000 Menschen gaben ihm das Geleit, als er auf dem Münchner Nordfriedhof zu Grabe getragen wurde.

Charly Niessen im Porträt

von Claudia Karner

„Hab’n Sie schon mal den Mann im Mond geseh’n…?“
Am 21. Juli 1969, 3:56 MEZ war es so weit: Der US-amerikanische Astronaut Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Acht Jahre zuvor hatte sein Landsmann Gus Backus den Mann im Mond bereits höchst erfolgreich besungen. Den Einfall zu diesem Ohrwurm, der sogar Freddy Quinnns La Paloma von der Spitze der deutschen Hitparade verdrängte, hatte Charly Niessen. Kurz nach der Mondlandung aktualisierte er das Lied. „Jetzt haben wir den Mann im Mond geseh’n…“ hieß es in der ersten Zeile. Ein Kuriosum im Schaffen des Textdichters und Komponisten, der mehr als 1500 Lieder verfasste.

DEINE LIEBLINGSPLATTE

Charly Niessen wurde als Carl Niessen am 22. September 1923 in Wien geboren. Er studierte in seiner Geburtsstadt Germanistik, Theater- und Musik- und Theaterwissenschaften und verdiente sich nach dem Krieg – von 1945 bis 1949 – als Pianist in der „Kleinkunst am Naschmarkt“ seine ersten künstlerischen Sporen. Danach ging er zum Amerikanischen Rundfunk ECA nach Paris und anschließend nach Berlin, wo er ab 1952 im Kabarett
Die Stachelschweine in die Tasten haute. „Für eine Abendgage von fünf Mark, ein Abendessen, ein Bier und einen Schnaps“, wie er in einem Interview anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums als Textdichter in der Zeitschrift Musikmarkt erzählte. „Schließlich holte mich der Komponist Heino Gaze aus der Garderobe mit dem Satz: Davon kann man doch nich’ leben – womit er recht hatte – und brachte mich zu Peter Schaeffers. Der Musikverleger gab mir ein Zimmer in seinem Büro mit Klavier und Telefon und sagte: Nun mach mal!“ Und Niessen machte. Heraus kam für Bully Bulan das Lied Deine Lieblingsplatte und für Caterina Valente Die Damenwelt von Chile. Das war 1953. Rasch avancierte der Branchenneuling zu einem der erfolgreichsten Komponisten und Textdichter der Fünfziger und frühen Sechziger Jahre in Deutschland. Niessen tanzte gern auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig. Mal schrieb er nur den Text, mal nur die Musik, mal beides. Über 1500 Lieder, darunter 36 Filmmusiken, sechs Musicals und eine Menge Fernseh-Shows sind so entstanden. Achtzig Orchester und mehr als 200 Interpreten von A wie Peter Alexander bis Z wie Helmut Zacharias nahmen seine Lieder auf. Und auch in den USA konnte er reüssieren. Dabei hatte ihn sein Musikverleger Peter Schaeffers 1957 eigentlich nur als Dolmetscher mitgenommen. Aber dann schrieb Niessen gemeinsam mit Heino Gaze für Nat „King“ Cole den Song Ask me und für Dean Martin die Musik zu Angel Baby und landete damit in den amerikanischen Charts.

