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„Nett gemeint“ – Das Monatsgedicht von Michael Feindler

Hier ist es: Michael Feindlers Monatsgedicht!

Aktuell wie immer setzt er sich diesmal mit der aktuellen Internet-Kampagne auseinander: #metoo

 

Losgetreten wurde die Kampagne von Alyssa Milano. Via Twitter regte die Schauspielerin an, dass alle Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, dies sichtbar machen. Und zwar mit dem Hashtag #MeToo („Ich auch“). Die dadurch angestoßen Diskussionen sind weltweit, kontrovers und reichen bis hinein ins politische Geschehen. Feindler kommentiert das im Monatsgedicht Oktober:


Nett gemeint

Er wurde langsam wütend, denn er fand,
dass sie ihn regelmäßig falsch verstand.
Er habe nämlich stets Respekt vor ihr,

ihm käme etwas wie Sexismus schier

nicht in den Sinn – er sei da reflektiert,
er habe ja im Übrigen studiert,
und überhaupt: Bevor sie auf die Schnelle
ein Urteil über seine Worte fälle
und ihm Wer-weiß-was-Schlimmes unterstelle,
wär schön, wenn sie dabei im Auge hätt:

Er meine, was er sage, immer nett.
Sie schlug ihm vor, dann dürfe er gern wagen,
das eigentlich Gemeinte auch zu sagen.
Es würde schließlich naheliegend scheinen,
er würde das Gesagte auch so meinen.

 

Lyrik von Feindler! – Wer mehr davon will, kann das haben. Und zwar in seinem aktuellen Programm „Artgerechte Spaltung“:

 

16.11. Leipzig, Academixer
23.11. Leichlingen, Kulturcafé
25.11. Köln, Ateliertheater
02.12. Karlsruhe, Kabarett in der Orgelfabrik 22.12. Hannover, Theater am Küchengarten

Gedicht des Monats – November 2015

von Michael Feindler (Celler Schule 2010)

Und so weiter…

Er fühlte sich so stark wie nie,
getankt mit Macht und Energie,
bevor es überraschend krachte
und etwas ihn ins Wanken brachte:
Ihn hatte – Wumms! – ein Schlag getroffen,
jetzt standen Mund und Arsch weit offen,
doch Wunden wurden nicht geleckt,
denn jeder Schmerz wurd’ überdeckt
von tiefem Hass auf jenen Schlag,
der ihm so schwer im Magen lag.
So bäumte er sich auf und schwang
zum Gegenschlag den Bumerang,
den er aus jener Wunde zog,
in die der Schlag zuvor erst flog.
Dann rief er noch: „Ich bin der Boss“,
bevor das schnelle Wurfgeschoss
ein paar der Feinde niedermähte
und schließlich elegant sich drehte.

Da hatte er bereits begonnen,
sich selbst zu feiern, schrie: „Gewonnen!“
und fühlte sich so stark wie nie,
getankt mit Macht und Energie,
bevor es überraschend krachte
und etwas ihn ins Wanken brachte:
Ihn hatte – Wumms! – ein Schlag getroffen,
jetzt standen Mund und Arsch weit offen,
doch Wunden wurden nicht geleckt,
denn jeder Schmerz wurd’ überdeckt
von tiefem Hass auf jenen Schlag,
der ihm so schwer im Magen lag.
So bäumte er sich auf und schwang
zum Gegenschlag den Bumerang,
den er aus jener Wunde zog,
in die der Schlag zuvor erst flog.
Dann rief er noch: „Ich bin der Boss“,
bevor das schnelle Wurfgeschoss
ein paar der Feinde niedermähte,
und schließlich elegant sich drehte.

Da hatte er bereits begonnen,
sich selbst zu feiern, schrie: „Gewonnen!“
und fühlte sich so stark wie nie,
getankt mit Macht und Energie,
bevor es überraschend krachte
und etwas ihn ins Wanken brachte:
Ihn hatte – Wumms! – ein Schlag getroffen,
jetzt standen Mund und Arsch weit offen,
doch Wunden wurden nicht geleckt,
denn jeder Schmerz wurd’ überdeckt
von tiefem Hass auf jenen Schlag,
der ihm so schwer im Magen lag.
So bäumte er sich auf und schwang
zum Gegenschlag den Bumerang,
den er aus jener Wunde zog,
in die der Schlag zuvor erst flog.
Dann rief er noch: „Ich bin der Boss“,
bevor das schnelle Wurfgeschoss
ein paar der Feinde niedermähte,
und schließlich elegant sich drehte.

Da hatte er bereits begonnen,
sich selbst zu feiern, schrie: „Gewonnen!“
und fühlte sich so stark wie nie …

Wer jetzt noch wissen möchte, wie
es weitergeht, dem sei empfohlen,
den ganzen Text zu wiederholen,
bis er erschöpft zusammenbricht –
dann ist vielleicht ein Schluss in Sicht.

