Mit freundlichen Grüßen

von Claudia Karner (Celler Schule 2006)

Klingt wie ein Faschingsscherz, ist aber keiner: Heino goes Rock’n Punk. Nebst der altbekannten Sonnenbrille trägt der 74-jährige blonde Volksmusik- und Schlagersänger seit neuestem einen Totenkopf am Mittelfinger und auf dem T-Shirt, was seine Frau Hannelore zu dem Schreckensausruf veranlasst haben soll: „Junge, wie du wieder aussiehst!“ Heino erlebt offensichtlich seinen dritten Frühling und schmettert im markigen Bariton deutsche Rock- und Punksongs, u. a. von Rammstein, Fanta4, Oomph und den Ärzten. Aber auch wenn manche der Sänger sich angeblich ärgern, bis sie blau wie der Enzian sind: Heino lacht sich ins totenkopfgeschmückte Fäustchen. Keiner kann ihm das Singen verbieten, denn er liefert lupenreine Cover-Versionen. Dieses rechtliche Schlupfloch ermöglicht das deutsche Urheberrecht, das Plagiate erlaubt, wenn sie unverfälscht und gebührenpflichtig produziert werden, wie die Süddeutsche Zeitung formulierte. Und so darf Heino ungestraft mit rollendem Rrrrrr Rammsteins „Sonne“ zum Besten geben: Alle warrrrrten auf das Licht./Fürrrrrchtet euch nicht! Fürrrrchtet euch nicht!“

Dass der CD als verkaufsfördernde Maßnahme  der Untertitel „Verbotenes Album“ aufgepappt wurde, hätte es gar nicht bedurft. In den Amazon-Charts steht „Mit freundlichen Grüßen“ wegen der außerordentlich hohen Vorbestellungen schon seit Tagen auf dem ersten Platz. Zu den kolportierten 50 Millionen Tonträgen, die Heino in seiner 52-jährigen Karriere verkauft  haben soll, werden also noch ein paar mehr dazu kommen. Über 85.000 Mal wurde bereits der Trailer auf Youtube angeklickt.

Und auch die  Facebook-User  lassen Heinos „Freundliche Grüße“  nicht ungerührt. Die Einträge bewegen sich zwischen „Ein genialer Coup in der deutschen Musikgeschichte!“ und „Das ist ja nur peinlich. Geh in Rente!“ Und Georg Howahl fragt in der WAZ: „Ob diese Platte Omis hilft, das Liedgut ihrer Enkel zu erschließen? Wer weiß das schon. So taugt sie allenfalls als Partyscherz bei feuchtfröhlichen Feiern im Studentenwohnheim. Obwohl… Da hätte man auch gleich eine alte Heino-Scheibe auflegen können.“   

  1. Daniel D. Nowak sagt:

    …sorry, aber das deutsche Urheberrecht erlaubt natürlich KEINE Plagiate – sonst wäre Herr zu Guttenberg noch im Amt 😉

  2. Claudia Karner (Celler Schule 2006) sagt:

    Die Kritik bitte bei der Süddeutschen deponieren! Ich habe nur zitiert (und dabei auch auf die Quelle verwiesen!)

  3. Norbert Tefelski (Celler Schule 2005) sagt:

    So was gab es anderswo schon öfter. Ein prägnantes Beispiel: 1996 veröffentlichte Pat Boone das Album „In a Metal Mood – No More Mr. Nice Guy“ mit Rocktiteln von Alice Cooper, Jimi Hendrix, Led Zeppelin usw. Ähnlich wie hierzulande Heino verkörpert Pat Boone in den USA das Feindbild der Rockfans – als weichgespülter Schwiegermutterliebling der 50er-/60er-Jahre, in denen er etliche Hits hatte, oft zusammen mit dem Orchester BIlly Vaughn – dessen unverwechselbarer Sound hier und heute von „Captain Cook und seinen singenden Saxophonen“ imitiert wird. Macht doch Spaß, das!

  4. p.S.
    Noch mal genau hingeguckt: Wenn die Süddeutsche da von Plagiaten schreibt, dann bringt sie zusammen, was nicht zusammengehört (und für mich sieht das mächtg nach Absicht aus – auf so ein Reizwort mag man ja nicht vezichten…)
    Worum es hier aber tatsächlich geht, sind Coverversionen. Von Plagiaten kann man nur sprechen, wenn jemand fremde Schöpfungen als eigenes Gedankengut ausgibt. Und hier geschieht das genaue Gegenteil. Das ist ja gerade der Charme daran. Der Rest der Aussage stimmt. Wenn an einem Werk nichts verändert wird, darf es jeder singen, der ordnungsgemäß die GEMA-Gebühren entrichtet. Wobei man im Fall von Heino Humor walten lassen sollte.

    Schlimm wird es, wenn (wie geschehen bei Hannes Wader) rechtsradikale Kreise einen Song – in diesem Fall sein Antikriegslied „Es ist an der Zeit“ – zur revisionistischen Schmutzparole umfunktionieren (ebenfalls ohne den Wotlaut zu ändern):

    Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
    so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
    Und du hast ihnen alles gegeben,
    deine Kraft, deine Jugend dein Leben

    Das ist nicht schlitzohrig. Das ist perfid.
    Ich meine mich zu erinnern, dass Hannes Wader seinezeit vor Gericht ging. Wie es ausgegangen ist, weiß ich allerdings nicht.

  5. Ich finde die Coverversionen gut gelungen, einige sind sogar besser, also das Original (zum Beispiel „Sonne“ von Rammstein).

    Und mal ganz ehrlich: Singen kann Heino ohnehin besser!

    Auch wenn mich einige (engstirnige) mich jetzt gerne auf den Mond schießen würden: Gut gemacht, Heino!

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