EINS UND EINS, DAS MACHT ZWEI

Den jungen dänischen Brüdern Jan & Kjeld ebnete Charlie Niessen mit Banjo Boy die Karriere in Deutschland. Dieses Lied wurde sein größter kommerzieller Erfolg. Billy Mo, der schwarze Sänger aus Trinidad, kam mit Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut zu schlagartiger Berühmtheit. Hierzu verfasste Niessen allerdings nur die Melodie, der Text stammt von Franz Rüger. 1963 landete Heidi Brühl beim Grand Prix de la Chanson mit dem Lied Marcel auf Patz 9.
Niessens Bandbreite war groß. Er hatte nicht nur ein Gespür für eingängige, harmlos-witzige Ohrwürmer, sondern auch für anspruchsvolle Texte. So verhalf er der Schauspielerin Hildegard Knef zu ihrer außergewöhnlichen Gesangskarriere. Auf einem Faschingsball in München machte 1962 der Chefredakteur der Frauenzeitschrift Madame der Schauspielerin das Angebot für eine Plattenproduktion, wie Petra Roek in der Knef-Biografie Fragt nicht, warum! vermerkte. Die Knef willigte ein, ein Komponist und Texter war bald gefunden: Charly Niessen, der zu dieser Zeit mit Ilse Alexander, Knefs Managerin, verheiratet war. Er ließ mit einem völlig neuen Musikstil aufhorchen. „Mit einer Art Chanson – ich bezeichne es ja nicht als Chanson – kamen wir mitten in die Rock’n’Roll-Zeit rein“, so Niessen. Er war nie ein Kavalier hieß die A-Seite der 1. Single. Zu den größten Hits zählen Eins und eins, das macht zwei und In dieser Stadt. Zwei Meter Bein, letzteres in Zusammenarbeit mit Hildegard Knef, war eine Liebeserklärung an ihren frisch angetrauten Mann David Cameron. Insgesamt tragen 55 Titel Niessens Handschrift

 

SO LEB’ DEIN LEBEN

Charly Niessen war auch ein Sprachtalent. Er übertrug weltbekannte Hits wie La Mamma von Charles Aznavour ins Deutsche. Aus L’été indien von Joe Dassin wurde Septemberwind und aus I did it my way von Frank Sinatra So leb’ dein Leben, ein Song, der wie die Faust auf Harald Juhnkes Auge passte. Ein ganz großer Wurf gelang Niessen auch mit dem Lied Der Clown für Heinz Rühmann. Ebenfalls sehr berührend: Die Bäume meiner Kinderzeit, ein früher Udo Jürgens-Titel. 1976 gab es mit Komm doch mal ’rüber einen Karriereschubs für Ingrid Peters. Dann setzte Charly Niessen einen Schlusspunkt.
„Ich wollte nicht als Schlager-Opa enden“, sagte er in einem Interview. Deshalb verlegte sich der vielseitig Begabte in den Achtziger Jahren auf das Schreiben von Theaterstücken und Büchern. Mach’doch mal was falsch, Mama oder: Wie verhindert man eine Ehe heißt der Roman, der seiner Mutter gewidmet ist. Sie war eine gebürtige Flämin, die ihr „Karlchen“ stets unter ihrer Fuchtel haben und nicht an eine andere Frau verlieren wollte. Daran dass seine Ehe mit der Schauspielerin Claudia Wedekind in die Brüche ging, war allerdings nicht Mama schuld, sondern Wedekinds Kollege Hans-Jörg Felmy. In dem Buch Alle meine Perlen setzte Niessen den Haushälterinnen ein literarisches Denkmal. In Große Zeiten beschreibt „Karlchen“ seine Jugendjahre von 1932 bis 1945 in der Tradition eines autobiographischen Schelmenromans. Und in dem Buch Die seltsame Karriere des Pablo Senkfuß erzählt er Geschichten aus dem Show-Biz. Seine tiefstapelnde Selbsteinschätzung: „Ich bin nicht besonders fleißig, es kommt nur so viel zusammen.“
Charly Niessen, der gebürtige Wiener, fand eine neue Heimat in Bayern, wo er bis zuletzt mit seiner Lebensgefährtin in Prien am Chiemsee lebte. Er arbeitete gerade an einem neuen Buch und einem Theaterstück für die Kleine Komödie in München, als er am 21. Februar 1990 im 67. Lebensjahr einem Herzinfarkt erlag. Seine letzte Ruhestätte ist auf dem Friedhof in Prien.

Platz 1 und 2! – Celler Schule ganz vorn in den Rundfunk-Hitparaden … und mittendrin…

Von Turid Müller

Tobias Reitz und Alexander Scholz sind als Textdichter von Schlager & Volksmusik auf Platz 1 und 2 der Jahresbilanz 2018 im Bereich Hörfunk.