…und hier noch die Termine und der Tourenplan von Michael Feindler

Gedicht des Monats – Dezember 2014

von Michael Feindler

Die Adventszeit hat begonnen und bringt Licht ins Dunkel unserer Wintertage – meist elektrifiziert. Anlass genug, sich einmal mit denjenigen zu befassen, die uns dieses Licht bescheren: zum einen hat die ARD vor wenigen Wochen das Geschäft der Stromkonzerne in einer Dokumentation näher beleuchtet, zum anderen gibt es aktuelle Entwicklungen bei den Elektroriesen Vattenfall und E.ON, die diesmal auch im Monatsgedicht Erwähnung finden:

Strategiewende

Atomstromzeiten sind beendet,
da Energie sich hierzulande
samt Vattenfall und E.ON wendet.
Doch beide sind wohl kaum imstande,
die Folgen finanziell zu tragen –
zumindest, wenn die Aktionäre
Profitverluste bald beklagen.
Denn schließlich meinen die, es wäre
bescheuert, stünde Sicherheit
der Menschen über dem Gewinn.
Und deshalb ist es an der Zeit,
die Dinge wieder richtig hin-
zubiegen und darauf zu schauen,
dass jeder Stromkonzern genießt,
was ihn am Leben hält: Vertrauen,
indem der Geldstrom weiterfließt.

Und so verklagt nun Vattenfall
vor dubiosen Schiedsgerichten
den Staat und will auf einen Schwall
an Geld mitnichten jetzt verzichten.
Das Unternehmen E.ON fährt
da eine andre Strategie,
die hat bei Banken sich bewährt
(und dort versagte sie fast nie):
Der Stromkonzern wird jetzt gespalten
und kann danach den Kernkraft-Schrott
getrennt vom schönen Teil verwalten.
Geht dieser Müll dann mal bankrott,
so haftet, wie man sich schon denkt,
der Staat für jeden Schuldenrest –
den gibt’s von E.ON dann geschenkt,
auch außerhalb vom Weihnachtsfest.

Im ebenfalls mit elektrischem Strom betriebenen Rampenlicht der Bühne werde ich im Dezember und Januar an diesen Tagen und Orten anzutreffen sein:

Freitag, 05.12.2014, Berlin:
Programmauszüge im Rahmen der Late-Night-Show „Frisch gepresst“ mit Tilman Lucke und Martin Valenske, Distel (Studio), 21.30 Uhr

Samstag, 06.12.2014, Berlin:
Programmauszüge im Rahmen der Late-Night-Show „Frisch gepresst“, Distel (Studio), 21.30 Uhr

Samstag, 13.12.2014, Bad Oeynhausen: VORPREMIERE des neuen Soloprogramms „Das Lachen der Ohnmächtigen“, Druckerei Begegnungszentrum, 20.00 Uhr

Freitag, 16.01.2015, Berlin:
Premiere des neuen Soloprogramms „Das Lachen der Ohnmächtigen“, Zebrano-Theater, 19.30 Uhr

Samstag, 17.01.2015, Berlin:
Soloprogramm „Das Lachen der Ohnmächtigen“, Zebrano-Theater, 19.30 Uhr

Mittwoch, 21.01.2015, Weingarten (am Bodensee):
Soloprogramm „Das Lachen der Ohnmächtigen“, Hochschulgemeinde, 20.00 Uhr

Freitag, 23.01.2015, Cottbus:
Gemeinsamer Auftritt mit der Band „Les Bummms Boys“ im Rahmen des Studentenkabarett-Festivals „Ei(n)fälle“, Konservatorium, 19.30 Uhr

Samstag, 24.01.2015, Düsseldorf:
„Das Lachen der Ohnmächtigen“, Freizeitstätte Garath, 20.00 Uhr

Eine komplette Tourplan-Übersicht ist hier zu finden.

 P.S.: Im Oktober bin ich im Rahmen der Leipziger Lachmesse aufgetreten und der MDR hat das gefilmt. Der knapp zwanzigminütige Ausschnitt (hauptsächlich mit Texten und Liedern aus dem Programm „Dumm nickt gut“, aber auch mit einem Lied aus dem kommenden Programm) lässt sich nun hier anschauen. Unter anderem mit dabei: „Der Anschlag auf den fiktiven Banker Walther Oppermann“ sowie die modernisierte Fassung von Goethes „Zauberlehrling“.

 

Den Sommer wieder mal verpasst…

von Michael Feindler (Celler Schule 2010)
 
In diesem Monat hat uns Michael Feindler mit einem besonderen Gedicht beschenkt. Genießt seine  poetisch-philsophoschen Gedanken, die sich um den Herbst ranken, auch wenn Weihnachten schon um die Ecke lugt.
 

Herbst

Die Luft ist heute überraschend kühl,
ist windig unterwegs, macht selten Rast. 
?Im kalten Hauch beschleicht mich das Gefühl,
?ich hätt’ den Sommer wieder mal verpasst.

Wo sind die warmen Tage hin, von denen ?
ich mir am Jahresanfang viel versprach?
?Ich meine mich nach Kommendem zu sehnen,?
doch im Kalender ist es schon danach.

