Und für jeden kommt der Tag…

von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

ERINNERUNG AN MARGOT WERNER  (8. Dezember 1937 – 1. Juli 2012)

Meine Erinnerung an die Begegnung mit Margot Werner ist schon merklich verblasst. Aber es geht nichts über ein gutes Archiv. „Die Glamour-Frau mit der rauchig-brüchigen Stimme und den lasziven Bewegungen, deren Weiblichkeit auch noch in den letzten Sitzreihen knistert“, so kündigte ich die Chansonsängerin, die beharrlich ihr genaues Alter verschwieg, im Programmheft des Teatro Spettacolo an. Das Teatro Spettacolo war ein mehrwöchiges Zeltfestival, das der Münchner Regisseur Rolf Bengert mit viel Mut, Begeisterungsfähigkeit und  großem finanziellen Risiko im Volksgarten in Salzburg aufgeschlagen hatte. „Angst kann nicht träumen. Mut – ich lade euch ein, mutig zu sein“, war sein Credo. Ich war damals für die Gestaltung des Programmheftes und die Öffentlichkeitsarbeit  zuständig. Das ist nun 30 (in Worten: dreißig!!!) Jahre her.

Im Sommer 1982 kehrte also Margot Werner, die ausgezogen war, Prima Ballerina an der Bayrischen Staatsoper in München zu werden, auf Einladung von Rolf Bengert als gefeierter Star in ihre Heimatstadt zurück. Ein Heimspiel für die Diva mit der flammend-roten Mähne, die am Klavier von Max Greger jun. begleitet wurde: Zwei ausverkaufte Abende, jubelnde Fans, die ihr Rosen streuten. „Ob nun die parodierende, komische Margot Werner, die auch über sich selber lachen kann, liebenswerter oder interessanter ist als die bisher vertraute, darüber konnten sich selbst die eingefleischten Werner-Fans nicht einigen“, vermerkte Othmar Behr in den Salzburger Nachrichten. Auf dem Programm standen neben Parodien auf die Musik-Legenden Marika Rökk, Hildegard Knef, Zarah Leander und Edith Piaf ihre eigenen Lieder, darunter ihr größter Hit „So ein Mann“, „Ich hab’ im Leben nichts bereut“ und „Und für jeden kommt der Tag“, eine optimistische Hymne an das Leben, für die Abi Ofarim die Musik und Maurus Pacher den Text geschrieben hatte und der auch der Titel ihres Debüt-Albums im Jahre 1974 war.

„Und für jeden kommt der Tag, da steht er auf, wo er begann. Dann fängt das alte Spiel mal wieder ganz von vorne an…“ Es macht mich traurig, dass für Margot Werner dieser Tag nie wieder kommt.

  1. Gerhard Steiner sagt:

    liebe claudia karner,

    in deinen blog „und für jedem kommt der tag..“ über margot werner erwähnst du (ich hoffe du bist über das „du“ nicht böse) das teatro spettacolo im sommer 1982. auch ich war damals vor 30 jahren live dabei. nicht nur auf dem platz im salzburger volksgarten in der ürsprünglich vorgesehenen funktion von rolf´s stellvertreter (bei der generalprobe und bei der premiere im weißen anzug und der roten nelke im knopfloch), sondern gemeinsam mit susi, rolf´s damaliger freundin, schon seit der entstehung der idee zum teatro spettacolo in einer kleinen münchener kneipe und dann weiter mit der anschaffung und liebevollen renovierung der alten tollen zirkuswagen (incl. dem cafe-haus-wagen) bis hin zum bitteren ende in form von einer eigenen „sintflut“ für uns und dem teatro spettacolo.
    ich war sogar der letzte, der den platz verlassen hat. alle und alles war schon weg, nur ich war noch da in meinem zum wohnwagen umgebautem altem bauwagen. und unmengen von aufgeschüttetem sand und schotter. alles was ich an kraft und energie usw. damals hatte, habe ich in die verwirklichung vom teatro spettacolo gesteckt. ich war leer und konnte den platz aus eigener kraft nicht mehr verlassen. aber gott sei dank kam kurze zeit später susi mit 2 anderen ehemaligen mitarbeitern vorbei, um mich von dort weg zu holen.
    und nun habe ich mich wahnsinnig darüber gefreut, das ich nach 30 jahren! im internet über diese, meiner meinung nach, sensationelle kulturveranstaltung etwas lesen darf. ich habe auf einer anderen website auch ein foto von rolf mit charlie rivel entdeckt. wahnsinn.
    in dieser hinsicht hätte ich aber auch eine bitte an dich. denn ich habe damals bei diesem ganzen chaos alle meine foto´s, mein progammheft, und alles andere was ich über das oder vom teatro spettacolo besaß, verloren. kannst du mir vielleicht in dieser hinsicht weiter helfen. falls du foto´s hast, oder falls du andere leute kennst, die fotomaterial darüber besitzen, wäre ich dir unendlich dankbar, wenn ich ein paar kopien davon erhalten könnte. selbstverständlich bezahle ich dafür. und des weiteren weißt du vielleicht, wie ich an kopien von damaligen artikeln in den salzburger printmedien über das teatro usw. komme. ich kann mich noch sehr genau an das politische theater damals erinnern. bei einem abendessen mit dem kanditaten für das bürgermeisteramt Hrn. Steiner (der hatte den selben nachnamen wie ich) habe ich in meiner tollen stimmung damals beim verdauungsschnaps einen werbeslogan für seine kanditatur entworfen. „DEINER, MEINER, UNSER STEINER“ kam dabei heraus, und soweit ich mich erinnere, war bald ganz salzburg mit gleichlautenden plakaten vollgepflastert.
    na ja, da war schon was los in salzburg. ich bin jetzt zwar erst knapp über 50, aber trotzdem werde ich schön langsam älter und auch kränker (seit einem jahr bin ich aus gesundheitlichen gründen in frühpension) und die erinnerungen daran werden immer schwächer. außerdem ist es eigentlich eine schande, bei so etwas live mitgewirkt zu haben und nicht einmal ein einziges foto davon zu besitzen .
    ich bitte dich um entschuldigung, daß ich dich jetzt so vollgejammert habe. ist eigentlich nicht meine art.aber die überraschung, nach 30 jahren wieder etwas darüber zu lesen, hat mich anscheinend übermannt.
    ich danke im voraus für dein verständnis und für alles andere. vor allem dafür, das du das teatro in deinem blog so toll erwähnt hast.
    ich wünsche dir weiterhin alle gute und verbleibe

    mit freundlichen grüßen

    gerhard steiner
    ichunddu.555@gmx.at

  2. Claudia Karner (Celler Schule 2006) sagt:

    Lieber Gerhard,
    ach, wie schön, dass die diesen Blog-Beitrag im Netz gefunden hast. Ich bin ganz berührt über deine Schilderung über das Teatro spettacolo. Die lässt auch bei mir viele Erinnerungen wach werden. Vielen Dank!
    (Den Rest per Mail!)
    Liebe Grüße
    Claudia

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