In der Publikation des Musikpressedienstes vom 14.Dezember 2018 belegen die beiden ExCellenten in der Kategorie Rundfunk den ersten und zweiten Platz. Tobias Reitz liegt mit 573 Platzierungen ganz vorn und Alexander Scholz mit 391 dicht auf. Eine Flut von Glückwünschen füllt die Kommentarzeilen auf Facebook. Und Ilona Boraud merkt an, dass auch zahlreiche SchülerInnen von Tobias Reitz und Edith Jeske auf der Liste vertreten sind: „Irgendwas musst du richtig machen!“ schreibt die Songtexterin, die das aus eigener Erfahrung weiß, weil sie selber Absolventin der Celler Schule ist. Und tatsächlich! In der Tabelle finden sich zum Beispiel auch: Jonathan Zelter, Simone Altenried,  Lukas Hainer, Marcel Brell, Andreas Zaron und „Fly“ Martin Fliegenschmidt
Herzlichen Glückwunsch an alle Platzierten (und an die Celler Schule)!

Georg Buschor im Porträt

Von Claudia Karner (Celler 2006)

Nun ist der Juni auch schon fast wieder vorbei. Für alle, deren neues Herzensglück, das so vielversprechend im Mai begann und nicht mal bis Monatsende geschweige denn für die Ewigkeit reichte, bringt seit 54 Jahren ein Schlager zumindest temporären Trost: Liebeskummer lohnt sich nicht! 1964 gewann die schwedische Sängerin Siw Malmquist mit diesem Lied den 1. Preis der Deutschen Schlagerfestspiele in Baden-Baden. Die Musik stammte von Christian Bruhn, der Text von Georg Buschor. Ihm ist dieses Porträt gewidmet.

AKROPOLIS ADIEU

Georg Buschor wurde am 14. März 1923 in Athen geboren. Sein Vater war der namhafte Altertumsforscher Ernst Buschor, der in Athen das Deutsche Archäologische Institut leitete. 1929 hieß es für die Buschors „Akropolis, adieu!“ Die Familie übersiedelte nach München, wo Georg die Schule besuchte. Nach Kriegseinsatz und französischer Gefangenschaft begann er, Philosophie und Theaterwissenschaften zu studieren und tingelte als Liedermacher durch Schwabing. Er trat auch im P1 auf, das sich in der Prinzregentenstraße 1 befand und 1949 als Offiziersclub für die amerikanischen Besatzungstruppen gegründet worden war. Der Einfachheit halber wurde es von den Amerikanern P-one genannt, von den Einheimischen Stüberl. Erst viele Jahre später wurde die Münchner Nobel-Disco P1 daraus. Buschor schrieb auch für andere Künstler wie Lale Andersen, Lolita und Gisela Jonas, die sich als Wirtin von „Bei Gisela“, eines der bekanntesten Münchner Kleinkunstlokale (heute: Vereinsheim), einen Namen machte. Als monatlich 200 DM an Tantiemen auf Buschors Konto waren, hängte er die Gitarre an den Nagel und verlegte sich ausschließlich das Texten.

ZWEI KLEINE ITALIENER

Anfang der sechziger Jahre begann seine höchst fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Komponisten Christan Bruhn. Bruhn erinnert sich in seinen Memoiren Marmor, Stein und Liebeskummer an die erste Begegnung mit Buschor: „Im Tonstudio der Bavaria-Film in München lerne ich den Mann kennen, dem ich im Leben am meisten verdanke. Und ich verdanke vielen etwas. Er ist gute elf Jahre älter und dementsprechend weiser als ich. Buschor ist schon damals ein Lebenskünstler. Gute Grundnahrungsmittel wie Wein und Calvados sind immer vorhanden.“ Buschor, der Bohemien, der exzentrische Kleidung liebte, wohnte damals im elterlichen Dachstübchen, das wegen der geringen Ausmaße von seinen Freunden als „Schrank“ bezeichnete wurde. Bruhn verinnerlichte schnell Buschors Lektion Nummer 1: „Der Schlagerdichter ist souverän, er setzt sich über kleine Alltagslogik hinweg und schafft bleibende poetische Bilder.“ Die zwei waren ein ideales Gespann: Buschor lieferte eine griffige Refrainzeile und legte sich sinnierend auf die Couch, und Bruhn entwickelte eine passende Melodie, die Buschor zu den nächsten Versen inspirierte.