An einen Frühling mag ich mich entsinnen,
an Aufbruchsstimmung, Ziele und den Plan, 
gemeinsam etwas Großes zu beginnen. 
Wohin verschwand im Anschluss der Elan?

Was wurde aus dem Drang, der in uns steckte,
aus jenem Antrieb, der uns weiterbrachte?
Wo blieb die Neugier, die das Umfeld weckte,?
das Feuer, das ein Geistesblitz entfachte?

Das alles ging wohl, als der Sommer kam.
Von diesem haben wir dann kaum gezehrt,
denn Statisches ist von Natur aus lahm?
und somit weniger erinnernswert.

Zum Frühling lässt sich einiges erzählen,
?der Sommer aber ist ein Status quo,
dem weitere Entwicklungsstufen fehlen –
zwar schön und warm, doch bleibt er eben so.

Das Faszinierendste ist stets, was sich bewegt,
was wächst und was sich noch verändern lässt.?
Ein definiertes Zielereignis legt?
zugleich den Punkt für einen Stillstand fest.

Denn schließlich sind es ja die Übergänge,
die ganz besonders intensiv erscheinen.?
Entwicklung zieht Momente in die Länge -?
zumindest kann man das im Rückblick meinen.

Und wenn uns dann der Sommer beispielsweise?
erfasst, ergibt sich häufig das Problem:?
Elan und Tatendrang verschwinden leise,?
der Status quo ist nämlich sehr bequem.

Doch jeder Sommer wird mal abgelöst.?
Es folgt der Herbst. Er bringt Veränderung,
indem er das Entstandene verstößt –
ganz sachte, ohne frühlingshaften Schwung.

Die Luft beginnt sich langsam abzukühlen,
ein Hauch von Sommer scheint noch nachzuhallen.
Nun geht es weiter. Neue Winde wühlen
auch die Gedanken auf und zeigen allen:

Am stärksten können wir das Leben fühlen,
wenn Dinge wachsen oder grad zerfallen.??

 „Während die Tage immer kürzer werden, können die langen Abende vortrefflich in Kabarett-Theatern verbracht werden, in denen ich in den kommenden Tagen und Wochen spielen werde“, meint Michael Feindler und verweist auf seine Homepage.

Gedicht des Monats

von Michael Feindler (Celler Schule 2010)

Geschätzte Leserschaft!

Im Gedicht des Monats  geht es um politische Ereignisse, die insbesondere in den Augustwochen diskutiert wurden, ohne dass man aber behaupten kann, die Diskussionen seien nur annähernd beendet oder hätten gar zu beruhigenden politischen Entscheidungen geführt.  Also passt es auch noch in den September und auch in den Oktober, der  schon vor der Türe steht (Anm. d. R.) . Wichtig – wie bei allen politischen Diskussionen – ist hierbei, die Interessen der einzelnen Diskussionsteilnehmer nicht aus dem Blick zu verlieren. Zur Erinnerung empfehle ich daher noch einen Artikel über eine Interessengruppe, die sich (wie zu erwarten) besonders engagiert in die Diskussion einbringt:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/krauss-maffei-und-co-waffenfirmen-hoffen-auf-den-irak-13101469.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Doch genug der Worte, die uns nicht weiterbringen. Statt bloß zu reden, kümmern wir uns lieber um die

Konfliktlösung

Im Mittleren und Nahen Osten
gibt’s leider viel zu viele Pfosten
und Irre, die sich gehen lassen
und unsern schönen Westen hassen.

Die Menschen schießen, metzeln, morden,
allein, in Gruppen oder Horden,
und machen jeden Gegner platt,
der etwas zu entgegnen hat.

So gibt es dort seit Jahren Streit
und äußerst selten Dankbarkeit
für unsre Hilfe aus dem Westen.
Im Ganzen steht es nicht zum Besten.

Und weil sich die Gewalt nicht schickt,
versucht man lang schon den Konflikt –
vergeblich angesichts des Bösen –
mit allem, was man kennt, zu lösen.

Doch, wie man neuerdings verspricht,
ist eine Lösung jetzt in Sicht:
Man werde eine Menge Waffen,
die übrig sind, gen Osten schaffen!

Bald soll’n Gewehre und Granaten
in viele Hände dort geraten –
nur so gelingt es schließlich allen,
sich gegenseitig abzuknallen.

Denn wenn wir einmal ehrlich sind,
steht fest: Den Ost-Konflikt gewinnt
doch niemand mehr, drum ist es besser,
wir liefern alle dort ans Messer.

(Das „Messer“ ist hier nur ein Bild,
genauer wäre wohl: Man killt
zumeist in jener Ostregion
mit Sturmgewehr und Munition.)

Und ist das Waffenwerk vollbracht,
bleibt nur noch einer an der Macht
und hat den Kampf für sich entschieden:
der jahrelang ersehnte Frieden.

Übrigens – nur bedingt konfliktfrei werden die kommenden Kabarett-Auftritte ablaufen, die hier aufgelistet sind:
http://michael-feindler.de/termine/aktuell/