Und der Haifisch, der hat Zähne…

von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Frühling in München. Das erste Eis im Café Münchner Freiheit, Sonne satt im Englischen Garten, den Jugendstilhäusern in Schwabing mit der Digi-Cam hinterher und abends in die Oper. In Bertolt Brechts Dreigroschenoper.

,„Und der Haifisch, der hat Zähne…“ Nicht nur der Haifisch hat Biss, auch die Inszenierung von Christian Stückl, Intendant des  Münchner Volkstheaters, der bei Bedarf auch in die Rolle des Bettlerkönigs Peachum schlüpft. So wie an diesem Abend. „Bunt und brüllend, zynisch und entlarvend, erotisch und verspielt“, befand der Münchner Merkur. Im Chor der Bettler ist Johann „Hansi“ Anzenberger. Johann, das gilt fürs Offizielle (Wer will schon ein zweites Hinterseer-Schicksal erleiden?), Hansi für Freunde.  Wenn Hansi in München, also beinahe vor meiner Haustür, spielt,  gibt es keine Ausrede. Da muss ich hin!

Hansi stammt aus dem oberbayerischen Haag und  besuchte im Schauspielhaus Salzburg die Schauspielschule, wo  er seine ersten Bühnenerfahrungen machte.  In bester Erinnerung ist er nicht nur mir mit dem Solo-Stück „Novecento“  von Alessandro Baricco, auf dem der Film „Die Legende vom Ozeanpianisten basiert, geblieben. Als die „Freunde des Schauspielhauses“ ihr 25-jähriges Bestehen feierten, konnte Hansi auch sein musikalisches Talent zeigen.  Gemeinsam mit zwei Kollegen, Thomas Pfertner und Michael Rutz, sang er in Frack und Fliege drei Lieder der Comedian Harmonists. Lieder, denen ich -  dem Anlass  entsprechend – einen neuen Text verpasst hatte.  „Ein Freund, ein guter Freund…“ Riesenapplaus für die Sänger und die Texterin. So was verbindet fürs Leben!

Seit zwei Jahren ist Hansi als freier Schauspieler unterwegs. Für die  Luisenburgfestspiele in Wunsiedel, der ältesten Freiluftbühne Deutschlands, entdeckte ihn Intendant Michael Lerchenberg. Dort brillierte er im vergangenen Sommer  in zwei Rollen im “Brandner Kaspar” und als Rabe Abraxas in “Die kleine Hexe”, dem Kinderstück von Ottfried Preussler,  und  heimste prompt den Nachwuchspreis ein. „Möge er noch lange der Luisenburg erhalten bleiben, wo ihn Tausende von Zuschauern und die Kritikerjury begeistert aufgenommen und ins Herz geschlossen haben“, hieß es in der Laudatio. Eine spannende Aufgabe erwartet ihn auch heuer. Er spielt  in dem Erfolgsstück von Josef Hader „Indien“ Kurt Fellner, jene Rolle, die im Original Alfred Dorfer spielte.  Wirklich schade, dass Wunsiedel gar so abgelegen ist!

Im Museumsshop der Hypo-Kunsthalle entdeckte ich das Buch “Dr. Ankowitschs Kleiner Seelenklempner – Wie Sie sich glücklich durchs Leben improvisieren”, das die FAZ als “Ebenso geistreich wie witzig” lobte und mir die Heimfahrt im Railjet verkürzte. Besonders amüsiert hat mich, dass der Autor Christian Ankowitsch sein Kunststudium verbummelte, weil er lieber als Statist beim Theater spielte. In der Dreigroschenoper zum Beispiel. Und dann zitiert er noch das Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens: „Ja, mach nur einen Plan/Sei ein großes Licht!/ Und dann mach noch einen zweiten Plan/Geh’n tun sie beide nicht./Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlecht genug./Doch sein höh’res Streben/Ist ein schöner Zug.“

Brecht, scheint’s, ist überall …

Kommentare (4)

Johann Anzenberger25. März 2011 um 13:01

Ach Claudia, du treibst mir die Schamesröte ins Gesicht. Na Schmarrn, wahrscheinlich ists die Freude, die das macht. Schöner Artikel und vor allem eine neue Vita, diesmal aus der Salzburger Sicht, auch interessant! War sehr schön mit dir in München und war bestimmt nicht das letzte Stück, dass du von mir zu sehen kriegst. Und “Indien” tourt schon irgendwann mal in nähere Gefilde.
Ach ja: Brecht ist wirklich überall, mir fallen zur Zeit zu jedem Anlass Liedtexte von ihm ein,
Liebe Grüße, dein Fast-Hinterseer

Claudia Karner (Celler Schule 2006)28. März 2011 um 06:33

Lieber Hansi, das ist aber nett, dass du mich im Blog besucht hast.
Ich habe auf Youtube eine Perle entdeckt: Bertolt Brecht himself singt das “Lied von der Unzulänglichkeit des Strebens”. Das solltest du dir mal anhören.

Bis zum nächsten Mal
Es muss ja nicht in Indien sein! ;-)
Claudia

Burkhard Ihme28. März 2011 um 21:38

Der Dorfer aus “Indien” heißt allerdings Alfred Dorfer. Der wird im Oktober auch schon 50 (und “Indien” ist auch zwanzig Jahre alt). Hat sich aber gut gehalten.

Claudia Karner (Celler Schule 2006)29. März 2011 um 07:10

Ooohps! Wie konnte das passieren! Schon ausgebessert!
Es ist gut zu wissen, dass jemand so genau meine Artikel liest!
Danke, Burkhard!
Übrigens: Am kommenden Freitag hat Georg Kreisler einen kleinen öffentlichen Auftritt in Salzburg. Klar bin ich dabei! Gib zu, dass dich der Neid frisst! ;-)

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