Was Bruhn besonders an Buschor schätzte: „Frische, originelle Ideen, sauberes Texthandwerk und vor allem: Poesie!“ Und so entstanden Midi-Midinette und Zwei kleine Italiener, das erste deutschsprachige Lied, das sich mit der Gastarbeiterthematik beschäftigt. Cornelia Froboess, der einstige Kinderstar von Pack die Badehose ein, gewann damit die Deutschen Schlagerfestspiele 1962. Dabei wäre Zwei kleine Italiener eigentlich für Rocco Granata, den Sänger und Komponisten von Marina gedacht gewesen. Pech für ihn: Die Single wurde 1,3 Millionen Mal verkauft.

LIEBESKUMMER LOHNT SICH NICHT

Buschor avancierte gemeinsam mit Bruhn zum Hitlieferanten. Kaum eine Sängerin, die an ihm vorbeikam. Für Jacqueline Boyer schrieb er Mitsou, für Siw Malmqvist Liebeskummer lohnt sich nicht, für Manuela Schuld war nur der Bossanova und Schwimmmen lernt man im See, für Dörthe Kollo Wärst du doch in Düsseldorf geblieben, für Peggy March Memories of Heidelberg und für Katja Ebstein Der Stern von Mykonos. Einen Glücksgriff machte das kreative Duo auch mit der Französin Mireille Mathieu, die in Deutschland zum Star wurde. Die Liste der Hits, die Bruhn und Buschor für den Spatz von Avignon schrieben, ist lang: An einem Sonntag in Avignon, Hinter den Kulissen von Paris, Akropolis Adieu und La Paloma Ade sind nur einige davon. Buschor hatte offensichtlich ein Gespür für die Damenwelt, Wenn er für Männer textete, kam zumindest ein weiblicher Name im Titel vor wie bei Heute male ich dein Bild, Cindy Lou (Drafi Deutscher) und Das Mädchen Carina (Roy Black). Die Tantiemen flossen reichlich. In seinen besten Zeiten sollen es pro Jahr an die 200.000 DM gewesen sein.

Nach eigener Aussage hatte Buschor kein großes Talent für Humor. Bemerkenswert sind deshalb zwei seiner Werke: Liszts Liebestraum als Twist und der Wilhem-Tell-Twist. Dazu machte Bruhn nicht nur die Musik, sondern er sang auch selbst unter dem Pseudonym Charlie Cotton. Buschor arbeitete auch mit anderen Komponisten zusammen. Mit Rolf Arland schrieb er für Chris Roberts Die Maschen der Mädchen, mit Henry Mayer für Rita Pavone Arrivederci, Hans. Man könnte dem Schlagertexter auch hellseherische Fähigkeiten unterstellen. 1968, als Computer, Internet und Online-Partnerbörsen noch in ungeahnter Ferne waren, dichtete er für France Gall, der Grand-Prix-Siegerin von 1965: Der Computer Nr. 3 sucht mich für mich den richtigen Boy, und die Liebe ist garantiert für beide dabei…

In den späten Siebziger Jahren tauchte der Name des Erfolgstexters nur noch selten in den Charts auf. Buschor zog sich aus dem Showbusiness zurück und lebte mit seiner Frau Christel im Tessin, wo er Wein und Oliven anbaute und am 11. Februar 2005 im 82. Lebensjahr in Lugano starb. Meine Welt ist die Musik – dieses Lied, gesungen von Mireille Mathieu, war auch das Credo des Dream-Teams des deutschen Schlagers. Christian Bruhn: „Für mich ist das schönste gemeinsame Werk, das Georg und ich geschaffen haben.“

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Der Spion der dich liebt – 1. Platz beim „Radio Grand-Prix“!

Von Turid Müller

ExCellent Alexander Scholz und „Celler Schule“-Dozent Franco Ferraro haben mit ihrem Schlager „Der Spion (der dich liebt)“ den Radio Song Contest 2018 gewonnen!

„Der Song hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel“, sagt Franco Ferraro. Ein Jahr vor dem letzten „James Bond“ hatte er die Idee dazu gehabt: Es gibt gar keinen Schlager über James Bond! Vielleicht bietet sich da eine Liebesgeschichte an?

In der Zeit hatte sich Alexander Scholz per Facebook bei ihm gemeldet. Und es hat nicht lange gedauert – dann war der Text entstanden. „Alexanders Texte“, verrät der Komponist, „sind so geschrieben, dass beim Drüberlesen schon die Melodie dafür“ im Ohr erscheint. Und so war das Lied bald komplett. Und sie haben es Jürgen Drews angeboten. Der wäre ein passender Interpret für den Song, findet Produzent Ferraro. Denn er hat die hohe Stimme, die es dafür braucht. Auch wäre die Nummer perfekt für sein damaliges Album gewesen: Es gab Fotos von ihm in Anzug und Fliege. Der Spion hätte gepasst wie die Faust aufs Auge! – Das fand auch Drews‘ Plattenfirma. Nur leider kam die Idee ein paar Monate zu spät: Die CD war gerade fertig! „Auf dem Album wäre der Song der Knaller gewesen!“ bedauert Ferraro. Die CD erschien sogar pünktlich zum Filmstart. – Aber so landete der Song in der Schublade.

Alexander Scholz und Franco Ferraro

Den Radio Song Contest hat Franco Ferraro schon zwei Mal gewonnen – mit seiner Band SECHSERPACK. Jetzt den dritten 1. Platz mit einem eigenen Projekt zu gewinnen, hat ihn sehr gefreut.

Dass der Song Potenzial für was Größeres hat – da sind sich alle einig. „Ich bin nicht so der Interpret“, gibt Ferraro zu bedenken, der den Song für den Wettbewerb selbst gesungen hat. „Das war früher mal. Jetzt bleibe ich eher im Hintergrund. Ich habe Familie; ich will nicht mehr rumtingeln.“ Also sucht er weiterhin nach einem passenden Interpreten.

Auch ins Englische haben die beiden den Song übertragen – um ihn David Hasselhoff anzubieten. Interesse sei wohl da, aber noch habe sich nichts Konkretes ergeben.

Ein Interpret für die deutsche Version des Songs wird weiterhin gesucht. – Und mit Glück wird es ja noch was mit Drews. Sie werden ihm den Titel auf jeden Fall noch mal anbieten. Vielleicht ist diesmal das Timing auf ihrer Seite.

Der erste Platz hat auf jeden Fall gezeigt, dass es ein Hit werden kann. Man darf also gespannt sein! Erstmal heißt es jetzt Warten. – Auch auf den Pokal. Der wird gerade hergestellt. Ein Pressefoto ist für Ende Mai geplant. Dann wird es hier nachgereicht. Und es gibt schon bald was auf die Ohren, nämlich hier. – Viel Spaß!

„Ein Neuer Spielplatz“ – Vom Schlagertexter zum Jugendbuchautor

Von Turid Müller

Lukas Hainer, Celler Schule Jahrgang 1012 und danach mehrfach Jury-Mitglied, ist unter anderem mit den Songtexten bekannt geworden, die er für Santiano schrieb. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich nun der Schritt in die Welt der Bücher.

Foto: Franziska Nehmer

Schon der Eintrag in der Galerie der ExCellentInnen lässt erahnen, dass Großes zu erwarten ist. Titel: „auf dem direkten Weg zum Erfolg“. Und tatsächlich: Die Liste der Projekte, für die er textet, ist beachtlich: „Von den Schlümpfen bis zu den Puhdys, von Tobee & Vroni bis hin zu SantianoLUKAS HAINER […] zeigt die Bandbreite seines Schaffens und fährt Erfolge ein wie kaum ein anderer Newcomer der Textdichter-Szene.“ Das Debütalbum von Santiano erreichte Gold und Platin und steht inzwischen mit Diamond und 5-fach Platin bei weit über einer Million verkaufter Tonträger. Und mittlerweile schreibt er für weitere Branchen-Größen, wie z.B. für Helene Fischer.

Seinen Werdegang als Textdichter und seine neue Spielwiese als Buchautor schildert der Künstler in einem Clip: Santiano, seine Eintrittskarte zum Erfolg, wurde auch der Anstoß, Bücher zu schreiben: Ein Produkt für die Familien in der Hörerschaft sollte her. So entstand das Buch König der Piraten, das den Komponisten und Songwriter zum Kinder-&-Jugendbuch-Autoren machte. Natürlich ist es auch als Hörbuch mit Santiano-Songs erhältlich.

Buchcover: Franziska Nehmer

Nachdem Lukas die Herausforderung einmal angenommen hatte, stand ihm eine neue Welt offen. In der Welt der Bücher hatte er schon immer klare Favoriten, wie wir in einem Interview erfahren, das der Verlag mit ihm führte: „Die großen Kinder- und Jugendbuchautoren haben in mir beim Lesen immer den größten Eindruck hinterlassen“, so Hainer. „Von Ottfried Preußlers „Krabat“ über Michael Endes „Momo“ bis hin zu JK Rowlings „Harry Potter“ und jüngst „Reckless“ von Cornelia Funke: Neben Stephen King lese ich fast ausschließlich All-Age-Bücher, also Bücher, die Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansprechen.“

Sein erster Jugendroman ist am 01.03.2018 bei Piper erschienen. Das dunkle Herz heißt das Buch, zu dem ihn der Piraten-Ausflug ins Schriftstellertum motiviert hat. Die Ideen dazu haben natürlich auch etwas mit ihm zu tun, lässt er in einem Video durchblicken. Und mit dem Vorwissen und den Gedanken, die man mitbringt, wenn man sich an den Schreibtisch setzt. Inspirationsquelle war unter anderem das Stanford Prison Experiment. Der psychologische Versuch aus den 70ern war derart eskaliert, dass er abgebrochen werden musste und seither als Negativbeispiel für mögliche seelisch-zwischenmenschliche Komplikationen in der Forschung gesehen werden kann.

Auch bei dieser neusten Veröffentlichung führen die beiden beruflichen Wege wieder zusammen. Die Musik ist immer mit dabei: So kann man den Allrounder auch bei musikalischen Lesungen live erleben. Und natürlich ist er nicht nur als Buch-Autor aktiv, sondern auch nach wie vor als Songtexter. Er genießt es, selbst zu entscheiden, worüber er schreiben will. Was er sich als nächstes vornimmt? – Man darf gespannt sein…! Klar ist: Das dunkle Herz ist nur der erste Teil. Und: „Die Idee hat definitiv Potenzial für einen zweiten Band“, bestätigen RezensentInnen (mandysbuecherecke.de, 22.03.2018). – Eine Fortsetzung ist also in Sicht!

 

 

Blogbeitrag Nr. 500:
40 Jahre JeskeTexte. Und was für ein Fest!

1977:
In Bonn und kurz darauf in Berlin stürzt sich eine junge Frau in die Kneipen und Clubs der Liedermacherszene und auf die Bühnen. Sie will eine erfolgreiche Sängerin werden.

Karikatur: Dave Andersen

 

 

2017:
Es ist anders gekommen. Statt der Bühne ist es der Schreibtisch geworden, und sie genießt es, zumal sie kürzlich 60 wurde und es gern etwas ruhiger mag. Nur heute begrüßt sie ihre Gäste mit einem Lied. Denn in diesem Jahr feiert Edith Jeske vier Jahrzehnte Liedtexten.

Bevor sie sich vom Abendprogramm überraschen lässt, begrüßt Edith Jeske ihre mehr als hundert Gäste mit einem Lied (hier ein paar Auszüge).

 

(…)
Ich kann jetzt endlich Kohle sparnJeske singt
und auf Seniorenticket fahrn.
Ich höre noch nicht allzu schwer.
Mit Größe M komm ich noch hin,
die eignen Zähne sind noch drin
und schwanger werd ich auch nicht mehr….

(…)
Auf euch, da war und ist Verlass –
wenn ich das mal in Worte fass.
Wir halfen uns durch manche Krisen.
Denn wir, wir glauben fest daran,
dass man auch Eintracht säen kann.
Ihr habt es tausendmal bewiesen.

Und heut – mit meinen 60 Jahren
schau ich zurück voll Dankbarkeit
Ein Hoch auf was wir sind und waren!
und noch ein bisschen gute Zeit.“

Während in Berlin Christian Lindner die Verhandlungsgespräche über eine Jamaika-Koalition plazen lässt, ist das Haus Mariengrund in Münsters Norden eine Insel der Harmonie und der Harmonien.
40 Jahre Songtexten wollen gefeiert werden. Unterrichten wollte die Jeske nie. Inzwischen macht sie genau das seit 28 Jahren. 1996 gründete sie die Celler Schule, und viele der Absolventen sind gekommen, am 19. November. mit Thomas
Nicht nur ExCELLEnten und -innen entern den Festsaal. Auch Freunde aus 40 Jahren, echte Verwandte und „reingeliebte“, einige von Jeskes liebsten Komponisten und Interpreten, dazu Theatermenschen von beiden Seiten des Bühnenvorhangs. Denn es soll auch ein Netzwerktreffen werden. Oder NESTwerk, wie Thomas Woitkewitsch es so gern nennt.
Der ergreift das Mikrofon und singt eigens für den Abend und die Gastgeberin Getextetes. Bastian Sick hat ein Gedicht mitgebracht, im dem er die Konfettikanone der Reime auf „Edith“ abfeuert. Tim Fischer singt die Rinnsteinprinzessin und seinen Lieblingssong von Woitkewitsch.
Menschen, die einander bisher nie gesehen haben und sich im echten Leben vielleicht nie begegnen würden, stehen als Chor auf der Bühne und singen – jede/r eine Strophe und ganz ohne Probe – den Muddi-Song, den Turid Müller im Mail-Fernverfahren gemeinsam mit ihnen auf die Beine und die Bühne gestellt hat.

Muddi-Song
v.l.n.r.: Marvin Ochmann, Denis Sarp, Christina Arnold, Turid Müller, Doris Denke, Andrea Gegner, Jutta Dahl, Feli Feles, Sandra Niggemann, Mario Rembold

Als Zeremonienmeister durchs Programm führt Tobias Reitz. Und hat natürlich auch „was vorbereitet“ – das große La la la, welches schon in der Celler Schule jedes Abschlussfest mit neuen Texten aus Tobis Feder adelt.

Tobi singt 02.jpeg
Tobias Reitz

Die Karte obenauf – „Muddi macht das schon“ steht drauf
Bei der Frage, was sie macht, Da hab ich mir so gedacht:

Ja
Wenn du wen brauchst für deinen Text
Wo du grad steckst
Und es ist wie verhext – na, Muddi macht das schon!

Wenn du wen sucht mit Geist und Ader
Von Ernst Bader
So ein Wortgeschwader – Muddi macht das schon……

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi, unser Star.

Wenn du wen brauchst, der auch bei Hiltis
Ganz gechillt is
Und zu bohrn gewillt is, Muddi macht das schon!
Wenn du ’ne Katze bist, die schaut
Bei Immoscout
Wer kriegt sie gut verstaut? Ach, Muddi macht das schon!

Wenn du wen suchst, der dein Metrum
Verbessert und
Dir hilft die Zeilenlänge zu beachten – Muddi macht das schon

Wenn du wen brauchst mit noch mehr Kitsch
Als Woitkewitsch
Ich hab den Tipp für ditsch – die Muddi macht das schon

Sie ist die Wunderwaffe, echt
Und sie ist secht-
zich – unbestechlich prächtig – Muddi – unser Star

Turid singt
Turid Müller

Bis halb drei am Morgen geht das Programm. Zu später Stunde und vor immer noch vollen Reihen singt Turid Müller ihrer MusenMuddi noch den Pipi in die Augen, mit einer Premiere – einem Lied für die Mentorin:

Wie ein Wink des Schicksals.
Wie ein Stoß mit nem göttlichen Queue:
Plötzlich bringts alle Kugeln ins Rollen.
Du fragst: „Werde ich jemals..?“
Und du denkst dir schon: „Nö….“
Doch son Engel sagt: „Du musst nur wollen.“
„Ich trau dir das zu!“ ist sein magischer Satz.
Und alles fällt an seinen Platz.“
(Turid Müller & Stephan Sieveking)

 

Den Videomitschnitt macht Henning Ruwe zum Geschenk, mit den Tischdekorationen und auf der Bühne verzaubert Romanautorin Christine Vogeley die Gäste, Burkhard Heim liest Patrick Süskind, Marcel Kösling bringt einen Tisch zum Schweben, Gordon November stellt  seine traumhafte Bühnenanlage zur Verfügung und singt zwei seiner Lieder, außerdem Rainer Bielfeldt als Solist, aber auch als Begleiter vieler Kollegen, Willy Klüter, Annette Postel, Katja Kaye, Matthias Reuter, Andreas Schleicher, Henrika Fabian, Corinna Fuhrmann, Karla Feles, Alin Coen, Lennart Schilgen Jan Jahn, Peter Bytzek – Weggenosse aus Berliner Zeiten, Sandra Niggemann und Mario Rembold, Heike Baller, Julia Hagemann, eine gemeinsam mit Jeske getextete Schlagersingle geben Petra und Kurt Schoger zum Besten, die Musikantenstadl-Bürgerwehr schmettern Jeske mit Emmi und Willnowski Emmi und Willnowski, für die Edith Jeske seit weit mehr als zehn Jahren Songtexte schreibt.

 

Schwester Juttamaria

Und – ganz zum Schluss gegen halb drei – helfen die Gäste beim Aufräumen, denn der Saal muss um acht Uhr am Montag besenrein übergeben werden. Mindestens zwei Dutzend Hände packen mit an. Müdigkeit wird überbewertet.
Solche Freunde Kollegen sind mit Gold nicht aufzuwiegen.
Da stimmt auch Schwester Juttamaria zu.

 

 

Wir geh’n durch die Zeit – Das aktuelle Musikvideo von Roland Kaiser

Über Marcel Brell, Celler Schule Jahrgang 2010, heißt es auf seiner Homepage: „Brells Lieder sind wie Filme im Kopf“. Kein Wunder: Denn Brell schreibt nicht nur Songs, er filmt auch! Im Oktober wurde das aktuelle Musikvideo von Roland Kaiser veröffentlicht. Und Brell hat es gedreht.

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„Andere denken in seinem Alter an Rente“, kommentiert MDR.de das jüngste Album, „Roland Kaiser legt mit 65 noch einmal so richtig los“. Am 20. Oktober erschien „stromaufwärts – kaiser singt kaiser“. Der Name ist Programm. Das Konzept: Neue Interpretationen seiner größten Hits.
„Es war eine sehr bewegende Reise zurück an die Quellen meiner musikalischen Laufbahn – immer stromaufwärts, da muss man manchmal rudern, manchmal geht es mit geblähtem Segel voran (Roland Kaiser / Marketing & Communikation Service).“
Mit dem Album feiert Kaiser gleichzeitig „seinen Einstand beim Sony Music-Label RCA Deutschland“, heißt es auf der Homepage des Schlagersängers.

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Das neue Album hat auch direkt sein erstes Musikvideo bekommen. Und zwar zu dem Song ‚Wir geh’n durch die Zeit‘ (Text: Anna Krabbe / Musik: Anna Krabbe & Frank Kretschmer):
„Die Jahre flogen wie ein Wimpernschlag vorüber und voller Staunen steh ich dir nun gegenüber…“
Kopfsteinpflaster und Altbauten. Ein Paar Arm in Arm unterwegs auf den Straßen der Stadt… Das Musikvideo begleitet die beiden durch die gemeinsamen Stunden sowie beim Revue passieren lassen ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Marcel Brell, sonst bekannt als Komponist und Sänger, Träger des Fred-Jay-Preises und nominiert für den Deutschen Musikautorenpreis (in der Kategorie Nachwuchs), hat diese klaren und gefühlvollen Bilder erschaffen.

Das Musikvideo ist „für echte Fans ein Muss“, behauptet schlager.de. Und auch für die, deren Herz nicht Schlager schlägt, ist „Wir geh’n durch die Zeit“ auf jeden Fall einen Klick wert.

 

 

 

 

[Foto von Roland Kaiser: Sandra Ludewig. Quelle: www.roland-kaiser.de;

Foto von Marcel Brell: Quelle: www.marcelbrell.de]